Ich würde übrigens auch die These in den Raum werfen, dass der Untergang der DDR auch ein Grund ist, dass im Osten die Frauen nach der Wende erstarkt sind und für die Erste weibliche Trainerin im Herrenfußball verantwortlich sind
Im neuen Forum gab es einen hohen Frauenanteil(ua. war ja auch einer der vielen Gründe, dass man auf die Straße gegangen ist, der Wunsch nach Mitsprache und Frauen hatten eben politisch kaum Mitsprache und die wurde sich im neuen Forum eben einfach genommen)
Auch gab es nach der Wende die Gründung von vielen Autonomen Projekten im Osten von Frauen für Frauen (ua. Zahlreiche Frauenhäuser)
Und ich Frage mich ob diese Entwicklung nicht viel entscheidender war
(Im Zusammenhang, dass Frauen in der DDR bis zur Entscheidungsebene gleichberechtigt waren und deshalb viele Fertigkeiten aus ihrem Beruflichen mit einfließen lassen konnten mit dem gleichzeitigen Wunsch endlich am politischen und gesellschaftlichen Leben wirklich teilhaben zu können und Dinge zu verändern)
Das finde ich genau den spannenden Punkt aus dem Paper: Die Mädchen, die besser in Mathe sind, haben die DDR nicht mal mehr als unbewusste Säuglinge erlebt und trotzdem schneiden sie besser ab als ihre westdeutschen Mitstreiterinnen. Ich finde die Studie auch deshalb so spannend, weil sie so eine Nadel in den Luftballon von „Na ja, Frauen sind halt einfach weniger qualifiziert/schlau/etc., wir sind nun mal eine Leistungsgesellschaft, wir finden einfach keine guten Frauen etc.“ piekst: Wie einfach es Menschen (Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund, etc.) haben, aufzusteigen, ihre Träume zu verwirklichen oder einfach nur aufzuschließen hängt natürlich von den Rahmenbedingungen (Bildungssystem, Existenz von Seilschaften etc.) ab, aber schon auch von den gesellschaftlichen Werten und Einstellungen. Kurz gefasst: In einer Gesellschaft, in der es allgemein anerkannt ist, das Frauen Drohnenpilotinnen werden können, werden auch mehr Frauen Drohnenpilotinnen als in einer Gesellschaft in der weibliche Drohnenpiloten „umstritten“ sind. Und diese Einstellungen und Werte haben die DDR schon ein bisschen überdauert, auch 36 Jahre nach der Wiedervereinigung. Und da direkt nach der Wiedervereinigung die Machtstrukturen entweder blieben oder durch westdeutsche Machtstrukturen ersetzt wurden, wundert es mich überhaupt nicht, dass die Werte die Machtstrukturen erst nach ein paar Jahrzehnten überwinden.
Da habe ich eine komplett andere Erfahrung. Ich bin Wendekind, mein Vater kam aus dem Westen. Sein Vater (mein Großvater väterlicherseits) und meine Mutter waren Zeit seines Lebens de facto Todfeinde. Die wenigen Male, bei denen sie sich begegnet sind, waren super spannungsgeladen, ich weiß nicht, ob ich das irgendwo anders mal so erlebt habe. Mein Großvater (aus dem Westen) konnte es nicht ab, dass meine Mutter mehr verdiente, überhaupt arbeiten ging, Karriere machte, im Urlaub zu 90% am Steuer des gemeinsamen Autos saß (weil sie besser Autofahren kann) und ihren Namen an die Kinder weitergab. Warum meine Mutter nicht mit ihm konnte, muss ich wohl nicht weiter ausführen. Wenn ich mit meiner damaligen Freundin (ebenfalls aus dem Westen) länger zusammengeblieben wäre, wäre dasselbe wohl mit ihrem Vater passiert, dessen Frau abends um 18 Uhr zu Hause zu sein hatte und ihm Abendbrot zu machen hatte, weil er nicht kochen konnte. Und der war ein ganzes Stück jünger als meine Eltern. Meiner Stieftante (etwa 10 Jahre älter als ich) wurde erzählt, sie „bekäme später keinen Mann“, wenn sie sich nicht benehmen würde (sie hatte mittlerweile ihr Coming-Out als Lesbe). Wenn ich das alles hier so hinschreibe, kommt es mir komplett fremd und absurd vor. Und ich denke, dass liegt vor allem daran, dass ich komplett anders sozialisiert wurde. Einen Kumpel von mir schauten die Westverwandten beim Besuch immer ganz genau an, um die ja unweigerlichen bleibenden Schäden zu finden, die durch seinen Kitabesuch entstanden waren.
