Tribünengespräch 43 – Das Jahrzehnt der Bayern (und des deutschen Fußballs)

Wir haben versucht, das verrückt erfolgreiche Jahrzehnt der Bayern einzuordnen in einen größeren Kontext. Gäste waren Steffen Meyer (@DerBayernBlog) und Florian Bogner (@flopumuc). Wie hat euch die Folge gefallen?

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Perfekt für meine Rückfahrt von München nach Bremen. Atmosphärisch eingestimmt. Schön, dass es wieder losgeht!

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Ist das jetzt ein Kommentar zur Sendung oder ein genereller?

Sorry, ein genereller. Hab mich nur sehr gefreut, dass es wieder losgeht und musste das wohl loswerden :slight_smile:
Bin gerade bei Stunde zwei…
Liebe Grüße!

Ich persönlich konnte aus der Folge leider in der Summe realtiv wenig ziehen.
Liegt aber vor allem daran, dass ich der Sache in den letzten 10 Jahren selbst aktiv genug gefolgt bin, nicht an der Machart der Folge. So war es halt ein Recap von Dingen, die ich eh schon weiß.

Interessant fand ich die winzige Randbemerkung zum Sounddesign der PL-Spiele gegenüber der Bundesliga. Beim Sound war mir das noch gar nicht aufgefallen.
Aber ich musste musste sofort an das Bilddesign denken, bei dem die PL ebenfalls allen anderen weit voraus ist. Vergleicht mal als Extrembeispiel die Farben bei PL-Übertragungen mit denen der Serie A oder von La Liga. Das spielt unterbewusst in der Wahrnehmung eine riesen Rolle

Bezog sich auf den Kommentar von @Rasmus, der ist aber inzwischen gelöscht. Sorry für die Verwirrung.

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So, dank der langen Zugfahrt schon durchgehört. Bin ja Werderfan, das war deswegen gerade gegen Anfang auch traurig zu hören :slight_smile:
Insgesamt sehr interessant, für mich, die nicht so nah an Bayern dran ist (siehe oben) natürlich besonders die Stellen, in denen es im die Entwicklung der Liga insgesamt ging und was Bayern, Dortmund und leider jetzt auch Leipzig da für eine Rolle spielen. Ich bin eher skeptisch, dass es die Liga schafft sich ein Konzept auszudenken, damit es spannend bleibt, also mehr Gleichberechtigung herrscht. GLaube da eher auch an (ich glaube es war) Steffens Einschätzung, dass Corona die Ungleichheit eher verschärft, so wie es ja auch im Rest der Welt passiert.
Zwei Sachen: als es um die Saison 15/16 ging fiel glaube ich der Satz von Max, dass die Bayern da schon langsam mit dem Umbruch der Mannschaft angefangen haben und deswegen erfolgreicher sind, was mich gewundert hat, weil ja bevor Robbery aufgehört haben doch immer der Vorwurf da war, dass sie den Umbruch eben nicht planen.
Außerdem: von außen gesehen finde ich das Triple irgendwie nicht ganz vollwertig im Hinblick auf die spezielle Saison durch Corona. Das kam mir dann am Ende irgendiwe zu kurz. Das war doch eine ganz andere Art von Championsleague diesmal. Deutschland ist insgesamt bislang recht gut durch die Krise gekommen, was denke ich schon auch Einfluss auf den Fussball hat, zumal die Liga dann auch so einen, gelungenen Start hingelegt hat (jedenfalls aus Sicht der anderen Ligen und der Liga selbst). Auch dass die Ligen so unterchiedlich lange in den Sommer reingespielt haben und die Trainingsmöglichkeiten vor dem Tunier. In meinen Augen hatte Bayern da Vorteile. Hat Steffen (glaube ich) auch gesagt, dass dieses zyklische Spielen Hansis Flicks Idee vom Fussball entgegenkommt und man jetzt auch sehen muss, wie das nächste Saison wird. Ich bin da etwas kritischer, kann mir auch vorstellen, dass Flick vielleicht bald gar nicht mehr so unumstritten ist.
Vielen Dank! Schön, dass es jetzt Honorare gibt! Wie oben schon erwähnt :): schön, dass es wieder losgeht mit dem Rasenfunk!

