Kurzpass 092 – Mesut Özils Rücktritt


#21

Ah…okay,dann bin ich auch drauf reingefallen. Vielen Dank für die Info!


#22

Vielen Dank, dass du dir noch Zeit für diesen Kurzpass genommen hast. Dieses Thema wurde allerorten sehr krawallig diskutiert, aber von euch natürlich nicht. Interessante Zeitung,die dein Gast macht. Es gibt noch einen sehr guten Kommentar auf Halbfeldflanke, den ich für am Thema Integration Interessierte empfehlen möchte.


#23

Moin und vielen Dank für Eure Arbeit und die sehr reflektierte Sendung über den Özil Rücktritt.
Eine - am End die einzige - Schwäche der Sendung fand ich, dass Ihr zu oft von “den Medien” gesprochen habt. Hier könnte man doch durchaus Namen der Journalisten und der Zeitung / Platform nennen.
Davon abgesehen bin ich der Meinung, dass seltsames völkisches Gedankengut kein neues Phänomen in unserer Gesellschaft ist. Dieses Gedankengut ungehemmt zu artikulieren ist das Neue. Wir sind nicht in der Lage, den Fehler eines N11 Kickers sachlich zu diskutieren - das ist die Katastrophe, die sich durch die unverschämten Aussagen der menschgewordenen Power Point Oliver Bierhoff (der war übrigens der erste) und die traurige Bestätigung durch Grindel mehr als deutlich äussert.
Um so wichtiger ist es, konkrete Kritik an öffentlichen Aussagen zu üben und nicht Allgemein von z.B. “den Medien” zu sprechen.

PS: Moschee Kaufbeuren - als streng gläubiger Atheist habe ich auch keine Lust auf noch mehr Gotteshäuser. Wir benötigen weniger, nich mehr Religion. Es wäre schön, wenn wir die zigtausenden Kirchengemeinden davon überzeugen könnten, gemeinsam mit ihren muslimischen Vettern Gotteshäuser “der Kinder Abrahams” zu betreiben. Kirchen gibt es dafür mehr als genug. Meinen Segen dazu haben sie.


#24

Guter Rasenfunk, schweres Thema!
Özil wird mir seit Jahren zu unrecht kritisiert. Klar sachliche Kritik bei schlechten Spielen darf sein, aber öfters als sachliche Kritik, findet man Diffamierung aufgrund von Herkunft und Kulleraugen.

Hab mir eben die Frge gestellt, wie wohl damit umgegnagen wäre, wenn ein Nationalspieler, ein Bild mit Björn Höcke postet, und sich dann darauf beruft, dass er früher sein Lehrer war, und man nichts politisches besprochen hätte.
Was wäre dann in Deutschland los?Ist das überhaupt vergleichbar?

Naja, die Meinungsfindung ist noch nicht abgeschlossen, mal sehen was der Thread noch dazu beitragen kann.


#25

Ich möchte mich hier auf den Punkt “Foto mit Diktator” der Causa Özil beschränken und das Ausweichmanöver “Rassismus-Problem in Deutschland und im DFB” außen vorlassen, denn ich denke schon, dass man dieses Thema in kleine Teilbereiche zerlegen kann/muss, um dann die kleinen Teile zu behandeln (die natürlich aufeinander Einfluss haben könnten).

Also, Özil lässt sich mit Diktator E. aus der T. fotografieren.

Frage von @GNetzer: Muss das eine Demokratie aushalten?
Ich denke, eine Demokratie muss so einiges aushalten und es muss uns Bürgerinnen und Bürgern scheiß egal sein, was Ö wählt, vögelt, kauft, fährt, solange er es für sich und in seiner Privat- und Intimsphäre tut.
Anders ist es (imho) gelagert, wenn man seinen Hang zu Diktatoren öffentlich zur Schau stellt und seinen Ruhm und seine Reichweite als Nationalspieler nutzt (oder besser missbrauchen lässt), um eben diesen Präsidenten zur absoluten Macht zu verhelfen.

