Tribünengespräch 44 – EM der Autokraten

Gemeinsam mit Ronny Blaschke (@RonnyBlaschke) haben wir versucht, einen politischen Blick auf die Fußball-EM der Männer 2021 zu werfen. Wie hat euch die Sendung gefallen?

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:open_mouth: was ein Output! So bekomme ich den Royal ja nie fertig gehört :wink:

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Einen Gedanken möchte ich einmal einwerfen, der mir immer aufkommt wenn kritisiert wird dass Turniere an autokratische Staaten geht.
Und ich bekomme das auch nicht aufgelöst für mich.
Und klar, auf der einen Seite ist die Kritik daran, dass es so ist, sehr berechtigt und muss geäußert werden.
Auf der anderen Seite war aber doch in den letzten Jahren immer wieder zu beobachten, dass sich demokratischere, freiheitlichere Staaten da doch eher rausziehen. Stärker noch bei Olympia gefühlt, wo es ja auch Beispiele gab mit zum Bispiel Hamburg, wo es glaube ich (korrigiert mich) ein Bürgebegerhen war, was dagegen ausgefallen ist.
Und die Argumente die hier angeführt wurden waren ja auch wieder schlüssig warum das nicht gut ist.
Aber das führt doch am Ende dazu, dass der Pool an Bewerbern kleiner wird und eben die Chance der autokratischen Staaten größer, die diese Turniere ja dann auch wollen?
Und an dem Gedanke hänge ich halt aber wie soll man das auflösen?
Denn selbst wenn man mit einem Nachhaltigen Turnierkonzept kommt, wo nicht 1000 Sachen neu gebaut werden und was mal nicht höher schneller weiter ist, es wird doch immer Konzepte geben die als Mitberwerber doch wieder höher schneller weiter machen, und dann ist doch wieder Klar worauf das Votum fällt (Ploemik ende).
In dem Zusammenhang sehe ich ja auch immernoch die USA Kanada Mexiko WM, dass es doch gefühlt so ist dass keiner der Staaten alleine das gestemmt hätte weil eben auch bei der WM dieses höher schneller weiter da ist. Und wie soll es denn danach weitergehen, wer zieht sich denn mit dieser Messlatte noch den Schuh an das danach noch machen zu wollen, außer autokratischen Staaten die das als Prestigeobjekt sehen…

Hallo, ich höre den Rasenfunk sehr gerne, aufgrund der taktischen Tiefe und ausführlichen Analysen, auch politisch finde ich oft sehr gut, was ihr sagt.

Ich habe entschiden zu diesen Tribühnengesprech mein erstes Feedback zu schreiben.

Ich fand, dass Tribühnengeprech sehr einseitig und auch etwas plakativ, vorallem den Titel.

Zualler erst möchte ich erwähnen, dass die ganze EM ein sehr nationalischtisches Ereignes ist. Ich werde aufgrund des Sports trotzdem sehr viele Spiele mir angucken, doch ich glaube es ist wichtig sich dieses zu verdeutlichen. Mir grauelt es schon heute vor den Deutschlandfahnen auf den Straßen, falls Deutschland weit kommen sollte, deswegen hoffe ich auch auf ein frühes Ausscheiden der deutschen Mannschaft, auch wenn mir bewusst ist, dass es dieses Problem nur aus meinen Blickfeld entfernt und in anderen Länder verlagert.

Wie oben schon erwähnt, hat mich auch der plakative Titel dazu bewegt, dieses Feedback zu schreiben.

Als erstes denke ich ist es für das Verständnis, warum ich den Titel so plakativ empfunden habe, sich mit dem deutschen bzw. dem EU Imperalismus zu beschäftigen.

An den EU-Außengrenzen ertrinken täglich hunderte Menschen, die aufgrund von politischer Vorfolgung oder ökonomischer Chancenlosigkeit versuchen zu fliehen, und denen nicht nur nicht geholfen wird, sondern bei den Frontex noch Wellen erzeugt, damit sie kentern und ertrinken.

Mörder dieser zehntausenden Menschen ist ganz klar die EU bzw. Deutschland und deren politisch Verantwortlichen, dieselben Leute die auf allen Frequenzen von Menschenrechten schwaddronieren.

