Tribünengespräch 021 – Doping und die Fußball-WM


#21

Dass kein 1:1-Vergleich möglich ist, ist mir doch auch klar. Dein Vergleich hinkt aber auch und nicht nur weil Bolt über 44 km/h in der Spitze läuft und der Schnellste bei der WM 35 km/h? Wobei mich auch interessieren würde, wie so eine intensive Laufeinheit von Sprintern und Mittelstrecken-Läufern aussieht, Intervall-Training usw., denke das käme noch eher den Anforderungen beim Fußball nah.

Wie eingangs gesagt, hätte gerne mal mehr Details erfahren. Was zählt denn alles als Sprint in die Wertung rein? Ab 10 m, 20 m? Ab 15 km/h, ab 20 km/h? Damit hätte man dann eher einen Anhaltspunkt für die Belastung.

Für die Bundesliga habe ich jetzt auf die schnelle diese Werte gefunden bzgl Anzahl der Sprints (wie gesagt, keine Ahnung, was da reinzählt): https://www.bundesliga.com/de/statistiken/bundesliga/aktuelle-saison/alle-spieltage/spieler-statistiken/sprints

Da ist z.B. Thorgan Hazard auf Platz 1 mit 1008 Sprints in 34 Spielen. Das sind bei knapp 3.000 Spielminuten etwa ein Sprint alle 3 Minuten. Das klingt jetzt erstmal nicht so viel (?), kann es aber wieder schlecht vergleichen.

Ich will doch niemanden verteidigen oder freisprechen. Die reine körperliche Leistung sehe ich trotzdem in anderen (spezialisierten) Sportarten deutlich höher.


#22

fand die Folge echt cool. Habe danach direkt das erste Tribünengespräch über Doping angefangen. Ist auf jeden Fall auch sehr gut.
Was aber noch interessanter ist, sind die technischen Unterschiede :smiley:


#23

Oh ja. Ich hatte damals 100 Euro in ein Headset investiert und dachte mir, das müsse dann doch ordentlich klingen für den Preis. Boy, was I wrong. :smiley:


#24

Vielen Dank, Captain Obvious.
Tatsächlich bin ich auch selbst auf diese einfachst mögliche Erklärung gekommen und dass du mir das nicht zuzutrauen scheinst, grenzt an einer Beleidigung.

Das simple Gegenargument wäre zu sagen, dass ich nicht dope und auch gelegentlich kicken gehe. Damit wäre hinreichend bewiesen, dass nicht ALLE dopen.

Aber selbst wenn alle Proficlubs Dopingsysteme etabliert haben und nutzen, würde es immer noch beträchtliche Unterschiede geben: Es werden nicht die selben Mittel in der selben Menge verabreicht, die ärztliche Überwachung ist verschieden und die individuellen Spieler bauen verabreichte Mittel unterschiedlich schnell ab.

Vermutlich gibt es Clubs, die die aktuell gängigen Dopingtests zu jeder Zeit bestehen würden, sei es weil sie bei den verwendeten Mitteln unterhalb der erlaubten Höchstmengen bleiben, weil sie Mittel verwenden, die der WADA noch nicht bekannt sind oder weil die Verabreichung so gesteuert ist, dass der Inhalt in Blut oder Urin die Nachweisgrenzen unterschreitet. (Nur in letzterem Fall müsste man eine spätere Auswertung der Proben fürchten.)
Ein solcher Club erfährt gegenüber einem Konkurenten, der nicht einen entsprechend guten Dopingapparat besitzt oder weniger Vorsicht walten lässt oder bei dem sich einzelne Spieler nicht genau an die Vorgaben halten, einen effektiven Wettbewerbsnachteil. Im Falle eines Testes würde man selbst als sauberer Club abschneiden, die Konkurenz nicht.
Warum sollte man dann also diesen Nachteil hinnehmen?

Und der direkte Wettbewerbsnachteil wäre nur ein Argument. Das Risiko einer Fehlverpflichtung hatte ich ja auch schon angeschnitten.

Zuletzt könnte man auch aus Sicht eines sozialen Dilemmas argumentieren:
Das Doping verursacht für alle Beteiligten Kosten: die Dopingmittelbeschaffung, die entsprechenden Ärzte und Überwachungen, eventuelle Bestechungs- und Schweigegelder, sowie Rechtsberatungen. Jeder Club könnte sich diese Ausgaben potentiell sparen.
Außerdem ist zu vermuten, dass höhere Ausgaben im aktuellen System stärkere Leistungssteigerungen und ein verringertes Entdeckungsrisiko bedeuten. Die Ausgaben für Doping fallen also umso mehr ins Gewicht, je kleiner der Gesamtetat eines entsprechenden Clubs ist.


#25

Um wieviel Geld geht es denn bei Deinem “kick”?

Anders argumentiert: Es gibt doch gegenwärtig keinen rationalen Grund nicht zu dopen, denn es gibt keine unabhänigen und wirksamen Kontrollen. Doping anzuwenden ist im Grunde risikofrei. Nicht zu dopen erhöht aber das Risiko eines Abstiegs oder einer Nicht-Qualifikation für das internationale Geschäft, mit erheblichen, die Kosten des Dopings übersteigenden, finanziellen Folgen.


#26

Guerrero wurde auch nicht gesperrt, weil er gedopt hat, sondern weil er zu doof war

Sprinten, abstoppen, sprinten, abstoppen usw usw. Das ist eine andere Belastung. Und dann kommt dazu, daß der 10.000m-Läufer nicht noch auf den letzten Metern einen kühlen Kopf bewahren muß und die richtige Entscheidung zu treffen hat. Er läuft Volldampf geradeaus und im Ziel kippt er um. Kann man also nur bedingt vergleichen, denke ich


#27

Eine super Folge, nur leider finde ich es persönlich extrem anstrengend, Grit Hartmann zuzuhören (…ja!?).
Ansonsten toll!


#28

Sehr gute Sendung über ein Thema, das konsequent von den Medien totgeschwiegen wird und das schon lange mal beleuchtet werden musste!