Tribünengespräch 44 – EM der Autokraten

Gemeinsam mit Ronny Blaschke (@RonnyBlaschke) haben wir versucht, einen politischen Blick auf die Fußball-EM der Männer 2021 zu werfen. Wie hat euch die Sendung gefallen?

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:open_mouth: was ein Output! So bekomme ich den Royal ja nie fertig gehört :wink:

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Einen Gedanken möchte ich einmal einwerfen, der mir immer aufkommt wenn kritisiert wird dass Turniere an autokratische Staaten geht.
Und ich bekomme das auch nicht aufgelöst für mich.
Und klar, auf der einen Seite ist die Kritik daran, dass es so ist, sehr berechtigt und muss geäußert werden.
Auf der anderen Seite war aber doch in den letzten Jahren immer wieder zu beobachten, dass sich demokratischere, freiheitlichere Staaten da doch eher rausziehen. Stärker noch bei Olympia gefühlt, wo es ja auch Beispiele gab mit zum Bispiel Hamburg, wo es glaube ich (korrigiert mich) ein Bürgebegerhen war, was dagegen ausgefallen ist.
Und die Argumente die hier angeführt wurden waren ja auch wieder schlüssig warum das nicht gut ist.
Aber das führt doch am Ende dazu, dass der Pool an Bewerbern kleiner wird und eben die Chance der autokratischen Staaten größer, die diese Turniere ja dann auch wollen?
Und an dem Gedanke hänge ich halt aber wie soll man das auflösen?
Denn selbst wenn man mit einem Nachhaltigen Turnierkonzept kommt, wo nicht 1000 Sachen neu gebaut werden und was mal nicht höher schneller weiter ist, es wird doch immer Konzepte geben die als Mitberwerber doch wieder höher schneller weiter machen, und dann ist doch wieder Klar worauf das Votum fällt (Ploemik ende).
In dem Zusammenhang sehe ich ja auch immernoch die USA Kanada Mexiko WM, dass es doch gefühlt so ist dass keiner der Staaten alleine das gestemmt hätte weil eben auch bei der WM dieses höher schneller weiter da ist. Und wie soll es denn danach weitergehen, wer zieht sich denn mit dieser Messlatte noch den Schuh an das danach noch machen zu wollen, außer autokratischen Staaten die das als Prestigeobjekt sehen…

Hallo, ich höre den Rasenfunk sehr gerne, aufgrund der taktischen Tiefe und ausführlichen Analysen, auch politisch finde ich oft sehr gut, was ihr sagt.

Ich habe entschiden zu diesen Tribühnengesprech mein erstes Feedback zu schreiben.

Ich fand, dass Tribühnengeprech sehr einseitig und auch etwas plakativ, vorallem den Titel.

Zualler erst möchte ich erwähnen, dass die ganze EM ein sehr nationalischtisches Ereignes ist. Ich werde aufgrund des Sports trotzdem sehr viele Spiele mir angucken, doch ich glaube es ist wichtig sich dieses zu verdeutlichen. Mir grauelt es schon heute vor den Deutschlandfahnen auf den Straßen, falls Deutschland weit kommen sollte, deswegen hoffe ich auch auf ein frühes Ausscheiden der deutschen Mannschaft, auch wenn mir bewusst ist, dass es dieses Problem nur aus meinen Blickfeld entfernt und in anderen Länder verlagert.

Wie oben schon erwähnt, hat mich auch der plakative Titel dazu bewegt, dieses Feedback zu schreiben.

Als erstes denke ich ist es für das Verständnis, warum ich den Titel so plakativ empfunden habe, sich mit dem deutschen bzw. dem EU Imperalismus zu beschäftigen.

An den EU-Außengrenzen ertrinken täglich hunderte Menschen, die aufgrund von politischer Vorfolgung oder ökonomischer Chancenlosigkeit versuchen zu fliehen, und denen nicht nur nicht geholfen wird, sondern bei den Frontex noch Wellen erzeugt, damit sie kentern und ertrinken.

Mörder dieser zehntausenden Menschen ist ganz klar die EU bzw. Deutschland und deren politisch Verantwortlichen, dieselben Leute die auf allen Frequenzen von Menschenrechten schwaddronieren.

