Tribünengespräch 133: WM-Panel 3

Auch ich habe eurer Behandlung der „Causa Nmecha“ mit viel Interesse zugehört – und fühle mich nun nach den Rückmeldungen hier bemüßigt, eine weitere Perspektive dazuzulegen.

Denn wie ich aus meinem früheren geschichtswissenschaftlichen Leben und insgesamt 8 Jahre Befassung mit dem Thema „Christliche Mission“ weiß: Mit der Misson ist es alles ziemlich kompliziert und alles andere als eindimensional :smiley:
Eine Dimension, die ihr mit den Aussagen eurer Gruppe sehr gut abbildet, ist die, die von der postcolonial theory in der Tradition von Edward Said („Orientalism“) geprägt wurde: Die Konstruktion des Anderen als wichtiges Element der Selbst-Bestimmung des Westens; die Verbindung von Kolonialismus mit kulturellem Imperialismus usw.
Hier kam auch die christliche Mission als ein „Agent des Westens“ in den Blick und die Werke aus dieser Theorietradition konnten den Patriarchalismus, die erzwungene Assimiliation, das Überstülpen von anderer Kultur herausarbeiten („colonization of the consciousness“ (Comaroff)).
Diese Dimension war sehr wichtig, um die zuvor vorherrschenden triumphalistischen Narrative über den westlichen Kolonialismus bzw. die providentialistischen Narrative über die westliche Mission zu brechen und andere Erzählungen dagegen zu halten. Das war tatsächlich auch eine Art „intellektueller Befreiungskampf“.
Wer hierzu mehr lesen will, dem empfehle ich die Einleitung von Jeffrey Cox, Imperial Fault Lines und seine Ausführungen zur Konkurrenz von „Providentialist Master Narrative“ und „Saidian Master Narrative“.
Mein Eindruck ist, dass dieses Said-Narrativ sehr wirkungsmächtig ist - und somit auch „Mission = böse“ zu einem Gemeinplatz geworden ist.

Allerdings haben sich auch die postcolonial theories weiterentwickelt. Der Impetus, gegen den westlichen Kolonialismus anzuschreiben, wurde ergänzt um neue Ansätze. Wissenschaftler wie Homi Bhabha haben begonnen, weniger auf das Konfrontative der kulturellen Begegnung zu schauen, sondern haben die Kontaktzonen, die wechselseitigen Beeinflussungen, die kreativen Entwicklungen in den Blick genommen. Erstaunlicherweise werden selbst in Situationen von offenbar großen Machtgefällen andere Dynamiken sichtbar - und auch eine viel stärkere agency der Nicht-westlichen Personen greifbar: sie waren nicht festgelegt darauf, sich entweder vom Westlichen überrumpeln zu lassen oder in die komplette Abwehrhaltung zu gehen, sondern es gibt ganz viel in-between: Kulturelle Neubestimmungen findet im Kontakt statt, kulturelle Prägung findet in beide Richtungen statt usw.
Ein good read zur Kritik am eindimensionalen „cultural imperialism“-Konzept mit besonderen Blick auf die christliche Mission ist Ryan Dunch, Beyond Cultural Imperialism: Cultural Theory, Christian Missions, and Global Modernity.
Dazu noch etwas anekdotische Evidenz: In meiner Stadt hat gerade das 10. neue Yoga-Studio aufgemacht - offenbar haben die Nicht-Westler den kolonialen Kulturkontakt gewonnen :wink:
Spaß beiseite - ein Gedanke, den ich hieran aber anschließen kann: Offenbar finden im Westen geborene und sozialisierte Menschen ihre spirituelle Heimat in fernöstlichen Traditionen - wir dürfen also auch annehmen, dass nicht-westliche Menschen ihre spirituelle Heimat im Christentum finden. Bitte nicht als Whataboutism verstehen - mir geht es einfach nur darum, dass Mission nicht per se eine übergriffige Aktion sein muss, sondern tatsächlich für Menschen die Brücke zur ihrer spirituellen Heimat war und ist.
Mein Eindruck ist, dass dieses Narrativ bei uns kaum sichtbar ist - entweder weil die nicht-westlichen Christen „Subalterne, die man nicht hört“ (Gayatri Spivak), sind oder weil Forschungserkenntnisse meist mehrere Jahrzehnte brauchen, bis sie in die breite Öffentlichkeit getröpfelt sind.

