WM-Boykott

Ich denke angesichts der erneuten öffentlichen Hinrichtung in den USA möchte ich zu einem Boykott der diesjährigen WM aufrufen. Ändert zwar nichts, aber ich kann da nicht zuschauen während in den Straßen die SA marschiert. Ich würde mir vom DFB wünschen eine alternative WM ohne die FIFA und dem Diktatorenarschkriecher Infantino in Kanada und Mexiko zu veranstalten.
Hach ja wünschen darf man ja.

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Da du ja selbst alternative Wettbewerbe ansprichst würde ich da mal nachhaken, für mich ist das auch die deutlich relevantere Frage als die individuelle Konsumentscheidung rund um diese WM.

Es gab jetzt in den letzten Jahren doch zig Projekte mit alternativen Ligen in ganz Europa, getragen von irgendwelchen großen Namen und Unternehmen, übertragen auf Twitch, Youtube und irgendwelchen Plattformen die ich nicht kenne. Aber soweit ich weiß hat sich keines dieser Projekte irgendwie dezidiert als “anders” als der “Fußballbusiness-Mainstream” gebrandet? Der Brand war primär “Wir haben diesen Twitch Streamer zusamen mit diese Ex-Profi rangeholt, toll!”. Dabei wäre der Markt dafür doch durchaus da. Viele Fußballfans in Deutschland haben ja offen gesagt die Schnauze voll, wenn davon auch nur wenige Prozent ein Projekt verfolgen was andere Wege geht, dann ist das schon mal eine größere Basis, als die meisten Randsportarten in Deutschland haben. Auch den Segen der Berichterstattung, die ja zumindest immer vorsichtig bis hin zu offen kritisch zu den (schlimmsten) FIFA Auswüchsen ist, hätte so ein Projekt wohl. Da gäbe es viel Aufmerksamkeit von den Formaten, in denen eh schon zurecht sehr viel über die aktuellen Zustände gemeckert wird.

Also, warum wird so wenig versucht Gegenmacht aufzubauen? Mir ist bewusst, dass es wahnsinnig viele Hürden bis zu einem Erfolg gäbe, ich sehe ja aber nicht mal gescheiterte Projekte sondern einfach gar nichts, woran liegt das?

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Ich will jetzt eigentlich nicht nur mit einem Wort anworten aber im Grund reicht ein Wort aus: Geld. Es klingt zwar immer so schön romantisch mit „alternative Ligen“ aufbauen. Aber da blendet man gerne aus, wie viel es kostet allein eine vernünftige Übertragung hinzubekommen. Und von der Qualität der Spiele brauchen wir ja dann anfangs auch nicht reden.

Außerdem sollte man nicht den Fehler machen zu glauben, nur weil wir hier in unserer schönen Blase uns einig sind, dass es viele gute Gründe gibt die WM (oder andere moderne Fußballprodukte) zu boykottieren, dass das auch für die breite Masse an Konsumenten gilt. Ich werde die WM definitiv nicht verfolgen. Aber ich weiß auch, dass vielen es vollkommen egal ist, was politisch gerade in den USA passiert oder sie es auch teilweise einfach nicht mitbekommen.
Es ist halt auch immernoch das größte Fußballturnier der Welt. Damit kann keine neue Konkurrenzveranstaltung einfach so mithalten. Die Bedeutung eines WM-Titels zum Beispiel kann man ja nicht einfach so über Nacht herbeizaubern. Das ist über viele Jahre historisch gewachsen. Und vielleicht gibt’s ein paar Artikel im Kicker oder es läuft ganz gut auf Twitch. Einen Fernsehvertrag mit ZDF und ARD bekommste aber wahrscheinlich nicht.

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Ich denke das Geld für die Umsetzung ist gar nicht das größte Hindernis. Die Zeit ist sicherlich eines der Hindernisse um von der Graswurzel aus etwas neues, ähnliches zu starten. (Wenn selbst der inzwischen durch den Verband nicht mehr unterbunden Frauenfußball Jahrzehnten gebraucht hat) Andererseits das Problem der bisherigen Alternativen ist, dass diese (meiner Meinung nach) nur auf Spektakel ausgelegt sind.

Noch ein Grund für einen Boykott:

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Ich habe mir mal die Diskussion um den Boykott der Olympiade 1936 angeschaut. Damals haben die USA, Monate nach den Nürnberger Gesetzen, entschieden die Spiele nicht zu boykottieren. Der damalige Präsident des amerikanischen Olympischen Komitees, Avery Brundage, sagte damals nach einer Tour Deutschlands: “Certain Jews must understand that they cannot use these Games as a weapon in their boycott against the Nazis” und nannte die Diskussion eine “Jewish-Communist conspiracy”. Nach den Krieg ist er dann IOC Präsident geworden (1952 bis 1972), hat ihm also nicht geschadet.