Zum Thema Pressefreiheit:

Gerade aktuell wurde auf allen Kanälen der brutale Angriffskrieg von Israel auf den Gazastreifen verteidigt, in dem man schon allein aufgrund der Verluste an Menschenleben, klar wird, wer hier unterdrückt wird. Zudem machen fast alle Medien sich des Antisemitismus schuldig, indem sie zionischtische Erobrungskriege mit dem Judentum gleichsetzen und jeden Protest gegen diese Kriege als Antisemitismus bezeichnen.

Deutschland hat trotz der Coronakriese, die fast hundertausend Tote allein in Deutschland verursacht hat, sich einen Lockdown der auch die nicht Lebensnotwendige Industrie schließt verweigert, um die Kapitalakkumulation des Großbürgertums nicht zu gefährden, und ist damit auch faktisch Mörder dieser Menschen.

Zudem weigert man sich strickt gegen eine Patentaufhebung von Coronaimfstoffen ( wie von der WHO vorgeschlagen), um den Vorteil in der RNA-Technologie nicht zu verlieren und um der Pharmaindustrie ihre Prodite zu sichern, obwohl ein Großteil der Forschung aus Steuergeldern bezahlt wurde. Allein durch diese Haltung macht man sich wahrscheinlich weltweit wieder zum Mörder von potenziell mehrenden Millionen Menschen.

Abschließend möchte ich nur sagen das ich nicht glaube, dass es große Unterschide unter den imperialischtischen Ländern Russland, China, Deutschland, Usa, England, Frabkreich gibt, aktuell bemerkt man nur das alle Länder trotz massiver sozialer Probleme, auch durch die Coronakriese, einen immer größeren Teil ihres Haushalts in die Aufrüstung stecken.

Ich glaube nicht, dass eine solche plakative Differenzierung in Bezug auf die imperalistischen Länder Sinn macht, unabhängig davon welche politischen Verfassungen sie sich gerade geben.

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Gedankenexperiment: Was würde mit einem solchen Forumseintrag, dir als Absender und mir als Forumsbetreiber in Ländern wie Russland, Aserbaidschan, usw. vermutlich passieren? Das ist spürbarer Kern einer Autokratie, das Unterminieren der Meinungsfreiheit.

Man kann viele Dinge zurecht an der EU und Deutschland kritisieren (auch wenn ich mir wünschte, ich könnte eine so klare Meinung zum Nahostkonflikt haben, in dem Raketen auf beiden Seiten abgeschossen werden, aber offenbar die einen deiner Meinung nach die anderen ganz klar angegriffen haben), aber es gibt Meinungs-, Pressefreiheit sowie (seit Corona muss man hier differenzieren, ja) Versammlungsfreiheit. Das ist ein ganz wesentlicher Unterschied zu den im Tribünengespräch behandelten Ländern, in denen wir ja übrigens auch versuchen, zu differenzieren.

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Danke. Genau mein Gedanke eben beim Lesen des Beitrags. Ich finde es tatsächlich schon grenzwertig, fehlerhafte Demokratien (denn genau das sind Konstrukte, die von Menschen geschaffen werden leider immer), mit Autokratien bzw. auch Diktaturen gleichzusetzen.
Außerdem finde ich auch die Wortwahl „zionistischer Angriffskrieg“ für die jüngste Eskalation im Nahostkonflikt absolut daneben. Natürlich gibt es auch auf Seiten Israels Politiker, die der Eskalation nicht abgeneigt sind (und einer davon wurde gerade abgewählt), aber dieses einseitige „die Zionisten sind schuld“ und das gleichzeitige Auslassen von allen Punkten, die dort für Israel sprechen zeigen leider, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Und das ist dann halt tatsächlich exemplarisch Antisemitimus.

Sonst: ich habe es auf Twitter schon geschrieben: ich fand es ein wirklich grandioses Gespräch, auch wenn ich vielleicht nicht alles 100% so wie Ronny sehe, aber gerade diese andere Sicht tut ja oft mal ganz gut.

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Ich denke du hast den aktuellen Status gut zusammengefasst. Meiner Meinung liegt das Problem weder bei denen die nicht mehr Großereignisse in ihrer aktuellen Form wollen, noch bei denen die solche Ereignisse einzig und allein zur Prestigebildung ausrichten.

Im Mittelpunkt stehen die Verbände, die zum einen dafür sorgen, dass kein „aufgeklärter Mensch“ sich für so ein Mammutprojekt ausspricht und zum anderen sich zum Vehikel von irgendwelchen Ganoven machen, in dem sie ihre Wettbewerbe an solche Bewerber vergibt.

