Bei aller berechtigter Kritik an Trump, Infantino, den USA und der Vergabe der WM dorthin, wird eine Tatsache nie genauer betrachtet bzw. diskutiert: Wie und vor allem warum ist die WM überhaupt dorthin gekommen?
Die offensichtliche Antwort ist natürlich Geld. Aber das erklärt immer noch nicht, welches System eigentlich dahinter steckt.
Infantino, wie schon Blatter vor ihm, wird sehr stark von den weniger traditionellen, auch kleineren und ärmeren Verbänden gewählt. Warum? Einfach weil gerade diese Ländern von Infantino am meisten profitieren.
Infantino, wie vor ihm Blatter, hat die WM immer weiter aufgeblasen, wobei zusätzliche Startplätze bei der WM natürlich Antrittsgelder versprechen (mindestens 12.5 Mio. $). Die zusätzlichen WM-Startplätze der letzten Jahre gingen überproportional stark an die Verbände in Afrika und Asien.
Aber auch ohne Teilnahme an einer WM versorgt Infantino die kleineren Verbände großzügig mit Geld:
Derzeit bekommt jeder Verband die gleiche fixe Summe pro Jahr in Höhe von 1,25 Mio. $ und kann jedes Jahr nochmal bis zu 3 Mio. $ zusätzlich beantragen. Ich vermute mal stark, dass jede dieser zusätzlichen Bewilligungen über Infantinos Schreibtisch geht…
Und auch das Geld für diese Ausschüttungen wächst natürlich durch mehr WM-Spiele und daraus folgend höheren Einnahmen aus Tickets, TV- und Sponsorengeldern. Und auch durch die Club-WM.
Um beim genannten, tragischen Beispiel des somalischen Schiedsrichters zu bleiben: Ohne es beweisen zu können, würde ich wetten, dass der somalische Fußballverband sowohl für Infantino als auch für die Vergabe in die USA gestimmt haben. Selbst wenn nicht, ich glaube nicht, dass der somalische Fußballverband jetzt eine Revolte gegen das “System Infantino” anführen wird.
Und, bitte nicht übersehen: Der somalische Fußballverband hat exakt genauso viele Stimmen wie der DFB, wenn es um die Wahl des FIFA-Präsidenten oder die Vergabe der WM geht. Letztlich ist die FIFA wie die UNO, aber ohne Vetorechte im Sicherheitsrat. Eine echte Demokratie eben.
Meine Meinung: Wer mit den Entscheidungen der FIFA nicht zufrieden ist, soll das gerne artikulieren, auch laut, er hat sicherlich Recht. Aber man sollte aufhören, auf den DFB einzuprügeln, denn der DFB hat letztlich genauso viel oder wenig in der FIFA zu sagen wie Somalia oder die Cook-Inseln (Ozeanien) - dort leben immerhin rund 17.000 Menschen.