FC Schalke 04

Wir gesagt, an Schalke gibt es viel zu kritisieren, ohne noch zusätzlich Gründe zu konstruieren.

Wenn du Schalke eine schlechte Leistungskultur unterstellst und zwei Sätze später schreibst, dass Lasogga unbeachtet seiner tatsächlichen Leistungen auf dem Platz dein Anlass für diese Kritik ist, ist das schon arg schlecht verargumentiert.
Das Gegenbeispiel wäre ja dann, dass gute Leistungskultur wäre, Lasogga nur des Namens bzw. des Karriereverlaufs wegen nicht aufzustellen, auch wenn er hervorragende Leistungen auf dem (Trainings-)Platz zeigen würde.
Genauso Schalke als unprofessionellem Verein darzustellen, weil Fans (sarkastisch) einen bestimmten Spieler abfeiern. Das ist mir als Situation zu harmlos um als Beweis für grundsätzliche Schieflagen herzuhalten und stellvertretend für die Vereinsführung ist es natürlich auch nicht.
Und überhaupt Lasogga stand ja überhaupt nur der vielen Ausfälle wegen im Kader (genau wie Zalazar und Ben Balla aus der U23) und nicht als „Geschenk“ an eine Vereinslegende - die er ja auch einfach nicht ist. Besonders die Tatsache, dass Fährmann (und in abgeschwächter Form Drexler) nicht im Kader standen, zeigt ja nochmals deutlich, dass Lasogga vom einsatzfähigen Personal einfach aus sportlichen Gründen mitgenommen und eingesetzt wurde.

Als Fan bin ich mit der ganzen Situation natürlich trotzdem nicht zufrieden. Nur deiner Begründung kann ich wenig abgewinnen… :man_shrugging:

Habe mir gerade die Pressekonferenz zur offiziellen Vorstellung von Baumann gegeben und dachte, ich fasse hier mal die für mich wichtigsten Dinge zusammen.

In den vergangenen Wochen haben sich die Verantwortlichen, insbesondere Hefer und Tillmann, viel damit beschäftigt, was bedeutet eigentlich „Schalke DNA“ bzw. was sind die Grundsätze und Leitplanken. Darauf aufbauend wurde dann von Baumann, Manga, Mulder und Tillmann mit der Trainersuche begonnen. Es wurden Analysten und auch ein Sportpsychologe miteinbezogen, um das passende Trainerprofil herauszuarbeiten.

Essentielle Punkte waren wohl Spielerentwicklung, die Etablierung einer Arbeitskultur (aka Selbstbewusstsein und Basics), eine klare Trainerhandschrift und dass er schon Mal durch eine schwierige Situation gut durchgekommen ist.

Angesprochen auf das kritische Echo von den Fans und Medien, weil ein Trainer ohne Zweitligaerfahrung geholt wurde, meinte Baumann es hätte ihn etwas überrascht. Für ihn und sein Team stand der Aspekt definitiv nicht ganz oben auf der Anforderungsliste.

Es war ihm wichtig, dass Schalke wieder eine klare Spielidee verfolgt (auch Hefer sprach später davon, dass Schalke das in den letzten Jahren vermissen lassen hat). Seiner Meinung nach sollte Schalke aktiv, zielstrebig und attraktiv spielen (gerade um die Arena mitnehmen zu können). Passiver, destruktiver Fußball passe nicht zu Schalke. Man stehe immer im Spannungsfeld zwischen „Malocherfußball“ und „Schalker Kreisel“, das sei ihm bewusst, allerdings sei ersteres für ihn ein Basic und nicht die Spielidee, die er verfolgen will. Schalke soll das Spiel bestimmen und offensiv aggressiv pressen (zumindest meine ich, das rausgehört zu haben). Die Mannschaft habe in letzter Zeit oft ängstlich gespielt und das solle der Trainer ändern, mit klaren Aufgaben und Rollenverteilungen auf dem Platz und einem neuen Teamgeist. Mutig spielen.

Muslic war letztendlich die Wahl, weil seine Daten gut auf das Suchprofil gepasst haben und Baumann auf ihn schon bei Bremen durch seine ehemaligen Spieler aufmerksam geworden ist. Ebenso kannte ein Scout/Analyst (bin mir gerade leider nicht mehr sicher?) auf Schalke Muslic schon, weil der ihn damals von Schalke wegholen wollte und die dementsprechend im Gespräch waren.

