Tribünengespräch 123: Fußball in den USA

Wir haben mit Jürgen Kalwa (freier Sportjournalist und Autor, Twitter, Instagram, Bluesky, Youtube) ein neues Tribünengespräch aufgenommen. Wie hat euch die Folge gefallen?

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Max-Nico Laus :santa_claus:t2:

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Hallo!

Ich bin noch nicht ganz durch mit dem Podcast, wollte aber mal ne Halbzeitbilanz da lassen.

Ich wohne selbst seit knapp 4 Jahren in den USA im Großraum Detroit und möchte aus meiner Sicht n paar Aspekte berichten/bestärken, die ich so persönlich wahrnehme.

Ich bin selbst großer Fußball Fan und verfolge weiterhin die deutschen BLs und die CL. Es gibt hier den lokalen Detroit FC der hier in der zweiten Liga spielt. Obwohl ich selbst auch noch Fußball spiele (indoor in einem Eishockey ähnlichen Feld mit Kunstrasen in ner Ü30 Mannschaft), hat es mich noch nicht so richtig gepackt dort hinzugehen, weil die Alternativen mit Eishockey, Baseball, Basketball und Collegesport viel interessanter sind (wenn auch teuerer).

Auch wenn die locals mit mir über Fußball reden geht es eigentlich immer um die Premier League. Jeder hat nen Lieblingsverein in der PL, der soccer in den USA spielt halt keine Rolle.

Und auch die Ticket Preise im College zeigen das: College soccer in der University of Michigan auf nem Regionalliga Platz (vermutlich sogar eher 2 Ligen darunter): 8$

Football Ticket im Stadion wo seit über 300 Spielen mindestens 100k Zuschauer sind: mindestens 30-50 $ - bei top Spielen (gegen Ohio state) gerne auch mindestens 3stellig.

Ich finde es auch noch interessant zu betonen, dass die College Sports auch nur zu nem bestimmten kurzen Teil (2-4 Monate) ausgetragen werden. Danach ist Pause - zumindest für die Spiele. Ich weiß nicht, wie das mit Training aussieht. In der Highschool ist es gleich - d.h. Man beschäftigt sich auch nicht zu 100% mit Soccer.

Grüße,

Fabian

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Ach, und ggf. noch ne persönliche Anekdote:

Ich habe frueher von 4 bis ca. 24 Jahren Fußball als Torhüter gespielt und dann berufsbedingt aufgehört zu spielen. Seit dem ich hier in den USA lebe ist es da erste mal, dass ich wieder regelmässiger gespielt habe (nach ca. 8 Jahren Pause).
Mein amerikanischer Nachbar hat mich damals mitgenommen und wir sind zu ner Halle gefahren. Die Halle hat 3 Plaetze, die jeweils vom Layout ein Eishockeyfeld mit Rundbande und Bande hinter und um die Halllentore sind. Es wird auf Kunstrasen gespielt.

Der Ligabetrieb der dort stattfindet ist eher wie in Deutschland in so Hobbyligen organisiert. Ich bin mir nicht 100%ig sicher, aber so eine Verbands- und Vereinsstruktur ist hier halt nicht vorhanden oder nicht üblich.
Man kauft sich als Team entweder in eine reguläre Liga ein, die dann fuer n paar Monaten an jedem Wochentag stattfindet oder spielt als Einzelperson nach Laune in einen der “drop ins” mit.

Was jedoch fuer mich persönlich beeindruckend daran war, ist dass es dort Co-Ed Teams gibt, d.h. gemischte Teams mit Frauen und Männern. Das Spektrum an Talent und Können ist bei beiden Geschlechtern wild gemischt, aber mein Bild auf den Frauenfussball hat sich hierdurch nochmal geaendert.
Dadurch dass ich das erste Mal gegen Frauen in einem kompetitiven Umfeld spielen konnte und diese gleichwertig im Spiel integriert waren und ebenso Tore schossen und Zweikämpfe gewonnen haben.

