Champions League Reform / Super League

Puh. Die Reform der CL ist ein ziemlicher Clusterfuck und könnte gleichzeitig die Weichen stellen, wohin sich der Fußball in den nächsten zehn Jahren entwickelt. Leider fehlt mir aus bekannten Gründen gerade die Zeit, das im Detail aufzuarbeiten, aber eure Meinung dazu sowie spannende Artikel würden mich interessieren. Dachte, dafür wäre ein Thread hier gut.

Zum neuen Modus fand ich diesen Artikel super: https://www.nytimes.com/interactive/2021/03/29/sports/soccer/champions-league-new-format.html

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Spannend ist außerdem die Rolle von Rainer Koch. Der weigert sich bisher, öffentlich zu sagen, ob er dafür oder dagegen stimmt. Ich habe gehört, dass sich gerade kleinere Verbände eine Ablehnung von Deutschland erhoffen. Gleichzeitig steht bald eine Neuwahl für das Uefa-Exekutiv Komitee an, es könnte natürlich sein, dass das Koch ebenfalls in sein Abstimmungsverhalten mit einbezieht. Ziemlich krass, dass das bisher so läuft, wie es läuft. In diesem - inzwischen leicht veralteten Artikel, weil die Frist verschoben wurde - wird das erklärt: https://www.sportschau.de/fussball/championsleague/uefa-reform-champions-league-entscheidung-100.html

Und die gute alte ECA aka die alte G-14 mischt mal wieder mit. Happy times: https://www.kicker.de/cl-reform-2024-uefa-boss-ceferin-platzt-der-kragen-801086/artikel

Danke für den NYT-Artikel, jetzt ist mir zumindest das Format sehr viel verständlicher und das „36 Teams in einer Tabelle, aber nicht alle spielen gegeneinander, häää?“-Gefühl hat sich verringert.

Für den Fußball ein sehr ungewöhnliches Format und ein gewagter Schritt. Mal sehen, bis wann wir uns daran gewöhnt haben.
Ich kann bisher noch überhaupt nicht beurteilen, was das dann in der Praxis bewirken könnte. Aber ich bin erst mal offen. Kriegt ne’ Chance.
Meine Befürchtung ist, dass die Achtelfinals trotzdem so vorhersehbar sind wie bisher, oder die Exklusivität im schlimmsten Fall noch gesteigert wird.

Das ist insgesamt mein größter Kritikpunkt an der Reform (Ja, auch ich finde nicht alle der „modernen“ Entwicklungen gut):
Durch die gegebene Auswahl und vor allem die Idee von neuen „Legacy-Spots“ zementiert sich das Feld der regelmäßigen Teilnehmer nur umso mehr. Fälle wie dass der AC Milan seit Jahren am Kämpfen ist und jetzt erst langsam wieder hoch kommt, können so vermieden werden. „Sie qualifizieren sich nicht sportlich? Egal, großer Verein, muss dabei sein.“ Und das Geld sorgt dann dafür, dass die sportlichen Fehler Korrektur-gekauft werden können.
Schon die Setzlisten der Gruppenphasen nerven mich immer ein wenig. Zu gefühlt 90% kann man schon nach der Auslosung vorhersagen wer weiterkommt.

Was ich ebenfalls nicht mag: Noch mehr Teams und noch mehr Spiele. Muss das sein? Die Spieler sind doch eh schon belastet genug und wir Fans mittlerweile auch. Ich kann nicht nonstop Fußball schaun. Geraten wir in einen Konflikt „Wenn ich Zeit für ein Spiel pro Woche habe, schau ich diese Woche dann Bundesliga oder CL?“

Und natürlich stelle ich mir die Frage: Verlieren die Topduelle durch zu häufige Wiederholung irgendwann den besonderen Reiz? Wobei hier die Abwechslung immer noch groß genug sein könnte, mal sehen.

Am Ende geht es um mehr Kohle. Kennt man ja. Das war zu erwarten, völlig egal, wie die Reform aussieht.

Insgesamt ist meine Meinung eher ein „ich brauch’s jetzt nicht unbedingt“

Sicher bin ich mir bei dem einen Punkt, dass es ein Evolutionsschritt in Richtung einer europäischen Superliga ist. Beim nächsten Mal kann man dann schon ein wenig weitergehen und irgendwann hat man das Ding.