Zum Thema Pressefreiheit:

Gerade aktuell wurde auf allen Kanälen der brutale Angriffskrieg von Israel auf den Gazastreifen verteidigt, in dem man schon allein aufgrund der Verluste an Menschenleben, klar wird, wer hier unterdrückt wird. Zudem machen fast alle Medien sich des Antisemitismus schuldig, indem sie zionischtische Erobrungskriege mit dem Judentum gleichsetzen und jeden Protest gegen diese Kriege als Antisemitismus bezeichnen.

Deutschland hat trotz der Coronakriese, die fast hundertausend Tote allein in Deutschland verursacht hat, sich einen Lockdown der auch die nicht Lebensnotwendige Industrie schließt verweigert, um die Kapitalakkumulation des Großbürgertums nicht zu gefährden, und ist damit auch faktisch Mörder dieser Menschen.

Zudem weigert man sich strickt gegen eine Patentaufhebung von Coronaimfstoffen ( wie von der WHO vorgeschlagen), um den Vorteil in der RNA-Technologie nicht zu verlieren und um der Pharmaindustrie ihre Prodite zu sichern, obwohl ein Großteil der Forschung aus Steuergeldern bezahlt wurde. Allein durch diese Haltung macht man sich wahrscheinlich weltweit wieder zum Mörder von potenziell mehrenden Millionen Menschen.

Abschließend möchte ich nur sagen das ich nicht glaube, dass es große Unterschide unter den imperialischtischen Ländern Russland, China, Deutschland, Usa, England, Frabkreich gibt, aktuell bemerkt man nur das alle Länder trotz massiver sozialer Probleme, auch durch die Coronakriese, einen immer größeren Teil ihres Haushalts in die Aufrüstung stecken.

Ich glaube nicht, dass eine solche plakative Differenzierung in Bezug auf die imperalistischen Länder Sinn macht, unabhängig davon welche politischen Verfassungen sie sich gerade geben.

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Gedankenexperiment: Was würde mit einem solchen Forumseintrag, dir als Absender und mir als Forumsbetreiber in Ländern wie Russland, Aserbaidschan, usw. vermutlich passieren? Das ist spürbarer Kern einer Autokratie, das Unterminieren der Meinungsfreiheit.

Man kann viele Dinge zurecht an der EU und Deutschland kritisieren (auch wenn ich mir wünschte, ich könnte eine so klare Meinung zum Nahostkonflikt haben, in dem Raketen auf beiden Seiten abgeschossen werden, aber offenbar die einen deiner Meinung nach die anderen ganz klar angegriffen haben), aber es gibt Meinungs-, Pressefreiheit sowie (seit Corona muss man hier differenzieren, ja) Versammlungsfreiheit. Das ist ein ganz wesentlicher Unterschied zu den im Tribünengespräch behandelten Ländern, in denen wir ja übrigens auch versuchen, zu differenzieren.

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Danke. Genau mein Gedanke eben beim Lesen des Beitrags. Ich finde es tatsächlich schon grenzwertig, fehlerhafte Demokratien (denn genau das sind Konstrukte, die von Menschen geschaffen werden leider immer), mit Autokratien bzw. auch Diktaturen gleichzusetzen.
Außerdem finde ich auch die Wortwahl „zionistischer Angriffskrieg“ für die jüngste Eskalation im Nahostkonflikt absolut daneben. Natürlich gibt es auch auf Seiten Israels Politiker, die der Eskalation nicht abgeneigt sind (und einer davon wurde gerade abgewählt), aber dieses einseitige „die Zionisten sind schuld“ und das gleichzeitige Auslassen von allen Punkten, die dort für Israel sprechen zeigen leider, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Und das ist dann halt tatsächlich exemplarisch Antisemitimus.

Sonst: ich habe es auf Twitter schon geschrieben: ich fand es ein wirklich grandioses Gespräch, auch wenn ich vielleicht nicht alles 100% so wie Ronny sehe, aber gerade diese andere Sicht tut ja oft mal ganz gut.

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Ich denke du hast den aktuellen Status gut zusammengefasst. Meiner Meinung liegt das Problem weder bei denen die nicht mehr Großereignisse in ihrer aktuellen Form wollen, noch bei denen die solche Ereignisse einzig und allein zur Prestigebildung ausrichten.

