Du führst selbst eine neue Grenze ein und behauptest im gleichen Atemzug, dass man auf diesem Wege eine Grenze vermeiden könne. 95 % sind 95 % und nicht 94,9 % oder 95,1 %. Du tust genau das, was Du bestreitest, Du verschiebst das Problem an eine andere Stelle. Das ist unvermeidbar, wenn man an irgendeiner Stelle einen feste Bezugspunkt etabliert. Das ist im Falle Abseits die gleiche Höhe. Diesem Bezugspunkt entkommst Du dann nicht mehr. Du kannst ihn nur in Bereiche verschieben, die nicht mehr „sichtbar“ sind. In diesem Fall in den Kölner Keller.
Das ist alles auch kein Problem der Kognition, weil schwer zu verstehen ist es eigentlich nicht. Ich fühle mich da immer an einen Bekannte erinnert, der mir einmal sagte „Regeln sind dazu da, dass man sich ungefähr daran hält“. Der fand es einfach schwer zu akzeptieren, dass es Grenzen gibt, wenn man Regeln einführt und nicht alles der Willkür, dem „gesunden Menschenverstand“, dem „Sinn des Spiels“, am Ende immer der Beurteilung eines Einzelnen überlässt, weil das ist die Konsequenz.
Ein sehr gutes Beispiel liegt direkt daneben, das Handspiel. Hier ist die einzige „objektive Grenze“ die Frage ob der Ball die Hand berührt hat. Alles was danach kommt und dieses Thema regelmäßig ins Absurde führt, ist der Versuch, dieser klaren Regelung einen „gesunden Menschenverstand“ einzuhauchen.
Beim Abseits, abgesehen von der Frage „aktiv/passiv“, gibt es laut Regel eine harte Grenze. Von daher ist es auch klar, dass egal ob das Auge des Linienrichters oder irgendeine Technik, die Entscheidung final ist. Menschliche oder technische Messfehler hin oder her, solange diese nicht systematisch die Mannschaft A oder B bevorteilen, gleichen sich Messfehler über lange Zeit, bzw. viele Vorgänge weitgehend aus. Und falls im Einzelfall einmal doch nicht, ist es schlicht die Ungerechtigkeit des Daseins an und für sich, der man dann gegenübersteht.
Wer also keine harten Grenzen möchte - auf die eine oder andere Art und egal auf welcher wie tief verschobenen Ebene, sei es in der Regel selbst oder auf der Ebene der Auswertung - der muss in letzter Konsequenz auch Willkür akzeptieren. Das wiederum ist eine klare Entscheidung, entweder ich akzeptiere die Existenz von Grenzen oder ich akzeptiere Willkür. Das ist auch keine Frage von Technik, ich verweise hier auf die gleiche systematische Problemstellung bei „Nein heißt nein“.