Frage von @GNetzer: Darf denn der Beamte in Zukunft auch nicht mehr seine Meinung öffentlich kund tun?
Nun, ein gutes Beispiel, da ich tatsächlich sagen würde, dass der Verhaltenskodex eines Nationalspielers eben dem eines Beamten/Soldaten entsprechen sollte. Bei Beamten, Richter etc. gilt eben das Mäßigungsgebot, eine Verpflichtung zur politischen Neutralität. Beamte, Lehrer, Richter etc. sind “Angestellte” des Staatsapparates an sich und sollen eben unabhängig von der Politik handeln (können). Nun sind Fußballer sicherlich keine Beamte und ich würde da vielleicht etwas lockerer rangehen, sich aber lächelnd neben den “upcoming” Diktator stellen und “Mein toller Präsi” dabei sagen (und vielleicht auch denken) ist nun wirklich nicht mehr politisch neutral und im Vorfeld der Wahlen in der Türkei schon mal gar nicht …

Frage von @GNetzer: Müssen wir nicht auch akzeptieren, wenn ein Mitglied der Mannschaft die Schlümpfe wählt?
Ja, müssen wir akzeptieren. Wir wissen auch gar nicht, was einzelne Menschen wählen, wenn sie es nicht von sich aus sagen.
In meiner Welt würde ich aber erwarten, dass auch z. B. ein Gomez aus der Mannschaft flöge, wenn er z. B. ein flockiges Porträt mit A.W. oder A.G. machte.

Aber die Kanzlerin darf in die Kabine gehen und mit den Jungs Selfies machen?
Nein, eigentlich auch ein kritischer Machtmissbrauch, der ob der Öffentlichheitsgeilheit von Bierhoff und Co durchgewunken wurde … Ich denke, auf der Tribüne sein und Jubeln ist schön und passt auch zu einem “Länderkampf”, intimere Handlungen sind schwierig, aber wir sprechen bei Angie von einer demokratisch gewählten Kanzlerin, die nicht regelmäßig kritische Journalisten in schwarzen Löchern verschwinden lässt.

Natürlich ist es absoluter Schwachsinn, dass Ö. alleine die WM18 verkackt hat, und natürlich gibt es immer noch massive Rassismus Probleme in unserer Gesellschaft und vor allem in “closed Communities” wie dem DFB, die wir intensiv und akribisch aufarbeiten müssen.
Ich denke jedoch, dass diese Dinge zunächst einmal nichts mit dem Foto und der Handlungsweise Özils zu tun haben.
Und warum erhebt Ö. die Vorwürfe genau jetzt, da er sich wiederum mit Kritik konfrontiert sieht??


#26

Gute Folge, prima das ihr auf eine erneute Nacherzählung verzichtet habt und stattdessen Themen wie dem Verhältnis von Deutsch-Türken zu Erdogan, “Aushaltbarkeit” von politischen Einstellungen und den Reaktionen (oder deren Abwesenheit) der Teamkollegen nachgegangen seid. Am Ende ist es dann etwas ausgeufert, aber das lässt sich bei so einem großen Thema wohl nicht verhindern.

Allgemein halte ich aktuelle Kurzpässe auch außerhalb der “Kernkompetenz” Bundesliga für eine große Bereicherung und hoffe das wird es auch in Zukunft weiter geben.


#27

Ich finde diese kritischen Nachfragen berechtigt. Ich betone: Nachfragen, denn die Antworten darauf scheinen mir auch nicht schwarz-weiß, sondern höchst ambivalent zu sein.
Für die öffentliche Diskussion ist aber bezeichnend, dass diese weitgehend nicht in einem solchen Modul verläuft (und ich meine @GNetzer vor allem in dieser Hinsicht verstanden zu haben). Insofern hat die Kritik in diesem “Kurzpass” auch aus meiner Sicht einen gewissen Akzent bekommen, der sich kritischen Nachfragen stellen muss.
Genauso verstehe ich Deine Intervention. Ich habe aber auch den Eindruck, dass @GNetzer und @DemireliDE sich dem nicht verschließen (bzw. sich das genauso wünschen).


#28

Viel Vernünftiges, wie ich finde, danke. Ich fand die Sendung differenziert, interessant, in Teilen schmerzhaft (nur wegen des Themas).