Das ist ja das Ziel der Sache, die Exklusivität zu steigern. Die Topclubs wollen ja nun sicher nicht das viel zusätzliche Geld generieren, wenn sie nicht hinterher auch diejenigen sind die den Löwenanteil davon einstreichen. Und je mehr Spiele, desto weniger Überraschungen im Endergebnis - das liegt erstens ohnehin in der Natur der Wahrscheinlichkeiten, und dann kommt noch die bessere Kaderbreite bei den Topclubs dazu, die bei mehr Spielen tendenziell auch eine größere Rolle spielt. Gesteigert wird die Zementierung der finanziellen Verhältnisse dann noch durch die Idee mit den beiden Startplätzen die nicht über sportliche Qualifikation vergeben werden.

Was ich per se am neuen Modus mag, ist, dass die Matches diverser sind. Ein team spielt gegen 10 unterschiedliche Gegner. Für die Vorbereitung bedeutet das für die Teams allerdings wiederum viel mehr Arbeit wie Scouting, Spielanalyse, etc. Als Zuschauer ist es allerdings reizvoll.

Der Nachteil für die Teams 9 - 24 liegt erstmal darin, dass sie nochmal zwei Spiele mehr haben als Platz 1 - 8. Sprich: 10 Spiele + 2 Play-offs + 6 Spiele + 1 Finale = im Worst-Case 19 Spiele.

Derzeit sind es für direkt CL-qualifizierte Teams 13 inklusive Finale. Das ist schon ordentlich mehr Holz für den neuen Modus.

Das wird zwar fürstlich belohnt und die Mehreinnahmen fließen wohl zurück in den Kaderbau, aber steigt dadurch auch die Qualität der einzelnen Spiele? Bzw. wird das derzeitige Niveau gehalten? Gibt es diesbezüglich Einschätzungen?

Meiner Meinung nach: je mehr Spiele, desto höher die Belastung, desto niedriger das Niveau. Es werden Regeln notwendig werden, wie beispielsweise in der NBA („resting policy“), damit in bedeutungslosen Spielen nicht etwa eine zweite Mannschaft aufläuft und die/der TV-Zuschauer*in auf ihre/seine Kosten kommt. Insofern: Geld regiert die Welt, schuld sind wir aber wohl selbst, außer wir sehen uns die Wettbewerbe nicht (mehr) an. Ein klassisches Dilemma…

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Die Mega-Giga-Liga kommt.*

So sehe ich das auch. Einen Schritt zurück - von der Hybridliga zur Turnier-CL - wird und kann es zukünftig nicht mehr geben: Das würde den Verlust von Einnahmen bedeuten. Wenn es aber noch mehr Spiele werden, dann können die Mega-Giga-Ligisten nicht mehr mit der gleichen Mannschaft in der CL und der nationalen Liga spielen. Das wird bei diesem Spielplan schon beim neuen Hybridsystem schwer. Also spielt entweder Bayern II in der Bundesliga und Bayern III sind dann die (Jugend-)Amateure in der 3./4. Liga oder es gibt keinen FC Bayern mehr im deutschen Oberhaus. Letzteres klingt bei dem neuen Format zunehmend plausibel: Den Aufwand ein gutes bis sehr gutes Bundesligateam zu halten, wenn die Einnahmen dann so viel geringer sind als in der Mega-Giga-Liga, den wird Bayern (und ggf. Leipzig oder Dortmund) wohl nicht mehr betreiben.
Irgendwie erscheint mir diese EU-/europäische Liga eben der Logik des europäischen Fußballgeschäfts zu entsprechen: Bestimmte Clubs haben den nationalen Rahmen gesprengt und müssen aber weiter finanziell wachsen. Da bleibt nur noch ein Topmannschaftenspektakel.
Vielleicht kann man das aber ein bisschen positiv sehen: Die Bundesliga wird dann unter Umständen spannender. Die relevanteste Frage ist aber: Ist die Position der kleinen Clubs und Verbände auf europäischer Ebene in 5-10 Jahren, wenn die Mega-Giga-Liga kommt, stark genug, um ein Auf- und Abstiegssystem durchzusetzen? Wenn nicht, dann droht vielen heutigen nationalen Erstligisten womöglich eine finanzielle Katastrophe. Immerhin wird eine richtige Liga dann wohl kaum noch unter der Woche ausgetragen, wo weniger Geld zu machen ist. Stattdessen gräbt man dann den nationalen Ligen die Fernsehzuschauer ab.
Okay, jetzt bin ich irgendwie schon über die nächsten zehn Jahre hinaus, reicht auch für heute.^^

*=Mich nervt der Name Super League, weil es das Marketingsprech der Fußballmonopole ist. Ich will den Begriff nicht einfach unkritisch übernehmen und ich habe erhebliche Zweifel, dass das am Ende auch wirklich „super“ ist. Solange spreche ich halt von der Mega-Giga-Liga :smiley:

Ich sehe die geplante Reform für mich persönlich als weiteren Schritt weg von meinem Interesse für den Profifußball. Die Entstehung und die geplanten Schritte vereinen alles, was die Entwicklung weg von sportlichen Aspekten und hin zu einem immer größeren Fokus auf die gesicherten, maximalen Einnahmen für einige wenige Clubs in den letzten Jahren/Jahrzehnten ausgemacht hat.
Nüchtern betrachtet diktieren die großen Clubs die Entwicklung und niemand vermag sich dagegen zu wehren, oder scheint daran interessiert dies zu tun.