Zu Beginn hat Baumann wohl viel mit ehemaligen Mitarbeitern gesprochen und sich über die „Stopperfallen“ auf Schalke aufklären lassen.

Es soll ggf. Die Orga-Struktur angepasst werden, allerdings ist er mit der Zusammenarbeit zwischen ihm, Manga und Mulder sehr zufrieden. Allerdings sollen die Rollen klar definiert werden. Ben Manga ist fürs Scouting zuständig und Youri dann erster Ansprechpartner für Trainer, Staff und Medien.
Das ist meiner Meinung nach unfassbar wichtig und gut, Manga auf seine Kernkompetenz zustutzen, von den Medien fernhalten (bitte nie wieder dieser öffentliche Beef mit dem Trainer…) und dann Mulder als Blitzableiter. Das passt gut.

Thema Kader: es sollen/müssen weiterhin Erlöse erzielt werden. Entweder Sylla oder Blut werden gehen, wenn nicht sogar beide. Der erste Neuzugang soll ein defensiver Spieler sein, es wird einige Veränderungen im Kader geben. Und er will explizit nicht vermehrt auf Leihen (insbesondere ohne Kaufoption) setzen.

Würde ich jetzt erst Mal sacken lassen bevor ich das großartig kommentiere. Vorfreude auf die nächste Saison hab ich noch nicht, aber das kommt bestimmt mit der Zeit.

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Sehr interessant, danke!

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Im Sommer hat sich schon wieder einiges getan, ich würde mal ein kurzes Recap schreiben.

Leitendes Personal:

  • Schalke hat mit Baumann einen neuen Sportvorstand verpflichtet und zuletzt auch mit Finanzvorständin Rühl-Hamers verlängert.
  • Im Sommer kam mit Muslic ein neuer Trainer, der auch zwei Co-Trainer - Lattimore und Osmanbasic - aus seinen letzten Stationen mitgebracht hat. Außerdem neu im Staff in Torwarttrainer Ünlü, der zuvor bei der U19 gearbeitet hat.

Wie gut Muslic und Baumann sind, wird sich erst noch zeigen, die ersten Monate sehen aber vielversprechend aus.

Muslic hat man für Ablöse von einem englischen Zweitligaabsteiger geholt, die Verantwortlichen scheinen also echt von ihm überzeugt zu sein. Dass zeigt sich auch darin, dass Schalke für ihn bessere Voraussetzungen als für seine Vorgänger geschaffen hat: Erstmals seit 2019 (Wagner) wurde ein Trainer wieder im Sommer verpflichtet und durfte sein Team (anders als bei Kramer 2022) mitbringen. Muslic kann somit auch von Anfang an beim der Kaderzusammenstellung mitentscheiden und bekommt eine komplette Vorbereitung Zeit vor seinem Debüt. Außerdem wird er nicht mit übertriebenen Ansprüchen belastet, Schalke will “nur” eine ruhige Saison ohne Trainerwechsel.

Neben seiner Startvoraussetzungen erinnert Muslic übrigens darin, dass er ein kommunikativ begabter Trainer zu sein scheint, stark an Wagner.

Transfers:

  • Mit Becker, Katic und Kurucay hat Schalke seine Innenverteidigung komplett erneuert, dazu kommen die Talente Ayhan aus der U19 und Leonard aus Australien.
  • Bei den übrigen Mannschaftsteile wurde nur punktuell zugekauft, mit El-Faouzi kam früh in der Vorbereitung ein Achter, Flügelspieler Porath und Stürmer Gomis kamen erst spät im Transferfenster.
  • Mit Bulut, Murkin und Seguin wurden drei Stammspieler für ordentliche Ablösen verkauft.
  • Für die zuvor verliehenen Tempelmann, Gyamfi und Hoffmann wurden kleinere Ablösen erzielt. Ba wurde ablösefrei abgegeben.
  • Die Verträge mit Langer, Fährmann, Kaminski, Aydin, Mohr, Barkok und Drexler sind ausgelaufen.
  • Noode und Wasinski wurden erneut verliehen, bei Hamache wurde eine Leihe mit Kaufoption vereinbart.