En passant erwähnte Max -wenn ich’s denn recht gehört habe - “whataboutism”. Ich gebe zu, da doch recht überrascht gewesen zu sein. Wer politischen Debatten in der anglo-amerikanischen Welt in jüngster Zeit folgt, dem ist die Begrifflichkeit sicherlich bereits begegnet. Ich kenne das noch als “whataboutery” und es spielte eine historische Rolle in den Debatten über die Troubles in Nordirland in den 1970ern und später und wurde da als politische Waffe genutzt. Mein Problem damit ist, dass es eine ganze Reihe unlautere Argumentationsstrategien gibt und die gilt es dann eben argumentativ auszuhebeln. Schmeisst man “whataboutery” in den Raum, gleicht das einem argumentativen Totschlag. Das Argument muss nicht diskutiert werden, da es ohnehin ein Red Herring ist. Das mag in vielen Fällen zutreffen, aber lasst es uns doch bitte argumentativ klären und nicht per Ukas. Mich ärgert das an vielen Debatten furchtbar, zumal es gerade in den USA in einer Art und Weise verwendet wird in der Russiagate-Affäre, die einer demokratischen Debattenkultur sicherlich nicht förderlich ist.

Im Grunde geht es da um klassische Tu quoque-Argumentationen, also ein Unrecht mit einem anderen, in der Regel unverbundenen Unrecht zu bagatellisieren bzw. in seinem Stellenwert zu reduzieren. Max hat das (kein Vorwurf) in seinem Gespräch auch mitunter getan, z.B. mit dem recht obsoleten Hinweis deutscher Waffenexporte. Zu denen mag man stehen wie man will, Forschungsmeinungen reflektieren oder nicht, aber es hat eben mit der Causa Özil nun gar nichts zu tun. Ausser man stellt eine universale Direktive auf, dass jeder Mensch - privat wie in offizieller Position - bei jedwedem Kontakt mit autoritären Regierungen ein Unrecht begeht. Tönt konsequent und moralisch rein, ist aber keine wirklich haltbare Position. Letztlich ist es unsinnig, Staatsgebaren im int. Raum mit dem Handeln einer Einzelperson zu vergleichen - es führt zu nichts und der Kontext ist ein gänzlich anderer. Wie gesagt, kein Vorwurf, das passiert eben auch in Sekunden und man spricht auch häufiger Sachen aus, die man nach längerem Überlegen so nicht mehr vertreten würde.

@fraustaenki hat da m.E. in vielem recht. Eine private Meinung ist zu respektieren, selbst wenn man sie für unsäglich hält. Bsp. Breitners (Salon-)Trotzkismus. Politische Äusserungen in der Rolle als Nationalspielers sind da schon was ganz anderes. Berti wird bis heute sein unerträglicher Spruch über die nicht sichtbaren politischen Gefangenen in Argentinien anno 1978 nachgetragen. Als Nationalspieler einen fremden (zumindest aus der Perspektive von Özils und Gündogans Staatsbürgerschaft) Präsidenten öffentlich - also mit Fotos und Verlautbarung (Özils Respektsnotstand wäre offenbar ohne Öffentlichkeit nicht entsprochen gewesen) - zu treffen, ist eben kein privater, sondern ein öffentlicher Akt. Ja, Nationalspieler sind keine Beamte. Aber eben öffentliche Personen, die ja z.B. auch medienrechtlich anders behandelt werden als “wirkliche” Privatpersonen. Die sachliche Kritik an dem Akt ist in jeder Hinsicht nachzuvollziehen, IMHO. Und nein, selbstverständlich darf eine solche Kritik weder ehrabschneidend oder rassistisch sein. Und wenn es vereinzelte solche Stimmen gibt, dann ist das zu verurteilen, lindert aber nicht die Verurteilung des Erdogantreffens.

Noch ein Nachtrag zur Reaktion der anderen Spieler. Ich glaube nicht, dass das Feiglinge sind. Ich könnte mir da bei vielen eine echte Verärgerung über die de facto-Sabotage der Vorbereitung durch die Erdogan-Affäre vorstellen, zumal das ja wirklich und unglaublicherweise
einen Tag vor der Kaderbekanntgabe stattfand. Und mit Verärgerung meine ich nicht das Politische - da traue ich den Fussballern herzlich wenig zu. Sondern Verärgerung über den Effekt auf die Mannschaft. Das hat einfach alle betroffen und es wurde sicherlich mit niemandem vorher abgesprochen. Sowas kommt sicher nicht bei den Mannschaftskollegen gut an. Was noch niemand angesprochen hat: Es gibt doch sicherlich einen festgelegten Verhaltenskodex für Nationalspieler?? Das wurde noch überhaupt nicht erwähnt - würde mich freuen, wenn man das mal journalistisch aufgreift.

