Tribünengespräch 026 – Frauen in der Kurve


#1

Unser neues Tribünengespräch dreht sich um Frauen im Fußball und eine Ausstellung, die sie in den Vordergrund rückt. Gäste sind Antje Grabenhorst, Sue Rudolph (@medienfreundin) und Steffi Dilba.

An dieser Stelle freuen wir uns über Feedback zur Sendung.


#2

Die Folge hat mir sehr gut gefallen, freu mich schon auf die Ausstellung, die dann hoffentlich nächstes Jahr in meiner Stadt zu sehen ist.
An dieser Stelle auch einfach mal ein Lob an dich, gefällt mir immer sehr gut (vor allem auch im letzten Tribünengespräch) wie oft und beständig du das Thema Frauen in Podcasts und Frauen im Fußball ansprichst und dich bemühst, Frauen am Mikrophon sichtbar (hörbar) zu machen.


#3

Also zunächst erstmal ein großes Lob für das Aufgreifen dieses interessanten Themas und vor allem auch, dass du hier die Plattform bietest dieses Projekt zu bewerben.

Einige Punkte sind mir aber dann doch noch negativ aufgefallen, beispielsweise dass “Männlichkeit” immer in einem negativen Kontext (regressiv, diskriminierend, …) genannt wird, während “Weiblichkeit” stets positiv konnotiert wird.
Ich finde, dass dies das bisherige Paradigma vieler Rückwärtsgewandter nicht aufhebt, sondern schlicht umdreht. Das Ziel sollte aber doch sein dass Jede und Jeder sich frei entfalten kann, sichcherlich ist dies auch die Intention der Gäste, aber vor diesem Hintergrund sollte man vielleicht einige sehr verallgemeinernden Aussagen etwas überdenken.

Was ich auch etwas merkwürdig fand ist die Kritik an der Auswahl der Fernsehexperten, denn im Herrenbereich sind ehemalige Spieler logischerweise Männer. Man könnte sich natürlich generell davon lösen, dass der oder die Expertin selbst Spieler/in auf höchstem Niveau gewesen sein muss, aber das ist denke ich nochmal eine diskussion für sich.

Was Moderation und Kommentar angeht stimme ich aber völlig zu, da gibt es einfach keinen objektiven Grund auf Männer zu setzen. Aber insbesondere in der Moderation haben wir ja auch einige Frauen z.B. Katrin Müller-Hohenstein, Britta Hofmann oder Jessica Kastrop, natürlich geht da auch noch mehr, aber ich würde sagen da sind wir auf einem guten Weg.
Was wirklich schade ist, ist natürlich das Missverhältnis im Kommentar, da muss wirklich was getan werden, denn obwohl ich Frau Neumann persönlich nicht gerne höre, sehe ich mich ständig genötigt sie zu verteidigen, die Art und Weise wie sie kritisiert wird ist einfach indiskutabel.

So und nach der Nörgelei noch etwas Positives zum Abschluss, ich bin wirklich beeindruckt von dem Arbeitsaufwand der in dieses Projekt gesteckt wurde und ich hoffe wirklich, dass dieses Engagement Früchte trägt, aber wenn man die Annekdote von dem kleinen Mädchen hört, scheint es sich auf jeden Fall gelohnt zu haben.


#4

Vieles von dem war ja auch schon durch den Millerntonpodcast bekannt. Trotzdem ein gutes Tribünengespräch (zumindest die erste Hälfte :wink: )


#5

Einen Punkt werde ich mal aufgreifen: Wir haben im nächsten Jahr ja Präsidiumswahlen im HSV. Da könnte man die eine oder andere Frau ja mal versuchen zu animieren, zu kandidieren. Ich hab da ein paar Namen im Kopf, die ich mal ansprechen werde. Vielleicht kann man da ja mal was machen.