Im Mittelpunkt stehen die Verbände, die zum einen dafür sorgen, dass kein „aufgeklärter Mensch“ sich für so ein Mammutprojekt ausspricht und zum anderen sich zum Vehikel von irgendwelchen Ganoven machen, in dem sie ihre Wettbewerbe an solche Bewerber vergibt.

Der Weg zum nachhaltigen Turnierkonzept liegt in der Gemeinnützigkeit. Nur so können Verbände vom immer höher, schneller, weiter wegkommen. Zumindest propagieren die großen Verbände wie die FIFA und das IOC, wie sehr doch ihre Veranstaltungen der Völkerverständigung dienen und genau diese Völkerverständigung muss im Vordergrund stehen, nicht ein Profitinteresse.

Bzgl. Aserbaidschan: Dass Aserbaidschan, jetzt auf der Sportterbüne auftaucht, ist meiner Meinung nach nicht plötzlich. Dahinter steckt eine langfristige Planung. Was man ja schon an der Architektur sieht, die langfristig geplant wurde. Oder am Engagement im Radsport. Oder die Beeinflussung von Politiker:innen und Journalist:innen, die schon seit Jahren stattfindet. Und schließlich kann man es am Krieg gegen Armenien sehen, der schon jahrelang politisch, militärisch und medial vorbereitet wurde. Da wäre es erstaunlich, wenn Fußball plötzlich passiert wäre.

Auf alle Fälle Danke für die tollen Sendungen im Tribünengespräch!

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Das meiste wurde ja schon gesagt, deshalb hier nur noch ein Punkt: Dass in deutschen Medien „auf allen Kanälen“ ein proisraelisches Narrativ vertreten wurde und wird stimmt schlicht nicht und lässt auf eine sehr selektive Einschätzung und Kenntnisnahme deutschsprachiger medialer Formate schließen. Um nur ein prominentes Beispiel zu nennen: Die Tagesschau steht seit Jahren in der Kritik, dass sie Israel im Nahost-Konflikt einseitig als Aggressor darstellt - insbesondere in Überschriften und Bildgebung. Insgesamt stehen sich da in der diversen Medienlandschaft durchaus gegensätzliche und verschiedene Standpunkte gegenüber. Das mit der Situation in Ländern wie Ungarn, Russland, Belarus u.a. zu vergleichen, in denen Journalist:innen wie gerade allenthalben zu beobachten extremen Repressionen und Gefahren ausgesetzt sind und Medien sukzessive auf Regierungstreue verpflichtet werden, halte ich für ebenso unzutreffend und relativierend wie, mit Verlaub, „plakativ“.

Der Beitrag soll ja suggerieren, in Deutschland gäbe es keine richtige Pressefreiheit, da man - die Gründe dafür werden von dir im Dunkeln gelassen - über den jüdischen Staat nur auf eine bestimmte Weise berichten dürfte. Kritik an israelischer Politik, Schilderungen des Leids in Gaza, etc. gibt es aber ja allenthalben und gerade auch in großen deutschen Medien. Was es tatsächlich nicht oder nur selten oder indirekt gibt ist eine Infragestellung des Existenzrechts Israels - denn das wäre in der Tat schlicht Antisemitismus.

Ich habe das Tribünengespräch mit Ronny Blaschke erst letzte Nacht zu Ende hören können und bin beeindruckt von der Vielfalt an möglichen Wechselbeziehungen und gegenseitigen Einflüssen von Sport und Politik, die im Gespräch auf ganz unterschiedlichen Ebenen und in ganz unterschiedlichen Regionen angedeutet werden. Am Ende wusste ich dann vor lauter möglichen Ansatzpunkten nicht, welchen Strang ich zuerst weiterverfolgen sollte (und ob es irgendeinen fußballpolitisch brisanten Ort gibt, den Ronny Blaschke noch nicht bereist hat). Als erste spontane Synthese blieb für mich dann aber doch die irgendwie auch beruhigende Erkenntnis, dass Fußball immer zugleich Teil des Problems und Teil der Lösung ist.

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Was ist denn das für ein antisemitischer Mist hier bitte?