Plus: Gündogan kommt mir bzw. kam mir bis zu Özils zweifelhaftem Rücktritt viel zu gut weg. “Seinen Präsidenten” hat er hochachtungsvoll handschriftlich geehrt und ging damit noch wesentlich weiter als Özil. Dann gab es viel Schonung. Erst nach Tagen wurde bekannt, dass er überhaupt keine doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, was anfangs (nur für ihn!) berichtet worden war, und was er offenbar nicht zu korrigieren beabsichtigte. Der DFB hat es für ihn wegmoderiert und die Journalisten spielten da mit, aus Staatsräson, nehme ich an. Und während Özil in einer schlechten Mannschaft sicherlich nicht zu den Schlechtesten gehört hat (statistics hin oder her) und viele Probleme taktischer Natur waren (er endete in seinen beiden Spielen auf der Sechserposition und hat es da noch ordentlich gemacht), also im Grunde mit der Situation sportlich noch zurande kam, kann man das für Gündogan nun wirklich nicht sagen. Der stand mental völlig neben sich im Schwedenspiel und wurde - wenn man es genau beobachtete - am Ende eigentlich überhaupt nicht mehr einbezogen. Der war da - so der Anschein - auf dem Platz in mentaler Auflösung begriffen.

Last: Der DFB macht da eine wirklich schlechte Figur, aber als jemand der schon mal mit Krisenkommunikation zu tun hatte, empfinde ich Mitgefühl. Was genau wäre denn die richtige Reaktion gewesen.

Option A. Beide Spieler fliegen vor dem Turnier aus dem Kader. Reaktion der Presse: Ungalubliche Überreaktion, Unverständnis des Verbandes über besondere Situation “fremdstämmiger” Spieler, zerstört alle Integrationserfolge des deutschen Fussballs.

Option B. Offene Erklärung, dass das schon ok war, wieder mit Verweis auf die besondere Situation. I.e., unsere Meinungsfreiheit gebietet es, das als private Meinung hinzunehmen. Wäre das so akzeptiert worden?

Schon ein Dilemma. Option C: wir moderieren das weg, lassen die beiden bei “unserem” Staatspräsidenten antanzen, produzieren nochmals die schöne integrative Bilderwelt und hoffen, dass die beiden das Turnier rocken und die Journaille bei sportlichem Erfolg den ganzen Mist vergessen wird.

Tönt hanebüchen, aber wer von euch - mal ganz ehrlich - hätte nicht Option C so genommen? Im Monday Morning Quarterbacking sind sie jetzt Amateure - so einfach machen wir es uns.

PS Letzte Frage: Kann mir einer erklären, warum Emre Can wegen Verletzung nicht WM spielen kann, aber im CL-Finale noch eingewechselt wird? Das ergibt doch keinen Sinn? Dann war er doch weiter als ein Neuer oder Khedira?


#29

Naja, Option C wirkt natürlich vor der WM am logischsten. Aber das Problem ist meines Erachtens nicht, dass man nach C gehandelt hat, sondern, dass man hinterher nicht mehr dazu stand. Hätte der DFB (Bierhoff, Grindel) nach dem Aus gesagt, ja, wir haben uns dazu entschieden Özil und Gündogan mitzunehmen, weil sie wichtige Spieler sind und obwohl eine Suspendierung vielleicht angebracht wäre, dann gäbe es wohl nicht so viel Kritik am DFB. Aber dass man hinterher nicht zu dem Fehler steht und stattdessen die volle Breitseite der Aufmerksamkeit auf Özil lenkt, um von sich selbst abzulenken, das ist einfach schäbig und da hätte der DFB mit Sicherheit bessere Optionen gehabt.


#30

Option C war ja gescheitert, man war im Loch. Und ich denke nicht, dass es Bierhoffs Absichts war, die Schuld am Ausscheiden Özil zuzuschieben. Es sollte wohl eher signalisieren, man sei sich schon vorher bewusst gewesen, dass die Erdogan-Affäre gravierend war und man eben alle Optionen in Erwägung gezogen habe. Bierhoff wollte signalisieren, man habe sich eingehend mit der Problematik beschäftigt und das eben nicht nur leichtfertig wegmoderiert. Die Wirkung hat dann auch Bierhoff entsetzt und er versuchte öffentlich zurückzurudern. Grindel aber spielt das dann bewusst populistisch aus und mir genügt das als Begründung für eine Rücktrittsforderung. Für mich ist er nicht mehr haltbar.


