Achtung 1. Spieltag Overreaction (aber ich mache mir ja schon länger Sorgen über den eingeschlagenen Weg für diesen Sommer)
Hannover gewinnt als einziger Favorit ihr Spiel gegen einen Gegner, der auch gerne oben mitspielen würde. Da sieht man halt erneut, neben Schalke, dass es gar nicht Ewigkeiten braucht, bis eine Grundidee so eingebaut ist, dass alle sehen, womit man Spiele gewinnen will, und wenn der Erfolg früh kommt, dann steigt natürlich auch direkt das Vertrauen, in das was der Trainer macht. Und wie haben die beiden das gemacht? Konsequent den Kader auf die Spielidee des Trainers eingestellt und wenn das bedeutet, dass viele neue Spieler gescoutet und integriert werden müssen. Und dann gehen halt auch ein Zieler oder man muss eine komplett neue Innenverteidigung zusammenstellen.
Bei Hertha dahingegen kommt die Zuversicht daher, dass man mit vielen Spielern, die es in den letzten Jahren nicht geschafft haben, weitermacht und sich dafür abfeiert, dass keine Schwäche der Vorsaisons wirklich abgestellt wird. Denn was am wichtigsten im Sommer war, waren Verlängerungen mit Leistner, Zeefuik, die aber auch ihre Limitierungen haben, wo man sich fragen kann, sollen diese weiterhin die Säulen für den Aufstieg sein. Und auf der anderen Seite hat man sehr teure und teilweise unnötige Verlängerungen mit Reese und Cuisance, die ja noch 2-3 Jahre Vertrag gehabt hätten, getätigt und jetzt ist nach dem ersten Pflichtspiel die Frage, wo ist eigentlich deren stärkste Position.
Bei Cuisance geht es darum, ist er 10er oder 6er und bei Reese geht es darum ist er Stürmer oder Flügelspieler. Und damit muss ich schon fragen, wieso das nicht seit drei Monaten klar ist, wo man eben sehr viel Geld gebunden hat, um sie zu absoluten Säulen zu machen und an ihnen einen Kader und ein Spielsystem aufzurichten, sondern jetzt wieder diskutiert wird, wo sie eigentlich spielen sollen, wo der Kader steht und die Vorbereitung vorbei ist. Dann hätte man sich eben vermutlich gar nicht langfristig auf ein 3-5-2 eingestellt, wo dir zwei Schienenspieler fehlen und noch ein paar Mittelfeldspieler geholt, falls man auch mal 3-4-3 spielen will. Aber man dachte, die individuelle Qualität wird das System schon trotz aller Schwächen tragen, aber jetzt zeigen diese Spieler eben nicht ihre individuelle Qualität auch wenn es einmal nicht läuft und das System vielleicht nicht optimal ist. Aber Demme und Leistner funktioniert einfach nicht, wie auch schon vor der Saison unabhängig von Namen zu befürchten war und man hat ja nicht ohne Grund schon letzte Saison nicht mehr mit Leistner als Stammspieler geplant und nun hat man gedacht, dass eine Verlängerung so wichtig wäre, dass man eben auch deshalb auf Dreierkette eingestellt ist. Man kann ja gottfroh sein, dass kein Berisha mehr kommt, wenn man auf einmal vielleicht gar nicht mehr mit Doppelspitze planen will, weil Reese eben aus dem Zentrum gezogen werden könnte.
Aber genau diese teure strategische Irrfahrt ist genau der Grund, warum Hertha seit 2.5 Jahren, wo ich nun genauer hinschaue, einfach massenhaft verschiedene Transferflops anhäuft und den Trainer und die Spielidee von Saison zu Saison ändert, ohne jedem Trainer wirklich zu 100% das in die Hand zu geben, was er braucht, um die Ziele zu erreichen, die nötig sind, damit das ganze All-In Gehabe nicht implodiert. Denn man muss ja noch so viele Altlasten loswerden, bevor man wirklich sich committen kann. Und das ist auch verständlich. Aber es wird ja nicht zu wenig Geld ausgegeben, sodass der Druck für Erfolg noch weiter steigt, und man dann denkt, wenn der Druck groß genug ist, dann kommt das Wunder. Oder halt die Insolvenz. Langfristig wird hier nicht gedacht und nicht einmal probiert, ob man mit Einnahmen der Größenordnung 25 Millionen durch Verkauf von Maza, Cuisance und Reese, einfach genug Ruhe reinbekommt, dass man zwar den Aufstieg abschreiben muss, aber man immerhin die Chance wahrt, über Jahre sich zu konsoldieren und eine stabile, finanziell profitable Mannschaft zu werden, statt weiterhin einfach nur auf Pump zu leben und zu hoffen, dass sich das Investment irgendwann auszahlt, wenn man nur noch mehr Geld drauf wirft. Das hat eben sehr viel von der Strategie von vor 6 Jahren, wo man dachte, jetzt sofort alles ausgeben was man hat und der Erfolg kommt dann zu 100% und dann macht man noch viel mehr Geld. Aber aktuell ist die Aufstellung von Hertha so schlecht, dass ich nicht sehe, wie selbst nach Aufstieg irgendwie eine Gesundung entstehen soll, sondern man einfach komplett unvorbereitet aufsteigt und dann knallhart absteigt und dann kollabiert, wenn das Wunder Aufstieg Wirklichkeit werden sollte. Aber man denkt halt nur noch an den Aufstieg in dieser Saison und was danach kommt, zB Kaufpflicht Kownacki, ist dann egal.