TSG Hoffenheim (m)

Hier kann alles rein, was ihr zur Männerabteilung der TSG besprechen wollt.

Zunächst einmal: @GNetzer , du hast da einen Formatierungsfehler im Einleitungspost.

Mediale Aufmerksamkeit
Max hatte es innerhalb der Saison einmal erwähnt: Hoffenheim hatte die schwerste sportliche Krise aller Vereine der Bundesliga und es hat gefühlt niemanden interessiert. Bei der Rogon-Geschichte weiß ich nicht, wie interessant es für die breite Masse wirklich ist, aber dieser gewaltige Absturz bis zur Entlassung Breitenreiters hat die Öffentlichkeit „nur periphär tangiert“, obwohl es eine wahnsinnige Story war.

Ich finde, dass man darüber noch mal reden sollte. Denn: Egal, wie [beliebiger Kraftausdruck] wir die Kommerzialisierung des Fußballs finden, der Fußball lebt von medialer Aufmerksamkeit. Und zwar im guten wie im schlechten Sinne. Ich denke, viele würden sagen: Was hat ein Verein, der gefühlt niemanden interessiert überhaupt in der Bundesliga zu suchen? Ich halte solches Gerede für Quatsch, denn am Ende hat sich Hoffenheim sportlich qualifiziert. Aber wenn Aki Watzke in der PK nach gescheitertem Investoren-Einstieg sagt, dass ihm „niemand mehr mit Solidarität kommen“ müsse, ist das sicher nicht auf Hoffenheim gemünzt. Aber passen würde es. Es wird dem Hoffenheim-Gast nicht gefallen, aber durch Hoffenheim verliert die Bundesliga wichtige Einnahmen aus den Medienrechten. Es ist schon etwas absurd: Gerade aus der Sicht des „kalten Homo Oeconomicus“ sind Retortenvereine wie Hoffenheim problematisch (es sei denn, sie erzeugen fortlaufend schlechte Presse wie RaBa, aber das ist eine andere Geschichte).

Mich würde vom Gast mal interessieren, ob es in Hoffenheim, abgesehen von sarkastischen „Auswärtssieg“-Gesängen im eigenen Stadion, konstruktive Ideen gibt, wie man in der Liga präsenter wird, ohne ständig Skandale zu provozieren. Mir würden spontan Dinge wie Fanfreundschaften, Benefizspiele oder ähnliches einfallen, aber ich hoffe insgeheim, dass man in Hoffenheim einen Plan dafür hat. Denn sollte es nächsten Saisons wieder eng werden (egal um im Kampf um Europa oder den Klassenerhalt) und die Nation schaut wieder nur auf Köln, Frankfurt und Dortmund wäre das sowohl für die Fußball-Fans wie auch für potentielle Investoren (die ich persönlich nicht gutheiße) kein guter Zustand.

Werkzeug
Dieser billige Akkuschrauber aus der Grabbelkiste. Nicht weil Hoffenheim ein Billigteam ist (auch ein billiger Akkuschrauber kostet Geld), sondern weil nach einigen erfolgreichen Einsätzen das Ding auseinanderfällt, zu massivem Ärger führt, notdürftig repariert/ausgebessert/etc. werden muss, dann wieder halbwegs funktioniert und man dennoch am Überlegen ist, einen neuen zu kaufen.

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Da bisher niemand Ausführlicher auf die sportliche Perspektive der TSG in dieser Saison eingegangen ist, werde ich mal meinen Senf dazu abgeben :wink:

Ich beginne gleich mit dem Werkzeug, weil sich das auch durch all meine Aspekte ziehen wird: Die Saison der TSG Hoffenheim war eine defekte Wasserwaage!

Ergebnisse/Formkurven
Die Saison der TSG lässt sich ergebnistechnisch sehr gut in drei Teile aufteilen:

  • 1.-10. Spieltag: 10 Spiele, 17 Punkte (1,70 Punkte/Spiel), 17:10 Tore (1,7:1 Tore/Spiel)
  • 11.-24. Spieltag: 14 Spiele, 2 Punkte (0,14 Punkte/Spiel), 13:34 Tore (0,9:2,4 Tore/Spiel)
  • 25.-33. Spieltag: 9 Spiele, 16 Punkte (1,78 Punkte/Spiel), 17:12 Tore (1,9:1,3 Tore/Spiel)

Ich denke allein diese Zahlen beschreiben die Absurdität dieser Saison ganz gut und zeigen, dass die Saison alles andere als ausgeglichen und ausgewogen war. Betrachtet man die xP, xG und xGa, sähen die Saisonabschnitte wie folgt aus (Quelle: understat.com):

  • 1.-10. Spieltag: 10 Spiele, 16,60 xP (1,66 xP/Spiel), 17,97:12,49 Tore (1,8:1,25 xG(a)/Spiel)
  • 11.-24. Spieltag: 14 Spiele, 13,06 xP (0,93 xP/Spiel), 15,11:25,39 Tore (1,08:1,81 xG(a)/Spiel)
  • 25.-33. Spieltag: 9 Spiele, 12,63 xP (1,40 xP/Spiel), 13,07:12,77 Tore (1,45:1,42 xG(a)/Spiel)

Damit möchte ich weder behaupten, dass die Zahlen lügen, noch zeigen, dass man im „zweiten Saisonabschnitt“ gut performt hätte. Über mehrere Spieltage hinweg hatte ich wirklich auch spielerisch den Eindruck, dass Hoffenheim die aktuell schwächste Mannschaft der Bundesliga ist (noch schwächer als es Hertha oder Schalke zu dem Zeitpunkt waren). Trotzdem sind vor allem im zweiten Saisondrittel die Abweichungen zwischen den zu erwarteten Punkten und den tatsächlichen signifikant. Die Ursachen, weshalb man tatsächlich deutlich schlechter abgeschnitten hat von den xG/xP-Werten angezeigt möchte ich in der (subjektiven) Betrachtung der Spiele suchen, womit ich zu meinem nächsten Punkt komme…