Zu dem was die anderen bereits gesagt haben noch zwei Texte von dem großartigen Alex Feuerherdt (ja, der von Collinas Erben) zu deutschen Medien und deren Umgang mit Israel:


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Erster Gedanke vor dem Hören: Hmm? brauche ich das jetzt gerade wirklich…

Erster Gedanke nach dem Hören: Dem leite ich das weiter und die kriegt auch eine Nachricht und dem schicke ich es sowieso!

Ganz ganz stark, Rasenfunk eben! Grosses Lob an beide. So viele Facetten und Gedankenanstösse in einen Podcast zu packen. Respekt. Mein Avocado-Risotto ist während dem Hören kalt geworden, weil ich vergessen habe zu essen.

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Auch wenn ich die EM dieses Jahr boykottiere fand ich das Thema interessant und habe mir das Tribünengespräch entsprechend angehört. Ich fand es sehr facettenreich und vielen Punkten die ich so (mal wieder) nicht auf dem Schirm habe. Etwas irritiert hat mich am Anfang das relaivieren von Ronny Blaschke. So wie er vorgestellt wurde am Anfang des Gesprächs, hatte ich jetzt sehr kritische Kommentare erwartet. Die gab es natürlich, aber Ronny hat dann immer wieder die „andere“ Seite, die sportlich und gesellschaftliche für das jeweilige Land/Region ins Spiel gebracht. Wie gesagt, am Anfang fand ich es etwas irritierend, aber insgesamt aber dann gut und wichtig. Es ist eben kaum etwas schwarz/weiß.

Tolles Gespräch!

Hier haben sich nun schon einige geäußert und unterschwellig klang so durch, na, wenn die Menschen in den demokratischen Ländern nicht wollen, dann bleiben ja nur noch die autokratischen Staaten. Das ist meines Erachtens in vielerlei Hinsicht, es unterschlägt zum Einen, dass Proteste und Volksabstimmungen in diesen Ländern, z.B. wie Russland zu Olympia, unterdrückt oder nicht durchgeführt werden. Zum Anderen, diese Verbände sind in einem modernem Sinne nicht demokratisch. Ihre Gründungsväter sind alle geprägt vom 19. Jahrhundert. Und ihre heutige Verfasstheit scheint nur geringfügig modernisiert zu sein. So agieren sie heute auch noch, gepaart mit einer Idee von heuschreckenartiger Kapitalerzielung. Erinnert sei an 2006, wo es zu lustig anmutenden Dingen kam wie, dass die Fifa wollte, Fußball mit Doppel-S zu schreiben oder den Verkauf von Weltmeisterbrötchen Bäckern untersagen. Wie gesagt, das klingt lustig, zeigt aber, wie sehr die Verbände für ihr Sportprodukt in Gesellschaften eingreifen wollen. Die Nachhaltigkeitsfragen seien hiermit erwähnt, aber das ist ein ganz großes weiteres Thema. Nur angemerkt, wäre nicht grad Pandemie, wäre diese EM ein gutes Beispiel wie man vielleicht die unsinnige Bauwut von FIFA,UEFA und IOC minimieren könnte.
Wie eingangs erwähnt, meine ich, dass es aber am Inhalt des Gespräches vorbeigeht.
Die Frage war ja, ob man als Gesellschaft im Allgemeinen und als BürgerIn im Speziellen das unterstützen soll oder nicht? In einer Demokratie wird Politik ganz sicher bei diesem Thema sehr zurückhaltend auf Verbände einwirken. Und bei einem Sportverband ist es für mich derzeit nicht vorstellbar, dass es da einen gibt, der sagt, da fahren wir nicht hin.
Bleibt das Individuum. Jede/r muss das selbst entscheiden. Persönlich halte ich Boykotte für ein praktikables Werkzeug, den eignen Standpunkt darzulegen. Ich habe die Leichtathletik-WM in Doha für mich, trotz eignen Interesses, nicht geguckt. Da bin ich auch im Dissens mit Ronny Blaschke, denn der von ihm erwähnte Brandtsche Wandel durch Annäherung war stets an politische Bedingungen geknüpft. Zugeständnisse werden aber ja nicht verlangt. Sportgroßveranstaltungen sind dafür nicht geeignet. Schaut man sich die Liste der letzten Jahrzehnte an, haben sie weder was dauerhaft verbessert, verhindert oder einen Einfluß auf die politische Situation gehabt. Ganz im Gegenteil. Die Regime geben sich für die Zeit moderat und ziehen Profit aus dem positiven internationalen Image. Und ja, Boykotte durch Länder sind auch nicht sehr wirkungsvoll, siehe Moskau '80. Die Sowjetarmee ist trotzdem in Afghanistan zuvor einmarschiert und hat sich nicht zurückgezogen.
Deswegen glaube ich, dass in der heutigen Zeit nur der individuelle Boykott durch Konsumverweigerung der einzig gangbare Weg ist. Ein spürbarer Rückgang bei den Einschaltquoten bewirkt dann eventuell bei einigen Verantwortlichen neue Gedanken. Auch deshalb will ich dich, Max, ermuntern, Deinen Zweifeln freien Lauf zu lassen und nächstes Jahr längere Rasenfunk-Winterpause zu machen. Denn Qatar ist dann noch mal ein ganz anderer Schnack. Das bisschen Einschränkung der Meinungsfreiheit hie und da, der eine oder andere inhaftierte Dissident kann man ja mal beiseite schieben, aber 6500 Tote durch rücksichtslose Arbeitsbedingungen in Qatar sind ein so furchtbarer Fakt, den man nicht ignorieren kann. Auf Leichenbergen kann und wird man sicher Fußball spielen, aber man muss es ja nicht gucken.

