Finanzierung / 50+1 und Financial Fair Play

Quellen ? Weiß ich nicht, aber wenn ich an die letzte Rasenfunk-Sendung zu RaBa denke, wo der Gast (den Namen habe ich im Moment vergessen) die Ziele beschrieb, dann klang das für mich schon ambitioniert. (Auch wenn Max dies für unrealistisch hielt, können es ja doch die Ziele sein…) Und heute war im KICKER auch was drin, da hab ich nur die Überschrift gelesen, aber es ging um das Ziel Top 10 in Europa.

Ganz generell scheint Herr Minzlaff ja keiner zu sein, der sich mit „Mittelmaß“ zufrieden gibt. Und solche Typen werden dann zuweilen auch „kreativ“. Deshalb finde ich RaBa auch gefährlicher als die anderen Ausnahmen.

Interessant finde ich auch die „Minderheitsbeteiligung“ von RB bei Leeds United seit letzter Saison. Da stellt man einen großen Fuß in die England-Tür bei einem ziemlichen Traditionsverein. Bin sehr gespannt, wie man dort die neue Saison plant und ob Daniel Farke die auch wieder übersteht. Die 40 Mio. für den Torwart James Trafford sind ja schon ein Statement. (Wobei ich es lieber gesehen hätte, wenn sie Atubolu genommen hätte. Da wäre ich auch schon mit 30 Mio. zufrieden gewesen. :slight_smile: )

Im Video von Calcio Berlin zu dem Thema wurde noch ein interessanter Punkt genannt. VW ist ja nicht nur bei Wolfsburg drin. Porsche, Audi und co. sponsern auch andere Vereine. Damit hat VW durchaus auch bei den 50+1 Vereinen eine gewisse Macht deren Entscheidungen bezüglich des Themas zu beeinflussen.

Was ich auch bemerkenswert finde ist, dass man bisher nur was von den Ausnahmeregelungen gelesen hat. Kann sein, dass mir das nur nicht in die Timeline gespült wurde aber wo sind die Statements von einem Schalke, HSV, St. Pauli oder Kaiserlautern zum Beispiel? Es wäre ja ein leichtes jetzt die konsequente Umsetzung von 50+1 zu fordern. Aber bis auf die Fans tut das anscheinend niemand.

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Ich bin auch kein Jurist, aber ich gehe davon aus, dass das Kartellamt das Thema ausschließlich aus kartellrechtlicher Perspektive betrachtet, eigentumsrechtliche Aspekte wird es nur berücksichtigen, soweit sie eine direkte kartellrechtliche Relevanz in dieser Fragestellung haben.

D.h. es wäre dann an den handelnden Parteien, sich bzgl. der anderen Aspekte, auch was eventuellen Schadenersatz angeht, zu einigen.

So wie ich das - ebenfalls als Nichtjurist :slight_smile: - sehe, wurde der relevante Punkt der EU - Niederlassungsfreiheit indirekt ebenfalls geprüft. Und, wenn ich das richtig verstehe, sieht das Kartellamt für beide Bereiche die gleichen Entscheidungskriterien.

Aber es sollte wohl keinen Zweifel daran geben, dass für den Fall einer Klage vor dem EUGH auf der Grundlage der aktuellen Satzung die 50+1 Regelung mindestens stark gefährdet ist, wenn nicht sogar fällt.

Die Sportschau hat das weitere Vorgehen m.E. gut zusammengefasst - hier ein Auszug:

Wie geht es weiter?

Der deutsche Fußball steht vor der Frage: 50+1 durchsetzen oder abschaffen?

  • Denkbar ist eine Einigung zwischen der DFL und den angemahnten Klubs auf strukturelle Änderungen, um den Maßgaben zu entsprechen.
  • Möglich sind aber auch Lobbyismus unter den DFL-Klubs zur Abschaffung der Regel oder sogar rechtliche Schritte bestimmter Klubs oder Einzelpersonen gegen 50+1.
  • Sofort umgesetzt werden müssen die Empfehlungen des Bundeskartellamts nicht. Bei den Maßnahmen könnte „im Hinblick auf ihre wirtschaftliche und sportliche Bedeutung ein längerer Übergangszeitraum gerechtfertigt sein“, so die Behörde, die das Verfahren nun einstellen will. „Das weitere Vorgehen liegt in den Händen der DFL.“

Doch, ich habe sehr starke Zweifel daran. Wenn das Bundeskartellamt die Regelung und der EuGH eine vergleichbare Regelung als rechtens eingestuft haben, wieso sollte sie 50+1 auf Grund der Ausnahmen verbieten und nicht die Ausnahmen? Also es ergibt doch logisch deutlich mehr Sinn die Ausnahmeregelungen für Bayer, WV, Hannover und RaBa gerichtlich zu kippen als 50+1, wenn letztere aus juristischer Sicht nicht das Problem sind.