Warum schreibe ich so eine lange Einordnung?
Weil dies meine zentrale Erkenntnis abbildet: Man muss auf Mission multiperspektivisch schauen, sonst bekommt man nur die Aspekte in den Blick, die man durch die (bewusst oder unbewusst) aufgesetzte eigene Brille sieht.
Wenn man durch die Said-Brille schaut, sieht man vor allem kulturelle Konfrontation, Übergriffigkeit, kulturelle Ignoranz, nicht-westliche Opfer. Und dieser Blick ist wichtig, denn das ist ein Wesenselement der christlichen Mission gewesen und bis heute geblieben. Und man erkennt diese Elemente auch bei den Ballers of God wieder und kann dies als „Mission als Angriff“ entlarven.
Wenn man durch die Bhabha-Brille schaut, sieht man Verschmelzung, kulturelle Neuaufbrüche, nicht-westliche agency jenseits des Widerstands. Und dieser Blick ist wichtig, denn das ist ein Wesenselement der christlichen Mission gewesen und bis heute geblieben. Und man erkennt diese Elemente bei anderen Organisationen und kann dies als „Mission als Angebot für Suchende“ wertschätzen.

Ich bin auch deshalb hier so engaged, weil mich stört, dass Nmecha und seine Buddies die Begriffe „christlich“ und „Mission“ okkupieren - und die monodimensionale Erwiderung darauf dann genau diese Vereinnahmung noch verfestigt.
Und das verfestigt wiederum auch das Narrativ, dass man gesellschaftliche Progression gegen „die Christen“ erkämpfen muss.
Dabei können Christen und gerade auch die Kirchen in Deutschland viel öfter Verbündeter sein - und Scharnier in gesellschaftliche Schichten, die nicht zur progressiven Avantgarde gehören: schon heute positionieren sich die Kirchen vehement gegen völkischen Nationalismus, ihre Jugendverbände bespielen ganz selbstverständlich Christopher Street Days, multinationale Leitungsstrukturen entstehen ganz natürlich durch die Anwerbung von Priestern „aus der Weltkirche“, Mönche lernen im interreligiösen Austausch von buddhistischen Mönche zur Weiterentwicklung ihrer Kontemplationsformen ein usw. … man muss es nur sehen können/wollen.

Zurück zu Nmecha: „An den Früchten sollt ihr sie erkennen“ - also meine volle Unterstützung für die Ablehnung dieser „Mission hin zu reaktionären Ideologien“.
Aber das bildet nicht „die Mission“ ab. Bedenkt: Mit der Mission ist es ziemlich kompliziert und alles andere als eindimensional :smiley:

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Ich stimme Deiner kritischen Anmerkung zum Schubladendenken zu. Wir müssen akzeptieren, dass wir in der Flut der Informationen und Bewertungen, deren wir tagtäglich Herr zu werden versuchen, notgedrungen auch dann gelegentlich dazu neigen, wenn wir es doch eigentlich ablehnen. Ein wichtiger Schritt ist, sich dessen bewusst zu sein. Eine missionarische Tätigkeit, wie Du sie ausgeübt hast, verdient es (wenngleich ich Deine Religionsgemeinschaft und die Details Deiner Aktivitäten nicht kenne) gerade wegen der von Dir erwähnten Toleranz anderen Glaubensrichtungen gegenüber gewiss nicht, mit den hier im Zentrum der Kritik stehenden fundamentalistischen Gruppierungen in einen Topf geworfen zu werden. Für diese ist indessen ein missionarischer Eifer üblicherweise charakteristisch. Und so kann es passieren, dass nach dem Muster “Pars pro toto” dieser Wesenszug fälschlicherweise zum Synonym für das Ganze, nämlich die intoleranten Glaubensfanatiker, gemacht wird. Danke für Deinen berechtigten Einwand!