Ich habe die DDR nie erlebt, aber ich habe mal mit meiner damaligen Freundin das Vorwort des Kochbuches ihrer Großeltern mit dem Vorwort des Kochbuches meiner Großeltern nebeneinandergelegt. Da hätte man eine Geschichtsklausur draus machen können. Und ja, auch im DDR-Kochbuch sind die Frauen für das Kochen verantwortlich. Aber es sind schon zwei verschiedene Wertesysteme.
Es ist auch komplett richtig, dass die Frauen in der DDR in der Praxis von der Macht ferngehalten wurden. Aber wenn frau ein selbstbestimmtes Leben führen wollte, finanziell unabhängig sein wollte (Wie lange brauchten Frauen in der BRD gleich nochmal die Unterschrift ihres Mannes, um ein Konto zu eröffnen? Wie war das nochmal mit dem Stichentscheid?) und eventuell sogar aufsteigen wollte, war das in der DDR einfacher als in der BRD. Und diese Chance und Möglichkeit wirkt meiner Meinung nach bis in die heutige Zeit nach. Und da gehört natürlich auch dazu, dass gesellschaftliche Teilhabe durch Arbeit in der DDR ja auch von Frauen erwartet wurde und es „normaler“ war, genau die Dinge zu tun, die frau heute auch heute noch tun muss, um unabhängig und selbstbestimmt zu sein.
Und damit zurück zum Fußball…
Ich denke, dass Union der erste Bundesligaklub mit einer Frau aus als Cheftrainer ist, die auch noch aus den neuen Bundesländern kommt, ist kein reiner Zufall. Zum einen aus den strukturellen Gründen. Frauenanteil oder nicht, in vielen westdeutschen Vereinen tummeln sich Gestalten, die schon zur Wende da waren. Da sind über Jahrzehnte gewachsene Männernetzwerke, die wurden im Osten durch die Wende und ihre Umbrüche oft ungewollt aufgebrochen. Zum anderen aber auch aus den ideellen Gründen, die ich gerade lang und breit beschrieben habe. Der Stadtteil von Dresden, aus dem Marie-Louise Eta kommt, ist einer der naziverseuchtesten der Stadt. Und dennoch glaube ich, hat da keiner die Augenbraue gehoben, als der fußballverrückte Hausmeister seine Tochter ganz selbstverständlich mit zum Training genommen hat. Und für die damalige Zeit bin ich mir mit meinen Erfahrungen, die ich mit der westdeutschen Gesellschaft gemacht habe, nicht sicher, ob das in den alten Bundesländern damals genauso gelaufen wäre.
Ich glaube übrigens auch nicht, dass das auf ewig so bleiben wird. Werte verändern sich und im Moment läuft da in den neuen Bundesländern ein ziemlicher Backlash.
Alles bestens, danke fürs Ändern, da habe ich wohl nicht bewusst genug gegengelesen vor dem Veröffentlichen.
Ich weiß nicht inwieweit diese Argumentation funktioniert, wenn wir mit Sabrina Wittmann in Ingolstadt schon zwei Jahre früher die erste Cheftrainerin im Profifußball hatten. Ja, nicht erste Liga aber trotzdem Profifußball, trotzdem viel Medienaufmerksamkeit und sicher auch viel männliche Fans mit sexistischen Rollenbildern. Ich will damit nicht verneinen, dass die ostdeutsche Geschichte eine Bedeutung hat. Aber ich halte diese Überhöhung für so nicht haltbar.
Jetzt wo ich es zum vierten Mal lese: Ja, das ist nicht so absolut gemeint. Ich will eher zum Ausdruck bringen, dass es Faktoren gab, die es begünstigt haben und auf keinen Fall eine Kausalität oder Zwangsläufigkeit aufmachen.
