Nach langer Abstinenz (mein letzter Beitrag stammte noch aus der Zeit, in der ein gewisser Karel Geraerts (oder hieß er doch Eric, wie Simon Terodde während einer Sky-Übertragung sagte?) noch Trainer war. Der Beitrag ist auch nicht ideal strukturiert, weil zu viele Versatzstücke aufgegriffen werden, aber irgendwo muss man ja beginnen…
Was war ich skeptisch, als im Sommer 2025 Miron Muslić als neuer Trainer des FC Schalke bekanntgegeben wurde. Man war ja wirklich nichts Gutes gewohnt, aber die reinen Eckdaten dieser Verpflichtung ließen mich völlig ungläubig zurück. Anstelle des zuvor kolportierten Christian Titz verpflichteten wir einen Defensiv-Pragmatiker der zuvor aus der zweiten englischen Liga abgestiegen war und zahlten dafür sogar eine Ablöse. Der Rest ist bis hierhin Geschichte: Muslić baute Schalke schnell in ein absolutes Pressingmonster um, transformierte die vormals schlechteste Defensive der zweiten Liga in die beste. Mit den niedrigsten Ballbesitz- und Passquoten der Liga holte man die meisten Punkte und fand sich zum Hinrundenende auf dem ersten Platz der Tabelle ein. Man darf hier aber nicht den Fehler machen, dieses Schalke mit dem Tedesco-Schalke von 2018 zu vergleichen: Dieses neue Schalke schöpfte seine Defensivstärke nicht aus einem tiefen Block, sondern aus einem unfassbar hohen, intensiven Pressing: Die höchste Abwehrlinie der Liga (im Verbund mit der bis dahin stärksten Abseitsfalle der Liga) sprachen eine eindetige Sprache. Doch nach vorne blieb Vieles Stückwerk, vieles wurde über die berühmte `Intensität` erzwungen.
Gegen Ende der Hinrunde sah man auch, dass dieses System langam an sein Ende zu kommen schien: Schon vor dem Braunschweig-Spiel wurden die Leistungen schlechter, obwohl noch Siege eingefahren wurden, teils recht glücklich, wie gegen Nürnberg. Dazu trugen sicherlich auch die vielen Verletzten bei, die Schalke gegen Ende der Hinrunde und zu Beginn der Rückrunde zu beklagen hatte. Gerade die Ausfälle der beiden Stamm-Wingbacks Adrian Gantenbein und insbesondere Vitalie Becker wogen schwer im Muslić-System. Weder Finn Porath noch Mika Wallentowitz waren wirklich in der Lage, diese Ausfälle ordentlich zu kompensieren.
Glücklicherweise schienen auch die Schalker Veranwortlichen erkannt zu haben, dass dieses System nicht zwingend bis zu einem potentiellen Aufstieg tragen würde, und entschieden, das System anzupassen: Mehr Offensivpower, selbst wenn dies (zumindest initial) zulasten der defensiven Stabilität geht. Medial wurde ja bereits viel über den Dzeko-Transfercoup berichtet, sodass ich diesen hier ausklammere. Daneben wurde mit Kevin Müller (der Heekeren ersetzt), Dejan Ljubicic, Moussa Ndiaye (MN) und Adil Aouchiche (AA) noch weitere Qualität dazugeholt. Insbesondere die beiden letztgenannten möchte ich an dieser Stelle hervorheben: Es ist wirklich unglaublich, wie gut die beiden sind. MN und AA allein haben Schalkes linke Seite zur absoluten Schokoladenseite der Mannschaft gemacht, und ich gehe soweit zu behaupten, dass es kaum eine bessere linke Seite in Liga 2 geben dürfte.
Die ersten fünf Spiele der Rückrunde, welche allesamt nicht gewonnen wurden, würde ich unter dem Thema “Wachstumsschmerzen” verbuchen. Man hat von der Fünfer- auf eine Viererkette umgestellt — inbesondere Nikola Katić schien hiermit zunächst seine Probleme zu haben — und während es vorne langsam etwas besser wurde, war man hinten plötzlich ziemlich anfällig. Und doch war von Spiel zu Spiel eine Entwicklung zu erkennen. Während man der Hertha hoffnungslos unterlegen war, hätte schon das Bochum-Spiel nicht verloren gehen müssen (man denke da beispielsweise an Katićs Tor, welches in meinen Augen zu unrecht abgepfiffen wurde). Das Unentschieden gegen Dresden war dann letztlich auf einen Torwart-Patzer in letzter Sekunde zurückzuführen, auch weil die vielen konditionsbedingten Wechsel die Ordnung hinten durcheinandergewirbelt hatten. Auffällig war auf jeden Fall, dass mit der Hereinnahme von MN und AA (und natürlich auch Edin Dzeko) ein völlig neuer Offensiv-Wind durch die Mannschaft wehte. Dieses Schalke hatte offensiv nichts mehr mit dem aus der Hinrunde gemein. Tatsächlich hatte ich mich gewundert, wie lange (leider auch in den Ligatouren) Schalke immer noch das Image anhaftete, dass offensiv nichts ginge und das alles Fußball zum Abgewöhnen sei. Insbesondere weil häufig der Vergleich mit den toll spielenden Hannoveranern (keine Ironie meinerseits) gezogen wurde: Ich weiß nicht, ob Hannover aktuell so viel offensivstärker ist, als es Schalke ist. Zumindest im direkten Duell wurden Hannover auch deutlich die Grenzen aufgezeigt (es ist zwar nicht belegbar, aber doch ziemlich wahrscheinlich, dass dieses Spiel ohne Dzekos rote Karte nicht unentschieden endet). In den vergangenen Wochen wurde auch die Defensive immer stärker, ohne dass die neuen kombinativen Elemente im Spiel nach vorne verlorengegangen wären.
Tatsächlich bin ich für die nächsten Wochen recht optimistisch gestimmt. Das Spiel in Elversberg ohne Dzeko, Katić, Ayhan und Karaman wird bockschwer, und schon ein Unentschieden wäre herausragend, aber ich bin guter Dinge, dass man in den Spielen danach noch ausreichend punkten können wird. Spannend bleibt es dennoch. Schön, dass es auch für Schalker mal wieder eine Saison mit positiver Spannung gibt…