Tribünengespräch 37 – Football Leaks Teil 4

Es ist sehr viel passiert rund um die Football Leaks und auch Rafael Buschmann (@rafanelli) selbst. Umso mehr freut es uns, dass wir mit ihm sprechen konnten und sind gespannt auf euer Feedback zur Sendung!

Ich muss dir, Max, für den nun vierten Teil der Football Leaks Serie ein riesen Kompliment aussprechen. Insbesondere diese Folge war mega spannend. Es wurden genau die richtigen Fragen gestellt - beharrlich, ernst und mit der nötigen Distanz. Andere Stellen hätten sich auf die skurrilen Enthüllungen gestürzt. Du hast dich kritisch mit der Recherche, der Aufarbeitung und den Rollen von Pinto und Buschmann auseinander gesetzt.

Ich finde, dir ist damit etwas außergewöhnlich Gutes gelungen. Auch deshalb sollte die gesamte Reihe zum Kanon der Kritik an Football Leaks und zu Football Leaks selbst gehören. Wer nochmal alles von A bis Z aufrollen möchte, der muss diese Tribünengespräche gehören - nicht begleitend zu den eigentlichen Enthüllungen und Berichten, sondern als eine der zentralen Quellen.


Ich kann nicht so recht glauben, dass Rafael Buschmann nicht genügend Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommt, um das letzte Interview mit Pinto umfangreich aufzuarbeiten und erweitertes Bildmaterial als Dokumentation anzufertigen. Im Sport-Investigativjournalismus ist das doch einer der größten Coups unserer Zeit, oder überschätze ich das? Wenn Buschmann dafür 20 Leute beim Spiegel anfragen würde, dann würden die doch eine Stunde später auf der Matte stehen?

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Ich nenne es respektvoll „grillen“.

Es war ein feines BBQ!

Klasse, sehr kritisch aber auf den Punkt.

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Danke zunächst für das neue Gespräch an beide, den @GNetzer und den @rafanelli.
Bin am freitag mit dem Buch fertig geworden, passt mir zeitlich prima :slight_smile:
Zunächst die Randbemerkung, dass mir Rafael Buschmann seltsam „befangen“ und „belastet“ und „unfrei“ erscheint, im Vergleich zu allen Interviews, die ich von ihm kenne. Fällt das nur mir auf, oder teilt jemand den Eindruck?

Die Kritik an der Darstellung, und der Vermischung der Aufklärungsarbeit des Spiegel-Teams und der romanhaften Beschreibung teile ich nicht. Für mich stellen sowohl die Beschreibung der Gespräche und Konflikte im Team sowie die Beschreibung der Figur „John“ einen Mehrwert dar, die mir bei der Einordnung des Geschehens helfen.

Es ist grundsätzlich v.a. vor der Causa Relotius beim Spiegel sehr ärgerlich ist, dass sich „John“ weder zu Herkunft der Daten noch zum „Team Football Leaks“ in irgendeiner Form näher geäußert hat, in all der Zeit und nach all dem Vertrauen, dass er ja seinem Kontakt Rafael Buschmann entgegenbringen muss.
Verständlich, dass das im Vorfeld einer gerichtlichen Auseinandersetzung hinderlich sein könnte - allerdings entwertet es die Arbeit des Spiegel- und EIC-Teams, und lenkt neuerlich den Fokus von den Machenschaften im Fußball auf einen verhältnismäßig unerheblichen Nebenschauplatz.

Mich würden grds. noch interessieren, wozu mir nicht bewusst ist, dass das in der Vergangenheit eingehender erörtert wurden…

Wieso hat ein (mutmaßlich?) kleineres und weniger gut finanziertes Netzwerk wie Football-Leaks keine(?) Probleme damit, Daten zu sammeln, zu hosten, zu bearbeiten, aufzubereiten, und den Spiegel und EIC stürzt das in grundsätzliche Probleme?
Als „Johns“ IT-Infrastruktur wird immer nur „ein Laptop“ und je Treffen „eine Festplatte mit Daten“ beschrieben…?
Wie kann „John“ sich offenbar so gut in einem unstrukturierten Wust an Daten auskennen, den x Mitarbeiter beim Spiegel offenbar nicht schnell strukturieren geschweige denn in ihr System einlesen können?
Irgendwo am Ende des Buches (das ich mittlerweile weiterverliehen habe…) wird erwähnt, dass der Spiegel 3,4 Terabyte an Info erhalten habe, der Anwalt (?) allerdings 30 Terabyte erhalten habe…
Wird von „John“ erläutert, nach welchen Kriterien er die Daten ausgewählt hat, die er dem Spiegel zur Verfügung stellt, und welche nicht?

Einstweilen besten Dank nochmals an Max und Rafael Buschmann für den großen Aufwand und Mühen, die sie bisher allein im Rasenfunk in das Thema investiert haben.
Ich hoffe sehr, dass es bald Neues von Rui Pinto zu hören gibt und wünsche ihm alles Gute, und dass er einen fairen Prozess erhält, der kritisch und aufmerksam von der internationalen Presse und Öffentichkeit begleitet wird.

Ich hab die Folge noch nicht angehört, bin aber sehr gespannt.

Rafael Buschmann ist ja kürzlich selbst mit einer Enthüllungs-Story, für die es keine Beweise gibt (solls beim Spiegel ja öfter geben :wink: ), ein Stück weit unter Beschuss geraten. Mal sehen, ob das auch im Interview angesprochen wurde.



