Kurzpass 041 – Nazis bei Energie Cottbus


#1

Wichtiges Thema, ich war sehr froh, René im Kurzpass haben zu dürfen. Wie hat euch die Sendung gefallen?

https://rasenfunk.de/kurzpass/nazis-bei-energie-cottbus-kurzpass-042


#2

Sehr gute und wichtige Sendung.

Darauf anschließend wäre eventuell sinnvoll gewesen über die Situation Babelsberg vs NOFV zu sprechen, aber dann wär’s vermutlich kein Kurzpass mehr gewesen :wink:

(Ansonsten seh ich die Situation in Cottbus wieder mal als Beweis dafür, dass der Kotau gegenüber Rechtsextremen, Fußball zur “unpolitischen Szene” zu erklären nicht mal für die tatsächlich Unpolitischen einen Schutz vor den Nazis bietet. Dann gleich mit den roten Fahnen rein, weil es is eh egal. Der Verichtungswahn der Nazis richtet sich eh auf einen, egal was eins macht. Aber das ist natürlich jetzt eine sozialistisch geprägte Sicht, die für die “Unpolitischen” alleine deswegen schon mal irrelevant wird. Naja.)


#3

Völlig richtig, kurzer Kontext dazu: Ich hatte die neuesten Artikel zum NOFV noch nicht gelesen und fühlte mich im Thema nicht sicher. Hab dann deshalb an der Stelle, an der es gegangen wäre, nicht eingehakt. Und im Grunde ist die Nummer von Babelsberg auch fast noch krasser, weil sich der Verband so verhält wie er sich verhält. Dazu gibt es vielleicht mal was Eigenes, wenn die Arbeit mich lässt.


#4

Sehr guter Beitrag der sehr viel Einblick gegeben hat.
Aber er bestärkt mich wieder einmal mehr in meiner Meinung, dass alle Stehplätze verboten gehören. Dadurch ziehen die Ticketpreise an und dadurch werden 80% dieser Idioten nicht mehr ins Stadion kommen. Außerdem hat der Verein dann viel bessere Kontrolle. Die PL sollte hier ein Vorbild sein.
Ja, dass wird vielen Vereinen weh tun finanziell, aber das müsste der DFB/ die DFL ausgleichen. Und ja, die Stimmung würde sich verändern. Aber auch das würde sich nach einiger Zeit einspielen.


#5

Wäre halt ein bissl das Kind mit dem Bade ausschütten. Zudem die Bundesliga nicht annähernd die Markenstärke der Premier League hat. Dort wurden die ausbleibenden Sitzplatzzuseher halt durch “casual fans” (also ned Casuals im Hool-Sinne selbstverständlich) ausgeglichen, die es von der Premier League halt deutlich deutlich mehr gibt als von der Bundesliga.
Halte es nach wie vor für eine schwere strategische Fehleinschätzung der BL, dass sie glaubt sie könnte wie die Premier League sein. Das wird nicht aufgehen.

Und ein bisschen funktionieren gerade die viel gescholtenen Ultràs (gerade in Deutschland) da schon als Korrektiv. In linken oder “Mitte-links” Kurven wie Gelsenkirchen, Bremen oder Frankfurt fliegst du raus, wenn du dich in irgendeiner Form rechtsextrem äußerst - was in einem Fanvakuum entstehen kann sehen wir ja bei Nazichelsea recht deutlich.
Freilich, wenn die Stadt an sich schon einen deutlichen Rechtsausscherer hat (wie eben Cottbus leider), dann nutzt auch das Selbstregulativ nix.


#6

Den Vereinen wird das weniger weh tun als der Stimmung und den Familien, Rentnern, Arbeitslosen, Jugendlichen, die sich einen Stadionbesuch dann nicht mehr leisten können.

Das ist ja die kollektivste aller Strafen und impliziert, dass

a) Rechtsradikale kein Geld haben
b) im Sitzen kein rechtsradikales Gedankengut verbreitet werden kann

Ich zweifle beides deutlich an.


#7

Ich teile diese Zweifel.