Mehr dazu hier.

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Auch im Deutschlandfunk ist das Thema:

https://pca.st/episode/0a09fb8b-e516-4e5c-abbe-44fbe7f92ef7

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Ich hatte dazu auch einmal eine Dokumentation gesehen, da ging es hauptsächlich um die deutsche Fechterin, die von den Nazis als Feigenblatt benutzt werden sollte.
Da war das am Rande auch Thema.

Rechtlich vollkommen in Ordnung, meiner Meinung nach kann nicht einmal das deutsche Parlament eine Teilnahme des DFB verhindern. Dazu fehlen sowohl die finanziellen als auch die rechtlichen Einflussmöglichkeiten (anders als zum Beispiel bei den Sportarten des NOK).
Daher bleibt nur der Fangdruck.

@rallewatsch Mal eine Frage: Boykottierst Du dann auch die Spiele in Kanada und Mexiko? Due sind ja zumindest noch einigermaßen demokratische Staaten (vielleicht Kanada mehr als Mexiko).

Mein Vorschlag war ja die FIFA-WM angesichts der aktuellen Situation in den USA nur in Mexiko und den USA stattfinden zu lassen.
Aber ja trotzdem werde ich die WM nicht schauen und auch alle anderen Medien dazu stumm schalten.
Auch weil Infantino so tief in jedem Diktatorenar… steckt, Trump, vorher die Katarherrscher, bald in dem Killerprinz… ich glaube ich werde meinen Konsum auf die nationalen Wettbewerbe und Frauenfussball reduzieren (deren Sportler zeigen wenigstens eine Haltung die sie für mich zu respektablen Gesellschaftsmitgliedern machen)

Ja wie ich an anderer Stelle hier im Forum schon sagte war ich vorher schon kritisch gegenüber der Austragung dort, jetzt ist das Fass voll.

Bin ein bisschen pingelig, wenn ich bei jeder Sportübertragung dann überlegen muss reden die bei nem Schuss jetzt von etwas innerhalb des Spielfeldes, oder außerhalb des Stadions. Das macht die Unterhaltung die es ja sein soll unmöglich.

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Manchmal echt ein schwieriges Thema. Auf der anderen Seite könnte man argumentieren, dass der mehrfache Goldmedaillen Gewinner Jesse Owens einen “Propagandasieg” gegenüber den Nazis errungen hat, weil er als Sportler dunkler Hautfarbe gezeigt hat, dass die weiße Rasse eben doch keine Übermenschen sind. Bei einem Boykott der USA wäre das so nicht möglich gewesen.

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Ja. Ich stimme damit überein, dass es ein schwieriges Thema ist. Und in diesem Sinne sind meine Beiträge dazu auch als öffentliches Nachdenken anzusehen. Und vielleicht liegt im letzten Satz meines vorherigen Beitrags mein Resümee.
Für mich ist die Unterhaltung bei dieser und der Saudi-Arabien WM nicht mehr gegeben.
Das ist jetzt der eine Aspekt.
Die Propagandaseite ist wahrscheinlich eine andere. So wie sich Infantino gibt, würde ich sogar an einem fairen Wettbewerb zweifeln. Und beim Fußball kann man schieben.
Zu Jesse Owen ja er hat die Propaganda konterkariert aber ja vor Ort nicht sehr reichweitenstark. Wenn ich mich Recht entsinne kam er in Riefenstahls Film nicht vor und im Volksempfänger wurde er auch nur am Rande erwähnt.

Das mag sein. Trotzdem ist er der erfolgreichste Athlet dieser Spiele mit 4 Goldmedaillen! Und in der langen Nachwirkung ist er wahrscheinlich das Gesicht dieser Spiele. Spontan fällt mir jetzt kein anderer Sportler oder Sportlerin ein, die 1936 teilgenommen hat.

Auch andersrum kann man es ja mal betrachten. Die Spiele 1980 in Moskau wurden seitens der USA und anderer westlicher Staaten boykottiert, weil die UdSSR damals in Afghanistan einmarschiert ist. Einen spürbaren Effekt hatte das trotzdem nicht. Außer dass die Spiele 1984 in den USA dann wiederum von der UdSSR und Ostblockstaaten boykottiert wurden.

Und ich glaube die wenigsten Leute wissen, dass auch schon die Spiele 1976 boykottiert wurden. Von sehr vielen afrikanischen Staaten. Der Grund war, dass die neuseeländische Rugbymannschaft gegen Südafrika gespielt hatte obwohl dort noch das Apartheidsregime regierte. Die Staaten forderten den Ausschluss Neuseelands. Das passierte nicht, deswegen hat man dann boykottiert. Weiß heute kaum noch jemand und hatte auch keinen echten Effekt auf die weltweite Gesellschaft.

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Ein Boykott der WM 2026 hätte einen großen Effekt.

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Ich war jetzt eine Weile auf dem Standpunkt, man müsse das boykottieren, keine Frage, wenn man Qatar boykottiert hat muss man auch hier. Aber je länger ich drüber nachdenke dest mehr fällt mir auf, es ist komplizierter als das.
Es ist keine reine USA Veranstaltung. Wäre es das, WM 2026 USA, wäre die Sache für mich klar. Aber es gibt nun mal noch 2 andere Ausrichter, mit Mexiko und Kanada. Und das macht es halt komplizierter. Ich weiß halt jetzt auch noch nicht wie sollte man damit umgehen. Nur die Spiele aus Mexiko und Kanada schauen?
Oder, auf den Podcast bezogen, wie sehr und wie viel bespricht man die Spiele? Ich finde es auf alle Fälle wichtig, das abseits der Spiele zu besprechen und nicht zu ignorieren, und klar einzuordnen und zu kritisieren.

Macht das für euch etwas aus, ändert das etwas, dass die USA nur einer von drei Ausrichtern ist? Natürlich sind sie der größte der dreien, der medial im Fokus steht, im Rampenlicht. Es gibt aber eben auch die anderen beiden

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Und das Gegenbeispiel ist die WM der Schande in Argentinien.

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Ich bin da durchaus differenziert. Die Medien, die direkt an die FIFA zahlen sollten nicht mehr darüber berichten, der Staat sollte sie zwingen die Rechte weiter zu erlauben(ja ist schwierig) oder zurückzugeben. Medien die keine Rechte erworben haben können gerne berichten (ich werde es nicht hören)
Du hast wie oben auch schon erwidert habe Recht mit den drei Veranstaltungsorten, aber der „Feind“ ist inzwischen auch die FIFA.
Ich hätte gerne eine Bewegung, die sich „unseren“ Sport zurück holt. Aus den Fängen der FIFA, aber das wird nicht geschehen.
Der Sport bzw. die DfB Bundesliga Ausprägung war für mich schon einmal tot weil Anfang Mitte der 80 die Neonazis die Ränge übernommen hatten, und dann kam Sankt Pauli und in Gestalt von Heidi Mohr der Frauenfußball.

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Diese Antwort ist mir etwas zu einfach. Ich könnte genau so schreiben “ein Boykott bringt nichts”. Deswegen möchte ich dich folgendes fragen:

Wie genau soll der Boykott denn aussehen und welche Wirkung erhoffst du dir?

Denn wenn du nur diesen Satz da stehen lässt, dann kann ich deine Gedanken dazu nicht nachvollziehen.

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Er mag jetzt das Bild der Spiele 36 sein, aber das liegt an der Geschichte
Wir wissen was danach passiert ist.
Unmittelbar nach Olympia 36 hat es aber das Leben der Menschen vor Ort in Deutschland verschlechtert und Hitler und Deutschland in ein positives Licht gerückt(ua. Zb. Durch Riefenstahl, welche die Bilder bestimmte)
Olympia war es nicht allein, aber auch Olympia führte zu der Politik bis 39 Hitler in den Arsch zu kriechen, weil „so schlimm ist er ja nicht und war 36 alles schick“(das unmittelbar die Verhaftungen und Folter usw. An Intensität zu nahmen war den Verhandlungspartnern egal)

Was die anderen Beispiele angeht
Die UdSSR gibt es nicht mehr und das Apartheidsregime auch nicht
Natürlich hat ein Boykott niemals alleine dies verursacht, aber es hilft und sei es nur um Aufmerksamkeit wie zb. Auf den Afghanistankrieg zu lenken(zb. Wurden auch deswegen Gelder für den Wiederstand gegen die UdSSR locker gemacht auf Seiten der USA, weil man das den Menschen erklären konnte und durch den Boykott die Stimmung günstig war)

Ein Boykott kann was bewegen
Was zeigt dann die Geschichte

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