Balance zwischen Defensive und Offensive
Auch wenn die Grundausrichtung (5-3-2 bzw. bei Sky nennt man es ja jetzt neuerdings 3-3-2-2) in nahezu jedem Spiel dieselbe war, gab es im Laufe der Saison große Unterschiede mit Blick auf die offensive Gefahr und die defensive Stabilität. Hat man es im ersten Saisondrittel (also ca bis zum 10. Spieltag) noch geschafft, defensiv meist recht solide zu agieren, war davon vor allem im zweiten Segment der oben vorgenommenen Unterteilung kaum noch was zu sehen. Als Laie würde ich dies vor allem an 4 Aspekten festmachen:

  1. Pressing/Anlaufen: Unter Breitenreiter hatte ich den Eindruck, dass das Anlaufen mit zunehmender Saisondauer immer ineffizienter und leichter überspielt wurde und man dadurch nicht als ein Kollektiv gegen den Ball gearbeitet hat. Oftmals hatte ich den Eindruck, dass im Anlaufen der letzten Kette entweder ein Spieler vorne gefehlt hat oder - wenn das mal nicht der Fall war - ein (oder mehrere) Spieler sich individuell zu leicht aus dem Spiel nehmen ließ, mit der Konsequenz, hinter sich große Räume Preis zu geben.

  2. Eigener Spielaufbau: Was über die letzten Jahren in meinen Augen eine große Stärke der TSG war, wurde spätestens ab diesem Kalenderjahr zum absoluten Grauen. Man hatte kaum mehr Angriffe durch den Spielaufbau von hinten heraus initiiert (bspw bei kurz ausgeführten Abstößen), auch wenn man es versucht hatte. Viel zu häufig kam man aber gar nicht mehr aus der eigenen Spielhälfte heraus, verlor sehr früh den Ball, teilweise auch im letzten Drittel. Dies kann ich jedoch nicht durch Zahlen untermauern, es waren lediglich subjektive Beobachtungen.
    Ab dem Mainz-Spiel am 23. Spieltag hat Matarazzo es schließlich sein lassen und (fast ausnahmslos) alle Abstöße wurden lang ausgeführt, auch allgemein wurde viel häufiger das Glück in langen Bällen (und anschließenden Kopfballduellen vor allem von Kaderabek) gesucht.

  3. Standards: Auch hier habe ich leider auf die Schnelle keine entsprechende Statistik gefunden (falls die jemand hat, gerne den Link da lassen), aber ich meine bei diversen Sky- und DAZN-Übertragungen gehört zu haben, dass Hoffenheim bei Gegentoren nach Standards in der Spitzengruppe sei - im negativen Sinne. Auch Matarazzo hatte in den ersten Wochen nach Amtsantritt immer wieder die Verteidigung bei Standards auf PKs moniert. Hier hat man definitiv viele unnötige Gegentore kassiert.

  4. individuelle Aussetzer: Die vielen Gegentore im zweiten (teilweise auch im letzten) Saisondrittel sind nach meiner Wahrnehmung auch auf Situationen zurückzuführen, in denen bspw. Gegenspieler im eigenen 16er trotz Überzahl nicht eng genung gedeckt wurden, Laufwege im 16er nicht aufgenommen wurden oder Kopfballduelle verweigert wurden (Grüße gehen raus an Bebou und Angelino). Natürlich ist Fussball ein Fehlerspiel, aber es war schon auffällig, wie diese krassen Aussetzer sich in der Phase gehäuft haben. Über mögliche Gründe hierfür möchte ich nicht spekulieren, das überlasse ich euch :wink:

Dass neben der Defensive auch die Offensive ab dem zweiten Saisondrittel gelitten hat, lässt sich meiner Meinung nach vor allem auf die oben genannten Punkte „Pressing“ und „eigener Spielaufbau“ zurückführen. Hier gehen Offensive und Defensive eben Hand in Hand (Stichwort: Wasserwaage). Auch wenn gegen Saisonende das Pressing wieder „stimmiger“ aussah, sehe ich jedoch im eigenen Spielaufbau wenig Fortschritte, was sich an der Art und Weise zeigt, wie man in den vergangenen 9 Partien (Spieltage 25-33) zu den doch beachtlichen 17 Toren gekommen ist:
5 Elfmeter, 3 Kopfbälle nach Flanken (2x Bremen, 1x Frankfurt), 2 Balleroberungen im vordersten Drittel (2x Union), 2 Eigentore, ein direkter Freistoß (Bayern), ein Einwurf + Doppelpass im vordersten Drittel (Frankfurt), ein Abstoß direkt zum Torschützen (Hertha), ein Konter in der Nachspielzeit (Union) und ein Schuss von außerhalb des 16ers (Köln). Viele herausgespielte Tore gegen eine „geordnete Defensive“ waren nicht dabei. Ich bin sehr gespannt, ob und vor allem wie Matarazzo das in der nächsten Saison - hoffentlich zum Guten - verändern wird.

