Thema: Aufheben einer Abseitsstellung
Da gehe ich voll mit. In meiner Wahrnehmung gab es da in der Bundesliga schon länger nichts Auffälliges mehr, aber ich erinnere mich, dass in der Saison nach dem Sommer, in der das IFAB die entsprechende Regel konkretisiert hat (war das 2022 oder 2023?), mehrere diesbezüglich strittige Entscheidungen fielen.
M. E., weil man in Deutschland aufgrund eines sprachlichen Problems die Schiedsrichter falsch geschult hat. Sag ich jetzt mal als jemand, der Englisch mehr als nur gut spricht (sorry
). Es ist mir jetzt zu spät, das alles nochmal mit dem englischen Text zusammenzusuchen, aber prinzipiell geht es um „Kontrolle“ vs. „control“ - entgegen dem Augenschein ist im Fußball die Bedeutung der beiden Begriffe nicht vollkommen identisch. Die dt. Schiedsrichter wurden dahingehend geschult zu schauen, ob die Aktion eines Verteidigers, die die Abseitsstellung eines gegnerischen Angreifers aufheben könnte, so gelingt, dass sie in etwa der Intention entspricht - das definierte man als „kontrolliert“. Im englischen Text, auch in erläuternden zusätzlichen Noten, wird dagegen „control“ als „the possibility of gaining possession of the ball“ definiert, und aus der ganzen Darstellung geht hervor, das mit „control“ die Absicht, den Ball zu spielen, gemeint ist, bzw. der Entscheidungsspielraum, den Ball zu spielen oder nicht, anders als bei einem reinen Reflex.
Es ist also das Zusammentreffen von „Ich will den Ball spielen, und ich spiele ihn“, das das Eintreten einer neuen Spielsituation konstituiert. Bei Pavlovic ist das eindeutig der Fall. Wie das dann klappt und aussieht, ist unerheblich - es ist, wie du sagst, bad play, wenn das in die Hose geht, und hat nichts mit der Frage „kontrolliert oder nicht“ zu tun. Seinerzeit wurde RB zu Unrecht ein Tor weggenommen, als ein Union-Spieler (Laidouni, glaube ich) versuchte, einen Ball, der in hohem Bogen aus der Leipziger Hälfte in die der Unioner flog, per Skorpion zu spielen. Der Ball flog natürlich irgendwohin, aber es war ganz klar eine intendierte Aktion. In der Folge fiel ein Leipziger Tor, nachdem Timo Werner, der hinter der Abwehr von Union gestanden hatte, den Querschläger aufgelesen hatte. Nach meinem Verständnis ein vollkommen korrektes Tor.
(Damals war ich noch bei facebook und habe sogar den Blog angetextet, aus dem Alex Feuerherdt immer schrieb, und es kam sowas zurück wie, man wird den Inhalt meines Schreibens prüfen. Seither kam aber nichts mehr dazu. Es kann also sein, dass die deutschen Schiedsrichter hier immer noch unter einer Maßgabe pfeifen, die vom IFAB anders gedacht ist. Wie auch die Videos zeigen, auf die du zurecht hinweist.)
Jetzt, vor dem Klick, dämmert mir auch noch: da war doch was im Finish der letzten Saison, in Köln, oder…? Such ich mal nach, nur jetzt nicht mehr.