Gruesse,
Fabian

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Ich bin noch ziemlich am Anfang der Episode, daher könnte es sein, dass es im Verlauf noch korrigiert wird.

Es liegt zu Beginn eine Vermischung der Börsencrash-Bezeichnungen vor.

1929: Black Thursday/Great Depression

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Donnerstag?wprov=sfla1

1987: Black Monday

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Montag?wprov=sfla1

Wem übrigens die sehr schöne Stimne von Jürgen Kalwa auch so bekannt wie mir bekannt vorkommt, das liegt vielleicht daran, dass er auch Hörbücher spricht🙂.

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Die Stimme ist wirklich der Hammer, ich könnte Jürgen Kalwa auch zuhören, wenn er Telefonbücher vorliest!

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Sehr interessanter und hörenswerter Podcast. Als Zitat bleibt mir hängen:

„Die (US-)Amerikaner leben ein Leben, das simuliert ist. Z.B. Wie simuliere ich am besten Fußball. Wie simuliere ich am besten gesellschaftliches Leben?“ sinngemäß weiterentwickjelt nach Jean Baudrillard

”Faar Awaaaym IIIIIIINNN America. Lets go!”

Hach damals als ich 3 Jahre alt war und die Village People noch nicht für Trump gesungen haben vielleicht.

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Ich bin deutscher Auswanderer in Kanada und lebe hier inzwischen schon laenger als ich jeh in Deutschland gelebt habe.

Ich spiele hier in Ottawa jede Woche auch in einem “Co-Ed” Fussballteam wo immer mindestens 2 Frauen auf dem Spielfeld sein muessen. Das klappt erstaunlich gut und ist einfach cool wie selbstverstaendlich dass hier wahrgenommen wird.

Die Folge fand ich klasse, hab aber 2 Kritikpunkte. Ich haette gerne noch mehr ueber die nordamerikanische Fussballpyramide erfahren, denn es gibt hier ja nicht nur die MLS, sondern auch eine zweite Liga, die USL (United Soccer League). Und eine Weile hatte sie ja die NASL 2.0 die sogar in Konkurrenz mit der MLS stand und wo Raul gespielt uebrigens auch bei New York Cosmos. Und auch meine Ottawa Fury FC haben dort gespielt bevor sie dann in die USL gewechselt sind und inzwischen gibt es sie nicht mehr: North American Soccer League (2011–2017) - Wikipedia

Dann kam mir Kanada generell viel zu kurz. Wuerde mich natuerlich auch sehr ueber eine eigene Folge zum kanadischen Fussball freuen, da gibt es ja momentan viel Dynamik mit der neuen Frauenprofiliga (NSL) der relativ neuen Liga fuer die Maenner (Canadian Premier League) und der ploetzlich guten Maennernationalmanschaft waehrrend die Frauen ja schon laenger zumindestens bei Olympia erfolgreich sind. Und die Frauen WM war ja auch ein grosser Erfolg hier.

Lieben Gruss!

Jon

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Danke für ein wie immer tief gehendes Gespräch zu einem vielschichtigen Thema. Als Deutscher, der seit 15 Jahren in den USA lebt und am hiesigen Fußball verzweifelt, fand ich das Bild der MLS als Penthouse ohne Gebäude sehr treffend.

In diesem Zusammenhang würde ich noch hinzufügen dass es neben vielen der von Euch genannten Punkte sicher auch nicht hilfreich ist dass Fußball im Jugendbereich hierzulande relativ teuer ist. Wer auf dem höchsten Level der Jugendpyramide spielen will, muss mittlerweile mit jährlichen Kosten von $10.000 rechnen. Die Bevölkerung mag zwar groß sein aber Fußball muss man sich hier tatsächlich erst mal leisten können.

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Danke, sehr interessante Sendung.