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Es tut mir Leid, dass es über einen Monat gedauert, dass ich jetzt antworte. Doch ich musste mir meinen Kommentar noch einmal durch den Kopf gehen lassen, und mir eingestehen, dass vieles fehlerhaft dargestellt war.

Erst mal möchte ich sagen, dass es sehr naiv den Nahostkonflikt in meine Argumentation einfließen zu lassen, da dies sehr viel Konfliktpotenzial bietet und von meiner eigentlichen Argumentation ablenkt.

Kurz dazu: Erstmal ist der Ausdruck zionistischer Eroberungskrieg falsch, es handelt sich vielmehr um einen imperialistischen Krieg. Trotzdem denke, dass es wichtig ist zwischen Israel, Zionismus und dem Judentum zu differenzieren. Gerade diejenigen die mich als Antisemiten denunziert haben, möchte ich fragen, ob sie auch die kürzlich verstorben Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano als Antisemitin denunzieren würden. Da sie auch sagt, dass man zwischen Zionismus, Israel und dem Judentum differenzieren soll, Netanjahu als Faschisten bezeichnet und wegen der israelischen Politik Israel verlassen und zurück nach Deutschland gezogen ist.

Hier der Link zu einen Interview in dem sie diese Punkte ausdrückt: https://youtu.be/An83SKF9n60

Auch ich denke, dass die Frage wer angefangen hat eine Interpretationsfrage ist, je nachdem was man als Angriff wertet. Auch ist mein Wissen auf diesem Gebiet sehr limitiert.

Ich möchte trotzdem mit einer Frage diesen Punkt abschließen.

Warum begebe ich mich auf palästinischer Seite in einen militärischen Konflikt, indem ich von vornherein weiß, dass ich unterlegen bin, wenn ich nicht mit dem Rücken zur Wand stehe?

Nun möchte ich darauf eingehen, warum ich dieses Tribühnengespräch teilweise als plakativ empfunden habe.

Auch dieses ist in meinen ersten Kommentar sehr schlecht ausgedrückt und Max ich gebe dir recht, dass deine Definition der Autokraten völlig richtig ist, und Russland innenpolitisch ein deutlich repressiverer Staat ist, als z.B.: Deutschland. Ich bin auch persönlich sehr froh in Deutschland zu leben und nicht in Russland. Das Problem, dass ich mit diesem Tribühnengespräch habe und warum ich es als plakativ empfunden habe, ist, dass ich denke, dass der Kontext fehlt, warum dies so ist.

Ich denke es ist wichtig sich dies zu vergegenwärtigen, und diese Unterschiede im Kontext des imperialistischen Zeitalters zu sehen, indem wir uns seit ca. 130 Jahren befinden.

Im folgenden probiere ich nun darzulegen auf welche Ursachen ich diese Unterschiede zurückführen würde.