Hinzufügen möchte ich meinen grundsätzlichen Zweifel an der Hoffnung, es würde den Nazis auch nur am Rande weh tun, würden sie durch externe Faktoren aus dem Stadion gedrängt. Gut, dann haben sie nicht mehr diesen öffentlichen Raum, um mittels einer starken Metapher konzentriert Ihr Zielpublikum (bzw. einen Teil dessen) zu erreichen. Im Zweifel finden sie es dann dort, wohin es verdrängt wird. Und haben eine weitere, wahrscheinlich noch stärkere Metapher an der Hand.

Nein, das einzige, was denen weh tut ist, wenn Demokraten aller demokratischen Farben ihnen im offen Stadion entgegen treten. Und wenn Verein, Team und Fans denen, die ihnen entgegen treten, öffentlich den Rücken stärken. Nur so kommen Unentschiedene überhaupt zu dem Gedanken, dass die einfachen Lösungen, die ihnen von Menschen, die total schon immer Fan desselben Vereins waren (und damit bestimmt eine argumentative und Sympathie-Brücke haben müssen), angeboten werden, vielleicht doch zu hinterfragen wert sein könnten.

Was einen wieder zum Ausgangspunkt der Unterhaltung führt: Wenig ist so dumm wie die Behauptung, Fußball oder Fußball-Fantum müsse doch bitte unpolitisch sein. Dort trifft sich die Jugend. Dort trifft sich die Gesellschaft. Genauso könnte man die Behauptung vertreten, die antike Agora habe bitte unpolitisch zu sein.


#8

Hallo Max,

den Familien und Jugendlichen wird das kaum Schaden, da diese kaum in der Stehplatzkurve stehen (Familien) oder sowieso starke Vergünstigungen bekommen (Jugendlichen). Bei Rentnern ist das auch eher eine starke Minderheit, welche noch in die Stehplatzkurven gehen. Und Arbeitslose sind laut mehreren Statistiken (Infra-Test etc.) ein großer “Brutherd” für Rechtsnationalismus.

Aber natürlich ist dieser Vorschlag ein sehr ratikaler, welcher auch unbeteiligte Parteien bestraft.

Nichtsdestotrotz möchte ich nochmal unterstreichen, dass es bis jetzt noch keinen guten Vorschlag gegeben hat, welcher auch umsetzbar ist, der funktioniert hat. Ich erinnere an dieser Stelle an Hansa Rostock, wo der Präsident vor 2 Jahren offizell bestätigt hat, keine Mittel mehr gegen die Rechts-Aussen Ultras zu haben und die Politik und den DFB um Hilfe gebeten hat.

Personalisierte Tickets haben auch kaum Wirkung gezeigt und Stadionverbote sind ebenfalls kaum durchzuhalten (Juristisch sehr umstritten, da diese Verbote eigentlich immer wieder überprüft werden müssten).

Ich bin wirklich für andere Vorschläge offen, aber ich sehe einfach keine…


#9

Hallo @sternburg,

Aber das ist genau der Punkt. Wenn die rechte Gesinnung keine Bühne mehr im Stadion hat, fehlt eine sehr öffentliche Bühne. Diese wird sich dann außerhalb des Stadions versuchen zu bilden, aber dort kann und wird die Polizei und die Justiz eingreifen, da sie es dürfen. Im Stadion dürfen Polizei und Justiz nur sehr begrenzt durchgreifen, weil die Vereine das Hausrecht haben.

Diese Hoffung habe ich aufgegeben. Siehe als Beispiel Dortmund gegen Leipzig. Wo waren die Leute und der Verein sich gegen diese Aussagen zu stellen? Nirgens… Und ich habe sogar großes Verständnis für die Leute. Als Familienvater werde ich nicht im Stadion anfangen, mich mit diesen Leuten anzulegen, weil meine Kinder geschützt werden müssen. Und der Rentner wird auch nichts sagen aus Angst vor Gewalt. Ich könnte es hier mit den Histroikern argumentieren; Hilter, die SS, die NSDAP waren das Böse und jeder in Deutschland wusste es 1933. Trotzdem sind alle (mit Ausnahmen) Bürger denen hinterhergelaufen. Warum? Androhung von Gewalt, Bilden von Gruppenzugehörigkeitsgefühl, Ausgrenzung bei nicht folgen der Gruppe. Der Block, wo diese Rechten stehen, ist in ihrer Gewalt. Wer soll sich dort dagegen stellen?

Darum nochmals, ich sehe keine anderen Lösungen, außer die rechten Ultras aus den Stadien zu entfernen, bin aber immer offen für gute Vorschläge.