Auch bei den Neuzugängen ist es jetzt noch zu früh sie zu bewerten. Bemerkenswert ist, dass einige Spieler, die bereit letzte Saison im Kader waren, über den Sommer einen deutlichen Schritt gemacht haben: Gantenbein, V. Becker, Sanchez und Remmert sind plötzlich echte Startelfkandidaten und auch gestandene Spieler wie Schallenberg, Antwi-Adjej oder Lasme zeigen in den ersten Spielen deutlich solidere Leistungen.

Zudem hat sich die Torwartfrage bis auf weiteres geklärt, mit Karius wurde im Sommer um zwei Jahre verlängert und dieser scheint seine Verletzung aus der Vorsaison gut bewältigt zu haben. Dahinter kann Schalke in Ruhe an der Zukunft arbeiten, neben Heekeren stehen mit Podlech und Siebeking zwei Keeper aus der Knappenschmiede im Kader, die sich über Spielzeit in der zweiten Mannschaft weiter entwickeln können.

Während mit den Zugänge und internen Lösungen die Schwächen im Kader gut adressiert wurden, sieht die Abgangsseite, wie schon letzte Saison, nicht ganz zufriedenstellend aus. Bei den Ablösen wäre vielleicht mehr drin gewesen, aber viel gravierender ist die Liste der Spieler, die Schalke nicht losgeworden ist (vermutlich Kalas, Matriciani, Cissé, Donkor und Younes).

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Schalke hat den Vertrag mit U23-Trainer Fimpel bis 2027 verlängert, Lasogga ist nun Co-Trainer des Teams (mit Spielerpass) und im Kader gab es - wie eigentlich jedes Jahr - wieder zahlreiche Veränderungen. Und, was soll man sagen, die Mannschaft, die letztes Jahr trotz geschwächter Konkurrenz fast aus der Regionalliga West abgestiegen wäre, steht nach elf Spieltagen an der Tabellenspitze.

Ein paar der Leistungsträger würde ich ob ihrer ungewöhnlichen Geschichte hier kurz ansprechen.

  • Yassin Ben Balla ist vor zwei Jahren noch mit Darmstadt in die Bundesliga aufgestiegen, nach einem Jahr 3. Liga mit Sandhausen ist er letzten November bei Schalkes Zweiter gelandet, wo er herausragende Leistungen zeigt. Im Saisonfinale gegen Elversberg stand er dann bei den Profis auf dem Platz und hat ein Tor erzielt. Diese Saison hat er als Sechser ganze sieben Tore und eine Vorlage vorzuweisen. Der Spieler ist eigentlich viel zu gut für diese Liga und mit 29 auch noch nicht so alt. Klar sind Gehalt und Trainingsbedingungen auf Schalke selbst bei der Zweiten auf einem anderen Niveau. Trotzdem haben da dutzende andere Teams gefühlt komplett gepennt.
  • Jakob Sachse ist ein 19-jähriger Stürmer aus dem Nachwuchs von RaBa, der letzte Saison (also nach nur einem Jahr U19) zum 1. FC Düren gewechselt ist, dann aber mit deren Insolvenz also ab April vereinslos war. Er war zum Saisonende schon Trainingsgast bei der U23 und hat im Sommer hier einen Vertrag unterschrieben. Aktuell steht er bei fünf Toren und drei Vorlagen. Wohin die Entwicklung noch geht, muss man natürlich abwarten, aber er sieht bisher echt vielversprechend aus.
  • Gerrit Wegkamp ist ein 32-jähriger Stürmer, den Schalke von Duisburg ausgeliehen hat. Seine Rolle sollte klar sein und mit vier Toren und vier Vorlagen erfüllt er sie anscheinend auch. Aber eine Leihe für die zweite Mannschaft am sich ist schon ziemlich ungewöhnlich…
  • Schalke hat mit Luca Podlech und Johannes Siebeking zwei junge Torhüter aus dem eigenen Nachwuchs, die sich die Einsatzzeiten bei der U23 bisher gleichmäßig aufteilen. Letzterer hat sich jedoch am Wochenende im Spiel verletzt und wird länger ausfallen. Auch für andere U19-Absolventen, wie Mika Khadr und Ayman Gulasi, stellt die zweite Mannschaft einen Zwischenschritt dar. Wie das funktionieren kann, zeigt das Beispiel Vitali Becker, der nach einem Jahr in der Regionalliga nun erfolgreich bei den Profis mitspielt.
  • Tim Dietrich kam von Kickers Emden und ist der einzige Spieler, der bisher jede Minute gespielt hat. Bemerkenswert ist er aber auch deshalb, weil er (wie auch Buzolli, Happe, Hauswirth, Jung und Lamby) nicht zur proklamierten Verjüngung des Teams hin zu einer U21 passt. Dies kann langfristig natürlich trotzdem das Ziel sein, Dietrich etwa würde zur nächsten Saison selbst aus dem U23-Fenster herausfallen, eine Weiterverpflichtung ist also eher nicht geplant.
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Der Dzeko-Transfer ist so cool. Freut mich extrem einen der besten Stürmer der letzten 25 Jahre nochmal hier spielen sehen zu können. Generell was für ein Spieler mit was für einer Karriere. Direkt auch komplette Klasse gezeigt wie er Gyamfi abkocht.
Wenn ich mir seine Stationen als Spieler speziell am Ende ansehe erkennt man auch dass er einen fußballromantischen Blick bei seinen Entscheidungen hat & nicht Geld das erste Kriterium war. Er war ja auch der der den 1. Kontakt zu Schalke hergestellt hat, laut eigener Aussage in der Vorstellungs-PK (ca 6:00, aber generell auch interessant). Er erwähnt auch immer die Stimmung und Fans die ihn vor 15 Jahren sehr beeindruckt haben und Berichte von Kolasinac.
Ich bin richtig hypet dass ein so guter Spieler - selbst mit 39 - in die 2. Bundesliga wechselt.