Zu aller erst ist es wichtig zu verstehen, dass je ein repressiver ein Staatsapparat ist, desto geringer ist die innenpolitische Stabilität. Nun stellt sich die Frage warum die innenpolitische Stabilität Deutschlands größer ist, als beispielsweise in Russland oder China. Ich denke dies hat seine Ursachen in den unterschiedlichen Lohnniveaus der einzelnen Länder.

Dies ist wiederum verbunden mit relativen Verhältnis, der Erträge des Großbürgertums der einzelnen Länder aus der Ausbeutung der eigen Bevölkerung und der Erträge durch den Kapitalexport, dh. Ausbeutung der Bevölkerung anderer imperialistisch unterjochter Länder.

Hier bei fällt auf, dass die Großbürgertürmer der westlichen Länder relativ gesehen deutlich größere Erträge durch den Kapitalexport erzielen, als beispielsweise Russland oder China.

Die deutlich größeren Gewinne der westlichen aus dem Kapitalexport ermöglicht es diesen Länder die eigenen ArbeiterInnen in Form einen höheren Lohnniveau zu bestechen und so eine größere innenpolitische Stabilität zu erreichen, was wiederum weniger repressive Staatsapparate ermöglicht.

Aus den ökonomischen Grundlagen die ich hier versucht habe zu skizzieren, ergeben sich viele Schlussfolgerungen auf die ich im Folgenden eingehen will.

Die sogenannten westlichen Werte von Demokratie und Menschenrechten, innenpolitisch verwirklicht, werden im Bezug auf die Außenpolitik zu Farce, da sie den Interessen des Kapitalexports entgegenstehen. Das erklärt auch warum die westlichen Länder offen mit Autokraten in der dritten Welt bzw. in den imperialistisch unterjochten Ländern paktieren und sie nicht stürzen, obwohl es für sie ein Leichtes wäre diese Autokraten militärisch oder wirtschaftlich zu stürzen. Zudem wird klar warum die westlichen Länder ihre Außengrenzen stark bewachen, weil es lukrativer ist diese Menschen zu deutlich schlechteren Bedingungen (für die Menschen nicht für die Imperialisten) auszubeuten. Zudem profitieren auch die ArbeiterInnen der großen imperialistischen Länder von dem niedrigen Lohnniveau in den Ländern der dritten Welt, z.B: durch extrem billige Kleidung aus Bangladesch. Die Bestechung der eigenen ArbeiterInnen bringt auch politisch viele Vorteile für die imperialistischen Monopolverbände mit sich, da es das Weltproletariat in viele Unterklassen spaltet und so einen gemeinsamen Kampf, der nötig wäre um die Herrschaft dieser Monopole zu stürzen, ungemein erschwert.

Zusammengefasst sehen wir das sich die Länder USA, Deutschland, Frankreich, England, Russland und China sich im ihrem imperialistischen Charakter gleichen, obwohl es innenpolitisch große Unterschiede gibt.

Diese Entwicklung haben wir verspätet auch im Fußball gesehen, im deutschen Fußball hat der FC Bayern das Monopol und im europäischen Fußball haben immer weniger Topklubs die Möglichkeit erhalten die UEFA vor sich her zutreiben ( ua. durch die Androhung eine Superliga) und so immer bessere Konditionen für sich herauszuschlagen.

Kurz zum IOC und Fifa und warum sie Russland nicht sanktionieren:

Ich denke es macht wenig Sinn an die westliche Zivilisation der einzelnen Mitglieder zu appellieren, man muss sich vergewissern, dass diese Organisationen nach Gewinnmaximierung streben und für die Vermarktung der eigen Produkte ist Russland zu entscheidend, als dass man das Land ernsthaft sanktionieren könnte, man würde zu viel Geld verlieren und das läuft den eigenen Interessen zuwider.

Nun eine Literaturempfehlung auch wenn das Buch über hundert Jahre alt halte ich es für essenziell um unsere imperialistische Epoche zu verstehen, es hat kaum von seiner Aktualität eingebüßt, da die imperialistische Epoche wie oben erwähnt 130 Jahre alt ist und die Welt um ca.1890 komplett unter den Monopolen aufgeteilt war, es gibt zwar keine Kolonien mehr, doch Halbkolonien eignen sich eben so gut zur imperialistischen Ausbeutung. Seit dem hat nur eine Neuaufteilung der Welt ua. durch zwei Weltkriege stattgefunden und auch heute befinden wir uns in einer Zeit massiver Aufrüstung, da China immer gefährlicher für die Vormachtstellung der USA geworden ist, und die USA bereit ist diese auch mit militärischen Mitteln zu verteidigen.

