Eine mögliche Super League


#21

Hm da bin ich mir nicht so sicher, ob das so einfach funktioniert. Die Amerikaner haben ja nicht wie die Superliga eine etablierte Ligenstruktur als Konkurrenz. In Amerika gibt es ja zu den Major Leagues praktisch keine Gegenveranstaltungen. (Und auch die D- und G-league und wie sie alle heißen sind ja dann meist als Farm- unt Trainingsteams angegliedert). Das heißt jetzt nicht, dass es nicht funktioniert, aber ich denke die Amerikaanalogie ist nur bedingt belastbar. Vor allem weil bei den Majorleague Sportarten die USA ja auch eine historisch gewachsene Dominanz haben, weil die Sportarten da halt schon immer populärer waren als anderswo und sich die besten Spieler dieser Sportarten auch von da rekrutierten. (Außer vielleicht im Eishockey, aber da haben sie ja den kanadischen Raum dann auch wieder mit drin).

Ja also das die Veranstaltung international Erfolg hat kann sein, aber national sehe ich das nicht zwingend. Also wenn Bayern und Dortmund (zugegeben mit vielen Fans) weg sind, würden die Fans der verbleibenen 18 Clubs ja noch immer die Bundesliga / Ligue 1 / etc. schauen. Die Frage ist, wie viele von denen zusätzlich dann noch die Konkurrenzveranstaltung schauen würden, die ja dem vernehmen u.a. auch am Samstag ausgetragen werden sollte. Zuschauer die sagen “ist mir egal wer spielt, ich möchte den besten Fußball sehen” gibt es ja vermutlich nicht so viele.


Ich habe vor allem das Gefühl, dass in dieser Sache so ein Sogeffekt entsteht. In dem Moment, wo diese Sache aufkommt, stehen die großen Clubs auf einmal alle unter Druck, den (vermeindlich) an Fahrt aufnehmenden Zug nicht zu verpassen. In dieser Hinsicht fand ich die Aussage von Watzke ganz erkenntnisfördernd: (sinngemäß) “Unter ihm wird es keinen Ausstieg des BVB aus der Bundesliga geben. Aber klar ist auch, dass ein Format wie die Superliga nicht ohne den BVB stattfinden kann.” - Da ist diese Sogwirkung. Es bildet sich hier eine eng umgrenzte, fast undurchlässige Elite raus, die alles andere auf die hinteren Plätze verweist - und wer nicht dabei ist, der ist auch nicht Elite. Also müssen auch große Vereine, die vielleicht selbst gar nicht aktiv am Status quo rütteln wollen, hier mitziehen, oder ihren Anspruch dazuzugehören, wie Watzke hier, öffentlich formulieren.


Selbst im allergünstigsten Fall, in dem das “Konzept Superliga” nur dazu dienen sollte, um mit der UEFA hart verhandeln zu können (Gerlinger), hat es dem Fußball nachhaltig geschadet. Denn was der Chefjurist des FCB damit meinte haben die Recherchen ja deutlich gemacht. Hart verhandeln heißt andersformuliert “durch bandenmäßige Erpressung die Dominanz der derzeit vorherrschenden Fußballvereine innerhalb der UEFA durch unproportionale Verteilung der Einnahmen dauerhaft zu sichern.” Damit wurde die Schieflage der Ligen systemimmanent verankert.
Der an Bitterkeit dabei nicht zu übertreffende Treppenwitz bleibt, dass die Repräsentanten des FC Bayern München die Dreistigkeit besitzen sich bräsig lächelnd vor die Kamera zu stellen, und zu sagen “Hinsichtlich der Dominanz der Bayern sei es doch an der Konkurrenz dies zu ändern” (Heynkes?). Und das nachdem der Uhrenschmuggler Karl-Heinz Rummenigge als Chef der ECA vorher in Komplizenschaft die UEFA dazu erpresst hat, die Geldausschüttung so zu ändern, dass der finanzielle Vorsprung des FC Bayern jede Saison noch weiter wächst.
Da kann man nur staunen. Dank der football leaks weiß ich jetzt endlich, was ich vorher nur mutmaßen konnte: Wenn von der Bayernfamilie die Rede ist, dann wählt man diese Metapher auf Grund der mafiösen und skrupellosen Strukturen beim FCB. Ironischerweise ist aber Jupp Heynkes der “Don”, sondern wahlweise Rummenigge oder Höneß. Letzterer saß ja bereits wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis - auch das gehört für einen guten Mafiaboss ja stets zur Biographie.