Unruhe im Umfeld durch Roger Wittmann
Den Punkt muss ich vermutlich nicht bis ins letzte Detail beschreiben, was Roger Wittmann und Dietmar Hopp vorgeworfen wird und dass auch die Fanszene der TSG dem sehr kritisch gegenübersteht, ist hinreichend bekannt.
Bemerkenswert fand ich jedoch, dass Oliver Baumann nach dem letzten Heimspiel gegen Union über das Stadionmikrofon die Thematik mit dem Brief der Fanszene an den Verein zumindest in einem Nebensatz erwähnt hatte (Link zum Nachhören der „Ansprache“: Stadion Talk | Saison 22/23 - 33. Spieltag - TSG Hoffenheim - Union Berlin - YouTube). Inwieweit die Thematik aber Einfluss auf die Leistungen der Mannschaft hatte, kann und möchte ich als Außenstehender nicht bewerten.
Bei aller berechtigter Kritik an Wittman und seinem Einfluss bin ich jedoch davon überzeugt, dass man ohne den Brooks-Transfer die Klasse nicht gehalten hätte. Er hat nach anfänglichen Schwierigkeiten, die wohl der mangelnden Spielpraxis geschuldet war, die Verteidigung in den letzten Spielen enorm stabilisiert und vor allem den Ausfall von Vogt, der wegen einer Gelbsperre und mehreren Verletzungen in der Rückrunde lediglich 7 Spiele gemacht hat, sehr ordentlich kompensiert. Apropos Verletzungen…

Verletzungen
Da es letzte Saison ein großes Thema war, dass (zu) viele Spieler mit Verletzungen zu kämpfen hatten und die Stabilität darunter sehr gelitten hat, hier ein kurzer Vergleich, wie es dieses Jahr aussah:

  • 30 oder mehr Kadernominierungen:
    Saison 21/22: 10 Spieler (Baumann, Rutter, Kramaric, Raum, Vogt, Posch, Dabbur, Stiller, Akpoguma, Samassékou)
    Saison 22/23: 7 Spieler (Baumann, Angelino, Baumgartner, Kramaric, Akpoguma, Kabak, Rudy)
  • 30 oder mehr Einsätze:
    Saison 21/22: 5 Spieler (Baumann, Rutter, Kramaric, Raum, Vogt)
    Saison 22/23: 4* Spieler (Baumann, Angelino, Baumgartner, Kramaric)

*(Kabak könnte mit einem Einsatz am letzten Spieltag noch die 30er Marke erreichen und Rutter kam vor seinem Verkauf in allen 15 BuLi-Spielen zum Einsatz)

Auch wenn die Aufmerksamkeit bisher nicht sonderlich auf diesen Aspekt gelegt wurde, hatte man dieses Jahr noch weniger Spieler „unfallfrei“ durch die Saison gebracht als in der vergangenen Saison. Vor allem der lange Ausfall von Prömel hatte definitiv einen beträchtlichen Einfluss auf den Saisonverlauf gehabt. Genauso das Einsetzen von Spielern auf ungewohnten Positionen - vor allem beim „Joker“ auf rechts wurde viel improvisiert: Neben Kaderabek und Skov, die vermutlich zu Saisonbeginn auch wirklich dort eingeplant waren, spielten auch Akpoguma, Baumgartner, Bebou, Becker je mindestens eine komplette Partie dort, nach Ein- bzw. Auswechslungen hatten aber auch Rudy und Kabak diese Position während einer Partie je einmal zeitweise bekleidet (wenn ich mich nicht irre).
Nichtsdestotrotz reicht das allein nicht als „Erklärung“ oder gar Entschuldigung für den Verlauf der Saison aus.

Ein Randaspekt zum Abschluss: Skov, der in der Hinrunde in meinen Augen der Gewinner unter Breitenreiter war, war in der Rückrunde kaum ein Thema mehr (auch verletzungsbedingt, aber nicht nur).

Fazit:
Keine Kontinuität erkennbar, weder in den Ergebnissen, noch in der Spielweise, noch im Personal auf dem Platz. Alles sehr unausgewogen eben…

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Danke für euren Input! Waren übrigens 15 Gegentore nach Standards laut whoscored, damit fünft schlechtestes Team der Liga.

Ab jetzt kann dieser Thread allgemein weiterverwendet werden.

