Tribünengespräch 024 - Fußballtrainer


#1

Freue mich über Feedback zur Folge mit Björn Müller und Tobias Escher.


#2

Wunderbar zu hören wie fast immer. Ist das jenes Tribünengespräch was vor der WM aufgezeichnet wurde oder wurde es jetzt frisch produziert?


#3

Es ist jenes. Kurz vor Ende der Sendung wird das auch aufgedeckt.


#4

Spannend! Ich bin auch noch nicht ganz durch (~bei 2:30), vielleicht kommt das also noch: welche Voraussetzungen werden eigentlich an ausländische Trainer gestellt die BuLi-Vereine trainieren sollen?


#5

Komme erst am Wochenende dazu die Folge zu hören, empfehle aber allen Usern diese Folge des Podcasts schluesselspieler, die mich doch beschäftigt hat. Ist glaub nicht in den Shownotes.


#6

Dafür muss man eine vergleichbare Lizenz vorweisen.

Interessantes Beispiel aus der Gegenrichtung. Ein Deutscher Trainer in Thailand führt sein Team in die Champions League. Um es dann dort beteuen zu können brauchte er dafür die AFC Pro Lizenz. (Er war bis dato nur im Besitz einer Deutschen A-Lizenz.) Er hätte gerne seinen Fußballlehrerschein in Deutschland gemacht, weil die Ausbildung besser ist. Aber er konnte es sich natürlich nicht leisten 10 Monate auszusetzen um den Schein mal eben in Deutschland zu machen. Am Ende blieb ihm nur die AFC Pro Lizenz in einem Lehrgang der 2-3 Monate dauerte und in die Saisonpause fiel.


#7

Danke! Ist das ein reales Beispiel?


#8

Und wie :sweat_smile:
Vorrunden-Aus, welch eine Prophezeiung!


#9

Das ist real, noch nicht mal so alt die Geschichte, und wurde mir von dem besagten Trainer, der immer noch das gleiche Team dort trainiert, so übermittelt. :wink:


#10

Die Fußballlehrer-Ausbildung scheint mir doch eher ein Instrument zu sein um den Club der Privilegierten klein zu halten.
Das Argument, dass mehr als 24 Trainer aus Kapazitätsgründen nicht ausgebildet werden können, klingt für mich vorgeschoben. Mann könnte ja mehr Personal einstellen und mehr Fußballschulen für diesen Zweck nutzen.

Und ich sehe den Fußballlehrer-Schein als benötigte Qualifikation für einen Trainerposten auch als überflüssig an. Warum darf nicht jeder Verein selbst bestimmen, welche Qualifikation sein Cheftrainer mitbringen muss? Das ist doch dann deren Problem, wenn der Trainer nichts taugt.

Ein Mindeststandard in der Trainerausbildung ist in meinen Augen für Jungendmannschaften durchaus relevant. Aber Profi-Mannschaften muss der DFB doch nicht vor ahnungslosen Trainern schützen.

Muss eigentlich jede Mannschaft offiziell einen Trainer haben? Oder ginge es rechtlich auch ohne Trainer?
Muss jeder, der mit der Mannschaft trainiert (Co-Trainer, Torwarttrainer, Fitnesstrainer, Einwurftrainer, …) verbriefter Fußballlehrer sein?


#11

Ich möchte hier meinem Vorredner recht geben - die ganze Ausbildung zum Trainer scheint mir dann doch ein wenig fadenscheinig. Natürlich ist es sinnvoll im fachlichen Bereich und besonders im Umgang mit Kids geschult zu sein - aber das gilt ja wirklich nur noch sehr begrenzt für Bundesliga Teams, oder? Und trotzdem greifen die Voraussetzungen vor allem dann?

Um aber mal ein konkreteres Feedback abzugeben: Ich glaube dieses Thema hat noch sehr viel Potential und ich würde mich sehr freuen, wenn du es irgendwann wieder aufgreifst und vielleicht etwas konkreter über die Unterschiede von Trainertypen, deren Spielphilosophien und den Ansprüchen entsprechender Ligen, Spielertypen und Länder offenbarst. Gerne auch anhand konkreter Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart.
In der Folge hattest du mit Björn Müller einen ungemein interessanten Gast und ich fand sehr gut wie viel du mit ihm über die Entwicklung und Ausbildung eines Trainers im Umfeld des deutschen Fußballs aufgearbeitet hast - etwas was ich bei dem Titel des Tribünengesprächs gar nicht erwartet hätte (mich aber total abgeholt hat).


