Werden Kicker Spielberichte zum Teil von Robotern geschrieben?

Hallo zusammen,

vor einiger Zeit habe ich mal in Radio von Robo Journalismus gehört, fand es spannend und habe es dann wieder verdrängt.

Als ich gestern auf kicker.de den Spielbericht zur Eintracht Frankfurt - TSG Hoffenheim gelesen habe, kamen diese Gedanken aber wieder hoch. Mir ist schon immer aufgefallen, dass diese Artikel einer sehr konsequenten Struktur folgen und jeweils zu Beginn erst einmal die Aufstellung der Team mit der Aufstellung im letzten Spiel verglichen wird.

Nun hat die Eintracht zwischen dem Pokalspiel gegen den SV Waldhof und dem ersten Bundesliga Spiel gegen die TSG noch das Europa League Quali Spiel gegen Vaduz und war dort mit einer B-Elf aufgelaufen. Nimmt man dieses Spiel einmal heraus, wurde Gazinovic für Joveljic aufgestellt. Der Kicker berwertet die Umstellung aber so:

Frankfurts Coach Adi Hütter warf nach dem 1:0 in der Europa-League-Qualifikation gegen Vaduz die Rotationsmaschine an und brachte gleich neun (!) Neue: Abraham, Hasebe, Hinteregger, da Costa, Kohr, Fernandes, Kostic, Kamada und Rebic spielten anstelle von Toure, Russ (Achillessehnenriss), Ndicka, Durm, Torro, de Guzman, Rode, Chandler und Joveljic. Folglich überstanden lediglich Schlussmann Trapp und Gacinovic die Wechselorgie.

Weitaus zurückhaltender agierte indes Hoffenheims Trainer Alfred Schreuder…

Nun würde ich davon ausgehen, dass jeder der für den Kicker schreibt diese „Rotation“ mehr oder wenig richtig einordnen kann, daher wirkt der Passus auf mich eher, als wäre er von einer Maschine erstellt worden, die das letzte Spiel sucht, Aufstellung mit Aufstellung vergleicht und automatisch einen Text dafür generiert. Da man dabei ja eigentlich kaum etwas falsch machen kann, schaut auch keiner mehr drüber…

Ist meine Einschätzung abwegig, kennt ihr ähnliche Fälle oder ist es sogar publiziert, dass der Kicker Teile seiner Texte durch Computer erzeugen lässt?

Würde mich über Feedback freuen.
Grüße, FrankFurtic

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Viel wahrscheinlicher halte ich es, dass es eine lange Liste an vorgefertigten Sätzen/Phrasen gibt, bei denen dann nur noch per copy/paste die Namen ausgetauscht werden müssen. Bei der Masse an Spielberichten wäre es kontraproduktiver Mehraufwand, solche Templates nicht zu haben.

Dazu hat vermutlich der für den jeweiligen Bericht Verantwortliche in diesem Fall eben tatsächlich wenig Ahnung von der Eintracht.

Spielberichte wären jetzt nichts, wo ich als Publikation den allergrößten Aufwand reinstecken wollen würde.

Was auch auffällt: Direkt nach Spielende sind die Spielberichte eigentlich nur ein Zusammenschnitt des Livetickers. Erst wenn Montags die Noten dazu kommen, werden die nochmal erweitert. So zumindest mein Eindruck.

Naja, wäre ja auch logisch.
Im Onlinejournalismus geht es heute in erster Linie um Speed. Du darfst deine Artikel nicht später online haben, als deine drölftausend Konkurrenzseiten. Für maximale Qualität und inhaltliche Tiefe ist da erst mal keine Zeit.
Montag haben sie dann evtl noch die Artikel der Printausgabe, die man dann noch mit einweben kann, falls dein Eindruck mit der nachträglichen Erweiterung korrekt ist. (Ich selber les gar keine Spielberichte, ich kanns nicht sagen)

Ich sehe mit meiner ursprünglichen Frage auch keine Kritik verbunden. Wenn man eigentlich Daten veröffentlichen will und es ist zielführender, besser lesbar oder was auch immer, wenn man es in Fließtext veröffentlicht ist das nicht verwerflicher, als wenn man ein Diagramm erstellt. Es ist halt deutlich Fehleranfälliger :roll_eyes:.
Einem „echten“ Journalisten nimmt man damit sicher nicht die Arbeit weg.

Wenn ich sehe, daß Sebastian Wolff zB seit 2004 die Noten für den HSV verteilt (und nicht nur für den HSV), dann hat er schon so viele Spielberichte geschrieben, daß die Formulierungen sich immer wieder ähneln. Das ist inzwischen reine Routine.

Nur benoten hat er leider immer noch nicht gelernt.

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