Da mehrmals das Thema Finanzierung angesprochen wurde, vielleicht der Hinweis, wie sehr die USA es schaffen, das Geld ihrer Milliardäre zu schützen. :laughing:
Sportinvestments sind auch daher so lukrativ, da der Bau und die Instandhaltung privat betriebener Sportstadien durch Steuergelder finanziert wird, die Einnahmen dann aber dem Eigentümer zugutekommen. Und damit sind auch Einnahmen aus weiteren Veranstaltungen wie z.B. Konzerten gemeint.
Daher meiner Meinung auch das Interesse am Fußball. Anders als bei Footballstadien hat man so die Möglichkeit auch ein mittelgroßes Stadium gebaut zu bekommen.

Nur zum Verständnis: heißt das, dass die Klubs ihre Talente nur halten, wenn die dafür zahlen? Ist das nicht widersinnig? Da könnte ja man ja leicht Talente abschöpfen, indem man freie Förderung anbietet, wovon am Ende der Klub, der keine Gebühren verlangt, enorm profitieren könnte.

Ja, klingt auf jeden Fall falsch in unseren Ohren, aber es gibt halt auch einige Beispiele, wo Bürgermeister die nächste Wahl verloren haben, weil sie kein Stadion auf Kosten der Steuerzahler zu Verfügung stellen (oder renovieren) wollten, und die Teams deswegen weggezogen sind. Da wird man als Bürgermeister wohl vorsichtig. Es ist also nicht unbedingt eine Clique, die sich das Geld zuschustert, sondern auch eine gesellschaftliche Disposition (was es nicht weniger seltsam macht).

Liegt vermutlich am Draft System, dass den Teams zumindest ligaintern kein nennenswerter Nachteil entsteht, wenn ein Talent nicht weiter gefördert wird.

Wenn man total mega begeistert ist, wird sich schon irgendein Sponsor finden, um das Geld zu berappen.

Die haben ja keinen internen Unterbau wie die Vereine in Europa, sondern draften die jungen Spieler in die MLS. Viele haben aber so ne Art zweite Mannschaft, soweit ich mir das von Football Manager recht gemerkt habe :smiley:

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Ich habe diese Folge jetzt zu Ende gehört. Eine Rasenfunkfolge die ich feier. Weil sie wie ein Buch ist, welches man mehrmals lesen muss um alle Aspekte und offene Fragen die zurück bleiben zu erfassen und beantwortet zu bekommen.

Eine Frage bleibt mir im Kopf hängen, die ich gefühlt nicht beantwortet bekommen habe.

Ist das Draft-System in der NFL auch im Fussball gang und gäbe?

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Im Großen und Ganzen ja, aber die haben eben auch noch Youth Academies bzw. die MLS Next (Pro) woraus sie Spieler ziehen können.

Atlanta, um die es ja kurz ging, hat z.B. 4 Spieler aus der MLS Next Pro League, von Atlanta United II geholt.

Das hast in der NFL natürlich gar nicht. Da gibt es ja nur den Draft/Free Agency/Pathway.

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Das habe ich mir auch schon oft überlegt… Man muss verstehen, dass Soccer Clubs hierzulande meist Organisationen sind, die ausschließlich Jugendfußball anbieten. Diese Clubs haben keine Erwachsenen-Mannschaften für die es sich lohnen würde Talente auszubilden oder zu verkaufen. Der einzige finanzielle Anreiz den diese Clubs haben ist es soviel Geld wie möglich von den Bambinis bis zur U19 durch Vereinsbeiträge für die Kinder zu generieren. Die Clubs “rechtfertigen” die Beiträge dadurch dass ihre Top Teams in den Jugendligen und “showcase tournaments” spielen, die von Scouts beobachtet werden und dass die Kinder so ein College Scholarship bekommen können oder vielleicht sogar ein MLS oder USL Team auf sie aufmerksam wird. Sollte das passieren, erhalten die Clubs dafür aber von den Colleges oder Pro Teams gar nichts.

