Tribünengespräch 027 – Football Leaks Teil 3


#1

Wir haben mal wieder mit Rafael Buschmann (@rafanelli) über die Football Leaks gesprochen. Freue mich auf die Diskussion zur Sendung!


Zukünftige Themen...vorschläge
#2

Weltklasse Folge!!!

Sehr schöner Ansatz von @GNetzer. Warum geht man mal nicht auf die verantwortlichen Politiker zu? Wäre bestimmt sinnvoller als Infantino nach zufliegen um sich einen Korb fürs Interview abzuhohlen.

Das Hr. Buschmann kritisiert das die öffentliche Diskussion mehr über sie selber geht wie über die eigentlichen Themen. Da trägt aber das Netztwerk eine gewisse Mitschuld.

Der ARD Beitrag hat sicherlich die größte Reichweite (TV>Print+kostenpflichtig). Gerade der Beitrag beschäftigt sich aber mehr mit der Recherche als mit den eigentlichen Themen. Der Spiegelartikel war schon besser. Ganz oben dann tatsächlich der Rasenfunk.

Je weniger Reichweite um so mehr wird sich mit den Hintergründen und den Kern des Themas beschäftigt. Rasenfunk an die Macht!

Bin ja mal gespannt ob das Thema auch mal im Doppelpass besprochen wird. :wink:


#3

Gutes Gespräch aber auch bitter wieder zu hören das es überall Korruption gibt. Im Sport, der Politik und am Ende ist der kleine Fan der Dumme oder wird noch kriminalisiert weil er ein Ultra ist.


#4

Ungeachtet der wahrscheinlich guten Qualität der Folge musste ich nach 15 Minuten ausschalten. Mich nerven und deprimieren diese Themen enorm. Das ganze Spiel wird durch den FIFA Korruptionsskandal, den Finanzwahnsinn und die Football Leaks in eine fast mafiöse Ecke gestellt, in die man eigentlich nicht schauen möchte.
Ich bin dadurch auch immer zwiegespalten bezüglich des Rasenfunks, einerseits hat mir die herausragende Qualität tatsächlich das Interesse an der Bundesliga wiedergebracht, andererseits müsste man eigentlich das Konstrukt Profifussball komplett ablehnen und boykottieren.


#5

Ich finde es interessant, wie man von der politik aus gerne bereit ist, den gemeinen Fußballfan zum Verbrecher zu stempeln, aber nichts gegen Infantino & Co unternimmt. Von dem DFB erwarte ich in dieser Hinsicht überhaupt nichts, schließleich muß man bedenken, wer den DFB vertritt: Grindel. Da kann nichts kommen, selbst wenn er genügend Arsch in der Hose hätte und wollte


#6

Ich freu mich unglaublich auf das neue Football Leaks Buch. Wobei die Vorfreude mehr einem masochistischen Akt gleich kommt, denn schon das erste Buch hat mich nur noch kopfschüttelnd und ratlos zurückgelassen. Und ich frage mich, warum der Fussballfan und da zähle ich mich dazu, sich so etwas gefallen lassen und wir diese Maschinerie an Fussballkapitalismus weiter unterstützen? Und ich möchte hier wieder einmal die Arbeit von Max und Frank hervor heben, da sie es schaffen, nicht nur die Begeisterung rund um die Bundesliga und den Fussball hervorzuheben, sondern sich mit den Abgründen dieses tollen Sports zu beschäftigen. Sich die Arbeit zu machen alle Aspekte zu beleuchten und damit in eine Position zu bringen sich mit einer so interessanten Schlüsselperson, wie Rafael Buschmann (dürfen Freunde ihn wohl Buschi nennen?), am Ende auf Augenhöhe zu unterhalten. Ja das macht Spaß und diesen Unterhaltungen/Diskussionen höre ich sehr gerne zu!


#7

Eine schöne Zwickmühle. Ich kann es nachvollziehen. Irgendwie will man es nicht hören. Sobald man sich damit beschäftigt, wo Dinge herkommen und wie sie gemacht werden, wird es bitter. Vor allem, wenn man selbst noch Ideale hat. Fußball ist da fast noch ein harmloses Thema.


#8

Dieser Beitrag bringt mich doch zum Nachdenken. Nachdenken darüber, wie man sich dazu verhält. Mal ein paar lose Gedanken:

Das Grunddilemma ist ja, dass wir diesen Fußball lieben und jedes Wochenende mitfiebern und dadurch dieses ganze verkorkste System mittragen.