Diese Statistik ist verheerend, was inzwischen auch der 1. FC Union Berlin erkannt hat. Seit dem 01.07.2025 besteht das Top-Management (= Präsidium) aus 7 Mitgliedern, 2 davon Frauen (28,6 %), der Aufsichtsrat ist nach dem Tod von Hans Joachim Lesching mit 6 Männern besetzt (0% Frauen). Was genau unter Kontrollgremium fällt, kann ich aus der Übersicht nicht so recht rauslesen. Bei Direct Reports bleibt es bei 7 Mitgliedern und einer Frau (14,3%). Es ist natürlich nur ein Anfang. Hier ist der Link zur Webseite: Struktur | 1. FC Union Berlin und die Meldung zum Präsidium ab dem 01.07.2025: Amtsperiode des neuen Union-Präsidiums beginnt | 1. FC Union Berlin .
Ich empfinde ja gerade diese Kennzahlen ohne weiteren Kontext als sehr nichtssagend. Es ist einfach eine Feststellung der Situation, aber keine Analyse, woran diese Kennzahlen liegen. Wie viele Bewerbungen gibt es auf freie Stellen, wie viele der Bewerbungen kommen von Frauen, wie sehen die Qualifikationen (Berufserfahrung, Zeugnisse etc.) der Bewerberinnen und Bewerber aus? Wie groß ist überhaupt das Interesse von Frauen an einer Tätigkeit im Fußball?
Mir fallen diverse Gründe ein, aus denen Frauen im Fußball eher weniger vertreten sind. Angefangen bei Diskriminierung, weil Frauen für ein bestimmtes Klientel im Fußball nichts zu suchen haben. Es könnte aber auch die freie und bewusste Entscheidung von qualifizierten Frauen sein, sich nicht im Fußball zu bewerben. Vielleicht sagen sich diese qualifizierten Frauen, dass sie doch nicht blöd sind. Erst in einer Großkanzlei mit sechsstelligem Einstiegsgehalt angefangen und durch diese Tretmühle gegangen, um dann in den Fußball zu wechseln, wo der externe Stress durch Medien und Fans nochmal eine andere Hausnummer ist? Dann doch lieber in einen „normalen“ Konzern oder ein „normales“ Unternehmen wechseln, Karriere in der Großkanzlei machen, eine eigene Kanzlei gründen oder Richterin werden. Das ist normalerweise der ruhigere Berufsweg, auf jeden Fall anonymer. Und da wir wissen, wie irrational es teilweise im Fußball zugeht, schadet Anonymität nicht. So hoch kann das Schmerzensgeld in Form der Vergütung vielleicht nicht sein. Aber vielleicht begründet sich ein mögliches mangelndes Interesse von Frauen an einer Tätigkeit im Fußball auch in der Wechselhaftigkeit im Fußball, und sie ziehen den Fußball deswegen nicht als Branche in Betracht. Diese durchgehende emotionale Aufregung, dieses ständige Rauschen im Blätterwald, diesen zusätzlichen Stress muss man auch wollen. Das hat man in einer Führungsposition oder als Vorständin in „normalen“ Unternehmen eher selten oder zumindest nicht so beständig. Und dann ist noch nicht mitgedacht, dass es immer noch so ist, dass der Großteil der wirklich emotional verbundenen Fans männlich ist. Ich schließe nicht aus, dass auch dies Einfluss auf die Anzahl von Bewerbungen und das Interesse an einer Tätigkeit im Fußball allgemein hat. Denn ich glaube, dass die Work-Life-Ballance in einer Fußballorganisation mehr leiden kann als bei anderen Arbeitgebern. Und das nimmt man ggf. nur wegen der großen Leidenschaft für Team oder Sport auf sich.
Auch wenn die Kurven immer noch sehr Männlich geprägt sind, so würde ich dir bei den Fans und dem Engagieren wiedersprechen
Zuerst einmal eine Bauchipedia Erfahrung
Kleine Vereine, wo viel übers Ehrenamt läuft, würden ohne Frauen nicht laufen.
Die sitzen nicht nur an der Kasse, die machen auch Abrechnungen, Orga und alles und das Teilweise nur aus Leidenschaft und Liebe zum Fußball.
Wieso sollten sich also Frauen nicht auch für ihren Verein Aufopfern, wenn es dafür Geld gibt?