Hoffe Schalke zieht durch, letzten paar Spieler leider etwas geschwächtelt.

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Nach langer Abstinenz (mein letzter Beitrag stammte noch aus der Zeit, in der ein gewisser Karel Geraerts (oder hieß er doch Eric, wie Simon Terodde während einer Sky-Übertragung sagte?) noch Trainer war. Der Beitrag ist auch nicht ideal strukturiert, weil zu viele Versatzstücke aufgegriffen werden, aber irgendwo muss man ja beginnen…

Was war ich skeptisch, als im Sommer 2025 Miron Muslić als neuer Trainer des FC Schalke bekanntgegeben wurde. Man war ja wirklich nichts Gutes gewohnt, aber die reinen Eckdaten dieser Verpflichtung ließen mich völlig ungläubig zurück. Anstelle des zuvor kolportierten Christian Titz verpflichteten wir einen Defensiv-Pragmatiker der zuvor aus der zweiten englischen Liga abgestiegen war und zahlten dafür sogar eine Ablöse. Der Rest ist bis hierhin Geschichte: Muslić baute Schalke schnell in ein absolutes Pressingmonster um, transformierte die vormals schlechteste Defensive der zweiten Liga in die beste. Mit den niedrigsten Ballbesitz- und Passquoten der Liga holte man die meisten Punkte und fand sich zum Hinrundenende auf dem ersten Platz der Tabelle ein. Man darf hier aber nicht den Fehler machen, dieses Schalke mit dem Tedesco-Schalke von 2018 zu vergleichen: Dieses neue Schalke schöpfte seine Defensivstärke nicht aus einem tiefen Block, sondern aus einem unfassbar hohen, intensiven Pressing: Die höchste Abwehrlinie der Liga (im Verbund mit der bis dahin stärksten Abseitsfalle der Liga) sprachen eine eindetige Sprache. Doch nach vorne blieb Vieles Stückwerk, vieles wurde über die berühmte `Intensität` erzwungen.

Gegen Ende der Hinrunde sah man auch, dass dieses System langam an sein Ende zu kommen schien: Schon vor dem Braunschweig-Spiel wurden die Leistungen schlechter, obwohl noch Siege eingefahren wurden, teils recht glücklich, wie gegen Nürnberg. Dazu trugen sicherlich auch die vielen Verletzten bei, die Schalke gegen Ende der Hinrunde und zu Beginn der Rückrunde zu beklagen hatte. Gerade die Ausfälle der beiden Stamm-Wingbacks Adrian Gantenbein und insbesondere Vitalie Becker wogen schwer im Muslić-System. Weder Finn Porath noch Mika Wallentowitz waren wirklich in der Lage, diese Ausfälle ordentlich zu kompensieren.