#10

Guter Kurzpass.

Ein Thema das leider viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.Vielleicht auch so gewollt von DFL+DFB, solange man irgendwo da “unten” spielt und man es nicht in die internationalen Medien schafft.

Stehplätze sehe ich auch als ein Problem an, aber nicht weil die Tickets zu günstig sind, sondern weil man durch Stehplätze eine Art geschützte Zone für Gruppierungen geschaffen hat.


#11

Aber wäre das wirklich bei Sitzplätzen anders? Was macht man dann, wenn die Fans einfach aufstehen, sich zusammenrotten und wieder mit Fahnen o.Ä. verhüllen? Ich verstehe diese Verteufelung der Stehplätze nicht. Sitzplätze setzen doch nullkommanull beim eigentlich Problem an, oder?


#12

Mit geht es eigentlich gar nicht um Steh-oder Sitzplätze, sondern dass man irgendwannn angefangen hat das Stadion in bestimmte Bereiche einzuteilen.Gästefans, Familienbereich und eben auch Stehtribüne, welche meistens mit Heimfans und Ultras assoziiert wird.

Durch diese offensichtlich Abgrenzung von verschiedenen Gruppen hat man doch schlussendlich einen separaten Bereich geschaffen, in dem man sich auch mal ordentlich daneben benehmen kann.Übertrieben dargestellt natürlich.

Schlussendlich ist es aber auch unfair alles auf Cottbus zu schieben. Es ist ein gesellschaftliches Problem und nicht ein Problem des Sports.Wir sehen doch gerade nur die Spitze des Eisbergs.
Der größte Verein in Cottbus, einer Stadt in der jeder 4. für AFD gewählt hat und die Anwerbung von Jugendlichen durch rechtsextremen Gruppierungen selbst “la masia” in den Schatten stellen würde, kann die Probleme nicht einfach verstecken bzw. ist dafür gar nicht willensstark genug.
Vor allem wenn solche Gruppierungen mit den dicken Geldscheinen winken.


#13

Puuuh.

Genau, weil Nazis, die rechte Politik in Stadien tragen zu 80 Prozent arbeitslose Alkoholiker mit Springerstiefel, Bomberjacke und Glatze sind. Ach nee, das waren ja die 1980er Jahre! Sorry, aber ich bezweifele, dass ein Aussieben der Fans nach finanziellen Möglichkeiten Nazis die Möglichkeit nimmt, das Stadion als Bühne zu nehmen.

Stattdessen werden dann diejenigen bestraft, die keine rechte Scheiße von sich geben, aber 30 oder 40 Euro zweimal im Monat trotzdem nicht leisten können:

  • Schüler

  • Auszubildende

  • Studenten

  • Geringverdiener

  • und ja, auch Familien, denn entgegen landläufiger Meinung kann man auch als Erwachsener mit nicht mehr ganz so kleinen, aber dennoch minderjährigen Kindern in eine der vielen Stehplatzkurven Deutschlands gehen, ohne sich dadurch in ein Bürgerkriegsgebiet zu begeben. Aber drei oder vier mal 30 bis 40 € ist schon eine ganze Menge Holz

Die Premier League, wo in vielen Stadion kaum noch was los ist, man seinen Sitznachbarn aber per SMS denunzieren kann, wenn der sich auch nur im Mindesten daneben benimmt? Ein tolles Vorbild.

Wie Max schon sagte: Das tut den Vereinen nicht weh. Eher im Gegenteil.

Ja, man könnte zum Beispiel an jeden Sitz eine Klatschpappe kleben. Dann ist es gleich viel stimmungsreicher im Stadion als mit den zum Teil sehr monotonen Ultra-Gesängen. Patschpatschpatschpatsch

Ja, aber das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Da könnte man nach deiner Logik auch Arbeitslose zur Antifa zwangsverpflichten, damit sie ja nichts nach rechts abdriften.