Kleiner Test: wenn man Fußballfan hört, was ist das erste Bild was einem in den Kopf kommt?
Laut Marktforschung sind ca. 50% der Fußballfans weiblich
Woran kann das liegen, dass wir sie als Fans nicht so wahrnehmen?
Kann es das männliche Auftreten sein(und das sich Frauen von besoffen Männerhorden aus Erfahrungen von diesen Fernhalten?)?(Die Frage ist nicht ironisch gemeint sondern Ernst)
Begründet sich nicht auch ein Teil des Erfolgs des Frauenfußball darin, dass es dort auch untereinander einen anderen Umgang gibt(und natürlich auch aus Liebe zum Spiel)
(Ich geh mit meinen Kindern zum Frauenfußball, aus dem ganz einfachen Grund wegen der freundlicheren Atmosphäre)
Egal was für Firmen, sei es nun Pflege, Bau, Tech, Juristerei, usw.
Alle Führungskräfte die ich kennen gelernt habe, waren einem dauerhaften Stress ausgesetzt.
Also Gegenfrage, wenn Work Life Balance eh ein Fremdwort ist, warum dann nicht für etwas wofür du brennst?
Lebe deinen Traum und so
Es braucht halt einfach die Frauenquote
Weil aktuell ist es eigentlich das übliche: solange es für die Arbeit kein Geld gibt, sind wir den Frauen dankbar für ihr Engagement, aber wenn es um Posten mit Anerkennung durch Geld geht(und ich erinnere an eines der letzten Tribünen Gespräche, dass im Fußball mittlerweile auch sehr gut gezahlt wird für Führungskräfte), dann sind da wieder nur Männer?
Denke Mal es ist das Thorstenproblem(mehr Torstens als Frauen in Daxvorständen)
Da würde vielleicht ein Vergleich zu anderen Sportarten weiterhelfen. Wenn die Zahlen im Fußball niedriger sein sollten als bspw. beim Volleyball oder Basketball oder was auch immer, dann kann man da schon ein strukturelles Problem innerhalb des Fußballs vermuten.
Sind die Zahlen vergleichbar, ist es womöglich eher auf gesamtgesellschaftlicher Ebene.
Ich empfinde ja gerade diese Kennzahlen ohne weiteren Kontext als sehr nichtssagend. Es ist einfach eine Feststellung der Situation, aber keine Analyse, woran diese Kennzahlen liegen. Wie viele Bewerbungen gibt es auf freie Stellen, wie viele der Bewerbungen kommen von Männern, wie sehen die Qualifikationen (Berufserfahrung, Zeugnisse etc.) der Bewerberinnen und Bewerber aus? Wie groß ist überhaupt das Interesse von Männern an einer Tätigkeit im Fußball?
Mir fallen diverse Gründe ein, aus denen Männer im Fußball eher weniger vertreten sind. Angefangen bei Diskriminierung, weil Männer für ein bestimmtes Klientel im Fußball nichts zu suchen haben. Es könnte aber auch die freie und bewusste Entscheidung von qualifizierten Männern sein, sich nicht im Fußball zu bewerben. Vielleicht sagen sich diese qualifizierten Männer, dass sie doch nicht blöd sind. Erst in einer Großkanzlei mit sechsstelligem Einstiegsgehalt angefangen und durch diese Tretmühle gegangen, um dann in den Fußball zu wechseln, wo der externe Stress durch Medien und Fans nochmal eine andere Hausnummer ist? Dann doch lieber in einen „normalen“ Konzern oder ein „normales“ Unternehmen wechseln, Karriere in der Großkanzlei machen, eine eigene Kanzlei gründen oder Richterin werden. Das ist normalerweise der ruhigere Berufsweg, auf jeden Fall anonymer. Und da wir wissen, wie irrational es teilweise im Fußball zugeht, schadet Anonymität nicht. So hoch kann das Schmerzensgeld in Form der Vergütung vielleicht nicht sein. Aber vielleicht begründet sich ein mögliches mangelndes Interesse von Männern an einer Tätigkeit im Fußball auch in der Wechselhaftigkeit im Fußball, und sie ziehen den Fußball deswegen nicht als Branche in Betracht. Diese durchgehende emotionale Aufregung, dieses ständige Rauschen im Blätterwald, diesen zusätzlichen Stress muss man auch wollen. Das hat man in einer Führungsposition oder als Vorstand in „normalen“ Unternehmen eher selten oder zumindest nicht so beständig. Und dann ist noch nicht mitgedacht, dass es immer noch so ist, dass der Großteil der wirklich emotional verbundenen Fans weiblich ist. Ich schließe nicht aus, dass auch dies Einfluss auf die Anzahl von Bewerbungen und das Interesse an einer Tätigkeit im Fußball allgemein hat. Denn ich glaube, dass die Work-Life-Ballance in einer Fußballorganisation mehr leiden kann als bei anderen Arbeitgeberinnen. Und das nimmt man ggf. nur wegen der großen Leidenschaft für Team oder Sport auf sich.