Auch Deine weitergehenden Überlegungen finde ich bedenkenswert. Allerdings ist manche Vereinfachung ebenfalls akzeptabel. Auch in unserer zunehmend säkularisierten Gesellschaft, in der Religion von nicht wenigen mit Intoleranz und Missbrauch gleichgesetzt wird, kann man nicht von einer über den Einzelfall hinausgehenden Diskriminierung sprechen.

Was Du zur Unhinterfragbarkeit persönlicher Läuterungsprozesse sagst, ist richtig. Jemand mit einer so großen Reichweite wie Felix Nmecha täte dessen ungeachtet, wenn er sich mit seinen Äußerungen missverstanden fühlt, gut daran, so deutlich zur Aufklärung beizutragen, dass eine Minderheit, die sich ja nicht nur von seiner Seite unter Druck gesetzt fühlen muss in einer Zeit allgegenwärtigen Rollbacks reaktionärer gesellschaftspolitischer Positionen, zumindest in dieser Hinsicht sich entspannen kann. Prominenz bringt halt, eine Kehrseite der Medaille, ein Mehr an Verantwortung für dasjenige mit sich, was man, einfach so drauflos schwadronierend, in die Welt setzt. Das noch recht junge Lebensalter ist dabei keine valide Rechtfertigung, dafür gibt es genügend Berater, die ihre Schützlinge bei jeder Kleinigkeit wieder in die richtige Spur bringen.

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Erstmal herzlich willkommen im Forum @SammyFCB und @savona!

Ich finde eure Beiträge zeigen, was ich auch beim Anhören der Folge auch gedacht habe, nämlich, dass man merkt, dass Theologie/Religionswissenschaft nicht das Fachgebiet der Sprechenden ist - was man natürlich niemand zum Vorwurf machen kann. Bei der Diskussion hier und auch im Thread zu Tribünengespräch 129: Evangelikale im Fußball ist mir aufgefallen, dass in der Regel der Begriff “Mission” relativ schwammig oder umgangssprachlich verwendet wird. Aus meiner Perspektive ist weniger problematisch, dass Nmecha “missioniert”, sondern vor allem aus welcher Haltung heraus und wie und für was.

Zum Missionsbegriff hier mal ein aus meiner Sicht zumindest brauchbarer Artikel der EKD, der zeigt, dass auch diakonisches Handeln oder kirchliche Entwicklungshilfe ohne explizite Motivation Menschen zu Christ:innen zu machen unter das Begriffsfeld “Mission” fällt.

Und da ich gerade beim Schreiben den eben erschienen Beitrag von @der_boheme lese, schließe ich mich der Aussage:

an und finde das auch wichtig zum Thema “Herzenswandel”. Wenn sich ein solcher bei mir vollzieht, habe ich in der Regel das Bedürfniss meien Verfehlung irgendwie “wieder gut zu machen” und auf Grund der alten und neuen Zitate von Nmecha, die Max in dieser und den vorherigen Folgen eingespielt hat, habe ich diesen Eindruck bisher von ihm nicht (wie es in seinem Inneren aussieht, kann ich natürlich nicht sagen).

Zum Thema: Wie stehen Religionen (oder Individuen) zu Angehörigen anderer Religionen möchte ich gerne noch die Unterscheidung meines Professors für Religionswissenschaft (an einer evangelisch-theologischen Fakultät an einer staatlichen Uni) einbringen. Wenn man davon ausgeht, dass Religionen prinzipiell so etwas wie “Heil” oder “Wahrheit” vermitteln können (was Gläubige in der Regel bejaen, Agnostiker vermutlich als nichtbeantwortbar ansehen und Atheisten verneinen), dann gibt es genau drei Optionen, wie man zu religiöser Vielfalt stehen kann:

  • Exklusivismus: Ausschließlich eine einzige Religion (“meine”) kann diese Wahrheit vermitteln.
  • Inklusivismus: Es gibt in mehreren Religionen Spuren der Wahrheit/des Heils, aber eine (“meine”) vermittelt sie besser als andere.
  • Pluralismus: Mehrere Religionen (“meine” und “andere”) vermitteln unabhängig voneinander die Wahrheit/das Heil.