Man muss mal überlegen, warum in England die Stehplätze überhaupt abgeschafft wurden: Weil die Polizei aus thatcherscher Verachtung für den Pöbel im Stadion fahrlässig bis ignorant Menschen in den Tod getrieben hat und danach durch Vertuschung, die erst vor kurzem aufgedeckt wurde, ebenjenen toten oder lebenden, aber psychisch fürs Leben geschädigten Fans die Schuld dafür in die Schuhe geschoben hat. In England denkt man übrigens teilweise schon wieder darüber nach Stehplätze wieder einzuführen. Engländer kommen am Wochenende nach Deutschland, um die Stimmung in der Bundesliga zu erleben. Wenn Du das jemanden in den 70ern erzählt hättest, so meine Vermutung ohne damals gelebt zu haben, hätte er Dich wahrscheinlich für verrückt erklärt.

Ich sehe überhaupt keinen Grund, der Premier League in irgendeiner Weise nachzueifern. Weder was die Vermarktung, noch was das Stadionerlebnis angeht.


#14

@Lennart,
aber was ist dein Lösungsvorschlag?

Das dieser Vergleich völlig falsch ist. Du spricht hier über allgemeine Freiheitsrechte, während ich über die Situation im Stadion (dort sind Hausrechte vorhanden, welche schon per Definition die Freiheitsrechte einschränken).

Dazu habe ich eine Lösung angeboten und bei Familien sind die Stastistken auch recht klar. Familien gehen zu über 90% auf Sitzplätze bzw in den Familienblock.

Du meinst von der Stimmung her, richtig. Denn fast alle Stadien in der PL sind fast immer ausverkauft.

Auf den Rest möchte ich nicht weiter eingehen. Ich würde gerne deinen Lösungsvorschlag hören.


#15

Sitzplätze haben den Vorteil, dass Ordner besser kontrollieren bzw. besser für Ordnung sorgen können.
Das ist bei Stehplätzen kaum möglich. Ich erinnere mich an die “Please sit down” Ordner von Wembly und Old Trafford. Man wurde immer sofort ermahnt und die Ordner konnten die Reihen gut überschauen.

Ich weiß nicht mehr ob es auch mal bei Hart aber Fair diskuiert wurde (oder in einer anderen Sendung), aber ein Sicherheitsexperte hatte damals deutlich die Sicherheitsvorzüge (Safety und Security) vorgestellt. Die UEFA und FIFA lassen auch nur Sitzplätze aus diesen Gründen zu.

Und um mal ein anderes Argument ins Spiel zu bringen; Bei welcher anderen Sportart, wo ein Feld gebraucht wird (F1, Straßen-
Radfahren usw haben eine Strecke), gibt es noch Stehplätze? Handball, Basketball, Tennis, Ruby, Cricket (nicht Sicher wie es in Indien und Pakistan ist), American Football, Baseball, Eishockey, Hockey uvm haben nur Sitzplätze.
Mit welchem Argument benötigt der Fußball Stehplätze?


#16

Ich weiß nicht wie es in anderen Ländern ist, aber in Deutschland gibt es aber definitiv auch bei anderen Sportarten Stehplätze:

Eishockey:
Berlin: https://www.mercedes-benz-arena-berlin.de/die-arena/daten-fakten
Köln: http://www.haie.de/tickets/saalplan-und-einzeltickets
Mannheim: https://de.wikipedia.org/wiki/SAP_Arena

Handball
Kiel: https://www.thw-handball.de/tickets/faq/
Rhein Neckar: https://www.rhein-neckar-loewen.de/tickets/preisuebersicht/

Basketball:
Ulm: http://www.ratiopharmarena.de/eventlocation/fuer-veranstalter/bestuhlungsplaene/358-basketball-mit-sitz-und-stehplaetzen
Bamberg: http://www.brose-arena.de/fileadmin/user_upload/Variante_01_Basketball.pdf


#17

@Cortex

Danke für die infos. Aber ist dir mal aufgefallen, wo die Stehplätze und wie viele zum Beispiel in Kiel sind. In Berlin sind die Stehplätz im Backstage Bereich, nicht in der Halle. SAP 1.716 Stehplätze; 11.484 Sitzplätze.

Also 1.716 Menschen auf einem Stehplatz zu kontrollieren ist weit einfacher, als knapp 15.000 Menschen im Westfalenstadion.


#18

Hallo Max

vielen Dank für diesen Beitrag. Für mich der ultimative Grund, mein sinnloses Abo bei bvbtotal einzustellen und Dich zu unterstützen, weil Deine Beiträge 1000mal relevanter sind - auch als Fussballfan!


#19

Oh Mann, danke!!!


#20

Vollzugsmeldung!