Also generell finde ich es abstrus, wenn man sich als Gesellschaft auf die Schulter klopft, wenn eine Person etwas historisches leistet. Wenn wir so emanzipatorisch wären, wäre es nicht eine historische Leistung/Ereignis, dass wir nun eine weibliche Cheftrainerin haben. Die Hochachtung und die Blumen für diese Leistung gehören erstmal nur Frau Eta und sie darf dann gerne noch ein paar Blumen an ihre UnterstützerInnen verteilen. „Wir“ - sei es nun Ossis/Wessis/Deutsche/Rasenfunkler - sollten uns nun wirklich nicht mit fremden Blumen schmücken. Höchstens können wir so ein Tag nutzen, um uns zu fragen, warum es nun eine historische Leistung ist.
Aber ich springe gerne auch übers Stöckchen bezüglich der DDR:
Sagen wir mal so, zur Wahrheit gehört auch, dass die DDR eine so gute Kinderbetreuung hatte, dass einige Kinder gleich ganz adoptiert wurden, damit sie noch besser betreut werden können:
Aber vielleicht war wenigstens bei der häuslichen Gewalt besser, wenn die DDR es geschafft haben, dass die frauen so unabhängig sind, und es fand eine Emanzipation in der Hinsicht statt?
Sorry, aber ich finde es schon ziemlich abstrus anhand eines Datenpunktes im Jahr 2026 nun wieder zu verklären, wie ach so toll das Erbe der DDR ist.
Ich freue mich, dass wir nun eine Trainerin in der Bundesliga haben, aber können wir es nicht einfach als historisches Ereignis feiern, der Trainerin gratulieren und ihr das beste wünschen statt nun politische Debatten über die DDR zu führen.
Ich bin nur mit deiner Schlussfolgerung nicht ganz einverstanden
Ich stimme dir ganz und voll zu, dass Frau Eta sich feiern lassen sollte und es ihre Leistung ist.
Aber nur feiern ist mir zu wenig.
Weil Männer müssen sich hinterfragen, wieso Marie-Louise Eta im Jahre 2026 die erste Frau als Trainerin ist, warum in Vereinsvorständen die Frauenquote beschissener als in DaxKonzernen ist usw.
Und deswegen find ich erst Mal alles gut, wo man dem auf den Grund geht
Und das Problem „Mann“ bleibt ja trotzdem erstmal bestehen.
Und so eine Diskussion hilft auch mit Mythen aufzuräumen
Aber noch mal ganz viel Liebe und Zustimmung für deinen Post
also sind doch wieder die Frauen dran schuld, dass so viele Männer sich opfern müssen für die unangenehmen Jobs im Rampenlicht? Tja, was sollen wir machen, die Frauen haben einfach keinen Bock…
Sorry für den Zynismus, ich schließe nicht aus, dass die von dir gebrachten Argumente auch eine Relevanz haben, aber geschätzt eher so im Promillebereich. Dass die relevanten Probleme andere sind und vor allem in den Strukturen zu finden, aber auch ganz viel in den Männerhirnen und -seilschaften, das hat uns die jüngere Geschichte, nicht nur aber auch im Fußball, ausreichend vor Augen geführt. Wenn wir uns ein Bisschen dafür interessieren, dann können wir das auch sehen und müssen uns nicht das 50erjahreargument „also meine Frau bleibt gern zuhause bei den Kindern“ spazieren führen.
Ich empfehle als Einstieg das Rasenfunk-Tribünengespräch mit Lena Cassel und Kathrin Längert.
