Ich möchte noch einmal auf das Thema WM und einen möglichen Boykott eingehen. Ich bin gespannt, wie ihr als Podcast damit umgehen werdet. Ich kann natürlich die Überlegungen darüber sehr gut nachvollziehen. Nach der aktuellen Folge habe ich den Eindruck, dass ihr schon darüber berichten möchtet, in welcher Form auch immer. Das will ich ausdrücklich nicht bewerten, sondern nur als Ausgangspunkt nehmen.
Was ich aber loswerden möchte:
Seit der WM in Katar hat sich die Welt massiv verändert. Für mich bietet die kommende Weltmeisterschaft in den USA inzwischen deutlich mehr Gründe für einen Boykott, als es Katar vor vier Jahren oder Russland 2018 getan hat.
Die USA stellen ganz aktuell eine ernsthafte Bedrohung dar, für Deutschland, für Europa und die internationale Ordnung insgesamt. Unabhängig davon, wie sinnvoll oder wirkungsvoll Boykotte generell sind, kommt hier ein besonderer Punkt hinzu: Der amtierende US-Präsident ist ein Meister der medialen Inszenierung. Politik wird konsequent als Show betrieben („This was great television“).
Es ist aus meiner Sicht sehr wahrscheinlich, dass diese Weltmeisterschaft zu einer riesigen Trump-Shit-Show-Inszenierung wird, mit freundlicher Unterstützung der Stiefellecker der FIFA. Zu sagen, man könne sich dabei ausschließlich auf den Fußball konzentrieren, halte ich für unrealistisch. Das wird medial kaum möglich sein, auch nicht in Deutschland. Man sieht ja jetzt schon, wie stark selbst öffentlich-rechtliche Berichterstattung in eine Art vorauseilenden Gehorsam kippt, da wurde heute Nacht sogar der Mord aus Minneapolis zunächst als Selbstverteidigung geframed.
Dazu passt ein Zitat von Militärexperte Christian Mölling heute aus dem ZDF-Morgenmagazin:
Er (Trump) nutzt letztendlich unsere Medienmaschine. Er nutzt quasi auch das Morgenmagazin und uns beide, dass wir darüber reden.
Genau das ist der Punkt: Reiner Fußballjournalismus, Spiele, Ergebnisse, Schiedsrichterleistungen - würde der Gesamtsituation schlicht nicht gerecht werden. Selbst als Fussballpodcast.
Für mich persönlich habe ich ähnlich wie @fiete deshalb eine klare Entscheidung getroffen:
Diese Weltmeisterschaft findet für mich nicht statt. Ich lasse sie aus.
Was ich davon mitbekommen werde, wird wahrscheinlich aus dem Politikteil meiner Nachrichten kommen, aber definitiv nicht aus dem Sportbereich.
Ich will da FIFA und Trump nicht die Möglichkeit geben, mir diesen wunderbaren Sport noch mehr kaputt machen zu lassen, daran arbeiten seit Jahren schon ganz andere.
Um das noch mal klarzumachen, wenn der Rasenfunk sich letztendlich dann doch dazu entscheiden sollte, darüber zu berichten und das auch vermutlich entsprechend kritisch einzuordnen, ist das für mich völlig okay, es wird seine Hörenden finden, aber ganz bestimmt nicht nicht mich.