#31

Ich denke schon, dass ein Bierhoff Interesse daran hat, dass die “Welt” die Fehler eher bei den Spielern, vielleicht noch beim Trainer, aber doch bitte nicht bei ihm sucht.

Man sollte (imho) wieder mehr zum Sport zurückkehren und sich weniger um den ganzen Vermarktungskladeradatsch kümmern. Ich weiß jedoch nicht, ob Bierhoff dafür der richtige Typ ist.


#32

Zunächst mal eine gute Sendung zu einem sehr schwierigen Thema. Insgesamt bin ich der Auffassung, dass der einzige Sieger in dieser Situation ist Erdogan.

Verlierer Özil:

Ich finde es bedenklich, wenn sich Özil nicht nur nicht selbstkritisch zeigt, sondern sich zusätzlich noch auf eine Stufe mit Ranghohen Politiker oder Diplomaten (May, Queen, Bundeskanzler/in), die ein Land repräsentieren , stellt. Wenn sich ein ranghoher Politiker mit Erdogan oder sonst schwierigen Präsidenten/Regierungschef/in ist das stets ein Treffen auf “Augenhöhe”. Dies Überhöhung ist schon bemerkenswert. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass für “westliche” Regierungschefs - in der aktuellen politischen Weltlage - solche Treffen mit schwierigen Charakteren unbedingt vergnüngungssteuerpflichtig finden. Mein Eindruck ist, dass Özil von seinem Umfeld (bewusst) instrumentalisiert wurde/ wird.

Man kann/muss vielleicht auch westliche Fußballstars (van Basten, Schmeichel, Matthäus) kritisieren für das Hausieren von Putin. Allerdings repräsentierten diese Spieler die FIFA (ok, auch das ist eine eher zwielichtige Organisation) und nicht die Nationen, aus denen die Spieler.

Verlierer Bierhoff:

Dass Bierhoff versucht das WM-Aus als seinen Fehler von sich zu schieben, ist doch logisch. Die Aussage, dass man auf Özil sportlich hätte verzichten, halte ich für unnötiges Nachtreten. Die Fehler wurden bereits in Südtirol gemacht. Das Kartenhaus (Vermarktung der DFB-Elf, die Hashtags und die Aufarbeitung des Erdogan-Fotos vor dem WM) war so fragil, dass der DFB jetzt erstmal auf einem Scherbenhaufen sitzt. Aber hey, laut Bierhoff war auch Eintracht Frankfurt schuld, dass die Bayern so schlecht bei der WM performt haben.

Verlierer DFB-Mannschaft:

Das Verhalten von einzelnen Nationalspielern mit ihren halbherzigen Bekundungen zeigt für mich eindeutig, dass die Mannschaft auf Kante geschnitten war und auch der Mannschaftsrat charakterlich schwach besetzt war. Ich kann mir schon vorstellen, dass der ein oder andere (z.B. Hummels) intern versucht Druck auszuüben - auch auf Bierhoff und Löw - zu sagen, dass Störenfriede nur für Unruhe sorgen.

Verlierer Grindel:

Grundel ist für mich ein Paradebeispiel eines Sportfunktionär. Vom Journalisten, zum Hinterbänkler im Bundestag zu einem - wenn nicht dem - einflußreichsten Sportfunktionär Deutschland. Von Grindel hat man - bis auf die zwei Statements - bis heute nichts gehört. Krisenmanager geht anders.

Verlierer Multi-Kulti:

Funktioniert Multi-Kulti wirklich oder ist es ein Idealzustand?

Ich sehe es viel mehr ein Multikulti-Problem als ein Integration-Defizit. Integration bedeutet für mich Teil der Gesellschaft und der Kultur zu sein, d.h. ich nehme die Werte der Gesellschaft 1:1 an und lege meine - zumindestens teilweise - alten Werte ab - vor allem, wenn die Werte die sich inhaltlich widersprechen. Ansonsten entstehen Parallelestrukturen/Parallelgesellschaften.

So falsche halte ich die damaligen Aussage von Grindel zu Thema nicht (auch wenn ich sie nicht gut heiße).

