Tribünengespräch 129: Evangelikale im Fußball

Wir haben über Evangelikale im Fußball gesprochen und zwar mit diesen Gästen:

  • Felix Michaelis (freier Journalist, veröffentlicht viel zu Rechtsextremismus, Antisemitismus und eben Evangelikalismus, Twitter, Bluesky, Instagram)

  • Dina Falken (Twitter)

Wie hat euch die Sendung gefallen?

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Halleluja :new_moon_face: und Danke für diese wichtige Folge.

Auch die ganzen Originalzitate zu hören war spannend und Informativ.

Hoffentlich zieht das bisschen Kreise das ganze Thema.

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Amen! :wink:

Und vielen herzlichen Dank für diese Sendung. Ich finde ihr habt damit viele wichtige Punkte gut herausgearbeitet.

Vielleicht ein Punkt, der mich persönlich noch bewegt hat.
Wenn Felix Nmecha meint, er würde für seinen Glauben und seine Mission Fussball spielen, ja, dann soll er das tun.
Aber ab da, wo dies auch eine Aussenwirkung hat, nämlich weil er genau das sagt und in internen Kreisen kommuniziert, ab da stört es mich. Weil seine Anwesenheit auf dem Fussballplatz und in den Fussball-Medien auch immer ein Zeichen nach aussen für seine Mission ist. Ein lautes „der Glaube an Gott“ hat mich hier hin gebracht. Ab da wird es für mich schwierig, weil das eben so sehr an die „Bedingungen“ „der Mission“/ der Evangelikalen geknüpft ist.

Und nur weil er gewisse andere Dinge nicht mehr laut ausspricht sind sie trotzdem da - anwesend mit seiner Person - und ich denke auch intern wissen alle, dass er dafür steht.

Ich finde ihr habt sehr schön herausgearbeitet, dass die Zeichen dafür bei Felix Nmecha ziemlich deutlich sind. Aber es gibt auch einen grossen Graubereich - von Personen, bei denen nicht so eindeutig ist, wo sie stehen - mit dem (denen) um zu gehen eigentlich nochmal schwieriger ist. Umso wichtiger davor nicht die Augen zu verschliessen, deshalb Danke an euch drei, dass ihr dazu beitragt, dass auch andere zukünftig weniger wegschauen können zumindest nicht mehr ohne dafür kritisiert zu werden.

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Beim Heiligen Beckenbauer eine tolle Sendung über ein Phänonem das ich so noch gar nicht wahrgenommen habe.
Was mir noch niemand theologisch oder gar psychologisch erklären konnte ist dieser Hass auf Menschen, queer oder feministisch. Aber das ist hier natürlich der falsche Ort.
Was mich bei Giovanna Hoffmann darüber hinaus interessieren würde, wie sie ihre Karriere in einer Sportart die ja durchaus feministisch erkämpft werden musste mit den Ansichten anderer fundamentalistischer Christen vereinbart. Auch das könnt ihr natürlich mangels Gedankenlesefähikeit nicht leisten.
In so fern, Amen.

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Wäre echt schön wenn mehr Vereine ihre Werte als mehr als nur stumpfes Marketing leben würden. Obwohl sind es wirklich Werte wenn diese nicht auch gelebt werden? Oder nur Worte?

Eigentlich würde man ja denken, dass das mit 50+1 möglich wäre. Aber es zeigen sich ja auch sonst in der Gesellschaft immer mehr Leute, die wahrscheinlich auf die ganzen kritisch genannten Punkten mit einem herzlichen “Amen Halleluja” antworten würden, oder direkt einem strammen “Jawoll”.

Am Ende bleibt dann wohl auch in der Bundesliga nur das schöne Zitat aus der NFL:

“If Hannibal Lecter ran a 4.3, we’d say he had eating disorder”

Eine wirklich tolle Folge und in einem schwierigen Thema sehr gut durch den Diskurs navigiert! Gratulation an @GNetzer , Felix und Dina.

Vor dem Hintergrund das mein Sohn irgendwann auch durch Influenzer / Social Media beeinflusst wird auch ein echte Bildungsfolge fuer mich :slight_smile: Ich beschaeftige mich seit vielen Jahren mit dem, was da aus der rechten Szene heraus in sozialen Medien passiert und so ist es hier jetzt in dem Themenkomplex eine gute Horizonterweiterung. Auch dafuer ein fettes Danke an das Team vom Rasenfunk!