Glücklicherweise schienen auch die Schalker Veranwortlichen erkannt zu haben, dass dieses System nicht zwingend bis zu einem potentiellen Aufstieg tragen würde, und entschieden, das System anzupassen: Mehr Offensivpower, selbst wenn dies (zumindest initial) zulasten der defensiven Stabilität geht. Medial wurde ja bereits viel über den Dzeko-Transfercoup berichtet, sodass ich diesen hier ausklammere. Daneben wurde mit Kevin Müller (der Heekeren ersetzt), Dejan Ljubicic, Moussa Ndiaye (MN) und Adil Aouchiche (AA) noch weitere Qualität dazugeholt. Insbesondere die beiden letztgenannten möchte ich an dieser Stelle hervorheben: Es ist wirklich unglaublich, wie gut die beiden sind. MN und AA allein haben Schalkes linke Seite zur absoluten Schokoladenseite der Mannschaft gemacht, und ich gehe soweit zu behaupten, dass es kaum eine bessere linke Seite in Liga 2 geben dürfte.

Die ersten fünf Spiele der Rückrunde, welche allesamt nicht gewonnen wurden, würde ich unter dem Thema “Wachstumsschmerzen” verbuchen. Man hat von der Fünfer- auf eine Viererkette umgestellt — inbesondere Nikola Katić schien hiermit zunächst seine Probleme zu haben — und während es vorne langsam etwas besser wurde, war man hinten plötzlich ziemlich anfällig. Und doch war von Spiel zu Spiel eine Entwicklung zu erkennen. Während man der Hertha hoffnungslos unterlegen war, hätte schon das Bochum-Spiel nicht verloren gehen müssen (man denke da beispielsweise an Katićs Tor, welches in meinen Augen zu unrecht abgepfiffen wurde). Das Unentschieden gegen Dresden war dann letztlich auf einen Torwart-Patzer in letzter Sekunde zurückzuführen, auch weil die vielen konditionsbedingten Wechsel die Ordnung hinten durcheinandergewirbelt hatten. Auffällig war auf jeden Fall, dass mit der Hereinnahme von MN und AA (und natürlich auch Edin Dzeko) ein völlig neuer Offensiv-Wind durch die Mannschaft wehte. Dieses Schalke hatte offensiv nichts mehr mit dem aus der Hinrunde gemein. Tatsächlich hatte ich mich gewundert, wie lange (leider auch in den Ligatouren) Schalke immer noch das Image anhaftete, dass offensiv nichts ginge und das alles Fußball zum Abgewöhnen sei. Insbesondere weil häufig der Vergleich mit den toll spielenden Hannoveranern (keine Ironie meinerseits) gezogen wurde: Ich weiß nicht, ob Hannover aktuell so viel offensivstärker ist, als es Schalke ist. Zumindest im direkten Duell wurden Hannover auch deutlich die Grenzen aufgezeigt (es ist zwar nicht belegbar, aber doch ziemlich wahrscheinlich, dass dieses Spiel ohne Dzekos rote Karte nicht unentschieden endet). In den vergangenen Wochen wurde auch die Defensive immer stärker, ohne dass die neuen kombinativen Elemente im Spiel nach vorne verlorengegangen wären.

Tatsächlich bin ich für die nächsten Wochen recht optimistisch gestimmt. Das Spiel in Elversberg ohne Dzeko, Katić, Ayhan und Karaman wird bockschwer, und schon ein Unentschieden wäre herausragend, aber ich bin guter Dinge, dass man in den Spielen danach noch ausreichend punkten können wird. Spannend bleibt es dennoch. Schön, dass es auch für Schalker mal wieder eine Saison mit positiver Spannung gibt…

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Ich knüpfe mal direkt an den letzten Absatz meiner letzten Nachricht an. Nachdem ich mich schon optimistisch gezeigt hatte, im Spiel gegen Elversberg ob der Ausfälle und der Gegnerqualität jedoch auch schon ein Unentschieden als hervorragendes Ergebnis eingestuft hätte, wurden meine Erwartungen noch übertroffen. Dabei finde ich beide Siege seitdem, sowohl den gegen Elversberg als auch den gegen Münster sehr repräsentativ für Schalke in dieser Rückrunde.