Ich habe die Vorbereitung und die Transferperiode der TSG recht intensiv verfolgt und habe mir ein paar Gedanken gemacht die ich gerne hier mal loswerden möchte.
Für mich zeigt grade die aktuelle Transferperiode, dass die TSG Hoffenheim ein Verein ist, der nicht weiß was er möchte oder als was er sich sieht bzw. nicht in der Lage ist sein eigenes Selbstbild umzusetzen. Am heftigsten zeigt sich das in der Leihe von Weghorst, der in seinem Profil aktuell spielerisch perfekt eine Lücke füllt die der Kader bis dato hatte, gleichzeitig aber auch der Grundphilosophie (wir holen entwicklungsfähige Spieler und bauen diese auf da wir auf Transfereinnahmen angewiesen sind) so dermaßen widerspricht das es wehtut. Wenn man die zentrale Offensive mal genauer betrachtet, hat man da jetzt vier Spieler (Bebou, Kramaric, Weghorst, Bülter) die ein gutes Bundesliga Niveau haben und die alle sehr unterschiedliche Dinge auf dem Feld machen, was eine große Flexibilität im Ballbesitzspiel ermöglicht. (etwas, das letzte Saison gefehlt hat) Gleichzeitig sind diese Spieler auch alle um die 30 Jahre alt und verhindern, dass die vielversprechenden anderen beiden Spieler auf der Position (Beier, Asllani) auf genügend Spielminuten in dieser Saison kommen werden um sich präsentieren und weiterentwickeln zu können.
Ähnliche Situationen hat man auch auf anderen Positionen, beispielsweise auf dem Flügel, auch hier hat man mit Marco John einen Spieler, der vielversprechendes gezeigt hat (sowohl noch unter Hoeneß als auch in der abgelaufenen Saison bei Fürth), der es aber auf seiner Position mit der Konkurrenz von Bülter, Kaderabek (der eine großartige Vorbereitung gespielt hat), Skov und Justvan zu tun haben wird. Ich vermute, dass aufgrund dieser Situation der sich die Talente im Kader ausgesetzt sehen auch noch mehrere Leihen passieren werden, an der Grundsituation ändert das wenig. Grundsätzlich ist es nämlich so, dass es sehr schwer ist in der Bundesliga gleichzeitig ein Ausbildungsverein zu sein und regelmäßig Ansprüche an das internationale Geschäft zu stellen (was größere Teile des Umfelds und des Kaders schon tun, ich glaube nicht dass ein Grillitsch zurück zu Hoffenheim kommt um 13. zu werden), das schaffen Vereine eigentlich nur wenn wirklich herausragende Spieler vorhanden sind und/oder mit einem Gesamtkonzept gearbeitet wird, dass es möglich macht dass die Fehler von jüngeren Spielern weniger ins Gewicht fallen. Zumindest letzterer Punkt ist in Hoffenheim leider überhaupt nicht erkennbar, die letzten Trainerentscheidungen waren ein munteres hin und her, das sieht man auch daran dass es jetzt mehrere Spieler im Kader gibt wo man überhaupt nicht weiß was die da sollen, weil die halt auch für den viertletzten Trainer den man hatte verpflichtet wurden.
Für die kommende Saison muss das alles jetzt gar nicht so viel heißen, der Kader gibt es durchaus her dass man eine deutlich bessere Saison spielt als die vergangene, viele Schwächen und Unausgeglichenheiten im Kader (einseitige Spielerprofile in der Dreierkette und der Offensive, viel zu viele konkurrierende Spieler in der Zentrale, nicht genug Flügelspieler im Kader) wurden angegangen und sowohl die erste Elf als auch die Bank sieht auf allen Positionen wirklich ordentlich aus, da lässt sich mit arbeiten. Wenn die erste Elf dann aber, wie in den letzten Testspielen, einen Altersschnitt um die 29 Jahre hat, fehlt da einfach der Raum für genau die Spieler, die man gewinnbringend verkaufen könnte. Meine Sorge ist, dass wenn man sich nicht entscheiden kann ob man jetzt ein etablierter Bundesligist mit konstanten Ambitionen in der obereren Tabellenhälfte ist oder ein Ausbildungsverein, in dem Jungnationalspieler sich präsentieren können, dass man am Ende nichts von beidem wird und weitere Saisons wie die letzte folgen werden.
Man könnte jetzt noch viele Aspekte beleuchten, beispielsweise dass wir jetzt mit Kabak, Szalai und Nsoki zusammen einer der nach Ablösesummen teuersten Dreierketten der Liga auflaufen lassen könnten (ich bin sehr skeptisch inwiefern sich dies in der Qualität der Defensive widerspiegeln wird) aber ich möchte zum Ende kommen und zum Abschluss noch meine Wünsche für die Saison äußern: Keine Trainerwechsel, keine Abstiegssorgen, viele Bundesligaminuten für Bischof, Damar und Beier.

Ich habe das Gefühl es geht Hoffenheim aktuell gar nicht so sehr darum, was man sein möchte. Hoffenheim will nach meinem Eindruck nach wie vor junge Spieler ausbilden und in diesen Bereich investieren. Das sehe ich auch z.B. wenn ich mir die Transfers letztes Jahr anschaue oder so und zuletzt mit Rutter, Baumgartner und Raum hat das ja auch toll geklappt. Ich glaube der Punkt ist eher man hat vor allem letzte Saison gemerkt „fuck das funktioniert aktuell nicht mehr so gut wie früher so erfolgreich zu sein“. Das kommt sicher aus einer Kombination heraus von „gefühlt 3/4 Vereinen versuchen das inzwischen“ und „Hopp investiert nicht mehr so viel“. Und dann hat sich die Vereinsleitung vor der Frage gesehen ob man versuchen will, weiter auf junge Spieler zu setzen oder ob man denkt man hat so ein viel höheres Risiko abzusteigen. Und was ein Abstieg für Hoffenheim bedeuten könnte wurde ja im Frühjahr zur Genüge berichtet.
Die Zugänge finde ich gut, deutlich besser auch als die Winterzugänge die man glaube ich auch schon vor diesem Hintergrund betrachten muss. Sollte die TSG wieder ruhigere Fahrwasser finden bin ich mir sicher werden wir auch wieder mehr junge Neuzugänge sehen.

Ich gebe dir in Teilen recht, hatte aber nicht den Eindruck dass man in der letzten Saison Probleme hatte, weil man zu sehr seine eigene Philosophie als Ausbilder durchgezogen hat, man hatte zwischendurch ja sogar die Situation dass man die Aufstellungen hatte mit dem höchsten Altersschnitt der 15 Jahre Bundesligageschichte. Die Spieler die letzte Saison für den Qualitätsmangel gesorgt haben waren in meiner Wahrnehmung nicht die entwicklungsfähigen Spieler, sondern die, die für viele Millionen geholt wurden. Bei Nsoki, Dabbur, Bruun Larsen und Adams habe ich in der letzten Saison nicht den Impact gesehen, der die zusammengenommenen 41 Millionen Transferausgaben für diese Spieler (plus ihre vermutlich sehr guten Gehälter) auch nur ansatzweise rechtfertigen würden, ich glaube nicht dass es da zwei Meinungen gibt. Ich würde mir also eigentlich wieder mehr „Hoffenheimer Weg“ wünschen und nicht noch mehr Pragmatismus, vielleicht auch aus einem Erfahrungswert: immer wenn wir fertige Spieler geholt haben (ich errinere mich gut an eine Saison mit 4 Trainern und Tim Wiese, Edson Braafheid und Co. in Trainingsgruppe 2) ist das nicht so gut gelaufen.