Das_Daw


#22

Wenn man aber bedenkt, dass die Superliga vor allem eine Vermarktung der Potentiale außerhalb Europas im Blick hat und damit die Analogie zu der Vermarktung der amerikanischen Ligen außerhalb der USA zieht, wird ein Schuh draus!

Das glaube ich aber schon, wenn man bedenkt, dass der klassische Kurvenfan insgesamt eine Minderheit darstellt und vor allem bei den U20-Fans viel Stärker die Person und Fan-eines-Spieler-seins im Mittelpunkt steht. Ich denke genau diese Leute haben die im Blick. Kann man schön an Transfers wie Ronaldo und Neymar sehen.

Sorry, aber das finde ich zu hart. Klar kann man darüber diskutieren was moralisches Verhalten bei diesen Verhandlungen angeht, aber dass eine Profiabteilung deren Interesse es sein muss finanziellen und sportlichen Erfolg zu zementieren so denkt, ist weder verwunderlich noch kriminell. Da schließt natürlich die Kritik an, dass es im Profifußball vor allem ums Geld geht, kann man kritisieren, ist aber leider Fakt!
Meiner Ansicht nach ist eine Entwicklung dieser Art nicht aufzuhalten, da die entsprechenden Clubs als globale Marken ihren Ligen entwachsen sind (auch hier kann man die Gründe kritisieren, aber das Kind ist seit den 90ern in den Brunnen gefallen). Das wird Grabenkämpfe und Katerstimmung nach sich ziehen, aber hey es ist nur Fußball und es ist Entertainment und von so einer Entwicklung geht die Welt nicht unter.
Ich frage mich sogar, ob es für die “Traditionsfans” nicht attraktiv ist, weil man sich in den verbliebenen nationalen Ligen dann guten Gewissens vom “bösen Kommerz” der Superliga abgrenzen kann.
Dass die Entwicklung das Potential hat die Bedeuntungslosigkeit von Fußball in Deutschland abseits der Bayern und des BVB zementiert, kann ich mir einfach nicht vorstellen. Man schaue sich die Zuschauerzahlen in allen anderen Stadien, auch der 2.Liga anschaut (HSV-FC um die 50000!)


#23

Ich weiß nicht, ob die Fans der 16 anderen BuLi-Clubs immer noch so häufig ins Stadion gehen. Wenn nie ein Dortmund kommt, nie die Bayern. Nie Stars. Nie ein Arsenal kommt, sondern immer nur ein Östersund. Die Leute gucken doch heute schon Premier League wegen der Stars. Die Jugend würde dir völlig wegbrechen.
Stell dir mal vor dass nicht mal die Chance besteht sich für die CL überhaupt qualifizieren zu können, weil die CL die Türen zugemacht hat und nur noch mit sich selbst spielt.
Da ginge viel Attraktivität, Ziele und Ehrgeiz verloren.

Geld gibt es für die nationalen Ligen natürlich auch nicht. Das liefe dann so ab wie die Regionalliga hier: obskure Spieltermine, um wenigstens noch irgendwelche Sponsorengelder und den letzten Rest Fernsehpräsenz zu ergattern, denn 1 Milliarde internationale Zuschauer haben einen ganz anderen Stellenwert als ein paar deutsche Hanseln.
Und bei der ersten Gelegenheit sind die Spieler weg, und zwar dorthin wo sie Geld verdienen können, Profis ist dein Gefühl egal. Schlimmer noch - das Farming wird wahrscheinlich zunehmen, weil die Armutsliga noch viel nötiger Geld braucht.

Fussballromantik ist ja schön, aber realistisch ist sie nicht. Ich seh den Erfolg der Superleague. Aber so weit kommt’s ja hoffentlich nicht.


#24

Also ob die UEFA ihre internationalen Wettbewerbe einstellt, wenn sich die vermeintlichen Top Clubs von ihr lossagen.

Warum sollten Sie denn auch? Meister in den Ligen gibt es doch trotzdem noch.
Klar das Geld wird vermutlich weniger weil die TV Gelder dann erstmal größtenteils an die Super League gehen. Aber ob das so bleibt?

In meinen Augen sinkt irgendwann auch die Attraktivität der Spiele wenn jede Woche die vermeintlichen Top Clubs Europas gegeneinander spielen. Vor allem dann wenn die Gründungsmitglieder unabsteigbar sind. Es ist dann halt auch nichts mehr besonderes dass es zu diesen Konstellationen kommt, die man sonst ja erst in der späten CL Phase zu sehen bekommt.

