Hallo zusammen,
mir sind die letzten Wochen vermehrt intensivste Diskussionen mit und über Schiedsrichterentscheidungen aufgefallen, die sich über verschiedenste Hierarchieebenen verteilen und für mich teilweise ziemlich unwürdig erscheinen.
Da gibt es natürlich mehrere Ebenen
- Bin ich absolut dafür, da nen kritischen Umgang mit Entscheidungen zu pflegen und auch klar anzusprechen, wenn ein Fehler gemacht wird. Teilweise geht das ganze aber über das hinaus, was es sein sollte und überlagert auch andere Themen. Prominent beispielsweise beim „El Classico“ am vergangenen Wochenende und einer Diskussionshaltung, die mehr darüber sich echauffiert hat darüber, wann, wie und wie oft Schlotterbeck doch hätte vom Platz gestellt werden sollen (ich verkneife mir mal ne Meinung dazu, weil ich dazu keine konkrete Meinung mir gebildet habe).
- Diskussionen von Trainerseite - teilweise wirklich schwierig. Hoeness im Spiel gegen Heidenheim wurde ja schon von anderen thematisiert. Ich fands auch als VfB`ler etwas schwach dass da wenig Selbstkritik mitschwang über ein Spiel, das meiner Meinung nach von VfB-Seite nicht gut war und das nicht nur an Schiedsrichterleistungen lag. Ich bin der Meinung, dass (mindestens) die Top 9 Mittel und Möglichkeiten hat, trotz einer Schiri-Entscheidung gegen einen ein Spiel trotzdem erfolgreich zu gestalten.
- Diskussionen und Interviews von Spielerseite . Mit ging beispielsweise Demirovic irgendwann wirklich auf den Senkel, weil er mehrere knappe Abseitsentscheidungen gegen sich hatte und sich dann mal mehr, mal weniger darüber echauffiert hat - statt dass ein Umdenken stattfindet und er beispielsweise mal schaut, ob sein Timing noch Luft nach oben hat was ja die logische Art und Weise wäre, damit umzugehen. Zitat von ihm dazu :„Wenn es wirklich ein halber Meter ist oder ein ganzer Körper, der im Abseits ist, sage ich, okay, dadurch verschaffst du dir auch einen Vorteil», sagte der bosnische Fußball-Nationalspieler. «Aber wenn es ein Millimeter ist, wie beim Tor heute oder letzte Woche, dann ist das ja kein Vorteil, den ich mir dadurch schaffe. Dafür sollte man einfach eine Regelung finden, dass man da irgendeine Toleranzzone hat. Dieser Millimeter, Zentimeter bringt keinem was“ Schön und gut, aber die Regel ist wie sie ist und damit muss man arbeiten! Gibt sicher auch andere Beispiele, aber das war für mich dann doch das Präsenteste.
- Unangenehme Diskussionen - immer mehr seh ich auch Fans eines Vereins, die sich über den Schiedsrichter massiv beschwerden, obwohl ihr Verein doch gewonnen hat. Da stelle ich mir immer die Frage „Muss das wirklich sein? Du hast gewonnen und wetterst trotzdem, ist das nicht irgendwie unwürdig?“. Genauso die Diskussion nach dem Classico - klar kann man mal kritisieren dass Schlotterbeck weiterspielen durfte weil es auch Argumente für einen Platzverweis gab, aber es hat dem BVB keinen „Vorteil“ gegeben, was das Ergebnis angeht. Und sich dann so darauf zu versteifen von Seite der Bayern-Kommentare finde ich etwas schwierig.
- Rauerer Ton - stellvertrend als Beispiel dafür ein Zitat ausm Kicker: "Da die Werkself im Vorfeld des Mainzer Führungstreffers aus Carros Sicht unberechtigterweise keinen Elfmeter zugesprochen bekommen hatte, suchte der temperamentvolle Spanier Stieler in der Schiedsrichter-Kabine auf. Auf dem Weg dorthin rief der 61-Jährige: „Wo ist der Stieler, der Blödmann?“ Emotionen hin oder her , aber ist das wirklich die Art und Weise, wie man über Schiedsrichter sprechen sollte? Dazu kommen natürlich noch die diversen Anschuldigungen aller Art in Richtung „Spiel verpfiffen“; „Betrüger“; „xxx hat wieder ein Spiel verschoben“ etc. die man ja allenthalben liest und die sich mindestens in nem kritischen Rahmen bewegen
- schlechte Leistung des Schiris als Vorwand, nicht über eigene optimierbare Leistung zu sprechen. Mir ist klar, dass die Vereine auf den Plätzen 10-18 im großen und Ganzen vielleicht nicht (in jedem Spiel) die Qualität haben, eine strittige Entscheidung gegen sich einfach wegzustecken und trotzdem ein Ergebnis zu ziehen, aber zumindest für die Top 6 sollte das in den meisten Spielen möglich sein und für mich schwingt da immer ein bisschen Ausrede mit . Beispiel hier Leverkusen - Mainz, da hab ich sehr wenig von Leverkusen gesehen aber Carro hat nichts besseres zu tun als den Schiri als „Blödmann“ zu bezeichnen statt sich hinzustellen und zu sagen „war kein gutes Spiel, die strittige Entscheidung hat auch nicht gerade geholfen“ beispielsweise.
Subsummiert frustriert mich der Umgang mit Schiedsrichterleistungen und - entscheidungen derzeit ziemlich. Kritik ist okay, aber irgendwo sollte diese Kritik nicht über 50% der Nachbetrachtung von mehreren Seiten sein. Mir fehlt da teilweise die Differentziertheit, auch zuzugeben dass das eigene Spiel vielleicht nicht gut genug war (trotz Entscheidung gegen einen) und mir fehlt von Fanseite manchmal die „Decency“, einfach mal gut sein zu lassen statt nach nem gewonnenen Spiel auf Teufel komm raus noch auf das Referee-Team einzuhacken, einfach nur „weil man das grade so machT“ sondern sich einfach über den Sieg zu freuen. Dass der Ton rauer geworden ist mag auch nur mein Gefühl sein. Ich hätte gerne von Spielerseite auch mehr Selbstkritik im Sinne von „hab ich jetzt nicht gut gelöst“, das ist wahrscheinlich aber auch n gesellschaftliches Phänomen, dass man selten über eigene Fehler spricht weil das ja landläufig immer noch als Zeichen von Schwäche gesehen wird.
Was sind eure Gedanken dazu? Fällt euch das auch grade vermehrt auf oder bin ich da ggf einfach zu sensibel/feinfühlig?
(falls das Thema eher in den Schiri Thread rein soll bitte entspechend verschieben
)