Der Sieg gegen Elversberg wurde medial ja bereits vor allem unter dem Aspekt widriger Umstände beleuchtet: Obwohl vier Stammspieler fehlen, darunter mit Dzeko und Karaman die besten Torschützen, obwohl man früh zurückliegt, obwohl man eine unberechtigte gelb-rote Karte erhält und damit nicht nur knapp 45 Minuten in Unterzahl sondern auch ohne den fantastischen Moussa Ndiaye spielen muss, gewinnt man dieses Spiel. Natürlich hätte das Spiel hintenraus noch kippen können; hier erinnere ich an den extrem freien Kopfball durch Rohr(?) in der Nachspielzeit, der zentral auf Karius kommt. Dennoch ist dieser Sieg unter dem Strich (nicht un)verdient. Dabei zeigte Schalke die defensiven Qualitäten aus der Hinrunde gepaart mit vereinzelten individuellen offensiven Glanzleistungen: Der Konter zum 2:1 über Aouchiche, Ljubicic und Sylla zeigt die ganze Klasse der drei beteiligten Akteure.

Das Spiel gegen Münster stand unter gänzlich anderen Vorzeichen: Selbstbewusste Schalker trafen auf ein Preußen Münster, welches unter dem neuen Trainer Schwartz (die fußballerische Antithese zum Vorgänger Ende), als Tabellenletzter in den beiden vorangegangenen Spielen jeweils ein 0:0 erreicht hat. Gerade solche Spiele stellen sich retrospektiv häufig als Stolpersteine heraus, weil der Favorit sich am defensiv-starken Underdog die Zähne ausbeißt und sich potentiell noch den entscheidenden Konter fängt. Glücklicherweise zeigten die Schalker eine rundum souveräne Vorstellung und zerlegten die Münsteraner nach allen Regeln der Kunst: Alleine innerhalb der ersten 15 Minuten hatte Schalke sechs hervorragende Torchancen, die sich überdies auf die gesamte Offensivreihe verteilten. Die Tore fielen dann folgerichtig (auch wenn sie mit einem Edin Dzeko eventuell früher gefallen wären), und der Gegentreffer durch Münster ist sicherlich auf einen Spannungsabfall und die vielen Wechsel zurückzuführen. So hat Muslic erstmals auf Gelb-Vorbelastungen reagiert und mit El-Faouzi, Schallenberg und Becker die drei vorbelasteten Spieler frühzeitig ausgewechselt. Auch der gelb-verwarnte Aouchiche sowie der noch leicht angeschlagene Karaman durften früher Schluss machen, sodass man gegen Paderborn mit der (von Dzeko abgesehen) aktuell besten Mannschaft auflaufen dürfte. Erstaunlich fand ich im Spiel gegen Münster, dass alle Offensivakteure ausgesprochen gut ins Offensivspiel integriert waren. Neben einem guten Sylla, einem sehr guten Karaman und den auffälligen El-Faouzi und Ljubicic möchte ich aber auch hier wieder Aouchiche hervorheben: Was dieser junge Mann spielt gehört einfach nicht in die zweite Liga. Neben seinem Pre-Assist zum 1:0 nach klassischer Zidane-Rolle, seiner Ecke zum 2:0 und seinem (glücklichen) Treffer zum 3:0 bleibt mir beispielsweise eine völlig absurde Ballannahme nach Chip-Ball von Moussa Ndiaye im Kopf, mit der die erste Großchance von El-Faouzi eingeleitet wurde. Ich kann mich wirklich nicht daran erinnern, wann ich zuletzt eine so hochwertige Ballannahme von einem Schalker gesehen habe. Vielleicht von Jurado? Lang wäre es wohl her. (Und ja, ich erinnere mich durchaus noch an den guten Harit).