Die Diskussion rund um 1:17h sollte man in Zukunft, da man ja beim RaFU dialektisch daran herangeht :heart: , auf zwei Kategorien beziehen:
„Ist die Entwicklung der Bayern in den letzten 10 Jahren eine Heldengeschichte - Kategorie a) innerhalb Deutschlands? - Kategorie b) in der Vertretung des deutschen Fußballs nach Außen?“

Interessant ist, dass der anwesende Bayernfan, als Sprecher für die Heldengeschichte, einerseits schildert, wie er sich gefühlsmäßig gedemütigt gefühlt hat, als Dortmund das Pokalfinale mit 5-2 gewann und selbst befürchtet hat, dass diese Bayerngeneration „eine unvollendete“ sein könnte, und andererseits den Gewinn der Championsleague ein Jahr später als Beleg für ein „nicht kleinzureden[des]“ Achievement der Bayern nennt. Das Pokalfinale bezieht sich auf den nationalen Fußball, in dem Bayern selbst zu schlimmsten Zeiten 100 Mio EUR mehr Jahresetat (30% bzw. 50 %) als der nächstbeste Club aufbringt („Ker, wat erbärmlich!“ irony). Das Zweite bezieht sich auf einen Wettbewerb, in dem Bayern die Rolle innehat, die Dortmund innerhalb Deutschlands fährt. Mit den Worten Horst Heldts: „Da sein müssen, wenn die etatmäßigen Favoriten straucheln“. Gleichwohl (s.u.) sind 2013 und 2020 unterschiedlich zu bewerten.
Ich erinnere mich noch gut, dass jede/r Fußballfan seinerzeit davon ausgegangen ist, dass die Bayern bereits mittelfristig wieder regelmäßiger Abo-Meister sein werden. Die Etat-Gap bestätigt dies ja auch - und diese ist ja auch seit dem weiter gewachsen. Es lässt indes tief blicken, dass eine Bayerngeneration ohne CL-Sieg von den eigenen Fans als unvollendet gesehen wird. Dass ein Bayernfan jetzt sagt, er habe damals Befürchtungen geschoben, kann man fast schon als Komplex abtun (;
Nach Außen hin war 2013 eine positive Offenbarung des deutschen Fußballs - belegt durch den maßgeblich durch Bayernspieler 2014 errungenen WM-Titel und das Auftreten der Guardiola-Bayern eben auch international.
Der CL-Sieg 2020 war dafür eher aus der Kategorie „da sein, wenn die Favoriten straucheln“. -> In der ganzen Zeit sind die bald 10 Meistertitel in Folge innerhalb Deutschlands allerdings kein übertriebenes Ruhmesblatt.

Jedem Bayernfan sei die Genuggtuung gegönnt! Wenn Zeitungen 2013 von „Wachablösung“ geschrieben haben, war dies aber eben einfach keine intellektuell anspruchsvolle Betrachtung der Gegebenheiten, wie wir sie vom RaFu kennen.

Also ich würde die Bayern international nicht als zweitklassig bezeichnen. Neben Barcelone und Real waren die Bayern DIE Topmannschaft in der CL. Das gesamte letzte Jahrzehnt (von 2009 bis jetzt 2020) war im Prinzip eine Machtdemonstration dieser 3 Mannschaften. Nicht nur was die Titel angeht sondern auch bei den Teilnahmen im Halbfinale wird das sehr deutlich. von diesen 3 Mannschaften standen eigentlich immer mindestens 2 im Halbfinale. Eine spanisch-deutsche Ära, wenn man so will. Was man auch bei den Nationalmannschaften wiederfindet.
Ganz krass im Gegensatz dazu waren die Jahre davor (insbes. 2006-2009) unter englischer „Vorherrschaft“.