Das ist doch aber genau der Punkt: Außer Dabbur sind das alles Spieler, die als entwicklungsfähige junge Spieler geholt wurden und für die man deshalb viel gezahlt hat.
Alter als sie geholt wurden: Nsoki 22, Bruun Larsen 21, selbst der inzwischen erfahrene Kasim Adams wurde damals als 23 jähriger junger Spieler geholt und hat das erhoffte Potential nie erfüllen können.

Und wenn du jetzt sagst „ja aber ich meine doch die eigenen Jugendspieler“, das war nie wirklich anders. Man hat immer schon junge Spieler dazugekauft, nicht nur Jugendspieler hingestellt (die es natürlich auch gab, so wie jetzt Baumgartner). Ein Joelinton wurde mit 21 für 2,2 Mio. gekauft, Demirbay mit 23 für 4,7 Mio., Firmino mit 19 für 4 Mio., selbst ganz back in the day ein Carlos Eduardo mit 20 für 7 Mio… Nur früher war man da anderen Vereinen, die das nicht so intensiv gemacht haben, voraus. Jetzt ist man das nicht mehr.

Interessant dass 15-20 gute Minuten gegen Heidenheim zu einem Sieg genügen, kann man mal machen, wird mich sehr interessieren wie ihr das analysiert. Ich möchte trotzdem die Kritikpunkte loswerden die sich in den ersten 70 Minuten bei mir so aufgestaut haben (vieles davon war schon getippt bevor das Spiel gedreht wurde, ich hab ehrlich gesagt nicht mehr dran geglaubt). Mich hat das insgesamt alles sehr an die Auftritte in den letzten 2 Jahren gegen Bochum errinert (da gabs in 4 Spielen 3 Niederlagen), gegen einen qualitativ schwächeren Gegner hat man auf dem Papier mehr Ballbesitz (heute fast ⅔) aber schafft es trotzdem kaum Spielkontrolle zu entwickeln. Und wenn du meistens nicht mal die vorletzte Verteidigungsreihe überwinden kannst bringt dir auch der lange erhoffte Stoßstürmer nichts.
Das ist bis zu Beiers Tor schon alles ziemlich erschreckend was da passiert ist, keine Ahnung wo da der Fortschritt aus der Vorbereitung sein soll. Man schafft es nach wie vor nicht aus eigenem Ballbesitz heraus irgendwas zu entwickeln mit dem der Gegner nicht rechnet, bei gleichzeitiger defensiver Instabilität, da brauchte es heute schon mehrere Fehler des Gegners.
Qualität möchte ich in dem Punkt absprechen, als dass ich mich an wenige Spiele in den letzten 12 Monaten errinern kann, wo nicht einer der Spieler in der 5er Kette hinten einen echt miesen Tag hat, heute halt mal Bülter (dem ich noch nicht absprechen möchte dass er in der Bundesliga diese Position bedienen kann für die man ihn jetzt offenbar wirklich geholt hat, mal schauen, im Strafraum war das schon ziemlich unbeholfen) und dass das Passspiel fast das ganze Spiel über sehr mittelmäßig war und ganz viele entscheidene Bälle nicht ankamen. Sieht man in der Passquote nicht mal, wenn man aber 10 Sicherheitspässe spielt und dann der eine Pass der mal zwei Meter Raumgewinn bringen könnte nicht ankommt kann man sich von der Passquote aber auch nichts kaufen.
Zum Schluss noch die positiven Dinge: die Einwechselspieler haben sich alle sehr gut geschlagen (insbesondere natürlich Beier aber auch Vogt), Baumann ist nach wie vor ein super Torwart, wie diese 3 Punkte zu Stande gekommen sind ist für die Tabelle egal, gegen Wolfsburg hat man nächste Woche nicht ⅔ Ballbesitz.

Hoffenheim steht aktuell (vor dem Spiel am Freitagabend) auf Platz 6.
Beim DAZN-Bild schwenkte die Kamera nach einer halben Stunde über die Gegengerade und dort war richtig viel unbesetzt. Vor allem in den Blöcken I, J, M und N. Dort kostet ein Ticket 38€ fürs nächste Spiel.
Liegt es an Bochum oder der Jahreszeit oder hat Hoffenheim hier oft so leere Reihen?

