Tribünengespräch 41 – Schmerzmittel im Fußball

Jonathan Sachse (@jsachse) und Arne Steinberg (@steinberg_arne) gemeinsam mit dem CORRECTIV und der ARD-Dopingredaktion zu Schmerzmittelmissbrauch im Fußball recherchiert. In unserer Sendung stellen sie uns die Recherche „Pillenkick“ vor. Wie hat euch die Folge gefallen?

Falls ihr noch an der Umfrage teilnehmen wollt, geht das hier.

@GNetzer

Kurze Frage vorab: Lieber erst Doku gucken und dann Podcast hören, oder ist es egal?

Ist egal. Sendung blickt auch hinter die Kulissen, das ist aber vor und nach der Doku interessant.

Wahrscheinlich ist das Erschreckendste bei der ganzen Thematik wirklich, dass der erste Gedanke bei vielen sein dürfte: „Ja klar nehmen die Berge von dem Zeug, überrascht mich nicht“

1 Like

Ich bin wirklich schockiert über das Ausmaß.
Andererseits kritisiert man das an anderen am ehesten, was einem selbst nicht fremd ist.
Ich bin auch einer der Leute, die Marathon mit Schmerzmitteln gelaufen sind.

1 Like

Die Erklärung des WADA-Typs in der Doku ist doch kompletter Mumpitz, „Schmerzmittel steigern nicht die Leistung und sind somit kein Doping.“

Wenn ein Sportler verletzt ist /Schmerzen hat, kann er seine Leistung, was weiß ich, zu 20% oder gar nicht abrufen. Nimmt er das Schmerzmittel, kann er seine Leistung zu, meinetwegen, 70% abrufen. Also steigert er doch seine Leistung.

Echt enttäuschend diese Aussage.

Vielleicht war es der kurzen Sendezeit von 45 Minuten und somit auch der Erzählweise des Films geschuldet, aber für mich waren die O-Töne der Interviewten zu bruchstückhaft. Ich hätte mir längere, zusammenhängende Gesprächsauszüge gewünscht.

Ich hoffe sehr, dass das Thema fortgeführt wird (sorry, hab den Podcast erst angefangen und vielleicht sagen sie noch etwas dazu). Auch Frauen kamen nicht zu Wort (Edit: Die Jungs liefern im Pordcast eine Erklärung dafür. Sorry!). FRÜF hat vor einigen Wochen eine sehr gute Sendung zu sportmedizinischen Themen im Frauenfußball veröffentlicht und die teilweise viel zu unzureichende sportmedizinische Betreuung diskutiert. Ich kann mir gut vorstellen, dass in diesem Zusammenhang Schmerzmittel nochmal eine besonders große Auswirkung haben. Auch im Hinblick auf Menstruationsbeschwerden.

Den Film selbst habe ich gestern mittendrin abgebrochen. Ich komme mit dieser typischen Fernseh-Erzählweise nicht klar, die für mich ständig diesen schicksalsschwangeren Ton hat und versucht, eine anklagende Betroffenheit zu transportieren. Schade eigentlich.
Das Podcastformat gibt mir hier deutlich mehr, wirkt einfach sachlicher und ist zeitlich nicht beschränkt. Von daher erst recht nochmal Danke an Max und die Gäste.

Die filmische Aufbereitung habe ich auch nicht bis zum Ende durchgehalten. Der Podcast ist sogar länger, kommt mir aber kürzer vor.
So gesehen ist die Veröffentlichung „auf allen Kanälen“ vielleicht in der heutigen Zeit schon zwingend nötig. Film, Print, Podcast hat alles sein eigenes Publikum.
(Wobei es allerdings auch Dokumentationen gibt, die mir gut gefallen.)

Sehr spannendes Thema! Bin noch nicht durch, aber als ich gerade den Punkt mit den Muskelverletzungen durch die Einnahme von Schmerzmitteln und das damit einhergehenden Ignorieren von körperlichen Signalen, musste ich sofort an die Hinrunde von Werder denken. Und da lassen sich ja bestimmt auch andere Vereine nennen. In der Hinrunde hatte schon ein befreundeter Arzt zu mir gesagt, dass er glaubt, dass die Spieler diese Verletzungen haben, weil die alle zu viel Ibuprofen nehmen und deswegen Beanspruchungen zu spät merken. Ich fand das schon damals plausibel und fühle mich jetzt bestätigt. Und mir klingen die Sätze von Kohfeldt im Ohr, der sagte er könne sich das alles nicht erklären und hätte doch schon die ganze Medizinabteilung auf den Kopf gestellt. Naja, bleibt natürlich nur eine Vermutung, aber das in dem Kontext zu sehen ist schon spannend, zumal Klasnic ja bei Werder gespielt hat.
Die ARD-Doku fand ich auch nicht gut, diese merkwürdigen Bilden von Tablettenhüllen und schachteln, die da ständig auftauchten wirkten sehr billig und die Gesprächszitate auch für mich sehr zerpflückt.
Viele Grüße

Interessantes Thema und ich heiße es absolut nicht gut. Leider wurden mir von eurer Seite im Podcast das Thema Opioide falsch beleuchtet bzw. zu sehr verteufelt.
Es ist absolut richtig, dass auch schwach wirkende Opioide abhängig machen können. Allerdings sind sie nicht nur für Krebspatienten etc. Es gibt Menschen die ihr Leben lang Schmerzmittel nehmen müssen, auch für etwas weniger starke Schmerzen und auch für diese sind Opioide die erste Wahl. NSRA (wie Ibuprofen) sind bei dauereinnahme viel schädlicher als Opioide. Orandschäden und innere Blutungen sind keine Seltenheit bei Langzeitpatienten. Viele Schmerzpatienten bekommen trotz der bekannten Nebenwirkungen keine Opioide verschrieben, weil sie noch immer „verteufelt“ werden und das wird durch solch eine Berichterstattung leider nicht besser. Wenn jemand sowieso lange / ewig auf Schmerzmittel angewiesen ist, ist eine körperliche Opioidsucht die viel bessere Wahl als die Nebenwirkungen von NSRA (opioide haben keinerlei solcher krassen Nebenwirkungen bei bestimmungsgemäßem Gebrauch).

Ok, da hast du offenbar ein anderes Wissen als ich (der sich aber auch nicht als Opioid-Experte bezeichnen würde). Woher weißt du das denn alles?

Ich selbst habe jemanden verloren durch Ibuprofen indizierte innere Blutungen. Da ich in der Familie auch noch andere Schmerzpatienten habe, habe ich mich sehr lange mit dem Thema beschäftigt und jede wissenschaftliche Abhandlung gelesen, die ich zu diesem Thema finden konnte. Wollte verhindern, dass ich noch jemanden daran verliere. Habe dadurch Kontakt zu zwei Schmerztherapeuten bekommen und diese führen seit Jahren einen Kampf gegen Ärzte, die Ibuprofen als Dauertherapie nutzen.

Das war auch kein Vorwurf an dich, ist einfach ein allgemeines Problem, in sämtlicher Berichterstattung…

1 Like

Ah, danke für die Einordnung. Hab ich auch nicht als persönlichen Vorwurf ausgemacht.

Ibuprofen auf Dauer, das dürfte es wirklich nicht geben. Meiner Laienansicht nach ist es bei einer permanenten Schmerzmittelanwendung nötig, über Alternativen nachzudenken und ja, das könnten Opioide sein, auch wenn der Suchtfaktor natürlich zu berücksichtigen ist.

Ich fand den Podcast auch stärker als die Doku. War zwar auch interessant, aber der Blickwinkel im Podcast hat mir dann doch besser gefallen