Jetzt ist die Frage was ist besser:

Sich bestmöglich informieren und dann nur noch mit nem grummeln im Hinterkopf mitfiebern? Geht das überhaupt?

Sich blind und taub stellen und weiter voll jubeln und mitfiebern.

Ach es ist so verflixt, und es betrifft uns alle bei sämtlichen anderen Themen auch, wie zum Beispiel Klimawandel (und trotzdem fliegen wir immer mehr) und unser Konsumverhalten (Stichworte: Herstellung Smartphones oder Herstellung von Kleidung nur als Beispiele).

Die Beispiele zeigen, Wissen alleine führt nicht zu einem Ändern im Verhalten.

Ich schließe mal damit, dass das Wissen aber ein notwendige Voraussetzung dafür ist. Und was braucht es dann noch?


#9

Im Grunde ist es recht einfach: Disziplin. Eben nicht an genau den genannten Dingen teilnehmen. Das ist aber wiederum die eigentliche Schwierigkeit. Ich habe zum Beispiel versucht aus diversen Gründen die WM FIFAseitig zu boykottieren, also kein Komsum von Dingen an denen die mitverdienen. Es gibt zu umfangreiche Gründe, warum ich schreibe “versucht”.

Dennoch ist das Problem, das reiner Boykott keinen Effekt hat, er ist lediglich Gewissensberuhigung, da er von der völlig verqueren Annahme ausgeht, wenn alle boykottieren, habe es einen Effekt. Zu glaube “alle” kämen auf diese Idee ist aber kreuznaiv. Schon deswegen hat “Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin” noch nie einen Krieg verhindert. Oder um einen anderen Vergleich zu bemühen: Das Wegschauen und sich ins Private zurückziehen hat noch nie ein verbrecherisches Regime daran gehindert Verbrechen zu begehen. Deshalb kann die Wahl nur sein, es ins Bewusstsein zu rücken. Es braucht eben Menschen, die sich engagieren und die versuchen Missstände zu benennen und ihnen zu Öffentlichkeit zu verhelfen. Manchmal (eigentlich immer) ist es ein Kampf gegen Windmühlen und oft sind die, die sich im Problem einig sind in der Lösung zerstritten. Aber ich glaube es hilft nix anderes und allein deshalb wird das Problem nicht gelöst wenn man wegschaut, man kann dann nur ruhigen Gewissens sagen, man sei kein Teil davon!
Ach ja, ich denke so, aber ich kann noch nicht mal guten Gewissens sagen, mich so zu verhalten. Auch das ist schwer und anstrengend und ich bin eben oft mit den Lösungsansätzen der Leute im Fußball, die sich gegen diese Umtriebe engagieren nicht einverstanden. Von daher bleibt das Dilemma.

So jetzt muss ich aber nochmal was zum Podcast loswerden:
Sehr gut von Max das Problem des Tons der Berichterstattung angesprochen zu haben. Ich habe die Ankündigungsartikel auf SPON gelesen und spontan gekotzt, wie abstrus da skandalisiert wurde. Man merkte schon, wie der Scoop über die Superleague bewusst in den Vordergrund gesetzt wurde, um Relevanz zu erzeugen und Verkäufe zu generieren (vgl. Cover der Printausgabe). Daher finde ich, dass Herr Buschmann den eigenen Anteil an der Fokussierung der Berichterstattung zu sehr herunterspielt. Dieses Empfinden hatte ich auch schon beim DLF Sportgespräch zum Thema und dort hat Herr Kistner von der SZ das auch sehr gut Kontextualisiert.
Jetzt den Vorwurf zu formulieren die Diskussion ginge in die falsche Richtung und sei sie von Anfang an gegangen, finde ich dann schon komisch. Gerade die Enthüllung um City, PSG und Infantino hatten Skandalpotenzial, die um die Superleague nicht. Ich habe zudem auch den Eindruck, dass genau dieser Umstand die Diksussion hier im Forum eben in jene Richtung gelenkt hat, die sie momentan hat. Schaut man sich die ersten Posts an, scheint die Ansicht, dass es zwar scheiße und verhindernswert ist, aber nicht skandalös, dort Konsens zu sein.


