Ich habe mir die neue Doku der ARD „WM 1994. Elf Helden, ein Albtraum“ angesehen. Von den vielen Dokus, die es gerade gibt, ist das m.E. die, die man sich nicht unbedingt ansehen sollte.
Ich mag Dokus, in denen Kultur, Politik, Soziales aus der jeweiligen Zeit sichtbar wird. Das ist hier kaum der Fall. Stattdessen gibt es 4 mal 45 Minuten Küchenpsychologie mit folgendem Ergebnis: Ein ehrlicher, aufrichtiger Berti Vogts war überfordert mit einem Haufen A…löcher um ihn herum (Matthäus, Effenberg, Basler, dazu Draxler bei der BILD und Beckenbauer bei Sat1/Premiere/BILD).
Zu Beginn der 3. Folge werden die Spieler von damals einmal mit Bildern von Rostock-Lichtenhagen konfrontiert (Wie war es, Deutschland in den frühen 90ern im Ausland zu vertreten?). Da hätte was bei rumkommen können, aber alle nicken bloß betroffen und sagen nichts. Ansonsten kann ich nur die 90er-Jahre-Musik im Soundtrack loben.
Aber falls euch eine Ehrenrettung von Berti Vogts oder ein Psychogramm des 94er-Kaders mehr interessiert als mich, dann schaut gerne rein.
Ich sehe das komplett anders. Mich hat die Doku extrem gefesselt, habe alle Folgen an einem Abend durchgeguckt (was bei mir echt nicht oft vorkommt). Allerdings waren mir die Umstände der WM 1994 im deutschen Team auch vorher nicht bekannt. Klar wäre deutlich mehr Potenzial drin gewesen, speziell in Bezug auf die Bilder aus Lichtenhagen. Aber im Großen und Ganzen hat mich die Doku absolut überzeugt.
Die Rolle von Berti Vogts finde ich in dem Kontext auch sehr spannend dargestellt. Er wird schon glorifiziert, aber auch kritisch betrachtet – wenn auch nicht in dem Umfang, in dem ich es mir gewünscht hätte. Aber dass ein Marcel Reif am Ende sogar den Tränen nahe ist, hat mich tatsächlich emotional berührt. Deswegen gibt es von mir eine klare Empfehlung.
Ich bin gerade bei Folge 2. Was ich interessant finde, ist dass die Bild-„zeitung“ damals beleidigt war, weil Berti Vogts sie nicht exklusiv bevorzugt behandelt hat, sondern alle Medien gleichwertig behandeln wollte. Sie war das noch von Beckenbauer gewöhnt.
Die bild hat damals starke Kampagnen gegen Vogts gefahren.
Und der Alfred Draxler ehemals Bild sitzt da schon sehr selbstgerecht in der Doku und macht sich abwertend über die Spielerfraurn lustig, das ist für mich schon sehr unangenehm zum zusehen.
Mir ging es wie Dir, ich hab mir alle Folgen am Stück reingezogen. Und ich finde Vogts hat es ein Stück weit verdient, dass die Geschichte nochmal aufgearbeitet wird. Egal wie viel oder wenig man von ihm als Trainer hält, menschlich war damals vieles ihm gegenüber komplett daneben, das weiß man auch nicht erst durch die Doku. Obwohl für mich neu war wie arschig sich Beckenbauer damals verhalten hat…
Die allerletzten Statements von Sammer und Effenberg (von dem ich das nie erwartet hätte) zu Vogts haben mich da schon gefreut.
Ich finde man kann auch Parallelen von den Turnieren von 1994 und 2018 ziehen.
Man hat als dfb bei beiden Turnieren alles ein bisschen lockerer angehen lassen und die Freizeitgestaltung der Spieler war den Spielern deutlich wichtiger als due sportliche Vorbereitung.
In der Doku wird das so sinngemäß beschrieben:„-Morgens 6 Uhr Golf, dann bisschen Training, Kaffe trinken, bisschen Besprechung und dann bis nachts um 3 Kartenspielen“
"Das war wie ein All-Inclusive-Urlaub und das Training hat nur gestört"
Was halt damals das Kartenspielen war, war 2018 Fortnite😅
Danke, ich habe auch schon Mecker im Freundeskreis gekriegt für meine eher negative Bewertung… Ich gebe gerne zu, dass sehr viele das anders sehen. Vielleicht war ich zu negativ.
Ich hab diese Doku glaube ich ausversehen ein 2tes Mal gesehen, aber gedacht egal. Wegen der Kürze geht das klar. Ich liebe kurze Dokus!
Lena Oberdorf ist sehr offen und ich hab das Gefühl auch ein bisschen Einblick hinter die Fassade der Profisfußballerin zu bekomme. Das habe ich bei vielen Dokus über Männerfußballer nicht. Lustig auch die Szene, wie sie vor der Kamera ihre Eltern konfrontiert, warum die nur noch ein Baskettballkorb, aber keine Tore mehr im Garten haben.