Der Sieg der Bayern in der CL war daher nicht so ganz überraschend, wenn auch etwas begünstigt durch den Saisonverlauf. Trotzdem hat man bei den Bayern inzwischen den Eindruck, dass sie den Umbruch besser hinbekommen als Barca und Real, die noch zu sehr an den alten Leistungsträgern hängen und es nicht schaffen die Nachwuchstalente besser in die Verantwortung zu nehmen. Das nächste Jahrzehnt wird dann vielleicht von Liverpool, ManCity, PSG (und evtl. den Bayern) dominiert.

Sehr interessant auch als Dortmund fan. Hat Spass gemacht die letzen 10 Jahre nochmal nachzuerleben. Gewundert hat mich ein bisschen das ihr gar nicht ueber die Verpflichtung von Alonso geredet habt. Dachte das hatte auch einen relative grossen Impact auf die Erfolgsgeschichte von FC Bayern.

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Super Thema, schön umgesetzt mit den beiden tollen Gästen. Ist ja nicht nur eine Bayern- sondern eine Geschichte der ganzen Liga, auch wenn Bayern in diesem Jahrzehnt tatsächlich so dominant ist wie zuvor wohl noch nie.
Nur eines, habt ihr die Saison 2017/18 (das jüngste Heynckes-Intermezzo) vergessen oder habe ich diese überhört?
Freue mich ansonsten auch wie @Rita , dass es endlich wieder weiter geht.
Grüße!

tl;dr: So lange Geld und Strahlkraft anderer Vereine/Ligen den strategischen, mittel- bis langfristigen Aufbau eines Bayern-Konkurrenten in Deutschland beeinflussen kann, so lange wird es nicht mehr möglich sein, ohne starke, externe Zwänge und Liga-Reboot unter neuen Spielregeln und Voraussetzungen, die Bayern auch nur ansatzweise und substanziell zu gefährden.

Sehr interessante Folge mal wieder, vielen Dank an alle Beteiligten.
Grundsätzlich kann ich als jahrzehntelanger BVB-Anhänger den im Podcast genannten Gründen zum Zustand der Bundesliga zu 90% zustimmen. Ich habe allerdings ein Problem mit der Aussage, dass der Liga eine Person oder Mannschaft fehlt, die den unbedingten Willen hat die Bayern dauerhaft anzugreifen. Dortmund versucht genau das seit gut 10 Jahren. Der Spaß funktioniert unter den v.a. arbeitsrechtlichen Möglichkeiten in Europa leider nur nicht. Man kann noch so gut scouten, verpflichten, trainieren und taktieren…die besten Spieler wollen irgendwann weg. Zu Bayern, Barca, you name it. Und da spielt nicht nur Geld eine Rolle, sondern halt auch die Strahlkraft der Vereinsnamen und Ligen.

Das Problem ist jetzt: Du kannst es ihnen nicht verbieten wechseln zu wollen. Aber genau das bedeutet aber jedes Jahr wieder einen Set-Back der Leistungsfähigkeit, Eingespieltheit des Kaders.

Klar, man kann Verträge über 6, 7, 8 Jahre schließen und auf deren Einhaltung bestehen. Was erreicht man damit? Einen beleidigten Star-Spieler der sich weigert zu spielen, auf die Tribüne gesetzt wird, der Mannschaft dadurch auf dem Platz nicht hilft und Abseits des Platzes wahrscheinlich sogar noch schadet. Irgendwann (ziemlich zeitnah) gibst du so einen Spieler dann ab. Zwar gegen eine schöne Stange Geld, aber sportlich hilft es dir auch nicht weiter.
In der Hinsicht machen die US-Ligen es besser, allerdings kann man ein System mit Draft (aus welchen Ligen soll gedraftet werden?) und Salary Cap in Europa nicht durchsetzen. Vor allem auch dank Bosman und dem grdsl. Recht auf freie Wahl des Arbeitgebers, welches ja in den US-Ligen überhaupt nicht gegeben ist. Dort gehören die Rechte an einem Spieler dem verpflichtenden Team, welches dann zu 100% über dessen Schicksal bestimmen kann. Klar gibt es auch da Ausnahmen (NFL, Eli Manning zu den Giants statt zu den Chargers) aber die kommen im Verhältnis sehr, sehr selten vor.

