Ich sehe da grundsätzlich keinen Unterschied.
Danke für Eure Beispiele und Einwände, die ganz viele Assoziationen bei mir auslösen. Tolle Diskussion zu Fragen, an denen entlang sich halbe Lebensgeschichten erzählen lassen. Aber keine Sorge, hier natürlich nicht. ![]()
Du hast recht: Laotse darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. Wobei dieses Handeln durch Nicht-Handeln ja keineswegs unwirksam ist, nicht zufällig ist von kreativer Passivität die Rede. Wenn ich mich recht entsinne, gibt es da dieses Bild vom fließenden Wasser, das stärker ist als der Stein, den es durch stetes Umspülen abschleift. Da müsste der Begriff schon sehr weit gefasst werden, wenn man auch das als Missionieren bezeichnen wollte. Im Kontext der von Nmecha und seinen Evangelikalen ausgehenden Diskussion würde ich es eher verneinen. Nicht jede Wirksamkeit lässt sich da schlüssig subsumieren.
Beim Aufrütteln etc. ist das schon etwas anderes. Ich kann mich jedenfalls von solcher Aktivität unter Umständen schon missioniert fühlen. Sicher in Abhängigkeit von der Stärke der investierten Energie und von Redundanz. Es ist ja auch möglich, als quasi Missionierte*r sich einerseits behelligt zu fühlen und anderseits den Bemühungen eine gewisse Berechtigung nicht abzusprechen.
Spontan stimme ich Dir zu, wenn Du keinen kategorialen Unterschied zwischen akzeptablen und weniger von uns goutierten Inhalten siehst, soweit sie mit missionierender Energie verbreitet werden. Und doch muss ich auch @Kherova recht geben: praktisch macht es schon für unser Empfinden einen Unterschied, was für Inhalte da unters Volk gebracht werden sollen. Allerdings gibt es ja nicht nur die Außenwirkung solcher Aktivitäten. Auch auf die Mitstreitenden im Sinne toleranter Ideen kann im Binnenverhältnis massiver Druck ausgeübt werden, durch die gerechte Sache gerechtfertigt. Beispiele gibt es zur Genüge, aber die würden hier den Rahmen sprengen.
Zu guter Letzt für heute Nacht noch der Hinweis auf einen Begriff, der in den 1960er Jahren von einem Vertreter der Frankfurter Schule geprägt wurde: die repressive Toleranz als Inaktivität mit fatalen Auswirkungen. Wen’s interessiert: hier der Link zum Wikipedia-Eintrag. Repressive Toleranz – Wikipedia
Ohne dass das Deinem Punkt widerspricht: In letzter Zeit und punktuell auch schon länger wird immer wieder die NFL als positives Beispiel in Richtung Umgang mit Gehirnerschütterungen genannt. Mir stößt das immer unangenehm auf. Das Protokoll selbst mag so gut sein wie es will, aber American Football ruiniert die Gesundheit der meisten Teilnehmer systematisch, und der Grund des Protokolls ist zum einen die Häufigkeit mit der es dort zu Kopfverletzungen kommt und das viele Geld, dass die NFL schon zahlen musste wg. Gerichtsentscheidungen in dem Kontext… für mich klingt das so als würde man eine Feuerwehr dafür loben, dass sie selbst gelegte Großbrände schnell und professionell löscht.
(Trotzdem sollte man beim Fußball natürlich auch ein vernünftiges Protokoll haben und auch die Auswirkungen von Kopfbällen auf das Hirn stärker berücksichtigen, nicht dass da jetzt ein falscher Eindruck entsteht…)
Da hast Du einen guten Punkt! Ich wollte auch die Praxis in der NFL nicht glorifizieren. Und erst Recht nicht den Eindruck erwecken, dass NFL-Profis und deren langfristige Gesundheit die NFL und ihrer Franchises ausreichend interessieren jenseits eine legalen Absicherung. Aber immerhin werden hier und da ja schon mal QB aus dem Verkehr gezogen.
Mir stinkt es einfach, dass es im Fußball so gar keinen regulatorischen Druck gibt bei dem Thema. Und die FIFA hätte es voran treiben können.
Wenn ich Das richtig in Erinnerung habe, waren bei der Übertragung des letzten Africa Cup auf Sportdigital (via Magenta), immer mal Experten für den afrikanischen Fußball eingeladen.
Apropos „missionieren“ - in Shanghai z.B. hat die christliche Mission, die etwa hundert Jahre währte und mit der „Befreiung“ Chinas durch die KPCh zu einem abrupten Ende kam, bis heute Folgen auf die Sprache, denn da der traditionelle chinesische Kalender keine Sieben-Tage-Woche kannte, etablierten die Missionare den Begriff 礼拜 (lǐbài), der ursprünglich „Anbetung/Gottesdienst“ bedeutete, im alltäglichen Dialekt für „Woche“ sowie „Sonntag“ (礼拜天/礼拜日).
Und das gilt für die ganze Woche. Montag ist „Gottesdienst1“, Dienstag „Gottesdienst2“, Mittwoch „Gottesdienst3“ usw.
Um auch einen weltlichen Aspekt von Missionierung einmal angesprochen zu haben, was es bei aller Gottesliebe natürlich auch immer gibt.