In allen “großen” Religionen findet man (in unterschiedlicher Anzahl) Vertreter:innen aller drei Standpunkte, wobei die “offiziellen” Standpunkte aller Religionsgemeinschaften in der Regel “exklusivistisch” oder “inklusivistisch” und eher nicht “pluralistisch” sind. Logischerweise wirkt sich der Standpunkt einzelner Vertreter:innen dann aber auch auf das jeweilige Verständnis ihres Missionsbegriffs aus und das macht es so schwierig, wenn über religiöse Strömungen und Begriffe relativ pauschal gesprochen wird. Gleichzeitig ist der Rasenfunk kein Religionspodcast und muss bei so etwas verkürzen.

Mit Blick auf den “Heilsanspruch” oder “Wahrheitsgehalt” der eigenen Religionen und auch mit der offiziellen religiösen Beurteilung von queeren Personen sind evangelikales Christentum und Jesidentum tatsächlich gar nicht so weit auseinander (wobei ich wirklich auch kein Experte für Jesiden bin), aber trotzdem kann ich gut nachvollziehen, dass man die Fälle, wie in der Sendung geschehen, unterschiedlich beurteilt. Weder Felix Nmecha noch die Spieler aus Curacao werden in ihrer jeweiligen Heimat auf Grund ihrer Religion - dem Christentum - verfolgt oder unterdrückt (Diskriminierungserfahrungen aus anderen Gründen können sie trotzdem gemacht haben und die Religion kann dann ein Mittel der Selbstermächtigung sein), während Jesid:innen auf Grund ihrer Religion in den letzten Jahren (und davor) akute Verfolgung erfahren haben. Da ich keine WM-Spiele schaue habe ich beide Szenen nicht gesehen, aber aus dem, was ich gehört und gelesen habe, ist ein traditioneller Tanz (kein Gebet), bei dem mit Antonio Rüdiger ein Mitspieler aus einer anderen Religionsgemeinschaft (nämlich der, aus der die meisten derjenigen stammen, die Jesid:innen verfolgen) mittanzt, ist aus meiner Sicht etwas anderes, als ein bewusst in Szene gesetztes Gebet mit Gleichgesinnten, um ein Statement für eine extrem exklusivistische und gleichzeitig queerfeindliche Gruppierung zu setzen. Deniz Undav wollte mit seinem Torjubel ja sehr sicher nicht dafür sorgen, dass möglichst alle Menschen auf der Welt Jesiden werden (was nach offizieller jesidischer Lehre auch sehr schwer bis unmöglich ist). Vielleicht liegt ein Unterschied in der Wahrnehmung, dass so wie ich es verstanden habe bei Nmecha der Faktor “Religion” (bei ihm eng verbunden mit gesellschaftspolitischen Ansichten, die in der Rasenfunkblase die wenigsten teilen) und bei Undav stärker der Faktor “Ethnie”/”Herkunft” (“kurdisch-jesidisch”) im Vordergrund stand.

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Danke für eure tollen Kommentare, gerade den Begriff der Missionierung haben wir eindimensional betrachtet und bei der Unterscheidung des Jubels von Undav zum Gebetskreis von Nmecha waren wir nicht gut on point. Das habt ihr besser hinbekommen.

Ein wesentlicher Punkt, und das war für uns entscheidend dafür, nochmal länger auf das Thema einzugehen, ist aber davon unberührt: Wenn Bernd Neuendorf Felix Nmecha u.a. mit dem Verweis darauf verteidigt, der habe sich entschuldigt, dann wäre es wichtig zu wissen: wo und wann. Bis heute und auch nach Kontakt mit dem DFB kann ich euch nicht sagen, wo es eine Entschuldigung gegeben hätte.

