Mm, vielleicht kam die Sendung dann doch eine Woche zu früh… wobei, so gibt es genügend Stoff für weitere. Immer wenn man denkt, jetzt sei der Gipfel erreicht, setzt Infantino noch einen drauf:
Ich möchte bei der ganzen Frage zu einer „demokratischen FIFA“ einwerfen, dass die Vergabe der WM 30 und 34 per Akklamtion über eine Videoschalte entschieden wurde.
Dieses Vorgehen ist - wenn ich das richtig verstanden habe - in Deutschland bei wichtigen Entscheidungen tatsächlich verboten, da es zu einer „Passivität“ der Abstimmenden führen könnte.
Vor diesem Hintergrund wird mir bei dem, was @TheOkapiposter gepostet hat (möglicher Einstieg von Investoren bei der FIFA) Angst und Bange, wenn die FIFA im Kicker zitiert wird: „Diese [Entscheidung] liegt ausschließlich bei den Mitgliedsverbänden, schließlich ‚trifft die FIFA ihre Entscheidungen demokratisch‘.“
https://www.kicker.de/wm-verkauf-fifa-bestaetigt-investoren-plaene-1239238/artikel
Wenn die WM’s dann von einem Unternehmen mit Investoren durchgeführt wird, spielt das ne Rolle für die steuerlichen Vorteile die die FIFA aktuell genießt? Ich dachte bislang immer, dass die FIFA so wenig steuern zahlt weil sie ein allgemeinnütziger Verein ist und nicht Gewinnorientiert wirtschaftet, das wäre mit Sponsoren aber ja hinfällig?
Also vielleicht bin ich mittlerweile einfach abgestumpft aber ich verstehe ehrlich gesagt die Aufregung um den Investoreneinstieg nicht. Also ich find’s nicht gut. Aber wenn jetzt davon geredet wird, dass der Fußball verkauft wird, dann kommt die Aussage für mich paar Jahr zu spät. Ich persönlich sehe es zumindest nicht als schlimmer an als die WM-Vergabe nach Katar, Russland und Saudi-Arabien. Und auch die „Drohung“ der UEFA wirken auf mich bestenfalls zahnlos, im schlimmsten Fall heuchlerisch.
Vielleicht braucht es noch ein WM-Panel 8 um die aktuellen Entwicklungen, oder eher Degeneration zu diskutieren?
Wenn das jetzt nicht ausreicht, um als Europa (UEFA) zu erklären, dass man nicht mehr mitmacht und sich eben auf Europa-Meisterschaften konzentriert, dann weiß ich auch nicht.
Der Investoreneinstieg droht die Sache endgültig kaputt zu machen. Sicher ist man schon ziemlich abgestumpft, aber der Verkauf von Anteilen an der FIFA und damit der WM erinnert mich an den Verkauf in der französischen Liga ohne zeitliche Befristung. Ich bin sehr gespannt auf ein Tribünengespräch zu den aktuellen Entwicklungen und gehe ganz mit @Kherova - es braucht doch noch ein Panel, ob man es nun WM-Panel oder FIFA-Panel nennt.
Kannst du mir erklären, warum der Investoreneinstieg für dich so viel schlimmer ist als die gekaufte WM von Katar. Oder die „gekaufte“ WM von Saudi-Arabien? Denn ich sehe da keinen signifikanten Unterschied. Ich finde den Investor sogar deutlich weniger schlimm und hab das Gefühl, dass hier die Fußballfans wieder reflexartig auf das Wort „Investor“ reagieren. Ich mein, wenn jetzt JP Morgan 30% der Anteile hält, was soll da passieren, was nicht jetzt genauso passieren könnte oder sogar schon passiert?
Und ich finde es auch seltsam, wie man jetzt die UEFA als Retter hinstellen will. Die sind doch nicht dagegen, weil sie den Fußball so lieben, sondern aus eigenen Macht/Geldinteressen. Ich glaube keine Sekunde, dass die UEFA eine WM boykottieren wird. Und wenn man es wirklich ernst meinen würde, müsste man sich ja eigentlich nur mit dem Südamerikanischen und/oder den afrikanischen Verband zusammentun. Wenn man einen von den beiden überzeugt bekommen würde, würde das wahrscheinlich schon ausreichen. Dafür müsste die UEFA wahrscheinlich aber auch Zugeständnisse machen. Finanzieller oder politischer Art. Und wir wissen doch alle, dass das nicht passieren wird.
Ich hab eure Diskussion mal aus dem WM-Panel-Feedback rausgeholt, weil es eigentlich gar nichts mit der Sendung zu tun hat. Macht hier gerne weiter!
Investoren als Miteigentümer werden Forderungen stellen und das nicht nur für eine WM im eigenen Land.
Ich glaube, ein Problem ist tatsächlich, dass keiner genau weiß, was ein „Investor“ in diesem Fall konkret bedeuten soll, weil es auch sehr nebulös gehalten wurde. Deswegen ist alles vorstellbar: von einem stillen Teilhaber, der nur Geld mitverdient, bis zu jemanden, der sich hier Einfluss auf Entscheidungen betreffend die Fußball-WM kauft (z.B. Anzahl der Mannschaften/ Austragungsorte…).