Genau das wird in einem der letzten Segmente recht ausführlich besprochen :wink:

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sehr gut, ich bin gespannt

Edit: Mittlerweile bin ich mit der Folge durch. Sehr interessant die ganzen Entwicklungen. Besonders gefallen hat mir, dass du, Max, teils richtig tief und auch kritisch gebohrt hast. Auch von mir Danke an Rafael, dass er sich nun schon zum vierten Mal bereit erklärt hat, mitzumachen. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

ich finde dass dir mit diesem Interview etwas außergewöhnliches gelungen ist. Du hast Rafael Buschmann viel Raum gegeben, dabei jedoch immer genau im richtigen Moment eingehakt und dann auch die notwendigen Nachfragen gestellt. Was dabei herausgekommen ist, hat mich fast schon erschüttert…

Rafael Buschmann verheddert sich immer wieder in Widersprüche und Ungereimtheiten und vor allen Dingen offenbart er ein Selbstverständnis als „Reporter“, dass viele Fragen offenläßt. Praktisch alle kritischen Nachfragen verlaufen bei Buschmann in einem endlosen Kauderwelsch im Nirvana. Das ist für mich als Zuhörer frustrierend und ehrlich gesagt auch ein wenig ärgerlich.

Max spricht dann noch die Perumal Geschichte an und verweist vollkommen zurecht auf eine mögliche finanzielle Schieflage Perumals und daraus resultierende Motivationen. Von da an wirds dann ganz obskur. Alleine die letzten 15 Minuten dieses Interviews sind fast schon entlarvend.

Das ist jetzt alles ziemlich hart formuliert aber ich hatte zunehmend ein ganz ungutes Gefühl und mit jedem Satz hat sich dieses zunächst diffuse Gefühl immer mehr manifestiert. Zugegebenermaßen, Schlagzeilen hat der Spiegel produziert und vieles was wichtig ist in die Welt gebracht. Am Ende bleibt bei mir dann aber doch die Frage ob der Hacker/Whistleblower aus Portugal, wohnhaft in einer Bruchbude in Budapest, vielleicht aufs falsche Pferd gesetzt hat.

Was ich an dem ganzen Thema Football Leaks nicht verstehe, entweder ist die Gewichtung längst nicht so schwer wie dargestellt (was ich nicht glaube, weil wi großes Geld im Spiel ist, ist auch die größt mögliche Kriminalität mit dabei) oder es ist doch alles (oder zumindest viel) erfunden und dazugedichtet. Weil!: Sonst müsste doch zum Wistleblower langsam noch mal jemand mitauspackem. Also einer aus der Szene und keine Medien. War im Radsport ja auch so. Solange Football Leaks nicht der erste Stein beim Domino ist hat die ganze ‚Story‘ immer ein kleines Gschmeckle.
Sorry es gibt einfach zu viele Sachen in dieser Welt die man trotz Offensichtlichkeit nicht glauben kann.

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Vielen Dank für Dein respektvolles und unerbittliches Nachfragen. Ich schließe mich @Husky an: ein feines BBQ!

Rafael Buschmann hat mitunter eine fast schon trotzige Verteidigungshaltung eingenommen – wobei man natürlich nicht weiß, woran das liegt: Ob er von dem Material nicht mehr so überzeugt ist, ob sich die Zusammenarbeit mit „John“ doch im dunkelstgrauen Bereich abgespielt hat, ob die Story „Spiegel“-intern nach Relotius deutlich kritischer bewertet wird, ob er nur angefressen ist, dass der Karrieresprung nicht gelungen ist, oder ob er nur einfach nicht damit gerechnet hat, dass die Macher von so 'nem Podcast auch kritisch nachfragen.

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Danke für das Gespräch und die vielen, teil gut nachbohrenden Fragen. Es ist richtig und wichtig, dass auch der Spiegel / Buschmann das auch aushalten und sich der Kritik stellen.

Mich wundert allerdings, dass medial viel (auch zB hier in der Diskussion) auf John / Pinto eingegangen wird und ich habe das Gefühl, dass sich der Fokus zu sehr auf ihn verschiebt. Klar, er scheint ein interessanter Mensch zu sein und so einiges in seinem Lebensweg erscheint auch mir fragwürdig (wobei mich das wenig angeht), aber sollte wir nicht wieder die Diskussion auf die Manager / Verbände / Vereine / Spieler / Staaten / Anwälte / Ermittlungsbehörden usw usw richten? Ich höre schon Buschmann im Hintergrund ein „als Journalist kann man die Debatte nicht bestimmen, nur anschieben“ sowie „was die Strafverfolgungsbehörden machen, ist natürlich ihre Sache“ sagen, womit er selbstverändlich recht hat. Aber jetzt mehrere Jahre nach den ersten Dokumenten verwundert es mich schon, wie wenig sich de facto geändert hat und wie gering die Auswirkungen waren (gut, Ronaldo z.B. wurde zu Steuernachzahlungen verurteilt, aber ich rede von systemischen Veränderungen). Irgendwie tut mir Pinto / Johan ein wenig leid, dass er sich für so wenig Veränderung im fußballerischen Alltagsgeschäft geopfert hat (opfern wollte).

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Congratulations, @GNetzer Max, for this interview.

I dare say that this has been your most accomplished performance as an interviewer yet. You were incredibly well prepared, you asked a lot of pertinent questions, you maintained a very cool composure throughout the entire talk, you gave Buschmann all the time he needed to answer your questions without prematurely interrupting him, and you consistently asked probing follow-up questions when you wanted to dig deeper or his initial answer didn’t satisfy you.

Very well done, sir! :clap:

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Nach Berichten wie in der taz oder bei Übermedien hatte ich ehrlich gesagt keine große Lust mehr auf das Thema und habe mir die Folge mehr aus Pflichtschuldigkeit angehört. Max hat das für mich aber wirklich überragend gemacht, Buschmann viel reden lassen und an den richtigen Stellen nachgehakt. Teilweise war es beim Zuhören fast schmerzhaft („Sachbuch“…), aber so kann sich jeder ein eigenes Bild machen.