Würde man einen “günstigen” Club gründen, könnte man sicher ein paar mehr Titel gewinnen aber halt auch immer nur in derselben Liga, denn aufsteigen kann man ja auch nirgendwohin. Da nehmen die meisten anscheinend dann doch das bewährte Geschäftsmodell und verkaufen den Eltern den Traum dass sie eines Tages nicht die $100k+ fürs College des Kindes aufbringen müssen.

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Ich bin erst jetzt zum Anhören des Podcasts gekommen und fand ihn sehr interessant.

Was mir etwas gefehlt hat ist, dass man das interessante Draftingsystem der MLS erklärt und wie der Spielmodi funktioniert. Darüber hat sich Jürgen zwar beschwert, aber es wurde für jemanden der sich im US-Sport nicht auskennt, nicht wirklich erklärt. Also, dass es eine Ost- und Westküste gibt und die Meisterschaft zwischen den Siegern der Ost- und Westküste entschieden wird.

Auch das interessante Draftingsystem und die Fairness der Liga: es gibt klare Gehaltsobergrenzen von (laut Wikipedia) 335tsd Dollar pro Spieler und ein Teambudget von 2,6 Mio. Dollar. Und ein System in dem das schlechteste Team die erste Wahl im Draft hat und somit die besten US-Amerikanischen Talente erhält.

Das finde ich an der NFL so interessant: durch diese Regelungen wird gewährleistet, dass jedes Team Chancen hat die Meisterschaft zu gewinnen. Während früher die New England Patriots die Serienmeister waren, gab es danach Jahre wo sie das schlechteste Team waren und dafür die Kansas City Chief das beste Team waren. Danach kamen die Philadelphia Eagles, jetzt sind es wahrscheinlich die Seattle Seahawks oder die LA Rams. Die Patriots haben es nach den schlechten Jahren und durch gute Draftpicks wieder in die Playoffs geschafft.

Das wäre in Deutschland so, wie wenn man die 1. und 2. Bundesliga zusammenlegt und auf 30 Teams reduziert und Talente kommen nicht aus der eigenen Jugend, sondern aus einem Talentpool aus dem das schlechteste Team zuerst wählen darf. So kann ein schlechtes Team sich nach und nach die besten Talente schnappen und zu einem Meisterschaftskandidaten werden. Durch die Gehaltsobergrenzen und das Teamgesamtbudget wird die Fairness gewährleistet. Außerdem gibt es keine Transfers gegen eine Transfersumme, sondern nur Spielertausch oder Draft-Picks.

Das klappt natürlich im Fußball nicht so wie in anderen US-Sportarten, wo die USA die beste Liga haben: wer professionell American Football oder Baseball spielen will muss in die NFL oder MLB, außerhalb werden nicht annähernd die Gehälter gezahlt. Das gleiche gilt auch für Eishockey und für Basketball auch wenn es in Europa auch starke Eishockey und Basketballligen gibt.

Bin jetzt erst dazu gekommen, die sehr interessante Folge zu hören und danach hier auch die Folgediskussion nachzuverfolgen. Fand es eine interessante Diskussion und super geschichtliche Übersicht. Gerade auch die gesellschaftlichen Einschätzungen von Jürgen, die die (für jemand in DE teilweise seltsamen) Entwicklungen im US-Fußball erklären können und in den Kontext setzen, fand ich sehr interessant.

Ich kam auch mit dem Gedanken heraus, dass ich zur Jugendförderung über College hinaus gerne etwas mehr gehört hätte - gerade, da ich das hier diskutierte Pay-to-Play im Kopf hatte, dass ja doch sehr stark Zugangshürden für finanziell Schwächere einzieht und den Talentpool hierdurch auch verkleinert.

Anderseits kann man wohl (selbst in einem Tribünengespräch :wink: ) das System und seine vielen Facetten nicht in allen Details beleuchten oder erläutern. Ist ja gerade auch mit Draft und Co. oftmals fremd, man müsste also wirklich überall ansetzen. Von daher nochmals mein Dank an die Diskutierenden hier - finde, dass ergänzt sich gut :+1:

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