#10

Erst einmal vielen Dank für ein neues tolles Tribünengespräch. Max, du findest einen richtig guten Ton bei dieser Diskussion. Einerseits bist du im Gegensatz zur generellen, deutschen Öffentlichkeit mit einer gesunden Ernsthaftigkeit beim Thema. Andererseits verfällst du Buschmann gegenüber aber auch nicht in eine bedingungslose Zustimmung. Dies passiert in Zeiten von Twitterblasen und extrem gegenüberstehenden Meinungen schneller als man denkt. Einfach gute Moderation und guter Journalismus.

Zum Thema: Ich fand´s toll wie relativ schnell auf das eigentliche Problem hingewiesen wurde, die Sonderstellung des Sports im Gesetz und die Probleme mit der Schweiz als Standort. Solange das der Fall ist, ist es auch völlig egal ob Infantino oder sonst wer FIFA-Boss ist.

In der Tonalität des Spiegels sehe ich eigentlich nur einen Akt der Verzweiflung. Wenn sie wieder einfach nur “die Fakten” dargelegt hätten, wäre das wieder im großen Teil ignoriert worden. So hatte man nun die dämliche Diskussion der Super League, aber thematisiert wurde schon relativ viel im Vergleich zu früheren Football Leaks Geschichten.

Gerne hätte ich wie ihr beide noch mehr über diesen Sklavenhandel von Jugendzentren in Afrika gehört. Aber dazu wird es dann ja eine neue Folge geben :slight_smile:


#11

Das muss ich auch noch anmerken. Die Story um die Eliten Liga hätte es nicht gebraucht. Überschrift wie „ Infantino der Pate des Fußballes“ hätte gereicht. Die Geschichte der Einflussnahme zur Bestrafung um PSG etc. Und die damit verbundene ungleichbehandlung der kleinen Vereine die gleich mit voller Härte bestraft wurden ist doch schon skandalös. Nebebsatz“ E-Mails besagen das auch die UEFA sich mit konkreten, gut ausgearbeiteten Pläne der Top Clubs zu einer Elite Liga erpressen lassen hat um mehr Fehrnsehgelder für sich zubekommen.


#12

sehr gutes Tribünengespräch. Vielen Dank dafür

Ich würde jedem tatsächlich auch raten die Artikel im Spiegel zu lesen. Irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass ein Großteil der Debatte von Leuten bestimmt wird, die maximal die Überschrift bei SPON gelesen haben (nicht unbedingt hier im Forum, aber generell).

Man kann sicherlich den Spiegel für die Überschriften usw. kritisieren, aber die Artikel von denen sind meistens schon ganz gut


#13

Servus Max,

auch von mir erstmal ein Lob in zweierlei Hinsicht: Ich fand es klasse, dass du beim Thema der Berichterstattung mehrfach nachgefasst hast. Rafael Buschmann ist für die football leaks echt ein Schwergewicht und so manch einer hätte da vielleicht weniger konfrontativ agiert, nur um den für die Zukunft auf keinen Fall zu verärgern. Fand es wichtig und mutig da nachzubohren! Außerdem fand ich richtig gut, wie du das Gespräch geführt und verhindert hast, dass Rafael Buschmann (vermutlich bei der Anzahl der derzeitigen Interviews ungewollt) einen Textblock zu Medienrecht loslässt, der schon bekannt ist. Auch hier ist es für den Hörer sehr gewinnbringend zu sagen “Ja das ist richtig und wichtig, aber darüber haben wir ja schon in der letzten Folge ausführlich gesprochen.” Daher: Kompliment, starke Folge!