Auch empfehle ich sich nicht von antimarxistischer Propaganda leiten zu lassen und das Werk nicht von vor hinein abzuwerten, sondern sich auch gerne kritisch mit ihm auseinanderzusetzen, es hat auch nur ca. 100 Seiten und sollte daher auch zeitlich keinen zu großen Aufwand darstellen.

Es handelt sich um das Werk „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ von Wladimir Iljitsch Lenin wurde am Vorabend des ersten Weltkriegs geschrieben und ist im Folgenden verlinkt.

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Nur als kurze Reaktion:
Du hast ja zu Anfang gesagt, dass du dich falsch ausgedrückt hattest und deshalb noch einmal das richtig verstanden wissen möchtest, aber warum der backlash gegen diejenigen, die dich als Antisemiten bezeichnet haben? Du hast ja die Grundannahme korrigiert also fehlt der Kritik zuvor die Grundlage. Und kritisch gegenüber Israels Politik sein denke ich mal wird nicht jeder mit Antisemitismus gleichstellen, hier unterstellst du unterschwellig den kritischen Kommentaren das, was sie bei dir kritisiert haben.

Als zweites musst du dir ja auch bewusst sein, dass Max Sportjournalist und nicht Politikwissenschaftler ist. Ich stimme auch nicht jeder Aussage in dem Podcast zu, aber es liegt auch in der Verantwortung der Hörer und Hörerinnen hier zu hinterfragen, auch wenn man vom lieben Max erstmal alles aufnimmt was er und seine Gäste sagen. Gerade bei so etwas wie dem Rasenfunk würde ich das mehr gelten lassen als bei allgemeinen Rubdfunkmedien, da es ja ein „Nischenprodukt“ ist.

Zum letzten Punkt, du argumentiert wenn ich es richtig wahrgenommen habe in verschiedenen Punkten aus Lenins „Der Imperialismus als höchste Form des Kapitalismus“ (?). Es sei denn es sind eigene von dir getroffene Argumente. Aber wenn du die Kritik auf die Stufe heben willst, die du denke ich mal ansteuert, solltest du auch kritische Punkte oder blinde Flecken beachten und Literatur gegenüberstellen. Spontan fällt mir hier der Autor/Soziologe Theodor Geiger ein.
Außerdem ist es ratsam heutzutage sich nicht auf die Originale der Autoren zu berufen sondern kommentierte Versionen o.ä., da man häufig wie in Marxes Schriften auf Zirkelschlüsse trifft oder Vorannahmen, die bestehen müssten, ohne dass der Autor/ die Autorin erklärt warum.
Aber drum herum geredet, ich finde es gut, dass du noch einmal Stellung bezogen hast. Ich mag es auch nicht falsch verstanden zu werden und dann in einer Schublade zu enden.

Es wäre doch wünschenswert, selbsteingestandenes Unwissen zuallererst zu beheben und nicht aus dieser Pose heraus raunende rhetorische Fragen zu stellen.

Der Rest des Beitrags erscheint mir so verworren und krude, dass ich hier nur auf zwei Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung hinweisen möchte, gerade was die Übergängigkeit von Antizionismus und Antisemitismus sowie die Dämonisierung des Jüdischen Staats im „antiimperialistischen Interpretationsraster“ angeht.

https://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/307746/antizionistischer-und-israelfeindlicher-antisemitismus

https://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/307887/antisemitismus-im-linken-spektrum

Ich möchte mich für die zwar kristischen, aber sehr themenbezogen Antworten bedanken. Da ich keinerlei Erfahrung mit schriftlichen Pulikationen habe, bedeuten die Forenbeiträge immese Arbeit für mich, doch ich möchte erwähnen, dass Dienstag ein weiter Teil kommt, indem es ua. um die eingeschrängte Pressefreiheit geht, danke für die Geduld.