Wenn ich (als Europäer) mich eine westliche Kultur integrieren muss, geht das deutlich schneller als wenn ich mich als Europäer in die arabisch/islamische Kultur (bzw. umgekehrt) integrieren muss.

Wenn ich als Europäer nach Nordamerika auswandere, ist der kulturelle Unterschied geringer - wenn überhaupt vorhanden - weil das allgemeine Weltbild und gesellschaftlichen Werte (z.B. Gleichberechtigung der Frau) annähernd deckungsgleich ist - auch weil viele aus Nordamerika/Ozeanien europäische geprägte Wurzeln haben. Natürlich gibt es unterschiedliche Tradition und Bräuche, aber die sind so maginal, dass das “vermischte” Zusammenleben unproblematisch ist und die Unterschiede quasi unter gehen.

Treffen aber nun zwei Kulturen (z.B. Arabische/westliche) aufeinander, dann sind die Konfliktpotenziale natürlich größer, weil auch jeder für sich seine Kultur als das beste sieht. Die Gefahr von “Ghettos” bzw. “Parallelgesellschaften” entsteht auch nur bei unterschiedlichen Kulturen. Wieso haben sich in den Metropolen an der Westküste der USA/Kanada große chinesische Community (Chinatown) gegründet? Dies ist das gleiche Phänomen wir zum Zeil in dt. Städten mit türkischen oder arabischen Viertel mit “Parallegesellschaften”.


#33

Ich fand 2/3 der Ausgabe sehr gut, sie hat mir zum einen verstehen gelehrt, was Özil da geritten hat, und auch warum so viele ‘Deutschtürken’ Erdogan mögen.
Grundsätzlich hat es meine Meinung zur Causa Özil zwar nicht verändert, aber entschärft: Ich bin immer noch der Meinung, dass Özil mit dem ganzen Thema ‘Gift’ in die Nationalmannschaft gebracht hat, welches in Russland seine Wirkung gezeigt hat.
Und auch widerspreche ich, dass die Abwehr in Russland versagt hatte. Ja, die Abwehr stand nicht, aber wir haben nicht gegen Südkorea verloren, weil die Abwehr nicht stand, sondern weil die Offensive (insbesondere die Zentrale um Özil) nicht in der Lage war gegen Südkorea in den 90 Minuten, bevor wir ‘All in’ gegangen sind, auch nur ein Tor zu erzielen.

Was das letzte Drittel und die Rassismus Diskussion angeht, ich kann es nicht mehr hören:
Warum wird uns ‘Biodeutschen’ immer der schwarze Peter zugeschoben, erzählt doch all das Ganze mit einem positiven Miteinander zum Beispiel den Randalierern aus dem Solinger Freibad …

Wisst ihr, mir ist es egal, ob mein Gegenüber schwarz, rot, gelb oder weiß, oder was auch immer ist ob er Jude, Moslem, Buddhist, Hinduist, oder sonst was ist. Aber es ist mir nicht egal, wenn es ein Arschloch ist.
Und Menschen, denen wir Schutz gebeten haben, bzw. noch extremer, die wir trotz fehlenden Asylanspruchs aufgenommen haben (afrikanische Wirtschaftsflüchtlinge), die uns diese Willkommenskultur jetzt mit einer kriminellen Karriere ‘danken’, SIND Arschlöcher …

Und diese sind es, die zu einer breiten Ablehnung in der Bevölkerung geführt haben und damit auch die Uhren in der Integration generell zurückgedreht haben. Die Fehler liegen ganz klar bei der Politik.


#34

In der Sendung habt ihr bereits u.a. zum Thema Rassismus herausgestellt, dass man dies schwer ganzheitlich behandeln kann, bevor das vergleichen und Entschuldigungen heranziehen anfängt.

Daher möchte ich bewusst kurz mein subjektives Feedback dazu geben

Grundsätzlich finde ich es schwierig/anstrengend, wenn in einem, vordergründig, Fussball-Podcast Themen wie Politik oder hier zum Ende der Folge Rassismus behandelt werden. Wenn die Themen, wie in diesem Fall gewisser Weise zusammenhängen, kann ich es ich möchte sagen verzeihen (dies ist glaube ich das Verb, was es am besten beschreibt.) Wird es dann allerdings sarkastisch, finde ich es schwierig. Am Anfang konnte ich es noch verzeihen -Die Diskussion war vermutlich auch anstrengend- (Warum der DFB nichts gegen Rassismus in den eigenen Reihen unternimmt=>Keine Zeit wg. Hotelsuche). Die Aussage ein paar Minuten später “In Kaufbeuren wurde gerade der Bau eine Moschee per Volksentscheid abgelehnt” empfand ich schon fast als polemisch und unangemessen für einen Fussball-Podcast.