Emotional wäre das für mich nicht ganz so leicht zu verdauen, ich selbst kenne eine TSG ohne Rosen kaum noch (als er zur TSG gekommen ist war Streich noch nicht Freiburg Trainer :smiley: ). Und falls der Faktor „Europäisches Geschäft in dieser Saison“ für diese Entscheidung maßgeblich ist, fände ich das auch das falsche Signal. Hoffenheim hat in bald 16 Jahren Bundesliga drei mal international gespielt, die Anspruchshaltung europäisch zu spielen finde ich prinzipiell etwas vermessen, zumal in der Bundesliga einfach die meisten internationalen Plätze von Teams dauergebucht sind, die nochmal ganz andere Möglichkeiten haben.
Das ändert natürlich trotzdem nichts daran, dass man in dieser Saison unter den eigenen Möglichkeiten geblieben ist und dass dafür offensichtlich auch die Kaderplanung verantwortlich ist. Ganz ehrlich, alleine für die Personalie Attila Szalai (Zur Errinerung: Fast-Rekordtransfer, hatte in der Hinrunde einige Einsätze die wirklich gruselig aussehen, wird dann auf die Bank verbannt und im Winter unter (aus Fansicht) sehr schwierigen Umständen zum direkten Konkurrenten nach Freiburg verliehen, dort sitzt er jetzt ausschließlich auf der Bank während bei uns spontan ein U23 Spieler einspringen musste, weil wir auf Szallais Position nach mehreren Ausfällen einfach niemanden mehr hatten) ist eine, für die sich jemand, der den Kader verantwortet mal ausführlicher rechtfertigen müsste.
Klar könnte man dem jetzt entgegensetzen, dass es auch genug Transfers gab die funktioniert haben, das ist auch gar nicht mein Punkt. Das Problem ist, dass wir bei allen tollen Einzelspielern, für deren Verpflichtung Rosen verantwortlich war und die der TSG auch oft sehr viel Geld eingebracht haben, aktuell einfach seit langem einen Kader haben, aus dem offensichtlich kein Trainer das volle Potenzial der Einzelteile abrufen kann. Das Konzept von Rosen ist es von Anfang an gewesen, ein Team von Spielern, die ein Potenzial zur Wertsteigerung haben, mit einigen „Mentalitätsspielern“ zusammenzuhalten - aktuell hat man dafür Prömel und Bülter im Kader, früher einmal Spieler wie Bicakcic, Vogt, Polanski, Wagner, Abraham, Simunic… alles Spieler die nicht in das Konzept Ausbildungsverein passen sondern diese Rolle erfüllen soll. Bei den Verpflichtungen von diesen Spielern wird das dann auch explizit betont (Bei Bülter sprach Rosen angesprochen auf seine Eigenschaften von „Gier, Mentalität“, bei Prömel von „außergewöhnlicher Mentalität“). Der Plan, mit solchen Spielern einen Kader voller Spieler zusammenzuhalten, die eher Fähnchen im Wind sind und in den wirklich schwierigen Situationen einbrechen ist auf jeden Fall nicht aufgegangen, das zeigt sich ja schon seit langem. Die Logik bei Transfers müsste ja eigentlich andersherum sein, die Grundmotivation alles aus sich rauszuholen was geht, sollte Teil der Arbeitseinstellung der meisten Spieler sein, dann kann man auch mal einige Sonntagsfußballer wie einen Bebou oder einen Kabak mitziehen.
Also warten wir mal ab. Wenn ich mich richtig errinere, ist das weder das erste noch das zweite Mal, dass es Medienberichte dazu gibt, dass Rosens Zeit bei Hoffenheim vorbei geht.

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Ja, Hoffenheim hat oft leere Sitzplätze. Es gibt Gerüchte, dass Kartenkontingente an Nachbargemeinden verschenkt werden. Jedenfalls wenn nicht gerade Bayern dort spielt.

Bülter ist seit seinem Wechsel so gesichtslos geworden für mich, wenn du verstehst was ich meine? Bei Schalke war er das Gesicht der Mannschaft, nun ist er einfach einer von vielen ohne Profil irgendwie. Hoffenheim nimmt einfach nen Platz in der Bundesliga, mit die besten Spieler der Liga und macht daraus einen grauen Brei …

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Dann sollte doch aber mehr los sein, oder?
Allerdings würde mich der Fussball von Hoffe aktuell auch nicht ins Stadion locken :wink:
Wohne gut eine Stunde davon weg und Lieferanten in der Firma bieten auch Karten an.
Wir haben sogar einen Ultra hier im Vertrieb. So richtig mit Kutte, finde das schön.

Eine Ergänzung zu dem, was ich hier letztens über Alex Rosen und Kaderplanung geschrieben habe:
Rino Matarazzos PKs sind ja eher selten interessant, normalerweise höre ich die mir an während ich den Abwasch mache, läuft ganz gut nebenbei, passiert eh nichts was einen überrascht. Die Spieltags PK gegen Gladbach hatte aber einen interessanten Moment, wenn ihr selber nachschauen wollt: https://www.youtube.com/watch?v=ouDbfLvfg0A
Benni Hofmann stellt bei 11:50 eine Frage, es geht um die „Wohlfühloase Hoffenheim“ und darum warum man nicht immer zeigen kann wozu man in der Lage ist.
Matarazzo macht dann zum einen die richtige Feststellung, das man an der Saison der TSG ja sieht, wozu man in der Lage ist, dass man halt eben nicht konstant performen kann („Das gehört zur Mannschaft, diese Inkonstanz gehört zur Mannschaft“), sagt dass man sich zu leicht aus der Balance bringen lässt und nicht widerstandsfähig genug ist.
Der für mich interessanteste Moment ist dann am Ende der Antwort, Matarazzo spricht davon dass man, um hier wirklich was zu verbessern, den „Gruppencharakter“ verändern muss und dass das in diesem Fall während der laufenden Saison so nicht geht. „Die meisten Hebel hat man in den Pausen, wenn man auch Transfers tätigen kann.“
Ich schlussfolgere daraus jetzt dass Matarazzo mit seiner vorsichtigen Art folgendes aussagt: Mit dem vorhandenen Kader kann man die vielschichtigen Probleme, die unter den Begriffen „Mentalität“, „Kampfstärke“ oder in diesem Fall „Gruppencharakter“ zusammengefasst werden, offenbar nicht mehr lösen, es braucht dafür Abgänge und Neuzugänge, da hier anscheinend die bisherige Kaderplanung nicht aufgegangen ist - die wenigen Spieler die man hat, denen man das Attribut „Führungsspieler“ geben würde, funktionieren dann auf dem Platz nicht wie geplant. Wird gespannt, ob man sich im ganzen Verein mit dieser Analyse übereinstimmt und was das dann jetzt für das kommende Transferfenster bedeutet.