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weil die Ausgestaltung und Durchsetzung der Regeln Sache der DFL ist. Das ist ein autonomes privatwirtschaftliches System, das Kartellamt überprüft nur, ob es in seiner Gesamtheit rechtskonform ist und sagt eben: unter gewissen Bedingungen ist es rechtskonform, aber für die Durchsetzung dieser Bedingungen muss die DFL selber sorgen, das ist nicht Sache des Staates.

Der Staat ist hier neutral, denn eine Abschaffung von 50+1 wäre genauso rechtskonform, nur eben dieser Zwischenstatus mit den Ausnahmen ist es nicht.

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Ich verstehe immer noch nicht, wieso der EuGH zwingend die gesamte 50+1 Regelung kippen sollte. Also für mich hätte jemand der gegen die Ausnahmen klagt mehr Aussicht auf Erfolg als jemand der die gesamte Regelung abschaffen will. Schließlich werden die regulären Vereine durch die Ausnahmen benachteiligt und nicht umgekehrt.

Und wer soll denn überhaupt klagen? Die Ausnahmevereine haben da doch kein Interesse dran, weil die aktuelle Regelung sie bevorteilt. Und die regulären 50+1 Vereine müssten das ihren eigenen Fans verkaufen und hätten doch ebenfalls mehr Interesse daran, dass die Ausnahmen wegfallen anstatt die gesamte Regel.

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Erstmal halten die Ausnahmeclubs eine gültige Lizenz von der DFL (Bundesliga) in ihren Händen. Also - genau - im Moment haben sie keinen Grund zu klagen.

Aber, stell dir vor, man würde ihnen bei der nächsten Lizenzvergabe sagen, nein, ihr kriegt keine neue Lizenz unten den gegebenen Voraussetzungen. Der Bestandsschutz, den wir (DFL) euch damals gewährt haben, interessiert uns nicht mehr. Und über einen Kompromissen werden wir (DFL) mit euch nicht verhandeln.

Meinst du, dass Bayer und WOB dann sagen: Okay, dann sind wir eben raus !! Wir schmeißen das ganze Geld, das wir investiert haben in den Klo und spielen in Zukunft in der Murmelverbandsliga…

So wird die Aussage ja nicht aussehen. Die Ausnahmegenehmigungen waren ein Fehler und man wird einen Weg suchen müssen diese Fehler zu korrigieren.Das wird über mehrere Saisons hinweg passieren.
Das ist bei anderen Lizenzbedingungen ja auch so. Bspw. Stadionkapazität, Überdachung, Medienausstattung, NLZ, Frauenteam etc.

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Wäre es für die genannten Vereine denn überhaupt realistisch, den Verein zu öffnen und alle Macht an die Mitglieder zu übergeben?
Würde Leipzig dann nicht sofort von Ultras der „Traditionsvereine“ übernommen werden?

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Da das Stadion in Leipzig regelmäßig gut gefüllt ist, sollte es genügend eigene Mitglieder geben. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass da großartig Leute eintreten. Bei Hoffenheim passiert das ja auch nicht.

Bei Hoffenheim war das aber durchaus ein Thema, ist es teilweise bis heute. Man hat deshalb mehrere Hürden für das aktive Wahlrecht bei MVs eingebaut, weil das Szenario an die Wand gemalt wurde dass massenweise Mannheim Fans in den Verein eintreten und den dann von innen heraus kaputt machen. Glaubt man heute nicht mehr wirklich dran dass das passieren könnte, die Sache mit den verschiedenen Stimmrechten bleibt aber Thema.

Hoffenheim ist ja aber insgesamt ein ganz gutes Beispiel wie wenig 50+1 verändern kann, wenn Machtstrukturen erstmal etabliert sind. Hopp greift auch weiterhin in einer Art und Weise ein, die kontrovers diskutiert wird und unterstützt weiter auch finanziell wie vorher. Ich finde man braucht nicht viel Fantasie um sich vorzustellen, wie eine 50+1 Version von Leverkusen und Wolfsburg aussieht, die Nähe zum jeweiligen Konzern wird ungebrochen sein. Aus der Abteilung wird dann ein de-facto Subunternehmen der als Verein konstituiert ist, an der Rolle als subventioniertes Werbeanhängsel wird sich grundlegend nichts ändern. Dann treffen die Fans sich da halt einmal im Jahr und trinken was zusammen, wählen irgendeine Person zum Präsidenten der*die dann halt natürlich weiter die gute Beziehung zum Konzern pflegt, alles andere wäre ja bescheuert, groß andere Sponsoren haben ja beide nicht. Keiner der Beteiligten hat ein Interesse daran, dass sich da fundamental was ändert, die Strukturen sind extrem etabliert. Am Ende ist die Finanz- und Machtstruktur halt das Relevante und nicht die Rechtsform.