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Vielen Dank für das Gespräch! Solche Folgen machen für mich den Rasenfunk aus. Solche Folgen machen den Rasenfunk einzigartig. Neben der tiefen Fußball Berichterstattung wird auch immer wieder über den Tellerrand geschaut.

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Ich möchte explizit unterstreichen, dass ich nicht sagen möchte, dass Herr Nmecha einer der folgende Aspekte vertritt, aber gerade wenn man sich die evangelikalen Bewegung in der USA anschaut, dann gibt’s noch weitere Themen, die unbequem/problematisch sind. Sei es nun Themen wie Abtreibung oder die Beziehung zum Rechtsstaat mit dem Spannungsfeld zwischen Gottes Gesetz und einer säkularen Gesetzgebung, was zu einer erheblichen Demokratiefeindlichkeit führen kann.

Und auch in Deutschland werden einige evangelikale Freikirchen schon vom Verfassungsschutz beobachtet.

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Danke lieber Max für dieses Tribünengespräch!
Es war sehr spannend euch dreien zuzuhören. Ich habe mir nur zwischendurch an ein, zwei Stellen gedacht: Das wäre ultraspannend da nen Theologen dazu zu hören (z.B. Definition von Evangelikal), aber ob das realistisch gewesen wäre da jemanden dazu zu gewinnen ist natürlich die Frage und gleichzeitig natürlich Meckern auf höchstem Niveau.

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Evangelikal ist durchaus sehr vielschichtig, grob gesagt reicht es von Jimmy Carter bis zu Charlie Kirk. Es gibt dazu keine allgemeine theologische Definition, teilweise kann man von einer Selbstbenennung sprechen.

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Die gängigste Definition ist das „Bebbington-Quadrilateral“

  • ihrer Betonung der Vertrauenswürdigkeit der Bibel
  • der Zentralität des Versöhnungswerks Christi am Kreuz
  • der Notwendigkeit einer persönlichen Bekehrung
  • dem aktiven Einsatz zur Ausbreitung des Evangeliums

Das sind wir dann schon bei den drei großen Problemen. Die sind erklärungsbedürftig, sie haben viel Interpretationsspielraum und viele Dinge lässt das ganze offen. In der Praxis gib es eine sehr bunte Landschaft, die über vielfältige Netzwerke, Arbeitsgemeinschaften und persönliche Kontakte meist lose verbunden ist.
Die vertretenen Positionen sind auch sehr unterschiedlich. Gerade im pfingstlich-charismatischen Bereich gibt es z.B. teilweise seit langem Predigerinnen. Aimee Semple McPherson trat ab 1913 bei Evangelisationen und war zwischen den Weltkriegen in den USA landesweit bekannt. In anderen Gemeinden wäre das bis heute undenkbar.
Auch spielt die lokale Prägung und Kultur eine Rolle. Das wird gerne vergessen, weil die USA schon über Literatur und Musik global Einfluss haben. Auch hier ein Beispiel, in den USA sind Evangelikale in einigen Landesteilen die zahlenmäßig dominierende Religionsform. Du hast dort Personen, die kulturell evangelikal geprägt sind und sich so verstehen, auch wenn das nicht von persönlichen Glaubensüberzeugungen gedeckt ist. Das ist halt normal da.

Bei der Folge sehe ich das gleiche Problem, wie bei den meisten Beiträgen über Evangelikale in Deutschland. Ganz selten ist wirkliche Expertise für den Evangelikalismus vorhanden und nicht annähernd genug Platz gut in das Thema einzuführen. Für die meisten Deutschen ist das sehr fremd und es gleichzeitig unübersichtlich. Wenn man dann bei „Was ist eine Freikirche?“ anfangen will, dann wäre eine gute Einführung schon selber eine Folge im Rassenfunk von der Länge und keine der kurzen Sendungen.