Eine Rückmeldung möchte ich noch zu unsere engagiert geführten Superligadiskussion geben, denn bei dir scheint ja der Eindruck entstanden zu sein, dass wir mit den leaks auch “in die falsche Richtung” marschiert sind: Das sehe ich nicht so, denn die Empörung bzw. das Entsetzen über Infantino und Rummenigges Handeln als Chef der ECA ist ja unbestritten und auch von mir sehr deutlich angesprochen worden. Die Notwendigkeit von Reform, Bewusstseinswandel und personeller Neubesetzung steht ja völlig außer Frage.
Diese ganze Diskussion über die Superliga steht (aus meiner Sicht) immer unter der Frage: “Würde diese Liga denn zwangsläufig funktionieren und Erfolg haben?”
Denn so wie die UEFA eingeknickt ist und sich den großen Clubs unterworfen hat, muss man das Drohpotential ja als real eingeschätzt haben. Mir ist im Prinzip völlig wurscht wie viel Teilnehmer die Liga hat und wie die organisiert ist. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass der kleinste gemeinsame Nenner “mehr Geld für alle” schon ausreicht, um so ein Projekt zu stemmen. Denn was bringt es Bayern mehr Geld zu generieren, aber nur 2/3 des Geldes im Verhältnis zu Real Madrid einzustreichen und dann potentiell marginalisiert zu werden? Die Verteilungskämpfe fangen doch da erst an und ich stelle mir vor, dass man der UEFA schon konkretere Sachen gesagt haben muss als “wir machen das alles selbst und alle werden reicher.” Man darf ja vielleicht unterstellen (auch wenn viele leaks Dokumente das Gegenteil suggerieren), dass es einen kleinsten gemeinsamen organisatorischen oder sportlichen Nenner für so ein Projekt geben muss, der es umsetzbar erscheinen lässt.
Ich will einfach nur verstehen warum das Projekt Superliga - trotz aller Fragezeichen die ich da sehe - für alle Beteiligten zwangsläufig Erfolg versprach und warum die Drohkullisse gegen die UEFA deshalb funktionierte. Für mich wurzelt die Frage über die Details der Superliga daher eher in dem Entsetzen über die erfolgreiche und überfallartige Erpressung der UEFA und ist deshalb unmittelbar mit der von euch gesetzten Agenda über die Empörung bezüglich tiefkorrumpierter Institutionen unmittelbar verknüpft.

Das_Daw


#14

Unabhängig vom Inhalt möchte ich auch nochmal explizit die Gesprächsführung loben. Ich empfand das Gespräch als sehr fokussiert und sogar ein Stückweit sachlich-kühl. Vielleicht lag es daran, dass du, Max, dich jetzt auch schon seit langer Zeit mit Football Leaks beschäftigst, gut im Saft stehst und eine hohes Verständnis der eigentlichen Kernfragen mitbringst. Das merkt man deutlich. Schön war es, die Beharrlichkeit zu hören, mit der du Rafael Buschmann “gezwungen” hast, zu der medialen Kommunikation der Leaks Stellung zu nehmen. Respektvoll, ohne ihn in die Ecke zu drängen, aber eben doch forciert.

Ganz nachvollziehen konnte ich Rafaels Erklärung nicht, dass sie als Investigativ-Korrektiv nicht in der Lage wären, ganz konkret politische und wirtschaftliche Denkanstöße und, ja, sogar Forderungen zu formulieren. Es hörte sich ein bisschen danach an, als ob sie einfach darauf warten, dass es von selbst passiert. Ich denke aber, dass sie intelligent genug sind, um zu wissen, dass das mit “ein paar Artikeln” nicht funktionieren wird. Warum also nicht konkret, wie von dir, Max, angesprochen, EU, Bundesministerien und juristische Instanzen in den Artikeln ansprechen und zum Handeln und Prüfen auffordern. Und das nicht nur “zwischen den Zeilen”.

Ich habe viel gelernt. Nicht nur über die Inhalte der Leaks. Sondern auch was sie eigentlich können müssen. Richtige Debatten anstoßen und an die richtigen Instanzen gerichtet sein. Danke, Max!


#15

Grüß Dich Max,

großes Kompliment für diese Folge!

Ich finde es beachtlich, mit welcher Präzision deine Impulse für Tiefgang in der Thematik sorgen und somit zum Nach- und Weiterdenken führen.

Insbesondere hat mir dein konsequentes und respektvolles Nachhaken zur Stellung des Sports im Rechtssystem gefallen. In diesem Zuge habe ich die eigene Reduzierung von R. Buschmann als Rechercheur als “zu einfach” empfunden. Die Einsicht, dass der gesetzte Impuls schlichtweg misslungen ist, fehlte mir. Der Anstoß, z. T. geleitet von möglichen Verkaufszahlen, hat eben die Mediendiskussion in eine oberflächliche Richtung (Der kleine Mann bzw. Verein wird verraten) geführt. Gut hat mir wiederum der Ansatz von Selbstreflexion von R. Buschmann gefallen, dass in Zukunft mehr Führung nötig sein müsse.