Eine Umkehr ist alleine deswegen unwahrscheinlich, weil nur sinkende Einnahmen und sinkendes Interesse dies hervorrufen könnten, was aber global erfolgen müsste. Genau das steht für die Verantwortlichen nicht zu befürchten. Falls in Europa die Superliga an Nachfrage verlieren sollte, wird man damit rechnen, das längst über andere globale Märkte mehr als nur auffangen zu können.

Wenn man so liest, was da jetzt noch alles von den Top-Vereinen und ECA nun noch an der Reform gemacht werden will, dann sollen sie doch gleich ihre „Superliga“ (glaube allerdings auch nicht, dass das super wird :wink: ) machen.

Ich würde mir eine mutige UEFA wünschen, die gesagt hätte: „Ja macht mal“, aber dann schließen wir die Vereine aus den nationalen Ligen aus! CL und EL lassen wir dann in Zukunft auch sein, wir führen wieder echte Pokalwettbewerbe ein. UEFA Pokal der Landesmeister spielen die jeweiligen Meister, Vizemeister und Landespokalsieger. Die restlichen int. Platzierungen spiele UEFA Pokal. Keine Gruppenphase sondern direkt Hin- und Rückspielmodus.

Mein romantisches Fußballherz glaubt sogar, dass das der „Superliga“ den Rang ablaufen würde. Ich glaube nämlich, dass die sich sehr schnell selbst abschafft. Keine oder nur wenige Auswärtsfans, der Reiz der Begegnungen wird abnehmen wenn sie dann zu häufig vorkommen usw.

Die Erweiterung auf 36 Teams ist in meinen Augen auch nur ein alibimäßiges Zugeständnis an die Verbände. Tatsächlich braucht man einfach mehr Teams damit nicht zu viele Top-Teams ggf. früh ausscheiden.

Auch das sich jmd wie Watzke gegen eine „Superliga“ ausspricht, ist meiner Meinung nach nur der Befürchtung geschuldet, man dürfe evtl. nicht mitmachen, schließlich ist RaBa auf dem besten Wegen den BVB als Nr.2 der Liga abzulösen. Der aktuellen Entwicklung nach siehts ja noch schlechter aus. Ich könnte mir auch vorstellen, dass man in Dortmund bißchen Schiss vor den eigenen Fans hat.

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Huiuiui, ganz aktuell:

Übersetzt:

Dringend: In den nächsten Stunden sollten 12 sehr große europäische Vereine (die 3 spanischen, die 3 italienischen und die englischen Vereine) die Gründung einer europäischen Superliga offiziell machen. In der ersten Version gibt es keine französischen und deutschen Clubs. Krieg mit der UEFA.

Die UEFA sollte morgen die große Reform der Champions League bekannt geben. Es ist ein Erdbeben in der Fußballwelt. Die 12 Clubs melden sich vor der morgigen Sitzung zu Wort. Es ist eine Krise bei der UEFA. Im Moment wollen PSG und Bayern München an den Positionen der UEFA festhalten.

Die 12 Klubs, die der European SuperLeague zugestimmt haben und erwartet werden, um es offiziell zu machen:
Manchester United, Liverpool, Manchester City, Arsenal, Chelsea, Tottenham, FC Barcelona, Real Madrid, Atletico Madrid, Inter Mailand, AC Mailand und Juventus!

In den kommenden Stunden sollen 12 sehr große europäische Vereine (die 3 spanischen, die 3 italienischen und die englischen Vereine) die Gründung einer europäischen Superliga formalisieren. In der ersten Version gibt es keine französischen und deutschen Vereine. Krieg mit der UEFA.

Hier auch bei der Times (Paywall): https://www.thetimes.co.uk/article/european-super-league-five-english-clubs-sign-up-to-breakaway-league-in-challenge-to-uefa-plans-xks8jdxtm

Six English clubs are among 12 European teams who have signed up to a breakaway Super League in an extraordinary development on the eve of Uefa’s announcement of a new Champions League format.