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Das sagst du, dass die Ausnahmegenehmigung ein Fehler war.

Bayer z.B. wird das höchstwahrscheinlich anders sehen. Die werden sagen: Wir haben eine gesicherte Rechtsposition und wenn ihr uns die wegnehmen wollt, dann könnten wir auf die Idee kommen, dagegen zu klagen. Würde das Fernando Carro (für Bayer) alleine entscheiden können, er würde - so wie der drauf ist - möglicherweise noch hinterherschieben: „Dann gucken wir mal, was am Ende von eurem 50+1 noch übrig bleibt…“

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An dem Punkt der Diskussion waren wir schon. Entsprechende Klagen gegen Lizenzauflagen sind mir nicht bekannt. Denn wie unterscheiden sich die Auflagen zu NLZ, Stadionausbau, Finanzkennzahlen von der 50+1 Frage? Auch dort klagt niemand mit dem Argument, dass vor 20 Jahren die Anforderungen viel einfacher zu erfüllen waren.

Rational wäre eine Konsenslösung. Denn wie hier auch schon steht sind die Regelungen zum Financial Fairplay wichtiger bezüglich der Wettbewerbsfähigkeit. 50+1 spielt hier auch eine Rolle. Aber nur beides zusammen stellt eine Verbesserung der Situation her.

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Da stimme ich dir zu.
Die Wettbewerbsfähigkeit hängt nicht allein an 50+1, obwohl die Ergebnisabführungsverträge und damit etwaige und tatsächliche Verlustübernahmen von Bayer und WOB schon Ausfluss aus den Sonderrechten sind.

Ich dachte aber, in Deutschland gibt es im Rahmen des Lizensierungsverfahrens keine nationale Financial Fairplay Regelung ?

https://www.kicker.de/dfl-forciert-nationales-financial-fairplay-1132119/artikel

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Interessant, wobei, geeignet Wettbewerbsvorteile im aktuellen System zu regulieren ? Weiß ich jetzt nicht. Aber ist sicher eine gute Sache.

Und weiter? Es kann ja nicht die höchste Aufgabe der DFL sein, nicht verklagt zu werden. Das durchsetzen von gleichen Wettbewerbsbedingungen muss auf jeden Fall wichtiger sein. Ansonsten ist man ja ewig erpressbar durch jeden beliebigen Verein der einen potenziellen Investor gefunden hat, den „nur“ 50+1 davon abhält den Verein mit Geld vollzupumpen.

Und es ist NICHT Aufgabe der DFL durch Verstoß gegen die eigenen Prinzipien „Vereine“ wie RaBa vor zweifelhaften Neumitgliedern zu schützen.

Und wenn die Mitglieder eines 50+1-konformen Konstrukts dann weiterhin großen Wert auf die Konzernnähe legen, dann ist der Effekt der Durchsetzung vielleicht nicht der von den Traditionsvereinen erwünschte. Aber das ist dann auch Sache der Mitglieder und nicht der DFL.

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In der aktuellen Folge des Podcasts „Macht & Millionen“ geht es um die Frage, wem der Fußball gehört. Da wird von Martin Stopper aus meiner Sicht sehr offen Werbung gegen 50+1 gemacht mit, meiner Meinung nach, oft auch Halbwahrheiten und Scheinargumenten. Mit Compliance Regeln für den Investoreneinstieg würde man ähnlich effektiv negativen Einfluss von Investoren verhindern. Da wird sogar das Stichwort BaFin (???) genannt. Ein Fußballverein ist ja keine Bank. Die Einschätzung zur Kartellamtsentscheidung geht in eine ähnliche Richtung. Die Mitglieder sollen am besten schön weiter Tickets kaufen, sich für die Trikotfarben interessieren und sich bloß nicht bei der Auswahl von Entscheidungsträgern oder Kapitalthemen einbringen. Sonst würde man ja unprofessionelle Entscheidungen noch und nöcher treffen. Pauschales Ultra Bashing, als würden sich nur Idioten in die Fankurve stellen, ist natürlich auch dabei. 55 Minuten Kopfschütteln.

Bin auf eure Meinungen gespannt, wenn jemand reinhört.

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