Für mich kann es erst strukturell sein, wenn Frauen bestimmte Positionen nicht bekommen, weil sie Frauen sind, weil man ihnen bestimmte Fähigkeiten nicht zutraut. Da di kleinere Verbände und Ligen anführst: Gerade in dem Bereich ist der monetäre Faktor noch erheblicher. Eine gut ausgebildete Juristin bekommt in der freien Wirtschaft (als Anwältin oder im Konzern) erheblich mehr als als hauptamtliche Verbands- oder Ligachefin. Zudem muss sie in da nicht quasi jedes Wochenende zu Terminen. Als Richterin verdient sie auch gut und ist komplett die eigene Herrin. Da sind solche Posten möglicherweise nicht s attraktiv.
Zunächst. Vielen Dank, dass du mir zustimmst. Du spekulierst über Gründe, setzt deine Spekulationen aber als gesetzt voraus. Mich würde, vor meinem Urteil, interessieren, welche Hintergründe diese Kennzahlen haben.
Im Übrigen ist es durchaus möglich, dass Frauen Opfer einer Struktur, eines Systems sind. Ich finde es dennoch faszinierend, dass man Frauen offensichtlich keinen eigenen Willen zugestejt, nicht die Möglichkeit zur rationalen Entscheidungsfindung. Stattdessen liegen diese Gründe im Promillebereich und Frauen sind automatische Opfer, ohne die Hintergründe zu kennen.
Das sind alles gute Argumente, warum der Job im Profifußball aus manchen/vielen Gesichtspunkten weniger attraktiv ist, als er vielleicht oftmals auf den ersten Blick wirkt. Ich sehe aber eigentlich keine Argumente, warum das mehr für Frauen als für Männer gilt.
Und selbst, wenn es wirklich so wäre, dass es an Bewerberinnen mangelt, dann kann man alleine das als ein zentrales Problem im System darlegen, denn der Fußball schafft es dann anscheinend nicht, attraktiv für Talente zu sein (mal bewusst aus dem Spieler:innen-Sprachgebrauch).
Zuallererst
Es gibt tolle Juristinnen, die eine monetäre Karriere hinten anstellen und sich auf Themen stürzen die eher Ideeller Natur sind(mit Familienrecht, Abschiebungen und Gewalt vor allem gegen Frauen wirst du nun Mal nicht reich, Work Life Balance ist aber trotzdem eher schwierig). Klar kommen da aus dem Umfeld auch ab und an die Fragen, warum sie in diesen Feldern arbeiten, wenn sie auch mit weniger emotionalen Stress sich was ruhigeres Suchen hätten können.
Aber nur weil es eben Negativbeispiele sind verstehen wir das eher, als wenn sich eine Frau ihrer Leidenschaft Fußball verschreibt?
Sorry aber das verstehe ich wiederum nicht.
Ich glaube du hast keine Ahnung von der Arbeitsbelastung von Topjuristinnen
Klar die Urlaube sind edler, aber alle die ich kenne(sei es nun freie Wirtschaft oder Richterinnen oder Staatsanwaltschaft) hatten teilweise selbst wenn wir zu Festivals gefahren sind Arbeit mit dabei und haben während der Autofahrt Akten durchgeackert und wenn es Internet gibt, wird das Postfach gecheckt.
Dann doch lieber für einen Verein, wo du eh jedes Wochenende bist(wenn es deine Zeit zulässt)
Außerdem zahlen Vereine durchaus gut.
Und ein Horst Heldt ist doch nicht bei Union, weil er schon immer Fan war, sind ja nicht alle Jürgen Klopp, die schon in Redbullbettwäsche als 14 Jährige geschlafen haben.
Sport ist mittlerweile durchaus auch ein Karriereweg
P.s. wie willst du es anders untersuchen, als über Zahlen?
Selbst wenn Männer sich eingestehen, dass sie eher Männer anstellen, werden sie das nicht zugeben, weil ey ich würde dann sofort als Frau klagen(zurecht)
Eine Idee wäre ein Blick ins Stadion. Ich bin zu alt fürs Stehen und gehe deswegen auf die Tribüne. Das Verhältnis von Männern zu Frauen beträgt da anekdotisch mindestens 75 % zu 25 %. Eher mehr.