Das spricht für mich dafür, dass Nmecha eben keinen inklusiven oder pluralistischen Glauben verfolgt. Letztlich sagt er das im Podcast bei den Ballers in God explizit mit dem - für Evangelikale sehr vertrauten - Grundsatz, es gäbe nur eine Wahrheit und die läge in Jesus Christus (was für sich genommen alles heißen könnte, aber wir kennen ja seine Auslegung der Bibel). Sein Höchstmaß an Nächstenliebe für die LGBTQ+ Community ist, dass er sie „respektiert“. Dem DFB reicht das offenbar, dem BVB auch, vielen in der Öffentlichkeit auch.

Jenseits all der Dinge, die ihr zurecht ansprecht (auch Aspekte wie die Verfolgung von Christen), ist das der Kern unserer Kritik und der bleibt von euren Ergänzungen meiner Meinung nach bisher unberührt. Wenn ich das falsch zusammenfasse, korrigiert mich bitte.

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Nein, das ist genau so, wie Du sagst. Und ich sehe hier auch weder eine generelle Kritik an dem sehr guten Gespräch noch einen Anlass dazu. Dies war ja nur eines von vielen Themen und konnte daher gar nicht in allen seinen Facetten grundlegend erfasst werden. Dennoch habt Ihr es ausgesprochen informativ und aufschlussreich behandelt. Mehr kann man nicht verlangen.

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Das ist der zentrale Unterschied zum Sachverhalt Nmecha. Danke @Stadionpfarrer1898

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Ich weiß nicht wo ich es platzieren soll, daher hier:

Ich finde gut wie Leweling auf der PK zum Thema Sané reagiert. (Ab 16:52)

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Ist auch richtig so.

Einerseits wird die ganze Zeit gefordert, dass wir eine Nationalmannschaft mit klarer erster 11 haben, die sich einspielen kann und Kontinuität und Routinen entwickelt (am besten schon seit Februar die gleiche) und zugleich wird nach jedem Spiel die Startelf hinterfragt und über mögliche Rotationen gesprochen. Ich nehme da den Rasenfunk auch echt nicht von aus. :wink:

Wenn Deutschland gegen Ecuador gewinnt, haben wir übrigens die längste Siegesserie, die eine deutsche Nationalmannschaft JE hatte. (12 Siege am Stück gleichauf mit 2.Mai 1979 - 14. Juni 1980)

ich finds gut und gleichzeitig auch „nicht ideal“. Ich finds gut, dass er sich wie auch schon Undav damals bei nem Post-Match-Interview nach einem Spiel, in dem (soweit ich richtig erinnere) Sané augepfiffen wurde, inhaltlich mit den Worten „Wir sollten unsere Spieler nicht auspfeifen“ - und im Endeffekt hat Leweling das ja auch gespiegelt mit der Aussage „dass er es nicht gut findet, dass sich Medien auf einen Spieler einschießen“.

Mir hat das Argument, dass Sané diesen und jeden Titel gewonnen, in der Premier League gespielt hat und dass er vor 4 Jahren zu ihm aufgeschaut hat" insofern nicht so gut gefallen, als dass Vergangenes keine Basis für die aktuelle Bewertung sein sollte. Gehe aber schon mit, dass Sané nicht so schlecht spielt wie er gemacht wird und dass er vielleicht mehr an Zahlen (Tore, Assists,…) gemessen wird als andere Offensivspieler . Musiala hat beispielsweise im zweiten Gruppenspiel auch offensiv keinen Scorer gesammelt und er wird weniger kritisch gesehen, was sogesehen unfair ist weil ich Musiala defensiv nicht stärker als Sané gesehen habe.

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Zur Nmecha-Thematik , die ja ausführlich betrachtet wurde, hier meine „two cents“:

  • Gebet nach dem Curacao-Spiel im Vakuum betrachtet: unproblematisch und eine schöne Geste
  • im Kontext schon problematisch, für mich hat das bisschen geschrien nach „große Bühne und Aufmerksamkeit“ und damit viele Gespräche und Berichte über das Gebet. Und damit natürlich Auftrieb für mögliche Missionierung durch mehr Präsenz seinerseits
  • für mich führt er bestimmte Werte des Christentums ad absurdum. Nächstenliebe - ja aber nur selektiv.
  • LGBT gehören in seinem Weltbild gemessen an vergangenen Aussagen nicht zur erlesenen Gruppe derer, denen er Nächstenliebe zukommen lassen möchte.
  • Menschenwürde ( Jede Person ist ein Geschöpf Gottes und besitzt einen unantastbaren Wert, unabhängig von Herkunft, Status oder Leistung.) sehe ich in Bezug auf beispielsweise LGBT nicht, wurde schon erklärt. „Wer Pride durch Reposts mit dem Teufel in Verbindung setzt[…]“, Quelle: NTV-Interview mit Ronny Blaschke.
  • je nach Definition kann man auch den Begriff Gerechtigkeit als christlichen Wert nennen, und das würde ja auch bedeuten (können) dass jeder Mensch gleich gerecht behandelt wird.

EIne Möglichkeit, seinen „Glauben“ oder seine Kultur ohne viel Worte Ausdruck zu verleihen, wäre natürlich die Tanzgeschichte von Deniz Undav, der seinen Tanzjubel ja gemacht hat, ohne dass er wie schon beschrieben „missionarisch“ tätig würde, was ja im jesidischen Glauben meines Wissens nicht möglich ist (Jeside kann man nur sein, wenn man in eine entsprechende Familie hineingeboren wurde). Da hat Toni Rüdiger ja einfach mitgemacht, dem ja in der Vergangenheit bestimmte Glaubensausübungen negativ ausgelegt wurden (absurderweise, ich sage nur die Finger-Geschichte) und dem sein Glaube als Muslim medial oft negativ ausgelegt wird - kann mich aber nicht erinnern, dass er sich jemals negativ gegenüber LGBT geäußert hätte - entweder weil er schlau ist oder weil er Dinge mit seinem Glauben für sich behält und das privat lebt. Fand ich persönlich im Nachinein betrachtet die „schönere“ Geste interkultureller Verständigung als die Gebetsgeste

Ich stelle jetzt auch einfach mal provokant die Frage, ob Nmecha da auch mitgemacht hätte, weil er damit ja Anerkennung für einen anderen Glauben ausgedrückt hätte. Ich hab ihn bis jetzt nicht interreligiös wahrgenommen sondern nur intrareligiös.

Im Endeffekt: Nmecha sollte man wie bei allem im Leben im Kontext betrachten und nicht im Vakuum, weil das Vakuum sozusagen wichtige Informationen „verschluckt“. Und man kann auch differenzieren - gleichzeitig Nmecha für Aussagen und Taten kritisieren, aber anerkennen, dass er in den auffälligen SItuationen eine wirklich gute WM spielt

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Danke, dass Ihr das Thema Concussion Protocol noch mal angesprochen habt. Mich wundert, wie wenig das von Kommentatoren der Spiel kritisch eingeordnet wird, wenn Spieler nach massiven Kopfzusammenstößen umgehend weiterspielen nach ein wenig Eis auf die Rübe.

Die FIFA hätte locker die WM nutzen können, um hier gute Standards aus anderen US-Sportarten (NFL) zu überführen in die Fußballwelt. Das wäre im Sinne der Gesundheit der Profis. Stattdessen Trinkpausen auch bei 19 Grad.

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Das Trinkpausenthema wurde ja auch offensichtlich entlarvt, nachdem das Spiel von Frankreich und Irak für knapp 2 Stunden unterbrochen wurde wegen Gewitter. In der zweiten Halbzeit hat man dann entsprechend auf die „Trinkpause“ verzichtet, weil das Spiel so schon eine Verzögerung hatte, die lang genug war (oder anders gesagt konnte schon genug Werbung in der Wartezeit plaziert werden :zany_face: ).

