TSG Hoffenheim (m)

Da der Kader jetzt, abgesehen von einigen kleineren Planstellen die eher im Bereich Kaderbreite stattfinden könnten*, feststeht und sich das Team im Trainingslager befindet, kann man bei der TSG tatsächlich schon mal ein Fazit zur Transferperiode ziehen, vermutlich als einer der ersten Bundesligisten bei dem man das so machen kann.

*(Zeitler wird noch (leihweise) abgegeben, auch um Tohumcu gab es Gerüchte, der Asllani-Transfer muss noch offiziell gemacht werden, vielleicht geht auch noch ein IV auf der Suche nach mehr Spielzeit)

Finanziell wird man aus der Transferperiode wohl mit einem Gewinn von 35-40 Millionen herausgehen, erwirtschaftet primär über die Verkäufe von Touré und Asllani. Dass man auf der Seite der Ausgaben dann mehr als 65 Millionen, auf der Seite der Einnahmen mehr als 100 Millionen zu stehen hat ist neu im Kraichgau, das ist in einem Sommer so bisher noch nicht passiert. Die beiden Gründe dafür liegen auf der Hand, die erfolgreiche Saison ermöglicht Einnahmen durch den Verkauf von Spielern, der Markt hat sich dahin entwickelt dass selbst Spieler, die in der ersten Liga nicht überzeugen konnten aber sehr gute Zweitligaspieler sind, mal eben 5.5 Millionen wert sind. So konnte man auch ohne den großen Ausverkauf genug Überschuss generieren, um mit der UEFA wohl erstmal keinen Probleme zu bekommen und das strukturelle Defizit wohl recht okay auszugleichen. (kl. Fußnote: dass es dafür eine Saison braucht wo man z.T. auch krass overperformed hat kann man natürlich kritisch sehen)

Von den sieben externen Neuzugängen ist nur ein Spieler über 21 Jahre alt, Patrick Wimmer. Den kennt man ja von Wolfsburg schon ganz gut, muss ich also nicht viel drüber schreiben. Kurioserweise habe ich Wimmer aber bisher fast nie spielen sehen, weil der ausgerechnet gegen Hoffenheim quasi immer verletzt oder gesperrt gefehlt hat, und ich Wolfsburg sonst halt nicht viel geschaut habe. Wimmers Transfer wurde früh eingetütet und war direkt mal ein Hinweis, dass sich systematisch ein bisschen was verändern wird - weg von der Doppelspitze, hin zu einem 4-3-2-1 mit zwei Halbstürmern, die auch mal nach außen ausweichen und mit den hochrückenden AVs ins Zusammenspiel kommen sollen (das Avdullahu dann hinten auffüllt hat man ja letzte Saison schon häufig gesehen). Das konnte man in den Testspielen jetzt schon ganz gut beobachten, auch der Rückkehrer B. Conté kann diese Position ziemlich gut spielen, wenn Moerstedt als Sturmspitze die Hoffnungen in dieser Saison erfüllt dann kann ich mir auch Lemperle ganz gut in dieser Rolle vorstellen, Hlozek und Kramaric sowieso.

Ob Alessandro Vogt, der aus St. Gallen per Ausstiegsklausel kam und ein echter Steal sein könnte, für diese Rolle ganz vorne oder eine Position dahinter (oder beides) vorgesehen ist kann ich jetzt noch nicht sagen, in der Vorbereitung fehlte er bisher leider mit einer leichten Verletzung. Wie Vogt den Sprung in die stärkere Liga schafft muss man aber eh mal abwarten. Das gilt auch für Mats Rots, wobei man hier schon ganz gut sehen was der Plan ist. Rots hat echt einen unfassbaren Offensivdrang, bei der Bezeichnung „Außenverteidiger“ muss man da den zweiten Teil eigentlich einklammern. Teilweise war das schon ganz schön wild, grade gegen Kiel. Fairerweise hat man bisher aber auch nur gegen Zweitligisten getestet, mal schauen, wie das gegen Topgegner aussieht. Dass man auf der Position links hinten ein Upgrade zu Bernardo haben wollte kann ich aber gut nachvollziehen. Dieser hat zwar die Erwartungen an einen ablösefreien Neuzugang, der vom abgestiegenen Bochum kam, letzte Saison auf jeden Fall erfüllt, sah grade gegen Topgegner aber teilweise auch nicht gut aus und hatte offensiv kaum Einfluss auf das Spiel, das soll sich mit Rots ändern.

Die Positionen im Zentrum haben für einiges an Gesprächsbedarf gesorgt, insbesondere durch die sehr öffentlich ausgetragene Verhandlung mit Werder Bremen zu Stage, bei der die Deichstube uns glücklicherweise über jeden Zwischenschritt informierte. In der letzten Saison ist man ja teilweise mit zwei Spielern vor der Abwehr (Avdullahu und Burger/Prömel) und Kramaric davor auf der 10 angetreten, teilweise aber auch mit einem massigeren Zentrum mit allen diesen drei Spielern. In diesem Fall (der nächste Saison wohl eher der Standard wird) hatte man dann aber eigentlich keinen Spieler mehr auf der Bank, der fürs Mittelfeldzentrum ausgebildet ist, maximal noch Alex Prass. Jetzt hat man mit C. Lenz und Nathan de Cat zwei Spieler geholt, die diese Lücke schließen sollen und Prömel ersetzen sollen sowie die Verträge mit Burger und Avdullahu verlängern können. Tohumcu spielt bisher auch eine gute Vorbereitung, mich würde es persönlich sehr freuen wenn er bleibt, mit Engelns hat man noch ein Talent für diese Position im Kader, der aber in der 3. Liga bisher nicht überzeugen konnte.