#12

Zu meinen beiden Vorschreibern:
Die Trainerausbildung ist ja keine Erfindung des DFB. Das alles findet innerhalb den Rahmenrichtlinien für die Qualifizierung im Deutschen Sportbund (von 2005, heute DOSB) statt. Hier ist seit 1966 für alle Sportfachverbände ein gemeinsamer Rahmen für die Quzalifizierung im Sport vorgegeben: Es gibt eine Mindestausbildungsdauer für jede Stufe, es wird ein gewisser Kompetenzerwerb durch die Ausbildung vorgeschrieben usw. usw.
Infos hier: https://www.dosb.de/sportentwicklung/bildung/

Jeder Verband hat das dann auf sich zugeschnitten, die Fußballer 2015 dann neu, weil die UEFA hier reingegrätscht ist. Übrigens, eine Trainerausbildung von so hoher Qualität mit den verschiedenen Profilen gibt es, außer vielleicht in der Schweiz, niergends.

Diese strengen Vorgaben haben den Hintergrund, dass diese Lizenzen aller Sportarten durch öffentliche Gelder (meißt der Landessportbünde) gefördert werden. Somit erhalten diese Ausbildungen eine andere Wertigkeit, Qualität und der Sport muss einen gewissen Anspruch erfüllen. Dieses Qualitätsmanagement betreibt der DOSB indem er die Ausbildungskonzeptionen prüft und die Ausbildungen “frei gibt” und dem Verband damit die Möglichkeit einräumt, Lizenzen für seine Ausbildungsmaßnahmen zu verteilen. Das gilt für die Baseballer, genau so, wie für die Schützen, die Baketballer, die Turner, die Leichtathleten und auch die Fußballer. Das ist eine Förderung, die direkt den Vereinen (für Trainer) zu gute kommt.
Die meisten Verbände haben nicht so viele Profile, wie die Fußballer, aber die C-, B-, A- Stufen gelten für alle und statt zur Fußballlehrerausbildung, schicken die anderen Sportarten Ihre Leute zur Trainerakademie des DOSB in Köln, wo man einen Diplomtrainerstudium als berufsbegleitendes, dreijähriges Studium in seiner Sportart durchführen kann.

Der deutsche Sport will mit Qualität nach den eigenen, fachspezifischen Vorgaben ausbilden. Dazu gehören die entsprechenden Sportanlagen und Schulungsräume, die Fachausbilder und überfachlichen Referenten, sowie Konzeptionen zur Qualifizierung und Prüfung. Da baut man eben nicht einfach so ein paar Ausbildungsgänge mehr auf. In vielen Sportarten sind die Bundestrainer dazu verdonnert in der Trainerausbildung zu lehren und deren Zeitbudget ist sehr knapp. Das ist natürlich dahingehend sinnvoll, dass die Bundestrainer die Philiosphie einer Sportart festlegen (bzw. mitreden) und somit direkt den Teilnehmenden das veranbschaulichen können.

An der FAU Erlangen kann man seit zwei Jahren mit einer DOSB B-Lizenz auch ohne Abitur ein Sportstudium beginnen. Eine Untersuchung zur Einstufung in den Deutschen Qualitätsrahm (DQR) hat gezeigt, dass die Lizenz-Ausbildung mit einer Berufsausbildung vergleichbar ist.

Grüße
Stefan (Hucky)


#13

Du musst es aus der Zeit rundum 2000 betrachten. Jeder Ex-Nationalspieler hat einen Trainerjob bekommen, ohne irgendetwas vorweisen zu müssen. Selbst den Schein gab es ja gefühlt in der Cornflakes-Packung. Diese altgedienten Trainer hatten dann wenig Lust und auch Skills bei der Entwicklung junger Spieler, die daher kaum zum Zug kamen. Dadurch hatte die Nationalmannschaft ein massives Qualitätsproblem. Und die Ausbildung wäre doch ad absurdum geführt, wenn du in unteren Ligen bzw. Nachwuchsligen eine Lizenz brauchst, aber im absoluten Top-Level nicht.

Und nein, nur der Cheftrainer muss Fußballlehrer sein. Für Torwarttrainer gibt es nochmal Extra-Lehrgänge aber ich bin mir nicht sicher, was genau die Anforderungen sind.