Der Weg zum nachhaltigen Turnierkonzept liegt in der Gemeinnützigkeit. Nur so können Verbände vom immer höher, schneller, weiter wegkommen. Zumindest propagieren die großen Verbände wie die FIFA und das IOC, wie sehr doch ihre Veranstaltungen der Völkerverständigung dienen und genau diese Völkerverständigung muss im Vordergrund stehen, nicht ein Profitinteresse.

Bzgl. Aserbaidschan: Dass Aserbaidschan, jetzt auf der Sportterbüne auftaucht, ist meiner Meinung nach nicht plötzlich. Dahinter steckt eine langfristige Planung. Was man ja schon an der Architektur sieht, die langfristig geplant wurde. Oder am Engagement im Radsport. Oder die Beeinflussung von Politiker:innen und Journalist:innen, die schon seit Jahren stattfindet. Und schließlich kann man es am Krieg gegen Armenien sehen, der schon jahrelang politisch, militärisch und medial vorbereitet wurde. Da wäre es erstaunlich, wenn Fußball plötzlich passiert wäre.

Auf alle Fälle Danke für die tollen Sendungen im Tribünengespräch!

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Das meiste wurde ja schon gesagt, deshalb hier nur noch ein Punkt: Dass in deutschen Medien „auf allen Kanälen“ ein proisraelisches Narrativ vertreten wurde und wird stimmt schlicht nicht und lässt auf eine sehr selektive Einschätzung und Kenntnisnahme deutschsprachiger medialer Formate schließen. Um nur ein prominentes Beispiel zu nennen: Die Tagesschau steht seit Jahren in der Kritik, dass sie Israel im Nahost-Konflikt einseitig als Aggressor darstellt - insbesondere in Überschriften und Bildgebung. Insgesamt stehen sich da in der diversen Medienlandschaft durchaus gegensätzliche und verschiedene Standpunkte gegenüber. Das mit der Situation in Ländern wie Ungarn, Russland, Belarus u.a. zu vergleichen, in denen Journalist:innen wie gerade allenthalben zu beobachten extremen Repressionen und Gefahren ausgesetzt sind und Medien sukzessive auf Regierungstreue verpflichtet werden, halte ich für ebenso unzutreffend und relativierend wie, mit Verlaub, „plakativ“.

Der Beitrag soll ja suggerieren, in Deutschland gäbe es keine richtige Pressefreiheit, da man - die Gründe dafür werden von dir im Dunkeln gelassen - über den jüdischen Staat nur auf eine bestimmte Weise berichten dürfte. Kritik an israelischer Politik, Schilderungen des Leids in Gaza, etc. gibt es aber ja allenthalben und gerade auch in großen deutschen Medien. Was es tatsächlich nicht oder nur selten oder indirekt gibt ist eine Infragestellung des Existenzrechts Israels - denn das wäre in der Tat schlicht Antisemitismus.

Ich habe das Tribünengespräch mit Ronny Blaschke erst letzte Nacht zu Ende hören können und bin beeindruckt von der Vielfalt an möglichen Wechselbeziehungen und gegenseitigen Einflüssen von Sport und Politik, die im Gespräch auf ganz unterschiedlichen Ebenen und in ganz unterschiedlichen Regionen angedeutet werden. Am Ende wusste ich dann vor lauter möglichen Ansatzpunkten nicht, welchen Strang ich zuerst weiterverfolgen sollte (und ob es irgendeinen fußballpolitisch brisanten Ort gibt, den Ronny Blaschke noch nicht bereist hat). Als erste spontane Synthese blieb für mich dann aber doch die irgendwie auch beruhigende Erkenntnis, dass Fußball immer zugleich Teil des Problems und Teil der Lösung ist.

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Was ist denn das für ein antisemitischer Mist hier bitte?

Zu dem was die anderen bereits gesagt haben noch zwei Texte von dem großartigen Alex Feuerherdt (ja, der von Collinas Erben) zu deutschen Medien und deren Umgang mit Israel:


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Erster Gedanke vor dem Hören: Hmm? brauche ich das jetzt gerade wirklich…

Erster Gedanke nach dem Hören: Dem leite ich das weiter und die kriegt auch eine Nachricht und dem schicke ich es sowieso!

Ganz ganz stark, Rasenfunk eben! Grosses Lob an beide. So viele Facetten und Gedankenanstösse in einen Podcast zu packen. Respekt. Mein Avocado-Risotto ist während dem Hören kalt geworden, weil ich vergessen habe zu essen.