Da es in einem der Panels angesprochen wurde (ich weiß nicht ob in diesem oder im letztwöchigen):
Djed Spence hat vor dem Spiel England:Ghana Thomas Partey den Handschlag verweigert. Es ist zwar nur ein kleines Zeichen, aber ich finde es trotzdem mal eine positive Geste.
Ich habe ihn verstanden, fand es aber lustig, wie offensichtlich das virtue signalling ist, weil sie es selbst ja gar nicht begründen kann, aber trotzdem nochmal in aller Deutlichkeit sagen muss, dass es da einen ganz gewaltigen Unterschied gebe und das eine unterstützenswert und das andere doof ist.
Interessant. Ich hätte jetzt das ungefragte Nennen beim Vornamen als wesentlich herablassender und unhöflicher empfunden. Immerhin sind das alles Fachjournalisten, die ich persönlich nicht kenne. Wenn ich über die Aussagen von Politikjournalisten schreibe, nenne ich die ja auch Amann, Alexander oder Feldenkirchen und nicht Melanie, Robin und Markus.
Aber werde ich mir merken, Max. ![]()
Ich finde es gut, dass ihr auch auf Medikamentenmissbrauch im (Amateur)Sport eingegangen seid. Das wird teilweise echt unterschätzt, vor allem da in den unteren Amateurligen ja das Bier nach dem Spiel eben einfach dazugehört. Wenn man da vorher schon 2-3 Ibu400 intus hat, knallt das ganz schön.
Aus eigener Erfahrung kann ich jedem, der Schmerzmittel für den Freizeitsport nimmt nur raten: lasst es! Ich habe in meiner dritten Saison im Herrenbereich in der Kreisliga endlich mehr Spielzeit als Torwart gehabt, mich dann aber blöd an der Schulter verletzt. Um weiter spielen zu können, habe ich dann eine ganze Rückrunde lang vor jedem Spiel mindestens 2x Ibu400 eingeworfen. Am Ende hatte ich mit 22 einen Rotatorenmanschettenriss und bis heute 2 mm Spiel im Schultergelenk. Dank Physio und Krafttraining geht es überwiegend schmerzfrei, trotzdem habe ich nach bestimmten Übungen / Belastungen starke Schmerzen, die 1-2 Tage anhalten.
Der Witz: Viele schmeißen sich oft mehrere Ibuprofen rein. Geht es um den schmerzlindernden Charakter (Ibuprofen hat ja auch noch andere Wirkungsfelder), ist bei 400mg die Grenze erreicht. Mehr Wirkstoff bedeutet nicht weniger Schmerzen.
Egal ob bei Sportverletzungen oder Kopfschmerzen.
Ich fand eure Diskussion um Nemcha nicht zu zugspitzt, gerade weil eine gewisse Zuspitzung auch wichtig ist, damit ein bestimmter Punkt klar wird. Und es ist eben ganz klar, dass sich Nemcha weder richtig entschuldigt noch distanziert hat von Aussagen zur Homofeindlichkeit.
Trotzdem finde ich die Diskussion hier im Forum eine sehr sinnvolle Vertiefung des Themas. Insbesondere, wie die Foristen hier den Begriff der Missionierung abklopfen, fand ich sehr spannend.
Mir fällt dazu noch Octavio Paz ein, mexikanischer Lyriker und Philosoph, der in seinem bekanntesten Werk “Labyrinth der Einsamkeit” einen paradoxen Aspekt anführt, der auch gut eine gewisse Ambivalenz aufzeigt, die mit der brutalen Missionierung Lateinamerikas einherging. Indem die missionierten Indigenen ihren Glauben beim Wort nahmen und die zentrale Botschaft der Nächstenliebe von Jesus und der Gleichheit aller Menschen verinnerlicht hatten, hat sie daraus ein neues Selbstverständnis, Selbstbewusstsein und Emanizpationsstreben entwickelt. Der neue Glaube richtete sich nach einiger Zeit also gegen die Überbringer der frohen Botschaft.
Und übrigens schon lange wirkt der Unterstützeraufruf insbesonderer am Ende eurer fantastischen Tribünengespräche mit missionarischer Kraft auf die Enge meiner kalten Seele, aber jetzt habt ihr es endgültig geschafft: Werde nun monatlich zumindest mal einen kleinen Obulus in den Klingelbeuter geben ![]()
Wieso werden im KH dann höhere Dosen verabreicht und 600er verkauft?
Wegen der entzündungshemmenden Wirkung.
Danke.
Ja, wenn es höher dosiert wird, dann nicht als Schmerzmittel, sondern wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung. Ich hab ja auch explizit den “schmerzlindernden Charakter” angesprochen.
Ich würde hier noch ergänzen , dass es durch die entzündungshemmende Wirkung auch abschwellend wirkt und die Reduktion einer Schwellung ist durchaus in diversen medizinischen Kontexten relevant.
Ich weiß irgendwie nicht, wo ich das sonst loswerden soll. Aber zum besseren Verständnis des Torwartspiels empfehle ich die heutige Folge der ‚ Sendung mit der Maus‘. Mir hat das so einiges klar gemacht. Wie ich diese Sendung liebe:)
Es gibt einen Thread Torhüter*innen!
Muss @Rita zustimmen. Das war super erklärt!
Die „Maus“: Die m.E. beste Wissenschaftssendung im deutschen Fernsehen! (Sorry, Harald Lesch)
Ich weiß leider nicht genau, wie man das dahin verschiebt, aber da wäre es wirklich besser aufgehoben!