Zumal sich auch das Publikum massivst verändern wird. Wer kann es sich schon leisten jede zweite Woche durch ganz Europa zu reisen? Da wird es sowohl einen Wandel bei der “Art” der Zuschauer geben, als auch einen bei der Zuschauerzahl.

Ich habe irgendwo gelesen, dass auch geprüft wurde ob die Super League Vereine rechtlich verweigern können Spieler für die Nationalmannschaften ab zu stellen. Sollte das stimmen und so kommen, dann werden auch nicht alle Stars dort spielen wollen. Sicher gibt es Spieler denen es nur um Vereinserfolge und Geld geht aber es gibt denke ich auch genug Stars die auch für ihr Land spielen wollen. Die wechseln dann nicht in die Super League.

Mein Fazit: Lasst Sie machen.


#25

Das der FCB als Verein seine Interessen verfolgt und meinetwegen auch Gewinnmaximierung anstrebt ist ja auch nicht mein Punkt. Dass die Bayernfamilie mit ihrem Renomee aber ausgeschwärmt ist und wichtige Posten in übergeordneten Verbänden besetzt und diese Machtpositionen dann dazu instrumentalisiert, um dem FCB (oder dem FCB im Konzert der Big-7 oder der Superleagueanwärter) zu dienen - entgegen der Interesse aller anderen - ist das halt nicht akzeptabel. Zyniker werden jetzt sagen “das ist in der Politik ja auch so”, aber das würde mir dann wieder zu weit gehen (und wäre auch hier nicht akzeptabel).

Das_Daw


#26

Hat eigentlich irgend jemand verstanden, wie das mit den “eingeladenen” Mitgliedern funktionieren soll? Können die dann wirklich “absteigen” und wenn ja, wohin?

Abgesehen davon: Ich werde immer in erster Linie die Wettbewerbe verfolgen in denen Gladbach spielt, ich halte es aber für ausgeschlossen, dass die ESL kein (finanzieller) Erfolg wird, falls sie denn kommt. Das die “traditionellen” Vereinsfans dafür keine große Rolle spielen kann man jetzt schon gut in der EPL und der CL sehen.
Es kann sein dass die nationalen Ligen dann ausgeglichener werden (muss aber nicht - gibt ja auch noch genug andere gesponsorte Teams…), aber wer kann sich denn ernsthaft z.B. englischer Meister nennen wenn die 5 besten Clubs des Landes nicht mehr bei der Meisterschaft mitmachen? Die Ligen sind dann nicht nur sportlich schwächer, sondern auch keine echten ersten Ligen mehr. Und die “Meister” haben dann nicht mal die Chance aufzusteigen.


#27

Auch hier der US-Vergleich: Kein NHL Spieler, der zwischen WM und Playoffs wählen kann fährt zur WM! Die kamen ja nicht mal zu Olympia…


#28

Wichtiger Punkt, die Zuschauerzahlen gehen ja bei dem einen oder anderen Verein zurück oder stagnieren (nachdem sie die letzten Jahre fast immer gestiegen sind). Aber das Problem, das du ansprichst, besteht ja bereits. Dortmund und Bayern bzw. das eine oder andere Derby gibt´s ja trotzdem nur 2-3 pro Saison. In Mainz will niemand Augsburg oder Wolfsburg sehen, selbst wenn die ganz gut drauf sind. Die Gefahr, die du siehst, ist längst Realität.
Andererseits ist dann die Frage, ob nicht der eine oder andere Fan mehr kommt, wenn man vielleicht mal Meister werden kann. Wenn z.B. Hertha mal nen starken Lauf hat und lange oben steht, kommen vielleicht auch mehr Leute ins Stadion, weil man auf Platz 1-3 steht.


#29

Und wenn Bayern mal 11ter von 16 ist, was in so einer SuperLiga durchaus realistisch sein könnte, haben die Bayernfans an Spieltagen vielleicht auch doch etwas anderes vor als in die Arena zu pilgern.


#30

Grundsätzlich bin ich ein absoluter Gegner der Superliga. Ich bezweifel ob sie dauerhaft erfolgreich wäre aus den bereits genannten Gründen.

Zu den eigentlichen Footballleaks. Die Berichterstattung hat mich sehr gestört. Keine wirklich neuen Informationen. Das meiste war schon bekannt oder offensichtlich. Die Details wurden nicht nicht wirklich genannt bzw offen gelegt. Die Formulierungen waren extrem reißerisch bis irreführend. Der Bericht in der ARD und in den NDR-Podcasts waren eher 90% Making of und maximal 10% wirkliche Infos.

Zu den einzelnen Themen. Die Superliga. Die Pläne für die Superliga waren ja schon öfter Thema, es hat nur in der Breite wenige interessiert. Hier z.B. zwei Artikel aus 2016. Eurosport Artikel ----- SZ Artikel

Wenn die Superliga als Option gesehen wird, wäre es ja geradezu fahrlässig, wenn sie nicht die rechtlichen Rahmenbedingung abklären lassen würden. Keine Überraschung also. Warum wird aber überhaupt nicht auf die Ergebnisse dieser Studie eingegangen?

Hr. Buschmann redet gerne von der verbindlichen Absichtserklärung die existiert. Wenn genauer nachgefragt wird stellt sich heraus, dass diese nur ein Entwurf der Anwälte von PSG ist. Hier Formuliert er bewusst irreführend um die Story zu puschen.

Zum financial fairplay. Das es hier nicht mit rechten Dingen zu geht ist ja auch offensichtlich. Nun wissen wir sicher das Infantino eine entscheiden Rolle dabei gespielt hat. Auch hier wird auf die entscheidenden Details nicht eingegangen. Wie hat er genau auf die Entscheider Einfluss genommen? Hat er Druck ausgeübt? Was waren seine Beweggründe? Hat er in irgendeiner Form persönlich davon profitiert?

Er hat Einfluss auf den neuen Ethik Code genommen. Welch Überraschung! Was waren genau die Änderungen? Wie hat er sie durchgesetzt?

Werden im Spiegel diese Fragen beantwortet? Mir fehlt der Glaube, daher werde ich ihn mir auch nicht kaufen.

Hat jemand den aktuellen Spiegel und kann mich vom Gegenteil überzeugen.


#31

Sorry wenn ich da mal kurz was aus dem Zusammenhang reiße, aber diese zwei Sätze sind so 2018 und erklären total gut, warum der Journalismus in so vielen Bereichen richtige Probleme hat. Wir sind nicht mehr bereit, ein paar Euro für ein journalistisches Produkt auszugeben, das vielleicht nicht genau unsere Meinung reproduziert. Ich sehe das auch an mir selbst, dass ich ganz oft an der Paywall schulterzuckend wieder kehrt mache (wenn dann lese ich meist via Blendle, weil es da einfacher ist zu bezahlen), “so sehr interessiert es mich dann doch nicht”. Aber das ist ein problematisches Verhalten, denn wir brauchen guten Journalismus und der kostet nunmal Geld. Auch wenn man mal ein paar Euro in den Sand gesetzt hat für einen Artikel, den man im Nachhinein dann doch doof fand.

(ich hoffe das kommt bei dir, @Duffman, nicht als fingerpointing an. Mir geht es um uns alle, deine Formulierung war nur Anstoß für mich, darüber zu schreiben)


#32

Also ich fand den Artikel zu Infantino schon ganz informativ. Die Kommunikation sowie die Art und Häufigkeit von geheimen Zusammenkünften mit den Entscheidern von PSG und ManC haben sie da schon recht kleinteilig rekonstruiert. Für den Gesprächsinhalt dieser Treffen - die ja niemand schriftlich dokumentiert hat - gibt es dann selbstverständlich wenig konkretes.
Aber Infantino hat mit seinem Verhalten die Spruchkammer (hieß das glaube ich, also die FFP Entscheider übergangen), weil er mit seinem Vorgehen und das einfädeln von irgendwelchen freundschaftlichen Deals die für diese Fälle vorgesehene juristische Beurteilung der Fälle torpediert hat - so viel vielleicht zu dem “wie Einfluss nehmen und was an Druck ausüben”.
Auch zum Ethikcode findest du in der Veröffentlichung was - auch hier hat er extra bestellte unabhängige Entscheider entmachtet und dann seine Vorstellungen diktiert (sehr zusammengefasst) - also das kaufen und lesen lohnt durchaus, um deinen Wissensdurst zu stillen. Dass die Gesamtkampagne an einigen Stellen etwas reißerisch daher kommt und Skepsis erzeugt, habe ich ja bereits auch bemängelt.

Außerdem denke ich, dass zu den Inhalten auch noch was nachkommen wird. Die mussten jetzt halt mal veröffentlichen, weil die Chefs die extrem kostspielige Recherche dann auch mal in Auflage verwandelt sehen wollten.

Letztlich kann man mitterweile aber vermutlich festhalten, dass die Informationen doch (zumindest teilweise) durchs Hacks zusammen getragen wurden. Das hatte Rafael Buschmann damals in Pod ja noch etwas umschifft und darauf verwiesen, dass John das bestreitet. In der Printausgabe lässt der Spiegel diese Frage mit durchaus insinuierten Zweifeln offen. Aber was da an vertraulicher Kommunikation zitiert wird, die nur zwischen zwei Beteiligten erfolgte - die mit Sicherheit kein Interesse daran hatten, dass diese publik wird - lässt denke ich keinen anderen Schluss zu. Denn dass die ganzen persönlichen Referenten und Sekretäre alle für ihre Chefs nur mit der Faust in der Tasche arbeiten und mit den leaks auch an ihrem eigenen Ast sägen, nur weil sie den Fußball retten wollen, erscheint wenig realistisch.

Das_Daw


#33

Da hast Du schon recht Max. Gerade die private Seite des Recherchenetztwerkes hat natürlich Zeit und Geld investiert und dies darf sich am Ende auch für sie lohnen.

Jedes mal wenn ich vor einer Paywall stehe stelle ich mir die Frage welchen Mehrwert habe ich. In Zeiten von irreführenden Überschriften und clickbait ist dies aber oft schwer abzuschätzen. Dies macht mittlerweile vor fast keinem Magazin/Sender halt.

Natürlich ist das ein Teufelskreis. Mit jedem guten Artikel für den ich nicht bereit bin Geld auszugeben, steigt der Druck auf den Herausgeber genau die Praktiken anzuwenden die ich anprangere. Mit jedem Clickbait auf den ich rein falle, steigt die Skepsis auch gegenüber “normalen” Artikel.

Wie im ersten Post beschrieben, konnte aus meiner Sicht, die ARD-Doku die selbst aufgebauten Erwartungen nicht halten. Das macht mich automatisch auch bei dem Spiegelartikel skeptisch.

Da hast du mit dem RSC den perfekten Mittelweg. Jetzt hab ich fast ein schlechtes Gewissen, zahl ich zu wenig :wink:

Ach ja GEZ finanziert war nicht negativ gemeint. Genau solche Arbeit rechtfertigt den GEZ Beitrag.


#34

Ich schreibe einfach mal ein paar Gedanken auf, die mir während des Lesens der Antworten hier kam, ohne zu zitieren, aber vielleicht weiß man beim zusammenhängenden Lesen ja was gemeint war. :smiley:

Die UEFA sieht sich selbst anscheinend sehr wohl von den großen Vereinen abhängig. Oberstes Ziel hier ist wohl, wie anscheinend überall im Profisport, soviel Geld wie möglich zu generieren. Das klappt am besten, in dem du dein Produkt so gut wie möglich vermarktest. Traurigerweise ist das Produkt nicht die Champions League, sondern die Vereine die in dieser regelmäßig spielen. Also Paris und ManCity z.B.

Deshalb ist es Infantino wohl so wichtig, dass hier Ausnahmen im FFP gefunden werden. Würden bspw. diese beiden Vereine für eins, zwei Jahre aussetzen müssen, dann hätte die UEFA Einbußen bei der Vermarktung der Fernsehrechte. In Brasilien z.B. will man wohl Neymar sehen. Ohne diesen in der CL, gibt es wohl keinen Grund, mehr Geld als bisher für die Fernsehrechte zu zahlen. Ich weiß leider keine Zahlen in welchen Ländern welche Vereine die meisten Leute an den Bildschirm zieht. Aber außerhalb Europas dürften das für ManCity und PSG wohl einige sein. Ich denke die Entscheidung für eine Ausnahmeregelung sind wohl die eigenen finanziellen Interessen der UEFA. Sion wird wohl kaum Fernsehgelder, oder Sponsoren weltweit generieren.

Ich finde, dass ist im Zusammenhang der Football Leaks auch das empörendste. Der größte europäische Sportverband, der sich Fairness etc. auf die Fahnen schreibt, scheißt(Sorry für die Wortwahl, aber treffenderes fiel mir nicht ein) auf die Fairness im Sport. Es geht hintergründig nicht darum, dass die Vereine im höchsten europäischen Wettbewerb spielen, die es sich sportlich verdienen. Sondern darum die finanziellen Interessen der UEFA dauerhaft zu sichern und dadurch bekommen diese Art Vereine einen größeren Spielraum und müssen sich nicht an Regeln halten.

Vielleicht ist der Druck, den die Vereine auf die UEFA ausüben wollen ja auch der Druck das diese in Zukunft damit rechnen wollen, jede Saison im höchsten europäischen Wettbewerb vertreten zu sein. Entweder Super League, oder eine andere Lösung der UEFA. Ich finde die neue Regelung, dass die großen Ligen jetzt alle feste Startplätze in der CL haben, ist schon ein Zeichen in diese Richtung.

Ich glaube der Traum an die Art der amerikanischen Ligen zu kommen, wird hier in Europa nicht geschehen. In Amerika steht mehr dahinter, als das da 32 große Teams in einer Liga spielen. Ja, es gibt keine Ligen darunter, aber das wird da gar nicht gebraucht. Z.B. beim Highschool Football ist in den Stadien teilweise genauso viel los, wie bei den NFL Spielen. Das faszinierende ist u.a. die Chancengleichheit, z.B. durch das Draft-System. Kann mir nicht vorstellen, dass es so Spaß macht, wenn der Verein mit dem meisten Geld dann jedes Jahr die Super League gewinnt und das lediglich ein Wettbieten um die besten Spieler stattfindet.


#35

Nur mal eine Anmerkung noch zu den US Sports: Letztes Jahr habe ich in der “BASKET” gelesen, dass die LA Lakers (und zwar bevor Lebron kam!) für die Vermarktung ihrer TV Rechte nur an die lokalen Fernsehsender in LA mehr Geld generieren, als die Minnesota Timberwolves (und noch zwei weitere kleine Teams, deren Namen mir entfallen sind) aus ihren gesamten nationalen und internationalen Fernsehrechten zusammen.
Mitnichten ist es also so, dass im US Sport alle gleich haben, weshalb die small market teams (also Minnesota) es auf Dauer schwer haben, trotz aller Drafts, Vorkaufsrechte, etc. ein Championsshipteam aufzubauen. Die Standorte sind meist weniger attraktiv und vor allem generieren die Teams weniger Geld (und haben auch weniger Werbereichweite, was für die Athleten und ihre Schuhdeals dann heißt: weniger Geld). Es liegt also einzig und alleine am Owner so eines small market teams durch eigenen Kapitaleinsatz das eigene Team an den eigentlichen Marktmöglichkeiten vorbei nach oben zu schrauben - da sind sie also wieder unsere Oligarchen und Scheichs. (Die in den USA zwar meist nicht aus Russland oder vom Golf kommen. Same same, but different.)
Dass es also eine wie auch immer geartete Chancengleichheit bei den Teams gäbe ist (und das kann ich jetzt nur für die NBA beurteilen) eine absolute Fata Morgana. Die Liga ist ständig darum bemüht durch Finanzausgleich zwischen den Teams, Gehaltscaps, den Draft und Co. die kleineren Teams am Leben zu halten und gegen das große Gefälle zu den fünf big market teams nicht größer werden zu lassen.
Irgendjemand sagte mal, dass der Sinn der kleineren Teams ausschließlich sei, dass die großen Teams genügend Gegner im Spielplan haben. (Das ist ja für mich so einer der großen Treppenwitze, dass das vielleicht kapitalistischte Land der Welt dann so eine durchreglementierte Profiliga hat und mit einer unglaublichen Fülle an (Trade-)Regeln ständig versucht den freien Wettbewerb zu unterbinden - weil der wohl zum zusammenbruch des Marktes führen könnte.)

Wie genau das dann in der Superliga umgesetzt werden würde, habe ich auch noch nirgends gelesen. Aber in einem Vertragspapier was der “Spiegel” zitierte stand ja drin, dass die Einnahmen (sind jetzt aus dem Kopf) bei Real ~14%, Barca ~12% und FC Bayern glaube ich ~8,7 % landen sollten. Da wäre also auch innerhalb der Vereinsnahmen aus der Superliga ein riesen Gefälle unter diesen Gründungsmitgliedern. Also ein Wettstreit mit der Brieftasche um die besten Spieler wäre zumindest mittelfristig auch in erheblicher Schieflage. Weiß denn jemand ob ein Draftsystem in Planung war? Ich kann mir nämlich (auch wenn ich kein Jurist bin) nicht vorstellen, dass ein Draftsystem mit den europäischen Arbeitnehmerrechten kompatibel ist. Denn (s. NBA) auf so ein System folgen dann ja zwangsläufig Pflichtverträge, damit nicht nach dem Draft einfach Spieler weggekauft werden. Dass das in der EU zulässig wäre, dass jemand keinen Einfluss darauf hat wo er hingeht und dann wegen des Drafts 6-8 Jahre bei den Bayern spielen “muss”, dürfte denke ich keiner Klage standhalten.

Puh also je mehr man drüber nachdenkt, desto mehr fragen möchte man den Verantwortlichen gerne stelle, wie sie sich das ganze Projekt eigentlich jenseits von mehr € für alle vorgestellt haben.

Das_Daw


#36

Ironischerweise hatte ich, als ich das geschrieben hatte, auch die NBA als Negativbeispiel im Kopf. :smiley:
Wenn ich mich richtig erinnere, gab es da aber schon immer das Problem der Langeweile. Auch der Grund, warum ich irgendwann das Interesse verloren habe an dem Wettbewerb.

Hatte hier eher an die NFL gedacht. Die hatten in den letzten 10 Jahren 9 verschiedene Sieger. Salary Cap scheint gut zu funktionieren und der Draft stärkt meist die unteren Teams, solange sie nicht Cleveland Browns heißen. Allerdings weiß ich nicht, ob die einzelnen Teams hier ihre Fernsehrechte selbst aushandeln können. Glaube, hier hat die NFL das Vorrecht. Kenne leider auch den Auszahlschlüssel nicht.

In der NFL ist es auch so, dass Spieler nicht gekauft werden können. Dachte, dass wäre in der NBA auch so. Also bringt das Finanzielle in diesem Bereich auch nichts. Soviel ich weiß, ist es auch so, dass ein Rookie nach dem Draft einen Vertrag unterschreiben muss. Spieler können nur “gekauft” werden, wenn sie keinen Vertrag mehr bei einem Team haben und dann kann jedes Team dem Spieler ein Vertragsangebot machen.

Aber finde deinen Punkt mit dem Arbeitsrecht ganz interessant. Spieler haben zwar die Wahl bei dem Vertrag mitzuentscheiden, allerdings gibt es hier auch viele Regelungen, z.B. können Spieler mit Vertrag getradet werden, also als Teil eines Handels den Verein Wechseln. Handel allerdings nicht gegen Geld, sondern Draft Picks, oder andere Spieler. Auch kann ein Spieler, dessen Vertrag ausläuft, mit einem Franchise Tag belegt werden, so dass dieser nicht mit anderen Teams handeln kann und zumindest noch dem Verein gehört. Spielen und Vertrag unterzeichnen muss er zwar nicht, aber der Verein hat weiterhin die Rechte an Verhandlung etc.

Aber bevor es noch weiter Off Topic wird, stoppe ich hier mal.

Sollte das finanzielle ähnlich wie bei der NBA sein, schneiden sich doch z.B. Bayern ins eigene Fleisch. Zum einen, nach deiner Einnahmeliste, fällt Bayern bereits hinter die großen spanischen Clubs finanziell zurück, da weniger Fernsehgelder. Dann denke ich mal, dass auch weltweit Bayern hinter den ganzen spanischen, englischen und dem einen französischen Club landen würde, in Bezug auf das globale Interesse? Also wahrscheinlich auch hier weniger Einnahmen als die Anderen? Und dann? Haben die Bayern zwar mehr Geld als vorher aber kommen sie damit weiter als jetzt?

Habe das Gefühl, dass umso mehr man darüber nachdenkt, umso seltsamer das alles wird.


#37

In der NBA kann auch mal Geld teil des Deals sein. Aber meistens werden schlechte Verträge (also die Spieler in der NBA kriegen ja den goldenen Handschlag, im Gegensatz zur NFL sind die Summen in den Verträgen ja garantiert) im Handel mit verschoben. Man verschwendet dann also Geld an einen überbezahlten Spieler, was der andere nicht mehr zahlen braucht - “that’s sound like buying a player just with extra steps” wie es bei Rick & Morty heißen würde.
Gekauft werden können Spieler nur bei auslaufenden Verträgen, oder aber (und das dürfte ja im Fußball nicht anders sein), wenn Starspieler öffentlich ihre Wechsel aus laufenden Verträgen forcieren. Das Spielerkaufen hat hier denke ich im großen und ganzen nur wieder eine andere Erscheinungsform.

Ja da würde man erstmal denken, dass die Bayern dann im Verhältnis schlechter dastehen würden. Das käme dann so ein bisschen drauf an, ob es in der Superliga dann eine hardcap (wie in der NFL? geben würde), also dass jeder Verein nur 300 Mio pro Jahr für Spieler ausgeben dürfte. Bei dieser Regelung (die die FFP-Kommission ja dann überwachen kann :rofl:) wäre das dann ja egal, wie viel jeder verdient - so lange alle genügend Geld haben die 300 Mio aufzubringen. Bei nem Softcap wie in der NBA dürften die einnahmenstarken Teams dann im Vorteil sein. (Allerdings stecken Real und Barca ja ganz anders in den Schulden als Bayern… also das würde sich ja vielleicht an der Stelle wieder ausgleichen.)