Zum Thema Kopfverletzung ist mir gestern die Szene zwischen Ghana und England negativ aufgefallen als es einen Kopf-an-Kopf-Prall gab und der Kommentator einfach drüber wegmoderiert hat „ja der hat jetzt einen Eisbeutel am Kopf zur Kühlung“. Wahrscheinlich hast du dich darauf bezogen

Jemand, der trotzdem noch spielt, ist doch ein ganzer Kerl :flexed_biceps:t2:

interessanterweise hat der Schiri ja sogar das Spiel unterbrochen, was nach neuer Regel bedeuten würde, dass die verletzten Spieler eine Minute vom Feld müssen, egal ob sie auf dem Platz behandelt werden, oder nicht. Der Schiri hat sie aber nicht vom Feld geschickt, weil es interessanterweise eine Ausnahme gibt:

„A player is not required to leave the field of play for one minute when: […]
there is an injury for which Law 5 permits a player to be treated on the field of play: […]
a severe injury has occurred, especially a head injury (e.g. concussion), cardiac issue or life-threatening event (e.g. seizure, choking etc.)“

Die Regel ist offensichtlich dafür gedacht, Schauspielerei zu bestrafen und nicht verletzte Spieler zu schützen. Wenn die Verletzung schwer genug ist, darf man auf dem Platz bleiben :face_with_spiral_eyes:

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Warum dann überhaupt missionieren? Für mich stellt das einen Widerspruch dar.


Ich halte das jetzt mal bewusst kurz.

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Ich nehme hier mal ganz bewusst ein abstraktes Beispiel:

Wenn du Veganer bist, dann bist du ja wahrscheinlich überzeugt, dass das richtig ist. Aus verschiedenen Gründen. Und vielleicht versuchst du auch deine Freunde oder Bekannten davon zu überzeugen, dass es richtig ist Veganer zu sein. Das wäre dann deine Missionierung. Aber es ist schon ein Unterschied, wie sehr man das versucht und ob man den anderen Leuten zugesteht auf ihre eigene Art und Weise zu leben. Man muss die andere Lebensweise nicht gleich schlecht machen.

Oder in der Politik. Ich habe einige Freunde, die sehr wahrscheinlich andere Ansichten haben als ich oder andere Parteien wählen als ich. Trotzdem kann ich deren Ansichten akzeptieren. Erst wenn es in Extreme abdriftet, dann wird es schwierig.

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Es hat wohl auch mit einem Gefühl der Verantwortung zu tun, sei es für andere Menschen, häufig Nahestehende, sei es für die Welt. Und je größer die Überzeugung von der Richtigkeit der eigenen Weltsicht, des eigenen Tuns, der gewählten Prioritäten, desto größer die Versuchung, dabei zu weit zu gehen. Leute, denen das alles egal ist, die sich für nichts anderes als ihr eigenes Wohlbefinden engagieren, sind im Prinzip auch nicht besser, und auf der Gegenseite ist das Bedürfnis, in Ruhe gelassen zu werden, bei aller unstrittigen Berechtigung auch nicht die höchste aller denkbaren Tugenden. Im Gegenteil: manchmal ist es gut, wenn es Unbequeme gibt, die andere aufrütteln, aber auch motivieren, ihr Bewusstsein auf Wesentliches lenken können. Wahrscheinlich ist es vor allem eine Frage des richtigen Maßes und der Bereitschaft, zum eigenen Standpunkt zwar stehen, ihn aber auch hinterfragen zu können und nicht verabsolutieren zu müssen.

Ist dein Veganismus-Beispiel nicht im Gegenteil ein sehr konkretes?

Und aus meiner Sicht kein passendes, da „missionieren“ eben nicht ein bisschen die Trommel rühren für Sachen ist, die man selbst gerade dufte findet, sondern:

Vielleicht auch eine Frage deines persönlichen Hintergrundes. Im Daoismus z.B. muss es nicht automatisch schlecht sein, wenn man nichts tut:

„Die beste Übersetzung des Begriffes Wu Wei wäre somit „Nicht-Eingreifen“, „tätiges Nichthandeln“ bzw. als Wei Wu Wei „Handeln durch Nicht-Handeln“, und es handelt sich um eine Art von kreativer Passivität.“

Sprichst du hier noch vom Missionieren?

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Es ist halt aber immer noch ein Unterschied, ob ich jemand von etwas überzeugen will, das per se niemandem anders schadet oder ob ich eine intolerante, homophobe, quer-feindliche Religion verbreite, die sehr wohl negative Konsequenzen hat, wie man gerade in USA deutlich sieht!

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