#14

Zunächst einmal finde ich es wahnsinnig spannend, dass das Gespräch vor der WM aufgezeichnet wurde. Vielen Dank für diese Runde, auch wenn es noch mehr Diskussionen hätte geben können. Die Nachfragen und Einwände von Max und auch Tobi waren trotzdem super.

Ich war schon länger auf der Suche nach einem tollen Trainer-Podcast und bin bis auf Schlüsselspieler und in Ansätzen Spielverlagerung (mir oft zu abstrakt und zu wenig zielführend in den Analysen) nicht wirklich fündig geworden. Daher hat mich die Folge wahnsinnig interessiert. Ich wusste bisher nichts von Björn Müller, obwohl ich seit nun einem Jahr in Hamburg Jugendtrainer bin und auch schon bei mehreren Fortbildungen des HFV war. Der erwähnte Uwe Jahn war bis vor kurzem auch Chefausbilder.

Generell waren seine Einblicke schon interessant und für viele Zuhörer die vielleicht nicht selbst eine Mannschaft trainieren und Lizenzen absolviert haben. Das ist auch überhaupt nicht schlimmm. Für mich stellt Björn die ganze Ausbildung viel zu rosarot dar.
In Hamburg gibt es z.B. nur einen einzigen B-Lizenz-Lehrgang im Jahr mit ca. 30 Teilnehmern. Das hat zur Folge, dass viele, gerade berufstätige Trainer Jahre mit der Ausbildung warten und dann eher verzichten. Natürlich kann man in benachbarte Bundesländer ausweichen, was aber mit langen Fahrten und Übernachtungen fernab der Familie verbunden ist. Schon in den unteren Lizenzen wird also ein krasses Commitment verbunden. Lösungen wie virtuelle Vorlesungen oder gebündelte Einheiten an einem Wochenende gibt es nicht. Die von einigen Vorschreibern hier angesprochene Verknappung geht schon relativ früh los und sorgt aus meiner Sicht für eine schlechtere Ausbildung im Breitensport. Diese Struktur hält aus meiner Sicht viele talentierte Trainer davon ab, sich für höhere Lizenzen zu bewerben. Wie soll ein berufstätiger Mensch (wie zB Sarri) sich mehrere Wochen in Köln ausbilden lassen, ohne dabei sein Berufsleben, Familie und auch die aktuell trainierte Mannschaft zu vernachlässigen? Danach hat er ja nicht mal einen Job sicher. Damit hängt auch das besprochene Problem der Sprungbrett-Trainer zusammen. Wie soll ich mich denn der langfristigen Entwicklung von 14-jährigen in einem NLZ verschreiben, wenn ich dafür maximal 450 € im Monat bekomme? Hier wurde leider vergessen, dass häufig die Ergebnisse als erstes Kriterium für gute Arbeit zählen. Die Quote der Nachwuchsspieler im Profibereich ist weiterhin sehr weit unten.

Hier kommen wir zu meinem zweiten starken Kritikpunkt. Dass es angeblich nur 58 Jobs für 890 Fußballlehrer gibt. In der Praxis gibt es den Co-Trainer, Torwarttrainer, sportliche Koordinatoren, Scouts, Videoanalysten, Sportdirektoren. Aus meiner Sicht müssten all diese Posten mit ausgebildeten Trainern besetzt sein. In der Praxis weiß ich, dass viele nicht mal eine B-Lizenz haben. Auch in der Ausbildung gibt es mMn große Mängel an Lehrern in den Verbänden. Wenn Björn sagt “Jeder der 21 Verbände hat einen (!!!) Verbandssportlehrer” könnte ich durchdrehen. Es kann doch nicht sein, dass der DFB dafür keine Gelder bereitstellen kann aber die zehnte Bierhoff-Kampagne rausballert.
Auch in den Vereinen scheint die Verknappung am Trainerstab ein krasses Problem sein. Hier fand ich seine Einblicke aus Darmstadt super spannend. Es kann doch nicht gewollt sein, dass Schlaf quasi nicht möglich ist und mit “ist halt so, da musste auffe Zähne beißen” abgetan wird. Wie soll ich dieses Pensum mehrere Jahre durchziehen ohne irgendwann völlig auszubrennen. Dass Klopp mehr als Manager agiert und für alles seine Spezialisten hat, ist für mich völlig logisch. So behält er den Überblick als sich im Eifer 7 Wochen nur mit Spielaufbau zu beschäftigen und alles andere zu vernachlässigen. Mir kann auch keiner erklären, dass ein gestresster und übermüdeter Trainer einer Mannschaft mehr nützt als schadet.