Was vielleicht funktionieren würde: Ein Verein baut eine Mannschaft aus Spielern auf, bei der jeder die eine Mischung aus Kevin Großkreutz (Verinsliebe und -treue) und Marco Reus (v.a. Talent, aber auch Verbundeheit zum Verein) ist. Wie wahrscheinlich ist das wohl, dass genau sowas passiert?!

Die freie Wahl des Arbeitsplatzes könnte man umgehen, indem die Spieler nicht bei den Vereinen, sondern bei der Liga angestellt wären. Die Vereine wären dann eben nur einzelne Filialen des Mutterkonzerns. Und da kann der Arbeitgeber durchaus bestimmen, wo der Spieler zu arbeiten hat. Nur würden die Vereine da natürlich niemals mitmachen.

Aber das ganze System ist in den USA eben anders. Da gibt es ja auch keinen Auf-/Abstieg, sodass man praktisch ohne Konkurrenz von unten oder außen agieren kann. In Europa wird dann eben die Liga gewechselt oder man geht direkt nach China/Katar um mehr Geld zu bekommen.

Wenn man ein ähnliches System wie in den USA will, dann geht das wohl nur mit der Einführung der europäischen Superliga, bei der Mannschaften eine Lizenz von der UEFA bekommen. Eine typische Quali über die nationale Liga geht dann nicht (und bedeutet dann automatisch das Ende der jahrzehntelangen gewachsenen Traditionen im europäischen Fußball und es wäre natürlich der Tod für alle Fußballromantiker, die davon träumen den eigenen Verein mal in der CL zu sehen).

Endlich wieder Rasenfunk, und gleich so ein geniales, langes Tribünengespräch - danke dafür!
Für die Statistik: Ich bin kein Bayern-Fan, das war aber nicht abträglich.

Besonders spannend fand ich die Frage, die @GNetzer aufgeworfen hat: Welches Produkt will der Fußball bzw. die Bundesliga sein? Die Frage ist tatsächlich bisher völlig unterbelichtet und leider haben auch die Gäste offenbar wenig Lust gehabt, darauf einzugehen.
Denn an dieser Frage entscheidet sich meiner Meinung nach, ob Leistungen des FC Bayern wie acht Meistertitel in 10 Jahren zu würdigen sind, wie @DerBayernBlog nicht müde wurde zu betonen, oder auch der CL-Halbfinaleinzug der Dosen, oder eben nicht.
Soll also - entsprechend der Bayern-Argumentation - der deutsche Fußball „europäisch wettbewerbsfähig“ sein, soll der Fußball als Sport als solcher möglichst „gut“ (schnell, ein Minimum an Fehlern, viele Tore und wenige Gegentore) sein? Dann sollten - wie bisher - die erfolgreichen gepampert und finanziell entsprechend entlohnt werden. Oder geht es um Unterhaltung, um Abwechslung und Unberechenbarkeit des Ausgangs von Spielen? Dann ist ein System vergleichbar dem der US-Sports vorzuziehen.

Die DFL sollte dabei gewissermaßen das deutsche Kartellamt des Fußballs hierzulande, die Wettbewerbsaufsicht sein. Und dafür wäre wiederum ein klares Bild nötig, welche Art von Wettbewerb gewünscht ist. Bislang fehlt in meinen Augen eine dementsprechende, klare Positionierung.
Natürlich sind dort die großen bislang als TV- und damit Geldmagneten dominant, und ein Uli Hoeneß hat in einem neueren FAZ-Interview recht deutlich gesagt, dass er ein System wie das der NBA nicht ertragen könnte, wenn erfolgreiche, selbst aufgebaute Teams systemgewollt wieder schwächer werden. Das entspriche sinngemäß nicht seinem Leistungsgedanken. Von der DFL in der aktuellen Form erwarte ich daher leider keinen substanziellen Beitrag.
Für mich stellt es sich de facto so dar, dass die DFL die erstgenannte Alternative entsprechend der Bayern-Argumentation lebt. Persönlich gefällt mir die zweite Variante besser, da ich die taktischen Finessen - trotz toller Erklärungen von @Taktikfuchs123 - im laufenden Spiel ohnehin nicht erkenne und verstehe. Die Bundesliga finde ich zumindest im Top-Segment derzeit einfach langweilig. Die CL ist dagegen bereits ein faktischer closed shop und daher unterhaltsamer. Aber auch die CL verfolgt natürlich keinen konsequenten US-Sport-Ansatz. Ich wünsche mir eine klare strategische Ausrichtung: Welche Art von Wettbewerb wollen Buli und CL sein?

Auch wenn die DFL für den deutschen Fußball diese Debatte wohl kaum führen und eine klare Positionierung in die eine oder die andere Richtung vornehmen wird (ich erwarte von dem neuen Arbeitskreis so wenig wie @GNetzer), würde ich mich umso mehr über weitere Debatten darüber auch im Rasenfunk freuen.

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Als nicht Bayern Fan fand ich die Folge dennoch sehr interessant und unterhaltsam. Bei zwei Themenkomplexen war ich etwas ueberrascht, dass sie nicht aufgenommen wurden:

  • Der Umgang von Pep Guardiola mit Verletzungen, das schnelle Rueckholen von verletzten Spielern und die ganze Saga um die aerztliche Betreuung wurden ausgespart. Gefuehlt hat das Thema doch etwas Unruhe in den Verein reingebracht.
  • Auch die „Grundrechte“ PK wurde gar nicht erwaehnt.

Bezueglich der Diskussion um die Deklaration von Vereinszielen fand ich die Diskussion etwas kurz gegriffen. Im vergangenen Jahr hat Dortmund die Meisterschaft als klares Ziel definiert, das ist dann aber irgendwie ziemlich in die Hose gegangen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man dieses mal sich deshalb nicht wieder so oeffentlich hinstellen will. Stattdessen geht man zu dem Kredo - was ja bis in die Klopp Jahre zurueckgeht - zurueck und kommentiert Vereinsziele nicht oeffentlich. (Auch wenn Favre jetzt den DFB Pokal als Ziel ausgerufen hat)

P.S. Irgendwo bei 3:17 spricht einer der Gaeste von „Menschen“ und korrigiert sich dann zu „Spieler“, da musste ich ein wenig schmunzeln.

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Von mir auch nochmal ein großes Danke an die schöne Folge. War ein toller Aufgalopp in die neue Saison.

Während der Folge wollte ich so viele Dinge einwerfen, habe mir dann aber einige Tage zu viel Zeit gelassen. Das würden jetzt nur lose Kommentare werden.

Am Ende der Folge blieb für mich eine sehr fatalistische Grundstimmung zurück, die ich aber dem gesamten Fußballgeschäft gegenüber so empfinde.

Ich hatte noch einige kleine Kritikpunkte, die ich aber jetzt einfach unter den Teppich kehren möchte.

Abschließend noch großes Kompliment an Steffen, dessen Louis van Gaal Imitation echt gut gesessen hat.

Sehr interessanter Rückblick, auch als nicht-Bayern-Fan (bzw sogar für einen Dortmund-Fan). In dem Sinne, vielen Dank dafür!

