Mein Freiburg-Fantum erklärt sich in erster Linie aus der Erstbegegnung mit supersympathischen Fans am 23. April 1994.
Bis zu dem Tag war ich noch VfB-Fan, wenngleich schon seit Jahren grummelig. Die Fans waren in ihrer Gesamtheit damals noch das Opernpublikum, das sie immer gewesen waren, also begeistertes Schreien im Erfolg und gellendes Pfeifkonzert, wenn es nicht lief oder in deren Augen auch nur schlecht aussah. Das nervte mich damals schon sehr.
Also „Vereinswechsel“ im Erwachsenenalter, geht im Fußball ja gar nicht. Oder man hat eine gute Erklärung dafür, die natürlich kein „echter“ Fußballfan dennoch niemals akzeptieren wird.
Zum VfB „kam“ ich Ende der 60er-Jahre, quasi wohnortbedingt unvermeidlich. Es war ein sehr mäßiges Glück, bis eine aus schierer Geldnot neu formierte junge Mannschaft nach zwei Jahren 2. Liga in die Bundesliga zurückkehrte und alles aufmischte. Auf einmal war es wunderbar, VfB-Fan zu sein. Dennoch beobachtete ich damals sehr kritisch, ob man auch ja nicht vergaß, was den Verein zurück in die oberste Spielklasse gebracht hatte, nämlich Konstanz und Seriosität sowie gute Jugendarbeit, kein Trainerfeuern und „Stars“ kaufen. Und in dieser Hinsicht begann schon Mitte der 80er eine Regression, die nach dem Wechseldesaster gegen Leeds in Schuldzuweisungen kulminierte, das war kein gutes Bild nach Außen.
Meistertrainer Daum wurde in seiner ersten Krise entlassen, unter Röber gab es in der 2. Saisonhälfte 93/94 eine Aufholjagd bis an den Rand der UEFA-Cup-Plätze. Das sah also schon wieder interessant aus, aber mit der Mannschaft, wie sie zusammengestellt war, konnte ich wenig anfangen. Da waren natürlich Namen wie Dunga (!), Buchwald, Fritz Walter, Frontzek, Alexander Strehmel und immer noch Immel im Tor, aber zB Adrian Knup kam einfach nicht an, und das Gesamtbild war in meinen Augen zusammengewürfelt - dass man zu der Zeit mit der A-Jugend immer ganz oben mitspielte (5!!! deutsche Meisterschaften in den 80ern!), bildete sich überhaupt nicht mehr ab. Das großkopferte Geschwätz von Mayer-Vorfelder machte es nicht besser.
Und da war auf einmal der SC Freiburg, dessen Werdegang nach dem Aufstieg ich zunächst nur über die Berichterstattung verfolgte. Das war erstmal ein grundsympathisches Bild, das die abgaben, geerdete und teilweise auch druckreife Interviews der Spieler, und auch den Finke mochte ich, ebenso wie den Stocker (obwohl der ja ein komplett anderer Typ war als der Trainer).
Und dann kam der 32. Spieltag, VfB - SC. Der VfB, wie gesagt, in Tuchfühlung mit den internationalen Plätzen. Demgegenüber war der SC durch ein 0:1 zuhause gegen Dresden vor einer Woche praktisch abgestiegen. Die Resthoffnung war, alle drei verbleibenden Spiele zu gewinnen, während Nürnberg maximal einen Sieg landen durfte - also rein theoretisches Gedankenspiel, niemand glaubte es ernsthaft.
Und jetzt: die erwähnte Erstbegegnung. Ich hatte mir spontan eine Karte gekauft (zum ersten Mal nach 2 1/2 Jahrzehnten ohne klare „Hoffnung“, wie es ausgehen möge) und landete in der Untertürkheimer Kurve direkt neben dem Gästeblock. Das war das entspannteste Fan-Volk, das mir je begegnet ist, lockere Stimmung, Musikgruppen (sogar waschechter Dixie war geboten), man hatte sich entschlossen, wenn wir schon absteigen, feiern wir es wenigstens ordentlich.
Und spätestens beim frühen 1:0 für Freiburg war‘s um mich geschehen. Mitte der 2. Halbzeit, als sich abzeichnete, Hoppla, gewinnen wir das heute? Echt jetzt?, schwenkten sie um auf den geilsten Support, plötzlich war die komplette Kurve und auch die Gegengerade in Freiburger Hand. Da war ich längst einer von denen.
Es bildet sich bis heute ab darin, dass man in Freiburg einfach entspannt zum Stadion gehen kann (hat oben schon wer geschrieben). Und: Anders als damals der VfB hat der SC mich noch nie in Gewissensnöte gebracht, weil man konsequent bei der Politik bleibt, auszubilden und nicht mehr Geld auszugeben als man hat.
Natürlich gibt es Punkte, die den Nostalgiker in mir auch beschäftigen:
- Spielt man noch den Fußball der Breisgau-Brasilianer? Nein, natürlich nicht.
- Ist die Vereinshymne zufällig genauso peinlich wie die des VfB in den 70er-Jahren? Nein. Viel schlimmer.
- Hat sich das Publikum doch irgendwie gewandelt, von grundsätzlich sportlich-fairer Einstellung hin zu Wir pfeifen den Gegner auf jeden Fall erstmal aus? Ja, tendenziell schon.
Es gibt Dinge, die ich kritisch sehe, darunter durchaus auch die Rolle Oliver Lekis im Investorenstreit. Aber im Großen und Ganzen hat sich der SC seit dem ersten Aufstieg organisch entwickelt und ist in gewissem Sinn, bei aller Veränderung, er selbst geblieben.
Daher SC sympathisch und ich Fan…