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Mir stellt sich ja persönlich die Frage, werden solche Spieler, wenn sie die Qualität und die genannten Faktoren haben, überhaupt nach Hoffenheim wechseln und wenn ja über einen längeren Zeitraum bleiben? Ich kennen mich in dem Umfeld des Vereins nicht aus, aber was ich hier auch über den Rasenfunk mitkriege ist die ganze Atmosphäre und das Umfeld eher „Dörflich“ geprägt, obwohl der Rhein-Neckar-Kreis mit den angrenzenden Städten ja ein Ballungsraum ist.

Kommen nur solche Spieler zu Hoffenheim, oder macht Hoffenheim sie zu diesen Typen, ist halt die Frage? Es ist ja ein nachhaltiges Problem und man hat schon viele Spieler erneuert, ohne dass sich das ändert.

Würde bei deiner Einschätzung des Umfelds prinzipiell mitgehen, ist schon deutlich ruhiger alles als an den meisten Bundesliga Standorten. Aber Menschen sind auch unterschiedlich und manche Spieler bevorzugen halt auch so ein Arbeitsumfeld - in Ruhe arbeiten, Bundesliga spielen und sich verbessern, ohne dass nach zwei mittelmäßigen Spielen zig Artikel über einen geschrieben werden. Abgesehen davon sehe ich da auch eine Aufgabe für die Nachwuchsabteilung, kaum ein Bundesligist hat so eine Durchlässigkeit vom Jugendbereich in die 1. Mannschaft, das könnte man ja auch auf der Ebene mal nutzen.
Aber du hast schon einen Punkt, Hoffenheim hat natürlich auch eine begrenzte Zahl an Argumenten für neue Spieler, woraus sich dann ein Pool an verpflichtbaren Spielern ergibt, bei denen man halt aktuell bevorzugt die auswählt, bei denen man sich die höchste Wertsteigerung erhofft, während man andere Faktoren krass vernachlässigt. Das muss man wahrscheinlich auch mittelfristig noch so in der Art weiterführen, grade weil die letzten Jahre gezeigt haben das es nicht leichter werden wird, als Verein permanent auf Transfereinnahmen angewiesen zu sein.
Also: ich bin mir sicher, dass man gerne ausschließlich Spieler verpflichten würde, die dem Team sofort bei den größten Schwachstellen weiterhelfen, mittelfristig einen Transfergewinn reinholen und dazu noch mit ihrem Charakter dem Teamgefüge gut tun. Diese Spieler bekommt die TSG im Regelfall wohl nicht, es ist klar dass man Prioritäten setzen muss. Aktuell klappt aber, wenn wir mal diese drei Ebenen nehmen (Also spielerische Qualität, potenzielle Wertsteigerung und Hilfe fürs Teamgefüge) bei den meisten Spielern im Kader keiner dieser Aspekte. Wir spielen in 3/4 der Spiele keinen gut ansehnlichen Fußball, außer Maxi Beier kann man aktuell bei keinem Spieler einen größeren Transfererlös erwarten und der Charakter wird der Mannschaft öffentlich vom eigenen Cheftrainer abgesprochen. Da kann man schon mal meckern

Das Stimmt, dass sind leider in der Mehrzahl die Spieler, denen der Trainer den Charakter abspricht, da diese sich gemütlich im Verein eingerichtet haben.

Da stehen die Hoffenheimer ja nicht alleine da, aber mit Drexler, Tohumcu und Bischof hat man schon vielversprechende Kandidaten im Kader, mit Moerstedt in Zukunft hoffentlich auch noch einen weiteren.

Wenn man sicher Geld machen möchte dann dieses Jahr, falls er nächstes Jahr eine schlechtere Saison spielt kann der Hype um ihn ganz schnell wieder vorbei sein.

Da es mittlerweile ja fast schon Tradition hat und ich @der_loeser auch einfach gern bei den TSG-Schwerpunkten zuhöre, würde ich wieder ein paar Fragen zum Royal beisteuern. Auch in dieser Saison fand ich Hoffenheim untippbar (bis auf den Sieg gestern gegen Bayern, das war vorhersehbar) und bin daher auf mehr Erkenntnisse gespannt, welche die Situation für mich verständlicher machen.

Hat sich Sebastian Hoeneß weiterentwickelt oder konnten die Spieler in Hoffenheim seinen Fußballstil nicht umsetzen?

Ich hatte Hoeneß damals, wie ich rückblickend trotz dessen verteidigen würde, dass die Beiträge nicht gut gealtert scheinen ob seines aktuellen Erfolgs, scharf kritisiert für u.a. zu viel Rotation und ausbleibende Spielerentwicklung; und wenn ich mir die Daten in Stuttgart ansehe, habe ich den Eindruck, dass er zumindest in Sachen Rotation keine 180°-Wende eingelegt hätte. Nur dass es beim VfB in dieser Saison egal war, ob Stenzel/Rouault oder Millot/Undav spielen, denn alles hat dort geklappt. U.a. das 3:0 in Hoffenheim war ja Beleg genug dafür, dass Stuttgart vom Trainertausch insgesamt mehr profitiert hat als Hoffenheim und da frage ich mich natürlich auch, wie der Unterschied so groß sein kann zwischen den Ergebnissen von Hoeneß’ Mannschaften damals und jetzt. Wieviel vom aktuellen VfB-Spielstil war in der Phase schon zu sehen, als Hoffenheim mit ihm noch um die CL spielte und bevor man sich die 0:0s gegen Fürth et al. geholt hat, oder ist dein Eindruck, dass sich auch Hoeneß’ Stil so weit geändert hat in den letzten 24 Monaten, dass man das gar nicht mehr vergleichen kann? Oder hat Hoeneß in Hoffenheim einfach nur Maxi Beier gefehlt, sonst wären sie schon damals in die CL aufgestiegen?