Daa ist durchaus ein Punkt. Aber mir fallen so viele Bereiche ein, in denen das Interesse unterschiedlich verteilt ist. Ich wüsste nicht, wie man das ad hoc ändern soll. Vielmehr wäre meine Hoffnung, dass sich das erst in einigen Jahren ändert, wenn die Frauen, die vor 20 Jahren als Mädchen im Stadion waren, ihre Ausbildung abgeschlossen und ausreichend Berufserfahrung gesammelt haben. Denn der Anteil bei den Frauen, die heute zwischen 35 und 50 sind und sich schon als Mädchen für Fußball interessiert haben, ist eher gering.
Es gibt in einer bestimmten Alterskohorte, die jetzt Führungskräfte in Unternehmen sein könnten, nicht unendlich viele Frauen, die die Leidenschaft Fußball haben. Und diese Frauen wägen dann für sich ab, ob die auf Fußball mit all den Nebengeräuschen wirklich als Beruf Bock haben. Über Fußball steht jeden Tag was in der Zeitung, alle haben eine Meinung. Bei Adidas, der Metro oder einer Großkanzlei ist das nicht der Fall.
Glaube mir. Davon habe ich Ahnung. Und nach fünf bis 15 Jahren Berufserfahrung haben die auch in Großkanzleien ihren Bums im Griff und Zeit für Hobbys. Es gibt natürlich Peaks und außergewöhnliche Situationen. Aber die haben keinen zusätzlichen Stress durch Presse etc. (außer sie verhandeln spektakuläre Fälle oder haben zu cum-ex beraten). Und bei Gerichten kann man durchaus gut Work-Life managen, wenn man die Kammer oder die Abteilung einmal auf Zug hat. Staatsanwaltschaft ist natürlich durchaus anders, weil es da immer mehr wird.
Durch anonyme Datenanalyse der Bewerbungen. Wäre doch interessant zu wissen, wie viele Frauen sich mit welchen Qualifikationen bewerben. Wenn eine Berufsanfängerin sich bewirbt, hat sie gegen einen Bewerber mit fünf Jahren Erfahrung halt schlechtere Karten. Das ist dann nicht strukturell frauenfeindlich, sondern der Arbeitsmarkt.
Ich glaube wir reden aneinander vorbei.
Nur weil man sein Leben und seinen Job im Griff hat, heißt das nicht, dass die Work-Life-Balance einer 40h Woche entspricht.
Jetzt wird jeder Selbstständige sagen, „kennen wir das Problem“, aber das heißt nicht, dass es erstrebenswert ist.
Abgesehen Mal davon, weil du immer mit Presse kommst:
Nenn mir Mal von deinem Lieblingsverein die Menschen die im Aufsichtsrat sitzen, die Juristinnen dahinter und so weiter.
Nehmen wir Mal als Bsp. Bayern München
Ohne nachzusehen wie viele sitzen dort im Aufsichtsrat drinnen und wie viele kennst du und wie viele sind weiblich?
Und das sind ja nur die Chefs des größten deutschen Vereins
Wie viel haben diese mit der Presse zu tun, wenn sie es nicht darauf anlegen?
Also bewerben sich Frauen nur bei St. Pauli?
Ich mein hab ich vollstes Verständnis dafür, weil es der Beste Verein ist, aber deswegen werden sich ja dort nicht prozentual mehr Frauen bewerben.
Könnte also was damit zu tun haben, dass St. Pauli ein Umfeld schafft, auf das Frauen Bock haben(warum bekommen andere Vereine das nicht hin, ist dann die Frage) und vielleicht, dass sie versuchen Parität zu leben?
Also warum geht das bei St. Pauli in die richtige Richtung aber bei anderen Vereinen nicht?
Wir haben Zahlen, die wir auswerten können.
Wir haben Fakten, die wir auswerten können.
Wir wissen aus anderen Bereichen, wie man Frauen fördern kann.
Warum muss man im Fußball alles neu erfinden oder so tun, als gäbe es dort keinen Sexismus wie im Rest der Geschäftswelt.
P.s. es gibt ein sehr gutes Tribünen Gespräch mit Julia Möhn dazu(Nr 121) die das viel besser erläutern kann als ich
Unser Thema ist ca. Ab min 19(wobei das ganze Gespräch super zu unserem Thema ist) ist vielleicht verständlicher als mein gesabbel
Und p.p.s bei mir kommt folgende Einstellung dazu
Frauen haben uns die letzten Jahre(zehnte, hunderte) immer wieder erklärt, warum Sexismus scheiße ist, haben dazu jede Menge angestoßen, gekämpft, haben uns Bücher erst wissenschaftlich, dann in einfacher Sprache, dass wir Männer sie auch verstehen, geschrieben usw.
Vielleicht nutzen wir als Männer mal unsere Privilegien sinnvoll.
Ich glaube aber, dass dies eben nur eine anekdotische Wahrnehmung ist und sein kann - andere haben bereits darauf hingewiesen, dass es in anderen Stadionkontexten auch anders ist. Und Stadionanwesenheit alleine kann doch auch nicht die Bewertungsgrundlage sein: als andere Anekdote: ich bin fußballinteressiert, aber aus verschiedenen Gründen mittlerweile eher selten im Stadion - das alleine macht mich aber doch nicht weniger fußballinteressiert.
Und abgesehen davon könnte man eine mögliche Stadionan- oder abwesenheit auch eher als ein weiteres Resultat des ‘Systems Fußball’ sehen, in dem sich nicht-Männer nicht so wohl oder inkludiert fühlen - was wir ja wiederum als möglichen unterliegenden Punkt für geringere Bewerbungen (wenn das denn so ist) thematisiert hatten.
Entschuldige, ist viel wenn-dann, da ich die Daten zu Bewerbungen zum Beispiel einfach nicht habe. Ich denke aber, es greift, selbst wenn die Daten so sind wie du es darlegst, zu kurz, dann zu sagen “es liegt an mangelndem Interesse”, anstelle von “unsere Ausschreibungen/Angebote als Verein scheinen bestimmte Gruppen auszuschließen”.
Es geht nicht um unmittelbaren eigenen Kontakt zur Presse. Es geht darum, dass jeden Tag etwas in den Zeitungen und in Social Media steht, in Podcasts besprochen wird etc. Das hat Auswirkungen aufs Arbeitsklima bzw. kann es zumindest haben. Und dieser Stressfaktor ist nicht da, wenn du bei Bayer arbeitest (außer die kaufen komische Firmen aus USA etc.).
Das ist durchaus möglich. Könnte aber auch weniger an den Bemühungen von St. Pauli selbst liegen und mehr an der Legende der Fanszene. Aber auch das sind nur Vermutungen von mir.
Hier widerspreche ich mal teilweise. Für mich ist es kein Zufall, dass Union das erste Team ist, das - zumindest temporär - eine Cheftrainerin bei den Männern beschäftigt. Wie es für mich auch kein Zufall ist, dass die bisher einzige Bundeskanzlerin von der Union stammt und die Tories in UK Frauen als Regierungschefinnen hatten (und auch einen Chef mit ausländischen Wurzeln).
Darauf können wir uns sofort einigen. Da aber nun viele Begriffe in den letzten Jahren jegliche Bedeutung verloren haben, warte ich mit meinem Urteil, ob das auch von konkreten und ausreichenden Zahlen bestätigt wird. Und das ist jetzt für mich noch nicht der Fall. Ich kann mir durchaus vorstellen und bin eigentlich auch überzeugt, dass Sexismus eine Rolle spielt, aber ich habe nicht die Bestätigung, dass dieser der größte Faktor noch der einzige Faktor ist. Für mich ist es auch kein Sexismus, dass Frauen eher selten auf dem Bau arbeiten oder als Kanalarbeiterin. Da gehe ich auch von anderen Interessen aus.
Ist in verschiedensten Kneipen, in denen ich Fußball schaue, auch so. Und das ist sehr divers. Deswegen glaube ich (nicht von Zahlen gestützt), dass Männer in der Mehrheit die Konsumenten und Fans sind. Und daher könnte (keine Zahlen) ein größeres Interesse von Männern an Tätigkeiten im Fußball bestehen.
Ich habe ja auch keine Daten. Es sind nur andere Erklärungsansätze, die zu anderen Ergebnissen führen könnten.