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Die Abtreibungsfrage ist übrigens historisch sehr spannend. Keine Abtreibung ohne Ausnahme ist die klassisch katholische Position. Früher haben Evangelikale in den USA dort meistens deutlich differenziertere Positionen vertreten.
Sozialpolitisch war das ähnlich. Ungefähr zur Zeit von Präsident Jimmy Carter, selber Evangelikaler, kippt das langsam. Über gesellschaftspolitische Fragen kommt es zu immer größeren Spannungen mit den Demokraten. Die Republikaner sehen das und gehen gezielt auf führende Köpfe der evangelikalen Bewegung zu. Das hat in den USA in beide Richtungen, sowohl bei Evangelikalen als auch Republikanern, die mehrheitlichen Ansichten verändert.
Diese Entwicklung hat zwar auch ausgestrahlt, aber lässt sich aber nicht direkt auf andere Länder übertragen.

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Das ist übrigens genau die Definition, die ich in der Sendung nenne.

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Wobei nicht alle Evangelikalen in Freikirchen organisiert sind und auch Evangelikale und Pfingstler:innen und Charismatiker:innen jeweils nicht deckungsgleich sind…

Ich weiß nicht, ob der Hinweis, dass die Sendung dann viel länger würde, @Jojo s Wunsch gerecht wird.

So wie ein Vereinspodcast manche Fragen tiefer/ausführlicher/detaillierter erläutern kann, als eine Rasenfunksendung, in der es um einen ganzen Spieltag geht, kann ein Tribünengespräch zu “Evangelikale im Fußball” sicher in theologischen Punkten nicht so tief gehen, wie z.B. eine “Einführungsvorlesung in Evangelikalismus”.

Aber so wie ich ihn verstehe hätte er sich an einzelnen Stellen nochmal eine kurze/tiefere theologische Einordnung gewünscht.

Meine eigene Definition von evangelikal wäre so aus dem Bauch raus sowas wie: “In Evangelikaler Frömmigkeit sind in der Regel eine persönliche Beziehung zwischen dem individuellen Gläubigen und Jesus (und manchen/vielen deswegen auch ein persönliches Bekehrunsgerlebnis) und die Bibel (oft in einer sehr wörtlichen Auslegung) als Fundament des Glaubens sehr wichtig (was dann oft zu einer Skepsis/Ablehnung gegenüber historisch-kritischer Methoden in der Auslegung führt).” aber das ist auch nicht sehr weit weg, von der von dir zitierten Definition.

Sendungs-Feedback kann ich noch nicht geben, da ich dieses Wochenende zu viel arbeite, um das in Ruhe zu hören, aber ich freue mich schon auf Montag, wenn ich hoffentlich dazu komme und dann sicher hier auch nochmal eine Rückmeldung gebe.

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Ich habe mir die Stelle nochmal anhört (ab 15:40 wer auch nachhören möchte).

Du nennst Bibeltreue und beschreibst dann ein ahistorisches, fundamentalistische Schriftverständnis. Bei Bebbington ist das bewusst nicht so eng gefasst, weil es nicht die allgemein geteilte Position unter Evangelikalen ist. Es war clever von Fundamentalisten sich bibeltreu zu nennen, das verkauft sich offensichtlich besser. Haben aber selbst unter dem Etikett nicht alle gekauft.

Du bringst dann die Trinität und besonders den Heiligen Geist mit dem Kreuz in Verbindung. In dem Punkt geht es allerdings tatsächlich um den Tod am Kreuz und daraus folgt ein besondere Jesus-Frömmigkeit. Der Heilige Geist wurde Pfingsten ausgeschüttet. Du mischt also gewissermaßen Karfreitag und Pfingsten. Es werden wesentliche Merkmale der Pfingstbewegung als Erkennungszeichen der Evangelikalen genannt. Das ist zwar mittlerweile ein zahlenmäßig wichtiger Teil, aber längst nicht alle.

Mission sprichst Du völlig zurecht an. „unsere Auslegung“ ist als Formulierung etwas unglücklich, der wesentliche Punkt ist allerdings klar erkennbar. Tatsächlich gibt es in der Auslegung viele Unterschiede und Details interessieren da oft nicht so.

Die persönliche Bekehrung sprichst Du gar nicht richtig an. Da geht es nicht einfach um Mission der Ungläubigen. An dem Merkmal kann man am besten erkennen, dass es eine Moderne Strömung ist. Es reicht nicht, wenn Du einfach schon immer mitgemacht und das irgendwie bejahst. Du sollst dich schön aktiv entschieden haben. Am besten mit Erweckungserlebnis und Übergabegebet. Das wird erst dadurch markant, dass Menschen die darin aufgewachsen sind auch regelmäßig solche Geschichten haben.