Ansonsten möchte ich noch darauf hinweisen, daß wir mit Katja Kraus ein Vorstandsmitglied hatten. Ihr Aufgabengebiet war Marketing und Kommunikation. Das hat sie sehr gut gemacht, besser als alle ihre Nachfolger. In der Zeit hatten wir im Fanshop auch immer wieder sehr gute Sachen für Frauen, die sich auch gut verkauft haben. Vieles dezent mit Lila und pink garniert, worüber sich die Ultras sehr aufgeregt haben. Lila und pink sind nicht unsere Vereinsfarben, war die Begründung.
Die Kritik kam aber nicht nur, weil sie eine Frau war, sondern auch, weil sie und Bernd Hoffmann ein enges Team waren und man damit Hoffmann treffen wollte.
Für viele war sie in der Zeit einfach nur Hoffmanns Mädchen, im Grunde ne Sekretärin mit Vorstandsgehalt.

Heute ist diese Sekretärin mit Vorstandsgehalt geschäftsführender Partner bei “jung von matt/sports” und sitzt im Aufsichtsrat bei Adidas


#6

Moin, es gibt auch positive Beispiele in Vereinen:
Wir haben eine Präsidentin (seit Gründung), eine Schatzmeisterin (seit November) im Präsidium des HFC Falke. Seit dieser Saison haben wir eine Co Trainerin in der zweiten Mannschaft. Wir haben eine Ehrenamtsbeauftragte.
Daneben engagieren sich viele Frauen rund um den Verein.
Alles ohne Quote, sondern mit der Möglichkeite für alle, sich zu engagieren und entsprechend mitzuwirken.


#7

Was bei einer Neugründung halt so möglich ist. Ein super Beispiel, danke dafür! Aber sicher leider auch eine Ausnahme.

Quoten braucht es ja bei festgefahrenen Strukturen.


#8

Das merken wir zum Beispiel beim Hamburger Fußball Verband. Dort sitzen in den Führungsgremium nur Männer, alle alt.
Da braucht es wohl eine Quote, da stimme ich dir zu.

Und die Kultur zum Mitmachen egal ob Mann oder Frau muß vorhanden sein.


#9

Hi, vielen Dank für diese sehr interessante Folge. Ich werde nach der Ausstellung in meiner Gegend Ausschau halten.
Außerdem will ich aber auch auf einen nicht angesprochenen Punkt aufmerksam machen: Komentatorinnen und Moderatinnen in der Fußballbericherstattung oder im Sport allgemein haben meistens eine ungewöhnlich tiefe Stimme. Ob dies übertragungstechnisch besser ist, für das Hören angenehmer oder ob man schlicht vergessen machen will, dass da eine Frau spricht?
Zusätzlich zu ihrem „Frau-Sein“ müssen sich die mit der hohen Stimme noch mit dem Vorurteil der Naivität herumschlagen.
Ich erinnere mich an eine deiner Gästinnen, ich glaube aus einer Schlusskonferenz letztes Jahr, die eine auffallend junge, hohe Stimme hatte, die sehr gut vorbereitet war, die mit ein bisschen Mut machen von dir sehr durchdachte Einschätzungen gegeben hat. Mein Gedanke war: Wie kommt das wohl an? Ich fand es gut und anders.


#10

Leider muss ich meinen “Vorrschreiber” Kahat hier zustimmen in vielen Punkten.
Für mich war es das mit Abstand das am schwierigsten zu hörende Tribünengespräch und das nicht, da das Thema langweilig ist, sondern es war mir zu Einseitig ( siehe Kahat).Gerade in diesen Zeiten haben es zumindest in meinen Umfeld, Frauen nicht mehr nötig sich zu emanzipieren.

Dennoch großes Lob an dich für die Arbeit die du machst.

Ich freue mich auf das nächste Tribünengespräch.
LG Jens


#11

Genau eben nicht. Es muss ein Paradigmenwechsel in der Diskussion stattfinden. Dass “jede und jeder sich frei entfalten kann” sollte nicht das Ziel, sondern Grundkonsens sein, über den man in der Debatte nicht zu diskutieren hat.

Die “Männlichkeit” ist eben der restriktive Zustand.

Man hat es ja z.B. auch bei der “Black lives matter”-Bewegung gesehen. Im Zuge dieser Bewegung stellen sich Weiße in die Menge und halten Schilder mit “All lives matter” hoch. Das ist Grundkonsens und bedarf nicht des Ausdrucks. Den Gruppen, die unterdrückt/benachteiligt/ausgegrenzt werden, muss eine Stimme verliehen werden.

In der maskulin geprägten Fußballwelt wurden bisher eben Frauen ausgegrenzt, denen jetzt in der Diskussion Raum und Darstellungsfläche gegeben werden muss. Und da verbietet es sich, mMn, dass Männer das Argument der “generellen Gleichbehandlung” anbringen.


#12

Ganz genau es sollte Grundkonsens sein, ist es aber definitiv in der Realität nicht, woraus überhaupt erst die Notwendigkeit dieser Unterhaltung erwächst.
Insofern ist es natürlich das Ziel der ganzen Debatte diesen Grundkonsens herzustellen.

Die Männlichkeit ist auch nicht der Auslöser für die Einschränkungen die Stadionbesucherinnen erfahren, sondern es ist die Intoleranz und Intoleranz ist zumindest nach meiner Auffassung nicht an Geschlechter gebunden.

Bei diesem Vergleich wird aber ein erheblicher Unterschied außer Acht gelassen:
“Black lives matter” enthält keinerlei Wertung gegenüber den Leben anderer ethnischer Gruppen. Wie in meinem Ursprungspost erwähnt, wurde aber in diesem Gespräch schon die “Männlichkeit” als solche abgewertet.

Was den ersten Satz betrifft sind wir vollkommen einer Meinung, deshalb ja auch mein Lob für die Ausstellung und den Ansatz Frauen im Fußball in einem positiven Kontext zu zeigen.
Was aber meiner Meinung nach ein Fehler ist, ist nun aufgrund des männlichen Geschlechtes Generalisierungen vorzunehmen, da dies umgekehrt die verallgemeinernden Aussagen und Denkweisen über Frauen aufwertet und dadurch unnötigerweise zu einem legitimen Argument erhebt.
Auch ist mir unklar wieso es unangebracht sein sollte in einer Diskussion über Gleichberechtigung selbige von allen Seiten zu fordern.


#13

In einer von Männern und Männlichkeit dominierten (Fußball)welt sollten wir nicht über Gleichberechtigung reden, sondern über die Gleichberechtigung von Frauen. Das ist nach meiner Auffassung ein großer Unterschied.

Dem würde ich tatsächlich widersprechen. Männlichkeit ungleich Männer. Natürlich sind es nicht die “Männer” per se, die Frauen im Stadion/ im Fußball einschränken. Sondern vielmehr die Praktiken, die mit “Männlichkeit” oder dem “männlich sein” zu tun haben. Männlichkeit wird natürlich meist von Männern ausgedrückt und gelebt, kann aber ebenso gut von Frauen praktiziert werden.

Ich hoffe du/ihr könnt meinem Gedankengang weitestgehend folgen.

Was richtig nice wäre in der Forumsdiskussion, wären Stimmen von Frauen. Wie Hörerinnen das Gespräch empfanden. Hast du weibliches Feedback bekommen, @GNetzer?


#14

Nein, dieser Punkt muß Konsens sein und nicht das Ziel. Wir fangen jetzt doch nicht von vorne an und diskutieren, ob Frauen die gleichen Rechte , wie die Männer haben sollten, sondern es geht um die Umsetzung dieses Konsens. Gleichberechtigung ist der Standard, der keiner Diskussion bedarf. Die Umsetzung ist das, was man diskutieren kann, soll und muß