Aber wie auch schon andere vor mir (vor allem Dortmunder) muss ich auch noch einmal auf ein Thema eingehen. Die Aussage „keiner will die Bayern herausfordern“ habe ich jetzt schon so häufig gehört in den letzten Jahren, dass mir inzwischen richtig der Hut hoch geht.

Daher muss ich hier mal einen längeren Rant loswerden, wobei es generell um diese Aussage geht und nicht im speziellen um das Tribünengespräch:

Rant (hier klicken)

Vorab möchte ich noch sagen: Natürlich macht Bayern vieles richtig. Sie haben ihre Möglichkeiten in der Regel sehr gut genutzt und stehen auch relativ verdient da oben. Aber dazu gehört nicht nur ihre Finanzkraft, sondern auch die „Strahlkraft“. Selbst wenn ein BuLi Verein das gleiche Gehalt zahlen könnte, würden die Spieler zu Bayern gehen. Dort bekommen sie zum Gehalt noch hohe Titelchancen und damit auch noch die mediale Plattform sich selbst noch besser zu vermarkten.

Nun aber zur Aussage „keiner will die Bayern herausfordern“, welche in der Regel mit Blick auf Dortmund getätigt wird. Daher möchte ich hier mal in Kürze die letzten 8 Jahre von Dortmund umreißen:

Während der Pep-Ära war Dortmund zumeist ein solider Zweiter (bis auf die Seuchen-Saison 2014/15). Zu der Zeit hätte auch niemand dem BVB vorgeworfen, dass er es „nicht genug gewollt“ hätte, einfach weil die Bayern überragend gespielt hatten.

Diese Frage kam – soweit ich mich erinnere – erst ab der Saison 2016/17 auf, als die Bayern unter Ancelotti anfingen zu schwächeln. Aber zu der gleichen Zeit begannen auch die turbulenten Jahre Dortmunds. Trotz gegenteiliger Ankündigung Watzkes, brach im Sommer 2016 die Achse Hummels-Gündogan-Mkhitaryan weg und Dortmund war gezwungen den Verlust irgendwie auszugleichen. Das hat auch teilweise ganz gut geklappt (Dembele, Guerreiro, Bartra) auch wenn ein paar Spieler nicht gezündet hatten (Schürrle, Götze, Rode, Mor, Isak).
In der folgenden Saison wurde es dann aber noch wilder, woran der Verein aber nur zum Teil selbst schuld war. Nach dem versuchten Mordanschlag im April 2017 musste der BVB sich im Sommer komplett neu strukturieren. Auch wenn es nicht immer kommuniziert wurde, haben einige Spieler sicherlich in Folge des Attentats den Verein verlassen (z.B. Bartra oder Ginter), andere leiden auch heute noch unter den Folgen. Zusätzlich wurde dadurch auch endgültig die Tischdecke zwischen Tuchel und Vereinsspitze+Teile der Mannschaft zerschnitten und – last but not least – haben sich dann auch noch Dembele und Aubameyang aus der Mannschaft gestreikt. Deher musste der BVB im zweiten Jahr in Folge hektisch einen neuen Kader zusammenbasteln.

Als Favre dann im Sommer 2018 kam, war der BVB-Kader eine viel zu große Ansammlung aus „guten“ Spielern, der aber nicht wirklich auf eine Spielweise abgestimmt war. Es fehlt auch einfach an Top-Spielern um wirklich wieder oben anzugreifen. Daher musste der Verein den Kader für die Saison 2018/19 schon wieder umkrempeln und drastisch Spieler aussortieren. Die komplette Neustrukturierung dauerte (wie von Watzke angekündigt) dann auch zwei Jahre und gipfelte in der „Transferoffensive“ letzten Sommer mit Hummels, Hazard, Brandt, Schulz und im Winter noch Can und Haaland. Die letzte Saison von Dortmund war dann auch gar nicht so schlecht, aber Bayern war halt einfach unfassbar gut unter Flick, inklusive Sieg der CL.