Für mich verstärkt sich der Eindruck vom ersten Hören. Du hast die Definition vorliegen, erzählst sie nach und versuchst dabei alles zu erläutern, bist aber nicht tief im Thema. Genau die Definition nennen ist es für mich nicht.

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Das war unter anderem Thema bei John Bostock

Aber ich glaube du hattest andere Erwartungen an den Podcast

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Danke für diesen Podcast.

Ich sehe das Thema schon länger kritisch, aber besonders kritisch, seitdem Davie Selke bei uns (HSV) war. Das hat mir die Augen geöffnet dass es nicht nur Einzelfälle sind, sondern ein Problem. Er hat die anderen Spieler dazu animiert, mitzumachen. Otto Stange, jung, naiv und als Brasilianer katholisch vorbelastet war das bevorzugte Opfer, aber auch andere Spieler.

Und was ich ihm besonders übel nehme, ist, dass er die Aufstiegsfeier, den größten HSV-Moment als Vehikel für seine Botschaft genutzt hat, die absolut nicht den Werten unseres Vereins entspricht. Das macht mich richtig sauer.

Ich bin heilfroh, dass er weg ist. Und ich bin auch überzeugt, dass seine Missionierungsaktionen Grund für seinen Abgang sind.

Ironie des Ganzen, er spielt jetzt in der Türkei, wo er vorsichtig mit seinen Missionierungsbemühungen sein sollte.

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Spannende Folge, vielen Dank auch für die Aufklärungsarbeit der Gäste.

Mich ärgert vor allem, wie Dina Falken relativ am Ende meinte, dass von Vereinen wie dem BVB(aber ich glaube mindestens 15 Vereine würden Nmecha mit Kusshand nehmen, egal was er da neben dem Platz treibt) einem was von ihren Werten erzählen, aber eben dann keine Konsequenzen ziehen.

Ich weiß, dass ich mich wieder unbeliebt mache, aber egal.

Zum Thema, wie die Clubs/Fußballorganisationen reagieren sollen:

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts fallen auch Äußerungen, die der Verfassungsordnung ablehnend gegenüberstehen, unter die Meinungsfreiheit. Sogar radikale Meinungsäußerungen, die im Rahmen der Meinungsfreiheit liegen, sind hinzunehmen. Die Meinungsfreiheit wird durch allgemeine Gesetze beschränkt, nicht aber durch Empörung und/oder verletzte Gefühle. Deswegen ist auch einem solchen Quatsch, wonach Schwule in die Hölle kommen oder der Teufel sind, nicht beizukommen. Kann und sollte man doof finden, und man kann und sollte auch sein Missfallen dazu zum Ausdruck bringen, ist aber trotzdem auszuhalten und nicht zu verbieten. Vor dem Hintergrund von Glaubens-, Bekenntnis- und Meinungsfreiheit können die Clubs (fast) nichts machen. Ich finde es daher bemerkenswert, wenn der BVB - so habe ich es verstanden - Nmecha im Wortsinne - also vor Veröffentlichung - zensieren darf, wenn er nur in Absprache mit dem BVB posten darf. Da ich Zensur scheiße finde, halte ich das schon für bedenklich.

Ich wäre eher für eine andere Art des robusten Auftretens. Man kann doch gegenüber religiösen Extremisten aller Couleur erklären, dass man nicht an Gott glaube, wenn es aber tatsächlich einen Gott geben sollte, dieser aber so sei, wie von den Evangelikalen behauptet, man doch lieber in der Hölle bliebe, als mit so einem Gott an einem Tisch zu sitzen. Im Übrigen habe ein Gott ganz andere Probleme, wenn er solche Boten nötig habe.

Die gesellschaftliche Bedeutung der Evangelikalen in Deutschland lässt sich bei nicht mal einer Millionen Followern für „Ballers in God“ für mich immer noch nicht erkennen. Zumal auch kein Nachweis erbracht wird, dass neben diesen bekloppten Äußerungen Homosexuelle aktiv und im echten Leben von den Fußballern diskriminiert oder schlechter behandelt werden. Wo passiert tatsächlich die Überschreitung der Glaubens-/Religionsfreiheit ins tatsächliche Leben, wo folgen aus diesen Glaubenssätzen Taten im zwischenmenschlichen Bereich? Weigert sich einer der Fußballer mit Homosexuellen geschäftliche Beziehungen einzugehen oder respektvoll mit ihnen umzugehen? Da fehlt ein Beleg. Die Gefahr, die für schwules Leben durch Evangelikale ausgeht, findet sich auch sonst eher nicht im echten Leben. Ich kenne Schwule, die viele Jahrzehnte älter sind als ich (und ich bekomme bei deren Schilderungen die kalte Wut), die sich inzwischen wieder vorsichtiger in der Öffentlichkeit verhalten und bewegen, aber das liegt nicht an Erfahrungen mit Evangelikalen. Und hier im Westen der Republik sind es auch keine Neonazis, die das zu verantworten haben. Vor diesem Hintergrund halte ich es auch für eine schwache Erklärung, wenn man bei Kritik an der Themensetzung von „Whataboutism“ spricht. Dass es islamfeindliche und rassistische Motive für diese Kritik gibt, ist offensichtlich. Allerdings ist das nicht zwingend. So liegt genauso ein Narrativ und eine Bias vor, wenn man sich auf die beknackten Evangelikalen fokussiert und nicht z. B. auf die Reaktionen von Iran und Ägypten zum geplanten Pride Match bei der WM dieses Jahr, wenn man einen Schwerpunkt auf Homosexualität im Fußball legt.

Meine Interpretation dazu: Das Christentum wird als „weiß“ „gelesen“, das man daher risikolos kritisieren darf, da spielt es keine Rolle, dass nahezu alle namentlich genannten Spieler als „BIPOC“ bezeichnet werden können (wehe, so eine auffällige Häufung erfolgt in anderen Zusammenhängen), gleichzeitig möchte man nicht „islamophob“ oder „antimuslimisch rassistisch“ sein. Man vermeidet es daher aus ideologischen Gründen, andere Themenschwerpunkte zu setzen, die vielleicht viel unmittelbarer und drängender für die Sicherheit und Akzeptanz von Schwulen sind, aber in der eigenen Bubble eher kritisch gesehen werden, man will keinen Applaus von den Falschen etc.

Im Übrigen finde ich es schade, dass die unangenehme Frage ausgespart wurde, aus welchen Gründen fast alle namentlich genannten Spieler „BIPOCs“ sind. Ich habe selbst keine Erklärung dafür, aber diese Häufung kann doch nicht nur Zufall sein. Zumal wir hier auch noch ein Gender Gap haben, da dies bei den namentlich genannten Spielerinnen nicht der Fall ist.

Da es ja auch um eine mögliche Kooperation zwischen AfD und Evangelikalen in Deutschland geht, würde mich auch noch interessieren, ob ihr Nmecha - oder die vielen anderen genannten BIPOC-Fußballer - für so dumm oder so bösartig haltet, den in der AfD vorhandenen Rassismus nicht zu sehen oder zu ignorieren? Glaubt ihr tatsächlich, dass für Nmecha oder die anderen Spieler der Zweck die Mittel heiligt? Gibt es dafür tatsächliche Anzeichen?

Zum Abschluss: Jemanden etwas unterschreiben zu lassen, was gegen die religiöse Werte dieser Person verstößt, ist eines definitiv nicht: diskriminierungsfrei. Eine diskriminierungsfreie Welt wird so nicht erreicht, sondern es werden vielleicht „die Richtigen“ diskriminiert, die es „verdient“ haben. Das ist auch vollkommen in Ordnung so, wir alle machen das, aber dann sollte man nicht von einer besseren „diskriminierungsfreien Welt“ reden, sondern das auch so aussprechen und sich selbst eingestehen. Man ist dann nicht so gut, wie man gerne wäre.

PS: Mir gefällt dann doch die Konsequenz von Mainz, die El-Ghazi rausgeschmissen haben. Das bekommt z. B. Pauli offensichtlich ja weder bei „Ballers in God“ noch beim FC Palestine-Trikot hin.

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Mainz hat meines Wissens nach jeden Prozess gegen El Ghazi verloren

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