Der Rasenfunk ist für mich ein Fussball-Podcast (“Im Rasenfunk geht es um Fußball” erster Satz auf der Homepage). Genau darauf bezieht sich mein Feedback und meine Erwartungen an die Folgen.


#35

Ich glaube das war nun die allererste Folge des RF, in der das Gespräch mal abdriftete. Was außerdem in der Folge noch eingeräumt wurde. Wir werden es alle verschmerzen können.

Ich frage mich, ob das in D geborene Menschen Tag für Tag tun. Ich frage mich weiter was es bedeutet, “sich zu seinem Land zu bekennen” (das spielt nicht auf deine Aussage an). Ich habe mich noch nie aktiv zu meinem Land bekannt, zumindest nicht das ich wüsste. Und einige Menschen (wie Özil oder andere in der Kritik stehenden Leute mit ausländischen Wurzeln) müssen das tun? Ich geb keinen Pfifferling drauf, ob man sich hinstellt und sagt “Deutschland ist cool und das GG auch.” Wichtig ist, wie man handelt. Nicht was man sagt. Und in diesem Punkt haben Özil und Gündogan mega Bockmist gemacht. Aber, sie machen auch verdammt viel Gutes.


#36

Meine Aussage zielte darauf hinaus, dass wenn ich - als Nationalspieler - auch für die Werte dieses Landes stehen. Der Pass ist nur ein Stück Papier. Özil (und Gündogan) haben die Nationalmannschaft für die eigene Karrierechancen ausgewählt und nicht wegen ihrer Lebenseinstellung. Es entsteht ein irrer Konflikt, der sich nun „entladen“ hat. Das weder Özil noch Gündogan alleine für das Ausscheiden verantwortlich sind, dürfte klar sein.


#37

Ich habe nach dem vorgenannten Passus aufgehört zu hören. Wenn es in der Folge bereits zugestanden wurde, kann das Feedback zu der Folge gerne als überflüssig betrachtet werden.


#38

Ich glaube das “Problem” ist etwas, dass Özil auch in seinen Veröffentlichungen angesprochen hat: Wem stellst du die Frage? Jemandem, der deiner Ansicht nach offensichtlich nicht “deutsch” aussieht. Einem Menschen mit polnischem, französischem, englischem, … Migrationshintergrund eher nicht. Da steckt eben was im Kern von “was sehe ich als deutsch an und was nicht” und damit, dass man die Frage auf diese Art stellt, lablet man diese Person eben als “offensichtlich nicht deutsch(stämmig)”.


#39

Genau das denke ich auch und ich finde, dass kommt in der gesamten Besprechung der Thematik zu kruz. Özil ist schon immer anders als andere Spieler bewertet worden, oft wurde da seine Körpersprache als Vorwand benutzt. Meiner Ansicht nach war die Tatsache, dass man sich so leicht auf ihn als Sündenbock einigen konnte bei vielen da schon immer latente Fremdenfeindlichkeit.

Zusätzlich würde mich mal interessieren, ob jemand was gehört hat, dass der DFB dafür verantwortlich war, dass er sich vorher nicht geäußert hat? Weil wenn man sich seine Position anschaut und sich vorstellt, er sich hätte auf diese Art vor der WM an die Öffentlichkeit gewandt, wäre das Thema noch größer geworden. Daher kann ich mir schon vorstellen, dass es im Interesse des DFB gewesen ist, kein Statement von ihm zu veröffentlichen!


#40

Vorsicht, Erdogan mag autoritär agieren und auf dem Weg dorthin sein, aber er ist ein demokratisch gewählter Präsident eines (noch) Rechtsstaates!

Aber nur in ihrer Rolle als Beamte! Özil ist als Spieler von Arsenal aufgetreten und nicht als Nationalspieler. Ich darf trotz Beamtenstatus hier auch meine Meinung sagen oder einen politischen Blog betreiben, nur in meiner Rolle als Beamter muss ich mich mäßigen!