Insgesamt lässt sich bei Björn schon eine gewisse Selbstgefälligkeit rauslesen. Dass alle beim DFB ständig einer Meinung sind, ist eher bedenklich als lobenswert. Sicherlich braucht es eine Leitlinie aber es wird deutlich, dass durch den eingetretenen Erfolg die eigene Meinung als die einzige betrachtet wird. Gleichzeitig wird vom DFB aber beklagt, dass es bis auf keine Dribbler und Mittelstürmer mehr in diesem Land gibt?


#15

Als am Anfang von 2 Stunden die Rede war, hab ich erstmal schmunzeln müssen :blush:


#16

War eine sehr unterhaltsame Folge. Ich muss sie mir nochmal anhören, da ich hunderte Fragen hatte, die ich beim Hören wieder vergessen hatte.

Ein Gedanke blieb dann doch haften:

Wäre es vorstellbar, dass sich, als Gegenentwurf zur DFB-Ausbildung, private Institutionen und Schulen für die Trainerausbildung etablieren könnten? Die natürlich alle Regularien und Standards für die Trainerausbildung erfüllen, jedoch vielleicht in ihrer Philosophie andere Wege als der DFB einschlagen?

Wie Björn ja erzählte, setzt der DFB in seinen Lehrgängen einen roten Faden an, der die “ideale” Trainerarbeit vermittelt. So, wie sich der DFB halt ein gelungenes Coaching vorstellt. Danach werden die Kandidaten dann bei den Prüfungen ja auch bewertet.

Da wäre es ja super interessant, wenn es auch andere Bildungswege gibt, die bis zu den Lizenzen führen. Und die eben andere Ansätze wählen. Vielleicht auch noch individueller auf den jeweiligen Trainertyp zugeschnitten. War so ein Gedankenspiel von mir. Man sieht es an Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen, dass es eben Lehrinhalte gibt, die aber ganz anders vermittelt werden können und bei denen auch die Schwerpunkte anders gesetzt werden.

So könnte ein Anwärter für den Fußball-Lehrer eben sagen: I"ch gehe nicht zum DFB sondern zur Fußball-Uni XYZ. Die vermitteln alle Inhalte, die nötig sind, um die Lizenz zu bekommen. Legen aber ihren Schwerpunkt ganz besonders stark auf Spiel- und Spieleranalyse. Das ist besser für mich, da ich meine Trainertätigkeit vor allem analytisch gestalten möchte." Nur mal als Beispiel.


#17

Die Trainerausbildung in Deutschland gehört zu der besten weltweit. Da ist die Frage, braucht man da noch private Ausbilder?

Vielleicht könnte man anstelle von 24 Schülern 48 Schüler ausbilden. und was dann? Dann hakt es an Arbeitsplätzen. Dann haben die Schüler für den Schein viel Geld ausgegeben und keine Chance, das Geld wiederzusehen.

Das sollte man auch bedenken


#18

Das doch aber bei allen Berufen so. Wenn ich Medizin studieren möchte sind die Hürden auch sehr hoch. Trotzdem ist ein Arbeitsplatz nicht garantiert, das kann je nach Fachgebiet sehr unterschiedlich sein.
Bei der Meisterschule ist es ähnlich: die Plätze sind begrenzt um man zahlt viel Geld (um die 10000 Euro) für den Abschluss und einen Job mit entsprechender Position bekommt man da auch nicht geschenkt.

Das ist eben die Marktwirtschaft. Freie Berufswahl bedeutet nun mal ein gewisses Risiko.


#19

Dann sollten diese Lizenzen vielleicht eher zu einer Institution, als einer Berufsqualifikation werden. Bei den beschriebenen Inhalten wären diese doch gerade für die vielen Trainer der vielen kleinen Vereine wichtig - und nicht für ehemalige Profis.


#20

Das habe ich auch nicht bezweifelt. Trotzdem haben wir es mit einem Monopol in der Trainerausbildung zu tun. Und Monopole sind fast immer Mist.

Tjoa, das ist dann tatsächlich auch in ganz vielen anderen Studienbereichen und Ausbildungen so. Ich denke, dass die angehenden Trainer und Fußball-Lehrer um diese Situation wissen. Ein Grund mehr, sich vielleicht bei einer anderen Ausbildungsstätte ein anderes, spezielleres und individuelleres Ausbildungsprofil zuzulegen. Um sich deutlicher von den beim DFB ausgebildeten Trainern abzuheben.