The Super League development is a direct challenge to Uefa which is to announce its new 36-team Champions League format on Monday, to come into force from 2024. The European governing body had thought it had seen off the threat of a breakaway but is now involved in urgent talks with other football bodies

Und hier noch die NY Times, ein längerer Artikel ohne Paywall: https://www.nytimes.com/2021/04/18/sports/soccer/super-league-united-liverpool-juventus-madrid.html

Update

Das kann noch witzig werden die nächsten Tage

BREAKING NEWS:
In a joint statement, UEFA, English FA, Italian FA, Spanish FA, Premier, Liga, Serie A announce that the 12 clubs involved in SuperLeague will be banned from domestic league if they will pursue their project

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Das klingt jetzt sehr nach dem Showdown Großklubs gegen die Kleinen bzw. Großklubs gegen Verbände, den ich eigentlich etwas später erwartet habe.
Sollten Bayern, Dortmund, Leipzig, PSG und ggf. noch Sevilla (Porto, Ajax?) sich den anderen zwölf noch anschließen, dann wird die UEFA entweder einer Mega-Giga-Liga zugucken müssen (worst-case für die UEFA), ein DFL-Modell für den europäischen Fußball zulassen müssen (minimal besser?) oder zumindest die Ausschüttung an die Großen drastisch erhöhen müssen. Das letzte Szenario ist für die UEFA vielleicht der best-case und vielleicht auch einfach das Ziel der Fehdeführenden. Allerdings zögert es in meinen Augen das Unvermeidliche nur ein bisschen hinaus.

Kurzum: Ich stimme zu. Das wird noch richtig witzig.

Agnelli und Juve derweil aus ECA ausgetreten.

Sie haben auch schon Ansprechpartner für Journalist*innen: https://thesuperleague.de/media.html

Die Webseiten der PR-Agenturen sagen schon alles. Alles sehr weltmännisch, groß.

Genauso wie das hier:

Spannend: Die deutsche Version wirkt mir automatisch übersetzt. Sprich die deutschen Vereine waren offenbar wirklich nicht involviert bisher.

Laut diesem Kickerartikel

Soll die neue Super League eine Konkurrenz zur CL darstellen. Für mich ist das neu, geht es euch auch so oder hab nur ich das grundlegend falsch verstanden?

Nein, das hast du ganz richtig verstanden.
Die Spiele sollen Mitte der Woche stattfinden. Was ist da aktuell? Genau!

Und auch deshalb ist diese Idee eine offene Kriegserklärung an die bestehende Struktur von UEFA und FIFA samt ihrer Mitgliedsverbände.

So meinte ich das nicht :slight_smile:

Für mich ist es neu, dass die Super League diese Form haben soll. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass von einer echten länderübergreifenden Liga die Rede ist, die aber mehr oder weniger insich geschlossen ist.
Und da wollte ich von euch hier wissen ob ihr das auch so gedacht habt oder ob nur ich da was nicht richtig mitbekommen habe.

Ich hoffe das ist jetzt verständlicher was ich meine :wink:

Edit: Mmh jetzt habe ich editiert während @HamezMilner schon geantwortet hat. Aber wir sind ja dann auf dem selbem Stand :slight_smile:

Ah, alles klar.

Ich persönlich hatte das eigentlich immer so verstanden, dass es ein exklusiver Club werden soll, wenn es denn mal passiert.
Aber ich hab’s grad nicht präsent, welche Gedankenspiele da alles im Raum standen.

Davon abgesehen, dass UEFA und FIFA in dieser Geschichte plötzlich „die Guten“ sind, ist es ein weiterer Treppenwitz, dass nach dem Ausscheiden von Juve und Agnelli die Clubs jetzt von PSG und Nasser Al-Khelaifi angeführt werden.

Natürlich alles ganz selbstlos. Das Nein von PSG hat bestimmt nichts damit zu tun, wo im nächsten Winter ein gewisses Turnier gespielt wird oder dass die beIN media group, die zufällig Nasser gehört, die TV-Rechte der Champions League hat. Das wären böse Unterstellungen!

Ich bin unendlich enttäuscht, dass mein Verein an diesen Plänen beteiligt ist. Umso mehr Lob verdient die Haltung der deutschen Vereine, sogar des FC Bayern, von dem ich den Beitritt am ehesten erwartet hätte.

Es ist unendlich schade, dass Max aktuell so extrem eingespannt ist. Den Rasenfunk-Take zu der Geschichte hätte ich nur allzu gern

Ich glaube ja, ich würde wenig Überraschendes beitragen können. Mein Plan ist aktuell zu warten, bis sich der Staub etwas gelegt hat, und dann mal meine Fühler nach Leuten auszustrecken, die tief in der Materie sind. Rasenfunk-Style halt. Hoffe, das klappt.

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Das wird ja von Stunde zu Stunde „lustiger“