Kann Materazzo nur Heroball?

Bevor ich dazu weiter ausführe: Natürlich passt man als Trainer gerne sein Spiel an einen Spieler an, der konstant trifft, Gefahr ausstrahlt, laufstark ist. Aber das Abhängigkeitsverhältnis von Hoffenheim zu Beier ist in meiner Wahrnehmung deutlich größer als das von z.B. Stuttgart zu Guirassy. Wenn Kramaric in den letzten 8-9 Spielen nicht dann doch noch einmal eine deutliche Steigerung in seiner Formkurve hinbekommen hätte und Beier damit entlastete, dann würden wir jetzt ja auch nicht über Platz 7 sprechen. Man kann es allein daran erkennen, dass Hoffenheim die viertschlechteste Abwehr der Liga hat und wirklich, wirklich auf Beiers Tore im Speziellen angewiesen war. Als Materazzo in Stuttgart Trainer war, hatte ich viele Spiele vom VfB gesehen und man konnte sich damals Spiele ohne Sosa+Kalajdzic auf dem Feld wirklich nicht angucken, weil auch Spieler wie Coulibaly oder Silas davon protifiert hatten, dass alles auf die Flanke auf Kalajdzic ausgerichtet war und klar; wenn die dann fehlen…Siehst du im Spielstil Materazzos aktuell mehr als den Versuch, Beier zum Abschluss zu bringen und wenn ja, woran hätte ich das als neutraler Beobachter des Spiels erkennen können; gibt es markante Spielzüge, die du von anderen Trainern nicht gewohnt warst und die vielleicht auch Hoffnung auf weniger Abhängigkeit von einem Spieler in Topform machen?

Endlich wieder Jugend forscht?

Natürlich hat die TSG immer wieder Spieler in den Bundesliga-Kosmos gebracht, aber mit Beier, Tohumcu und zuletzt auch Drexler hat man ja tatsächlich mal wieder nach längerer Zeit drei Local Player regelmäßig in der Startelf gesehen und da das in den letzten Royals auch so ein bisschen angeklungen ist, dass der Übergang von der Jugend zu den 1. Herren schwerer geworden ist, würde ich hier mal kurz nachfragen wollen: Bedankt man sich da als TSG-Fan bei Materazzo für das Vertrauen den Spielern gegenüber; oder sind die Spieler so gut, dass sie unabhängig vom Trainer eh unverhinderbar gewesen wären und wie wichtig ist es für die Stimmung im Stadion, dass auch wieder U21-Spieler als quasi Stammspieler, mindestens aber Rotationsspieler zum Einsatz kommen, die nicht aus der Ligue 1 gewechselt sind, sondern 3-5 Jahre bei Hoffenheim ausgebildet wurden?

Das Erbe

Die Region ist ja nicht gerade strukturschwach - trotzdem scheint Hoffenheim Probleme zu haben, im Umfeld Sponsoren langfristig zu binden, die nicht im SAP/Hopp-Kosmos verwurzelt sind. Ich habe mich z.B. schon häufiger gefragt, warum LIDL selbst (und nicht über den Umweg Prezero/XM Cyber etc.) da nicht größer einsteigt, die sind doch sonst so expansions- und reichweitenfreudig und könnten bei einem eher familiär geprägten Stadionbild sicher auch nochmal punkten (meine naive Sicht ohne Berufserfahrung im Marketing). Ist der Schatten, den Hopp mit seinem Namen auf den Verein wirft, zu groß, um für das oberste Regal an Unternehmen auch über 5 Jahre hinaus attraktiv zu bleiben? Dass man quasi weiß „ok, ich kann hier eine kleinere Marke platzieren, die vorher im Mainstream unbekannt war, aber mit LIDL hinter SAP zu stehen in der Außendarstellung, ist keine Option“?
Und wie sieht die Nachfolgeregelung aus (soweit bekannt)? Es besteht ja von außen gesehen durchaus die Gefahr, dass der Sohn, der da mehr eingebunden wird in die Abläufe in Hoffenheim, wenn nicht direkt; dann nach ein paar Jahren das Interesse am Projekt verliert und/oder einen aus seiner Sicht unnötig erbitterten Machtkampf mit Leuten aus dem TSG-Vorstand führen muss, weil es in so zentralisierten patriarchalen Strukturen ja gerne mal die Tendenz gibt, dass im Fall einer Nachfolge erstmal viel gekratzt und gebissen wird; das hat man zuletzt bei den Bayern mit Kahn und Brazzo gesehen, wie gut das geklappt hat, Hoeneß/Rummenigge zu ersetzen. Und bei den Bayern sind ja die Eigentümerverhältnisse nochmal deutlich breiter gefächert als in Hoffenheim, was das Risiko eines Totalausfalls verringert. Ist bei der TSG irgendwas auf den Super-GAU vorbereitet, dass die Gönner aussteigen? Auch wenn das sicher nicht Topthema der nächsten Sommerpause sein wird, ist es ja ähnlich wie bei H96 oder 1860 oder Aue unvermeidlich, sich mit der Frage der „Anschlussfinanzierung“ nach Dietmar Hopp zu beschäftigen; wie gut ist man da aktuell und perspektivisch aufgestellt?

Viel Spaß bei der Aufnahme und einen schönen Sommer euch allen :heart: