Zur Jugendarbeit bei Union: Dass da kaum jemand hochkommt, hat quasi historische Gründe.
Einerseits hatte Union in der jüngeren Vergangenheit keine Top-Jugendarbeit. Dem ist man zum Beispiel dadurch begegnet, ein neues NLZ mit Gelände zu bauen, das aber erst vor kurzem fertig wurde.
Und da kommen wir dann gleich zum zweiten „historischen“ Punkt: Jugendarbeit dauert. Wenn du einen 13-Jährigen mit 19 (was ja auch noch früh ist) im Profiteam haben willst, dann dauert das sechs Jahre. Wenn man sich anschaut, wo Union vor sechs Jahren war, wird man feststellen, dass man damals natürlich Spieler für andere Missionen ausgebildet hat. Als Zweitligaverein mit mäßigem NLZ zieht man natürlich kaum erstligataugliche Talente an.
Strukturell hat man auch keine U23 und keine Zweitvertretung (keine Ahnung, warum), so dass zwischen U19 und Profiteam auch wenig Platz für Entwicklung ist.
Und dann ist die Bundesliga – wie letzte Saison gesehen – halt auch ein hartes Tagesgeschäft, in das man nicht einfach Jugendspieler nur zu Ausbildungszwecken reinwerfen kann. Zumindest, wenn man nicht Freiburg ist.
Die müssen da halt auch bestehen, wenn jeder Punkt und jedes Tor am Ende zählt.
All diese Punkte zusammen führen dann dazu, dass kaum Jugendspieler dabei sind. Kemlein ist jetzt eine Hoffnung, die auch gezielt gefördert wird und der bewusst aus diesem Grund nicht nochmal abgegeben wurde. Sonst gibt’s nur noch Oluwaseun Ogbemudia („Olu“), der aus der U19 einen Profivertrag erhalten hat, aber auch bei St. Pauli ausgebildet wurde. Aber wenn man sich anschaut, wie viel Einsatzzeit gestandere Spieler wie beispielsweise Paul Jaeckel in letzter Zeit bekommen hat, wird’s da wahrscheinlich auch nicht so leicht.
Man ist nun seit ein paar Jahren Bundesligaverein, hat jetzt auch ein neues NLZ und der große Stadtrivale spielt zweitklassig. Für den hochkarätigen Nachwuchs ist man damit dann entsprechend seit kurzem deutlich attraktiver und könnte dem sportlichen Anspruch da eigentlich nur noch hinterlaufen, wenn man dauerhaft CL spielte. Wir können also mal schauen, ob die heute 13-Jährigen dann so in sechs Jahren erfolgreich beim Profiteam anklopfen. 