Tohumcu erwähne ich auch deshalb, weil er einer der letzten Eigengewächse ist, die im Kader noch zu finden sind, nachdem mit Erlein, Damar, Behrens, Duric und Hennrich einige Spieler aus der Akademie den Verein im Sommer verließen. Bei den Fans trifft das durchaus auf Kritik, trotz dem hohen Vertrauen in Andi Schickers Arbeit. Zum einen sind selbst ausgebildete Spieler natürlich mit dem Stichwort Identifikation immer ein großer Faktor, zum anderen clasht die aktuelle Transferpolitik etwas mit den eigenen Aussagen von Schicker, das mittelfristig 1/3 der Spieler aus der eigenen Akademie stammen sollen. Man hat grade einige echt starke Jahrgänge gehabt und die Frage stellt sich schon, ob die Rolle die nun Sean Dulic einnehmen wird (kam ablösefrei von 1860, wird für die U23 Spielen und bei der ersten Mannschaft mittrainieren, bei guter Leistung evtl. an 1. Mannschaft rangeführt) nicht auch von Erlein hätte ausgeübt werden können und ob Daghim im Vergleich zu Zeitler wirklich ein Upgrade ist, was 13 Millionen Ablöse wert ist.

Insgesamt ist es also eine sehr spannende Zeit, die erste Kampfansage, dass man jetzt dauerhaft im Europapokal stehen möchte, gab es jetzt schon. Überrascht hat sie mich nicht, auch wenn ich nach den Erfahrungen der letzten Jahre auf so etwas natürlich mit stark rollenden Augen reagiere. Aber grade Spieler wie de Cat bekommt man halt auch nicht und Spieler wie Avdullahu oder Hajdari hält man nicht mit einem „wir wollen achter bis elfter werden“, daher ist das irgendwie logisch. Um de Cat gibt es ja fast schon einen kleinen Hype, da berichten auch Portale ausführlich über einen TSG-Neuzugang, die das sonst nicht unbedingt tun. Insgesamt habe ich jetzt auch nicht nur einmal den Take gesehen, dass es sich, wenn genug Dinge aufgehen, um den besten Hoffenheim Kader aller Zeiten handeln könnte. Die Fragezeichen hier sind für mich nicht nur die Neuzugänge, sondern auch, ob Spieler wie Hlozek, Moerstedt und Gendrey, in der Spielzeit die sie bekommen werden, an das Niveau herankommen werden, was man sich von ihnen mal erhofft, aber bisher nicht bekommen hat.

Ich mach mir natürlich Sorgen, dass man mal wieder nach einer guten Saison in die Falle tappt, das als die neue Selbstverständlichkeit aufzufassen. In der letzten Saison ist (außer Machida) jeder einzelne Neuzugang gut oder sehr gut aufgegangen, Burger, Hajdari und Avdullahu waren einige der besten Transfers seit Jahren, das wird man so nicht jede Saison wiederholen können, dafür gibt es bei Neuzugängen einfach zu viele Variablen und auch die Konkurrenz schläft ja nicht. Und grade mit der Dreifachbelastung hat man bei Hoffenheim einfach bisher zu selten überzeugende Phasen gehabt, dass das dieses Mal alles anders wird möchte ich erst einmal sehen. Die Voraussetzungen dafür sind aber tendenziell schon da.

Zum Abschluss: Jürgen Klopp, falls du das lesen solltest, bitte ruf Tim Lemperle endlich an, es wird Zeit.

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Ich finde den Take von außen doch eher hot denn man hat 3 seiner 5 besten Scorer abgeben und die Integration von jungen Spielern ist natürlich nochmal schwerer wenn kaum Zeit zum trainieren ist.

Zumal dieses Jahr mit Frankfurt und Freiburg zwei Konkurrenten nicht mehr International spielen aber damit hat ja jeder zu kämpfen siehe Frankfurt, Stuttgart, Mainz, Union und so Geschichten aus den letzten Jahren.

Seiner besten Scorer, ja, aber nicht seiner wichtigsten Spieler. Wenn man sich die Positionen anguckt, ist man im Vergleich zur letzten Saison in der Spitze nicht schlechter besetzt, in der Breite definitiv besser. Grade von der Bank wird, wenn die Transfers und die Entwicklungen einigermaßen aufgehen, mehr produktives kommen und man könnte auch flexibler in der Spielanlage sein. Das war letzte Saison häufig ein Problem.

Fürs Trainingsthema: umso besser dass man seinen Kader jetzt schon zusammen hat und das Trainingslager voll und ganz für inhaltliche Arbeit nutzen kann.

Vielleicht verstehe ich dich falsch, aber der SC spielt doch international?

Im Versuch, mich kurz zu halten:

Bei Hoffenheim fehlt noch Stabilität, um regelmäßig zu Punkten. Gegen Köln hatte man 60 okaye Minuten, 30 schwache, gegen Dortmund 60 überragende Minuten, 30 okaye. Dass es in beiden Fällen nicht für Punkte gereicht hat war auch unglücklich, muss man aber ernst nehmen. Grade fehlen die letzten Prozent, weil man vorne noch nicht richtig eingespielt ist und weil hinten das prömeln fehlt. Teilweise ist das ein bisschen Schönwetter-Fußball, glücklicherweise spielt man nächste Woche auf Kreta.

Die Ultra-Gruppierung Young Boyz 2007 hat heute folgendes Flugblatt zum Datenschutz-Skandal veröffentlicht (falls es irgendwelche Katastrophentouristen interessiert :wink:):