Der jetzige Sommer 2020 war das erste mal seit 2015, dass der BVB nicht seinen halben Kader umbauen musste. Dies sieht man auch sehr gut in den Transferumsätzen (also Summe aus Transfereinnahmen und -ausgaben):

  • 2012/13: 60 M€
  • 2013/14: 100 M€ (inkl. 37 M€ durch Götze)
  • 2014/15: 70 M€
  • 2015/16: 63 M€
  • 2016/17: 232 M€
  • 2017/18: 384 M€
  • 2018/19: 204 M€
  • 2019/20: 273 M€
  • 2020/21: >57 M€ (Transferperiode noch nicht zu ende)

Wenn sich nun also jemand hinstellt und sagt „ich weiß einfach nicht, warum die anderen nicht angreifen WOLLEN“ fühlt sich das für mich ein bisschen an wie ein Tritt zwischen die Beine. Auch die schöne Aussage „man muss da sein wenn die Bayern mal schwächeln“ hilft da nicht. Die schlechteste Bayernsaison der letzten 8 Meisterschaften beendeten die Bayern mit 78 Punkten und einer Tordifferenz von +56. Damit wären sie besser als ALLE anderen Meister seit Einführung der 3-Punkte-Regel mit Ausnahme von Dortmund 2011/12. Na klar müssen die anderen Vereine da sein, wenn Bayern schwächelt… aber das haben sie halt nie wirklich getan. Sie waren ab und an nur „sehr gut“ anstelle von „unfassbar viel besser als der Rest“.

Natürlich ist Dortmund dabei nicht ein hilfloses Opfer. Der BVB hat auch dämliche Fehler gemacht und falsche Entscheidungen getroffen und ist dennoch finanziell stärker ist als 15 andere Teams in der Liga.
Aber um im Star Wars Bild von Max zu bleiben: Dortmund ist nicht Luke im X-Wing, sondern eher ein Sternenzerstörer. Er sollte eigentlich die meisten anderen Schiffe die da so rumfliegen besiegen können, aber ab und an fliegt dann doch einmal ein kleiner Rebellen-Jäger in die Kommandobrücke und das große Schiff verliert. Aber dann steht jemand daneben und fragt sich warum der Sternenzerstörer, der ständig auseinandergerissen und schnell wieder zusammengeflickt wurde, sich nicht mit dem Todesstern anlegen wollte.

Dazu verstehe ich noch nicht einmal was die Leute meinen mit „die Bayern herrausfordern“? Den Spielstil so optimieren, dass man die zwei Spiele der Saison gegen die Bayern gewinnt? Und dann steht man gegen eine tiefstehende Mannschaft wie der Ochs vorm Berge? Ich denke mir mal die Vereine tun alle ihr Bestes mit dem was sie zur Verfügung haben. Manche haben halt Pech oder Unvermögen, bei anderen fehlen die Mittel trotz guter Arbeit (siehe Freiburg). Dortmund hat die letzten Jahre auch immer wieder kommuniziert, dass sie Bayern angreifen wollen, aber dann ist es ihnen aus Gründen auf die Füße gefallen. Natürlich hat sich der BVB auch nicht mit Ruhm bekleckert, als er sich die letzten Auswärtsspiele in München kampflos auf den Rücken gelegt hat. Aber an dem einen Spiel der Saison festmachen, dass keiner die Bayern herausfordern will, finde ich etwas weit her geholt.

Und am Ende des Tribünengespräch kam dann noch ein kurzes Thema, weshalb ich mich jetzt doch entschieden habe diesen Beitrag zu verfassen. Ihr hattet diskutiert, dass der FCB sich langsam überlegen sollte wie und wann man Alaba und Müller langfristig ersetzen könnte/sollte. Es gibt in der BuLi genau KEINEN anderen Verein, der den Luxus hat sich so eine Frage zu stellen. Die Spieler sind schon Jahre vorher weg, oft kurzfristig und via Ausstiegsklausel. In meinen Augen (bzw Ohren) hat genau diese kurze Diskussion das Problem der Bundesliga zusammengefasst.