Problematisch sehe ich wie @Blauelili , dass m.E. ein Investor immer Einfluss haben will.
Abgesehen davon ist die UEFA wirklich nicht die Retterin des Fußballs und es ist schon fast paradox, wie die sich gerade darstellen.
Und nochmal, welche Forderungen sollen das sein, die schlimmer sind als was wir bei den letzten drei WMs gesehen haben? Zeichen gegen LGBTIQA-Feindlichkeit wurden verboten. Spielern und Schiedsrichtern wurde die Einreise auf Grund ihrer Nationalität verweigert. Schiedsrichterentscheidungen wurden nachträglich mit fadenscheinigen Argumenten abgeändert. Ich will jetzt nicht zu zynisch klingen aber mir fehlt die Fantasie, mir vorzustellen, dass ein Investor das nochmal toppen würde. Wenn die jetzt zum Beispiel fodern, dass Spieler nach einem Torjubel immer eine bestimmte Getränkedose in die Kamera halten müssen, wäre das für mich jetzt keine neue Dimension. Sondern einfach nur die logische Fortsetzung von dem, was wir seit Jahren im Fußball als Entwicklung sehen.
Ein Investor könnte etwa darauf drängen zur Erweiterung der Werbemöglichkeiten in Vierteln mit dazugehörigen (vielleicht erstmal dreiminütigen?) Werbepausen spielen zu lassen. Und das würde den ganzen Charakter des Spiels verändern, das kann die FIFA ja eigentlich selber nicht wollen.
das witzige ist ja, dass Infantino nichtmal einen Pitch vorstellt, wofür er das Investorengeld benötigt.
Den geplatzten DFL-Investoreneinstieg kann man gut oder schlecht finden. Aber es wurde immerhin klar kommuniziert, was man mit dem Geld hätte machen wollen: eine eigene Vermarktungsplattform aufbauen um bei zukünftigen TV-Verhandlungen aus einer gestärkten Position auftreten zu können.
In Spanien und Frankreich wurde der Investoreneinstieg durchgedrückt um Covid-Löcher zu stopfen.
Der Pitch der FIFA ist quasi: „wir haben bei der WM viel zu viel Geld eingenommen und würden es zukünftig lieber in private Taschen umleiten, statt bei euch dummen Verbänden zu lassen“.
Zumindest bleibt wohl alles in der Familie: „The proposal is backed by Thrive Capital, the investment firm founded by Joshua Kushner. Joshua Kushner is the brother of Jared Kushner, the son-in-law of U.S. President Donald Trump.“
Erpressung
Es wäre auch für Infantino die Möglichkeit weiter an der Macht zu bleiben.
Dann könnte er (auf Lebenszeit) CEO der neuen Firma werden und müsste sich nicht mehr um seine Wiederwahl kümmern.
Spannend, was für eine Dynamik das angenommen hat. Jetzt sollen die Mitgliedsverbände wohl bis zum 19. September entscheiden, ob sie dem Deal zustimmen. Ich könnte mir vorstellen, dass 20 Millionen bar auf die Kralle (plus viel mehr in den Folgejahren, wie es die FIFA verspricht) für viele ein verlockendes Angebot sein könnte – auch wenn die großen Kontinentalverbände wie UEFA, Concacaf und ASEAN sich dagegen positionieren.
Hier ein paar Gründe, warum der Investorendeal schlimmer wäre:
- der Investorendeal hätte einen deutlich größeren Impact als eine WM Vergabe, die letztendlich nur einen Monat dauert
- für eine Entscheidung von solcher Tragweite ein viel zu kurzer und intransparenter Entscheidungsprozess
- offener Kauf der Abstimmung (wer de, Investorendeal zustimmmt, bekommt sofort 35 Millionen)
- Entmachtung der eigenen Position der Nationalverbände und Ende der „Demokratie“ innerhalb der Fifa
- Schaffung von Parallelstrukturen ohne Aufsicht und Einsicht der Mitgliedsverbände
- Möglichkeit für Infantino auf Lebenszeit an der Macht zu bleiben
- Investoren ändern sich, man wird sie aber nie wieder los. WM-Turniere dauern nur besagten Monat
den Punkt würde ich wirklich nochmal heraustreichen. Ich hab/hatte bislang schon die Hoffnung, dass sich das System Fußball/FIFA irgendwann wieder mehr auf das sportliche fokussiert und sich von einzelnen Machtinteressen lösen kann. Mit dem Deal wäre diese Hoffung auf abshebare Zeit halt weg. Es spielt keine Rolle mehr ob Infantino abgelöst wird, mit einem Investor wird unabhängig vom FIFA Präsidenten immer der maximale wirtschaftliche Erfolg die einzige Priorität sein. Alles Andere, wie z.B. Fans können Fußball schauen, den Fußball im Ausrichterland fördern, Kontrollierbarkeit der Geldflüsse, ist dann halt „nice to have“ aber hat absolut keine Gewichtung mehr…
Investor bei der FIFA klingt nach Geld drucken. Denn eine WM bringt immer viel Geld.
Aber wie sicher wäre so ein Investment? Die FIFA kann natürlich immer eine WM ausrichten. Aber die FIFA-Mitglieder könnten jederzeit aussteigen und ihre eigene WM veranstalten.