Für das kommende Spiel gegen Paderborn bin ich vorsichtig optimistisch: Ein Unentschieden traue ich den Schalkern defintiv zu. Sollte das gelingen, so hätte Schalke gegen jeden Gegner der Top 6 mindestens einen Sieg geholt und kein einziges dieser Spiele verloren, was wirklich beeindruckend ist. Genauso beeindruckend finde ich jedoch, dass man nun, anders als in der Hinrunde, auch tiefe Blöcke bespielen und dabei Massen an Torchancen generieren kann. Hier hat sich die Wette in der Winterpause definitiv ausgezahlt.

Zuletzt möchte ich anmerken, dass Schalke einen neuen Hauptsponsor gefunden hat: Die Beumer Group. Neben den guten wirtschaftlichen Rahmendaten des Deals (ca 7 Mio pro Jahr in der ersten, 3.5 Mio in der zweiten Liga) freut mich insbesondere, dass es sich hierbei um ein völlig seriös wirtschaftendes Unternehmen außerhalb zwielichtiger Geschäftsfelder handelt, welches sogar einen regionalen Bezug hat. Zugleich scheint der Inhaber ein völlig verrückter (im positiven Sinne) Schalke-Fan zu sein, wie das folgende, etwas ältere Interview belegt:

Interview mit Christoph Beumer

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Wie seht ihr eigentlich Schalkes Kader für die 1. Liga aufgestellt? Ich hab ja jetzt häufiger, auch von gegnerischen Trainern die Aussage mitbekommen, dass man ja gegen einen Erstligisten verloren hätte. Andererseits hat man als Säulen Spieler wie T. Becker und Karaman, die sich in ihrer Bundesligazeit auch nicht unbedingt für höhere Aufgaben empfohlen haben (Karaman noch eher, aber der ist inzwischen 32). Mit Ljubicic und Aouchiche hat man zwei Spieler mit Bundesligaformat dazu bekommen, Karius und El Faouzi (wenn er bleibt) haben die Bundesliga auch drin. Aber beim Rest bin ich ehrlich gesagt unsicher. Bei beiden Stamm-IVs hab ich z.B. Zweifel, dass die für Liga 1 gedankenschnell genug sind.

Was meint ihr, muss Schalke den Kader nochmal umbauen, oder reicht es, Schwachstellen im Kader (z.B. gibt es keinen wirklichen Back-Up für Schallenberg) zu beheben und sich punktuell zu verstärken?

Sehe es genau so wie du: der Kader reicht um über Intensität viele Spiele gegen Zweitligisten zu gewinnen aber Bundesligaqualität ist da nur ganz wenig vorhanden. Man wird sich in jedem Bereich verstärken müssen aber ein Verein mit der Wucht von Schalke hat da auf jeden Fall die Möglichkeiten zu.

Wahrscheinlich wird man einen von El Faouzi und Ayhan verkaufen müssen um handlungsfähig zu sein. Ich würde mich da wahrscheinlich für El Faouzi entscheiden, da ich ihn bei 7-8M Ablöse, die man jetzt für ihn bekommen könnte, am Limit sehe, während Ayhan mit einer halbwegs stolperfreien Bundesligasaison auf 30-40M steigen wird, siehe Coulibaly.

Ausschlaggebend sind Zielsetzung und Konkurrenzsituation:

  1. Klassenerhalt, zur Not über die Relegation. Mehr sehe ich nicht für S04.
  2. Nach aktuellem Tabellenstand waren die Konkurrenz Paderborn, St.Pauli, HSV, Köln, Bremen, Union, Mönchengladbach

Paderborn und St.Pauli mit punktuellen Verstärkungen hinter sich zu lassen ist möglich aber nicht sicher. Bei den anderen sehe ich für Union eine schwierige Saison (Abgänge Doekhi, Leite).
Bei HSV, Köln, Bremen, Gladbach wird sicher auch das sportliche Abschneiden diskutiert werden. Aber diese Clubs sind wirtschaftlich für S04 nicht erreichbar. Gegenüber den Erstgenannten ist man vermutlich trotz der Verbindlichkeiten konkurrenzfähig.

