@GNetzer
Direkt am Anfang vom Leverkusensegment unterläuft dir leider ein inhaltlicher Schnitzer: „in den letzten Jahren hat Leverkusen viel mehr gezahlt als es bekommen hat vom Konzern“.
Das ist so allenfalls für den Mechanismus des Bilanzausgleichs haltbar. Der Bilanzausgleich ist aber natürlich nicht das einzige Geld, das zwischen Mutterkonzern und Fußballabteilung fließt. Ganz im Gegenteil ist allgemein bekannt, dass die Fußballabteilung mindestens mal ein jährliches Sponsoring im marktunüblichen Bereich vom Mutterkonzern bekommt. Bei VW beträgt dieses Sponsoring die viel zitierten 80M € pro Saison. Bei Bayer gibt es leider nur nur sehr alte Zahlen (>10 Jahre), die 25M € pro Saison besagen. Seitdem gab es mehrere offensichtliche Strategiewechsel im Konzern aber leider keine neuen kommunizierten Zahlen. Weniger wird es kaum geworden sein. Bei Red Bull und SAP sind gar keine Zahlen bekannt.
Auch darüber hinaus sind diese Konstrukte überhaupt nicht transparent, was weitere verdeckten Zahlungen angeht. Denkbar ist bspw, dass defizitäre Infrastruktur an den Mutterkonzern ausgelagert wird. Bei Red Bull ist es relativ offensichtlich, dass bspw Teile der Nachwuchsarbeit und des Scoutings an die Farmteams ausgelagert werden, was effektiv ein verstecktes Sponsoring ist. Ähnliche Modelle sind mit Stadiongesellschaft, Trainingsgelände, Catering, etc denkbar. Wie viel Geld da genau in welche Richtung fließt, ist von Außen vollkommen intransparent.
Die Aussage „mehr gezahlt als bekommen“ ist also mindestens mal nicht belegbar, da wir keine vollständige Bilanzeinsicht haben. Realistischerweise ist die Aussage aber grob falsch. Wenn es wirklich Jahre gegeben haben sollte, wo der Netto-Geldfluss von der Fußballabteilung zum Mutterkonzern posititv war, wird man die an einer Hand abzählen können.
Bilanz der Fußballabteilung vor Bilanzausgleich:
- 2025: +133,2M €
- 2024: +3,1M €
- 2023: +10,5M €
- 2022: -7,3M €
- 2021: -13,7M €
- 2020: -0,8M €
- 2019: +0,7M €
- 2018: +18M €
Wenn man die bekannte alte Zahl von 25M € Sponsoring pro Saison gegenrechnet (die realistische Summe wird wie gesagt mittlerweile deutlich höher sein), hat B04 tatsächlich nur 2025 mit dem Last-Minute Wirtz-Verkauf Netto Geld an den Konzern gezahlt. Jede andere Saison war höchst defizitär. Selbst bspw 2020 mit dem Havertz-Verkauf hat es nicht für einen Überschuss gereicht.
In Summe ergeben die letzten 8 Jahre eine Gewinnabführung von 143,7M € bei einem gleichzeitigen Sponsoring von mindestens(!) 8x25M € = 200M €, also ein Netto Minus von mindestens 56,3M €. Da zu sagen „in den letzten Jahren hat der Verein deutlich mehr Geld abgeführt“ finde ich ein sehr fragwürdiges Framing, da es alle anderen Geldflüsse abseits des Bilanzausgleichs ignoriert.