So, rant zu Ende :wink:

Aber wie gesagt: Im Gesamten war die Folge sehr interessant und hat mir auch zu 95% sehr gut gefallen, obwohl ich mich sonst eher nicht für den FCB interessiere.

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Als Nicht-Dortmund-Fan: Volles Verständnis für den Rant, wenn ich BVB-Anhänger wäre würde mir die ganze Diskussion auch so was von auf den S… gehen :wink:

Ich bin absoluter Bayernfan. Ich empfinde aber schon einiges ähnlich wie Max Ost, gerade im Bezug auf den Umgang mit der Presse seitens des Vereins. Daher habe ich den Podcast mit gemischten Gefühlen gestartet. Hervorragend dargestellt, die Einblendungen mit den Tonaufnahmen waren für mich wahnsinnig emotional. Zum Thema Wertigkeit CL möchte ich gern was beitragen:
Alle feiern heute die Meisterschaften von Dortmund zu Beginn des Jahrzehnts - als ganz klare Nummer 2 in der Geldhierarchie. Auch ich würde gern nach all den Jahren wieder einen anderen Deutschen Meister sehen.
Der CL Sieg von 2013, und nun auch der von 2020, kommen mir da persönlich zu kurz. In der Geldhierarchie ist Bayern Stammgast in den Top 10 in Europe - und doch nie an der Spitze. Selbst mit den Rücklagen - würde ein Neymar oder ein MBappe ernsthaft zum FCB kommen? Schwer vorstellbar für mich. Die Rückkehr eines verletzten deutschstämmigen Reservisten in die Bundesliga ist dieses Jahr der Megatransfer von Bayern. Die Chancen als Buliverein die CL zu gewinnen sind für mich daher ungleich schwerer als für spanische und englische Vereine. Dazu kommen noch Einkommen, versteckte Subventionen bzw. ausländische Investoren und die Sprache. Das kam mir hier zu kurz.
Klar war dieses Coronajahr 2020 ein Besonderes. War es nun vergleichbar?
Es war anders als sonst, aber ich hatte vorher gedacht der fehlende Rythmus würde - wie unter Guardiola - die Bayern schwächen. Außerdem gab es meines Wissens nach auch dieses Jahr nur einen CL-Sieger. Und nun gern Feuer frei!

alles klar, los gehts :wink: Ne, im Ernst: Jeder darf ja seine Ansicht der Dinge haben, ist ja kein Problem. Ich wollte nur ein paar Punkte von dir einordnen:

Dortmund war 6 Jahre vorher fast pleite und ist dann wieder wie ein Phönix (das schreibt man echt mit „ö“???) aus der Asche gekommen mit jungen Spieler, statt großer Stars. Aber vor Allem wurde der neue Spielstil von Klopp gefeiert.

Technisch hast du Recht, aber der deutschstämmige Reservist hat einen Marktwert von 70 M€ (vor Corona noch höher) und kam für 45 M€ zu den Bayern. Also quasi ein Schnapper… wenn man davon absieht, dass die Ablöse etwa 40% höher war als die der Toptransfers aller anderen CL-Anwärter. Einzig Draxler zu Wolfsburg hatte eine vergleichbare Ablöse, aber das ist eine andere Geschichte.

Keiner redet die Leistung der Bayern schlecht. Das ist ja das Problem, dass sie so gut sind. Aber wenn jemand sehr gut arbeitet und dann auch noch so viel bessere Startbedingungen hat, dann sieht die Liga halt aus, wie sie jetzt aussieht: Dauermeister FCB, herzlichen Glückwunsch, viel Spaß, interessiert mich nicht mehr ¯\_(ツ)_/¯