Um gleich mal die Gegenthese zu meiner eigenen aufzustellen: Wenn man schaut, welche Aufsteiger in den letzten Jahren mindestens ein Mal den Klassenerhalt geschafft haben oder gerade auf dem Weg dazu sind (HSV, St. Pauli, Heidenheim, Köln, Bochum, wenn wir weiter etwas weiter zurückschauen Werder und Union) dann waren das meist Teams, die entweder mit ein paar Verstärkungen einen ordentlichen Erstligakader zusammen bekommen haben, oder solche, die eine sehr disziplinierte Defensive mit IVs, die sich schnell in Liga 1 akklimatisiert haben, plus einen offensiven Unterschiedspieler hatten. Mit drei bis vier guten Transfers könnte Schalke verhältnismäßig leicht in die zweite Kategorie springen. Der aktuelle Kader ist aus meiner Sicht stärker als die, mit denen Heidenheim, Bochum und Union aufgestiegen sind, und die hatten deutlich weniger Budget für Verstärkungen, als Schalke voraussichtlich haben wird.

Heidenheim hatte Kleindienst und Beste. Die Qualität sehe ich bei Schalke nicht. Heidenheim (2. Saison) und St.Pauli (1. Saison) hatten das Glück mit Bochum und Kiel 2 sehr schwache Teams in der Liga zu haben.

Und gleichzeitig haben sowohl der FC, als auch der HSV ja vor der Saison und in der Winterpause für Aufsteiger durchaus hoch investiert (ist nur Transfermarkt, aber da sind es für den FC 25 Mio Ausgaben bei 12,4 Mio Einnahmen, und beim HSV 15.6 Mio Ausgaben bei 7,7 Mio Einnahmen - und das rechnet keine Gehälter ein, die insgesamt sicherlich gut hochgegangen sind). Beim FC ist es mit der Transfersperre vorher sicherlich eine etwas andere Situation, aber da sehe ich bei beiden Vereinen mehr als (nur) einzelne Verstärkungen.

Heidenheim ist mit den beiden auch auf Platz 8 gelandet und hatte in der zweiten Saison die Doppelbelastung. St.Pauli ist 14. geworden, hat also immerhin vier Teams hinter sich gelassen. Und das sogar ganz ohne den offensiven Star. Mein Punkt ist, ein starkes Defensivkonzept plus bestenfalls ein bis zwei offensive Unterschiedsspieler können ein Team in der Bundesliga erstaunlich gut über die Runden bringen. Schalke hat schon das Defensivkonzept. Das Mittelfeld ist mMn auch in der Spitze jetzt schon größtenteils erstligatauglich. Ein bis zwei Stürmer braucht man auf alle Fälle noch, je nachdem ob Dzeko bleibt. Für die offensiven Halbpositionen muss auch noch jemand kommen, ein IV und RV auch noch. Für mich ist die Frage halt, ob man zu so Spielern wie Karaman, T. Becker, Katic und Schallenberg auch noch Upgrades braucht, um konkurrenzfähig zu sein.

Um meine Ausgangsfrage präziser zu formulieren: Reichen drei oder vier Neuzugänge für die Stammelf, um konkurrenzfähig zu sein? Oder braucht man doch eher sieben bis acht? Dass es ein Versagen in der Kaderplanung wäre, wenn ein Bachmann nach dem Aufstieg immer noch erster Einwechselspieler ist, ist mir klar.

Glückwunsch zum Aufstieg!

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Auch von mir Glückwunsch. War verdient.

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da kann es keinen Zweifel geben. Habe selten eine vergleichbare Mentalitätsleistung gesehen wie von diesem Schalker Team. Dzeko, der verletzt von der N11 zurückkommt. Das Spiel in Elversberg, wo man in unberechtigter Unterzahl das Spiel dreht. Der gedrehte zwei Tore Rückstand in Paderborn. Brutale Leistung, sich gegen so viele Rückschläge zu stemmen.

Ob die individuelle Klasse und der spielerische Ansatz für die Bundesliga reicht, habe ich allerdings sehr große Fragezeichen. Wer in der zweiten Liga nur 50 Tore schießt, schafft in der Bundesliga maximal 25.

Köln hatte letztes Jahr 53 und jetzt in Liga 1 47. Aber klar, da ist die Frage, ob Schalke so viel investieren kann und es gibt keinen neuen Trainer (und man hat keinen El Mala).