Aber ja… soft oder hard cap!? Ständig neue Fragen an die Konzeption der Superliga ^^

Das_Daw


#38

Ich könnte mir, ohne Experte zu sein, da aber schon ein Hintertürchen vorstellen, wenn es solche Konstruktionen gäbe, dass die Spieler bei der Liga angestellt sind und nach den dort geltenden Regeln auf die Vereine verteilt werden, die sie sich selbst geben.
Das interessante an dem Vegleich der Systeme europäischen und US-amerikanischen Profisports ist ja, dass in den USA ein viel stärker reglementiertes System existiert in dem die “Arbeitnehmer” eine viel bessere durchsetzungsstärkere Vertretung haben (um hier die letzte Liga reinzubringen, ich kenn mich da nur in der NHL ein bisschen aus, aber da ist es so und sehr ähnlich zu dem was für die NFL erklärt wurde). Dazu habe ich mal einen netten Artikel gelesen, der den Unterschied in der historischen Entwicklung sieht, da in den USA Sport schon immer mehr Entertainment als Wettbewerb war. Dahin entwickelt sich das ganze ja gerade und da mit dem Entertainmentansatz offensichtlich mehr und sicherer Gewinn zu generieren ist, gehe ich davon aus, dass er sich auch in Europa auf dauer durchsetzen wird.

Aber wäre nicht dieser Punkt genau eine Erklärung was mit den nationalen Ligen passieren könnte? Außerhalb der USA interessiert das kein Schwein, aber die großen Ligen lassen sich eben international vermarkten.

Ist ne Berufskrankheit und mir ist schon klar, dass Stilkritik in Forenbeiträgen irgendwie pointless ist, aber ein oder zwei von diesen kleinen Wörtchen weniger erhöhen die Lesbarkeit immens. :wink::hugs:


#39

Kann mir mal einer erklären wie man einen Salary Cap durchsetzen will? Ist es Spieler X nicht egal, ob er vom Verein 20 Millionen bekommt oder 5 vom Verein und 15 über einen Werbedeal, welcher natürlich in keinerlei Zusammenhang mit dem Verein steht? Das habe ich noch nie verstanden. Also wenn man darauf seine Hoffnung setzt, wäre ich etwas skeptisch…


#40

Hm also in den USA kriegen die das mit der Cap schon gut durchgesetzt. (Wieder aus meinem Wissen um die NBA): Denn so eine Franchise zu besitzen, die Milliarden wert ist, und Millionen generiert ist schon ein großes Los! Da die Liga schon knallhart sanktioniert gegen missliebige Äußerungen (s. die gigantischen Strafzahlungen des Maverick owners Cuban), öffentlich nicht mehr zu leugnenden Rassismus (der angeordnete Zwangsverkauf für den alten LA Clippers Owner wegen seiner öffentlich gewordenen Kommentare) und natürlich die Luxury tax: Wer die Soft cap durchbricht muss jede Saison für den Verstoß immer mehr Geld an die Liga zahlen (also jede Saison die man drüber ist, erhöht sich die Zahlung). Wenn also rückwirkend illegales Gehaltssponosring festgestellt wird und für vorher jeden bezahlten Dollar nochmal rückwirkend 6 Dollar draufkommen, dann überlegen sich eben auch Milliardäre ob sie bescheissen.
Also solange man eben Sanktionen auch durchzieht (und nicht wie Infantino eben solches Verhalten der FFP-Kommission torpediert), dann drohen halt ganz harte Strafen. Dann halten sich schon alle dran. Die USA sind da ja ohnehin rigoros, s. FiFa Prozesse, oder auch dieser College-Basketball Skandal, wo Sportartikelhersteller auch Geld an Unis und Basketballer gezahlt haben, obwohl das verboten war, weil die Collegebasketballer ja als Amateure gelten - da ist das FBI dann in gesammelter Mannstärke durch die Basketballprogramme der Universitäten und hat so manche Karriere beendet…

Interessant - ist mir beim Schreiben gerade wieder aufgefallen - ist noch die Ownership Situation. In der NBA ist es ja meistens 1 Owner, oder eine kleine Gruppe die als Owner da in Erscheinung tritt. Wie ist das denn bei den potentiellen Superliga Vereinen? Wem gehört denn der FCB / Real / etc.? Der ein oder andere Scheichclub ist ja dabei. Sind die Vereine denn schon alle Privatbesitz ? Wäre das eine Entwicklung, die man dann sehen würde!?

Das_Daw