1. FC Union Berlin

Egal auf welchem Platz Union die Saison beendet, die Überschrift sollte heißen „Union ist nicht mehr Union“. Die extreme Geschlossenheit des Klubs praktizieren nur noch die Fans. Befindlichkeiten einzelner Spieler werden ebenso öffentlich gemacht wie die Trainerfrage. Beim Alten Klub Union erfuhr man nicht einmal die Laufzeit von Verträgen, jetzt wird vor einem ganz wichtigen Spiel in die Welt geplärrt, dass der Trainer spätestens nach der Saison entlassen wird. Die einst so starke Defensive ein Hühnerhaufen. Die Standardsituationen kläglich. Der Sturm besteht nur noch aus gefühlten Zwergen (die aus den Märchen). Alles, was Union in die Spitze der ersten Liga gebracht hat, ist weg. (Außer den fantastischen Fans.)

Ich wünsche mir, dass Union noch mit einem blauen Auge davonkommt, und nicht nächstes Jahr wieder ein Derby spielen muss. Dafür muss man aber auch auf dem Platz wieder die alten Tugenden zeigen.

Welche Vorurteile denn? Oliver Ruhnert ist schon länger für die Linkspartei tätig als für Union. Von daher ist höchstens ein bisschen überraschend, dass er Sarah Wagenknecht folgt und nicht der jetzt sicher etwas moderateren Linkspartei die Treue hält.

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Total kreative These zu Union: Zu schnell gewachsen, zu schnell Erfolg gehabt?

kann man zu schnell Erfolg haben? Sich als normaler Verein ohne Bayern/BVB zu heißen oder eine 50+1 Ausnahme zu sein auch nur ein einziges Mal für die CL zu qualifizieren, ist in Anbetracht der finanziellen Kluft geradezu historisch. Es gibt für normale Vereine keinen „langsamen und natürlichen Weg“, sich diesen Erfolg ehrlich zu erarbeiten, da du dir auch durch 100 Jahre gute Arbeit keinen österreichischen Abomeister als Farmteam kaufen kannst. Es muss bei dir exakt 34 Spieltage lang alles zusammen passen und gleichzeitig muss einer der etatmäßigen CL-Teilnehmer eine richtig schlechte Saison spielen wie letztes Jahr Leverkusen oder dieses Jahr Dortmund.

Jetzt wird nochmal Aktion gezeigt:

Passt nicht ganz zu den Aussagen von Zingler am vergangenen WE.
Aber so ist das Geschäft :frowning: .

Jetzt ist es vorbei - nachdem Zingler Vertrauen à la Merkel gezeigt hatte.

Gegenthese: Alles ist normal an der Wuhle. Nach Jahren des Überperformens hat man jetzt eine Phase des Unterperformens erreicht, aber eigentlich spielt man eine dem Umsatz, der Größe des Vereins und dem Kader entsprechende Saison. Es ist normal Saisons dabei zu haben, die mal mit der Relegation oder dem Fast-Abstieg enden, wenn man ein Mittelfeldverein wie Union ist. Die Irritation folgt nur aus dem Vergleich zu den Erfolgen davor, aber eigentlich ist sie etwas unverständlich: Denn die Transfers diese Saison waren nur Ruhnert-Transfers auf etwas höherem Niveau. Bonucci, Volland, Gosens waren ein Gamble darauf, dass Spieler, die unter ihrem Niveau eingesetzt werden/unzufrieden sind bei Union aber erfolgreich funktionieren und diesmal durch Europa durchhelfen, weil man das erreichen wollte. Vertessen, Kaufmann, Hollerbach sind klassische Investitionen in Wiederverkaufswert Tousart war z.B. ein klassisches Schnäppchen. Diese Saison haben halt einfach mal ein paar Transfers nicht so überperformt wie gedacht und gleichzeitig hat man sich relativ verschlechtert, weil eine Weiterentwicklung in der Spielweise der BuLI stattgefunden hat, die mit Formkrisen etc. zusammengefallen ist und für Union ein Problem darstellt.
Ich empfehle mal auf die Freiburger-Statistik seit 2010 zu gucken: Da findet man dann nach Rang 5 auch mal ein langsames Abrutschen in die zweite Liga oder nach Rang 7 auch nochmal Rang 15. Stuttgart hat im gleichen Zeitraum als Mittelfeldverein ähnliche Probleme gehabt und daraus dann (aus unterschiedlichen Gründen) eine Negativentwicklung nach unten gemacht.

Wenn Union jetzt à la Schalke sanglos und klangvoll abgestiegen wäre, dann kann man ein bisschen den Ikarus ausmachen, aber so ist es einfach eine normale Saison.

Selbst das ist nicht wirklich überraschend. Ruhnert ist Sozialdemokrat und stand auch vor Jahren dem eher klassisch-sozialdemokratischen Flügel der Linkspartei nahe, mWn auch schon vor Jahren Wagenknecht. Dieser Flügel hat sich jetzt ja größtenteils zum BSW verabschiedet, da ist es logisch, dass auch ein Ruhnert da mitgeht (mitgehen könnte). Inwieweit ist Wagenknecht eigentlich nicht moderat?

Welche sind denn das?

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Also was bei mir und in meinem Bekanntenkreis immer mehr zunimmt, ist das Gefühl, dass man sich einen linken Anstrich gibt, aber am Ende des Tages doch mehr mit Söder gemein hat als einem lieb sein sollte(und so sehe ich auch die Partei von Wagenknecht, die natürlich noch viel mehr Inhalte hat als Sarah Wagenknecht)

Das liegt zum einen an den Fans(echt viele geoutete Nazis, die da in den Blöcken rumlaufen und die da auch keine Probleme haben,
die antisemitischen sexistischen, homophoben, rassistischen mackrigen Sprüche(ich hab ähnliches nur bei Rostock und Dresden erlebt und ich mein hier keine normalen Beleidigungen ihr Ficker))

Aber zum anderen auch, was der Verein und seine Repräsentanten ausstrahlen
Vegane Wurst gibt es nicht
Natürlich darf Orban bei uns Promo machen
Wir sind unpoliddisch
Das roulette geld, dass zum Aufstieg und CL geführt hat, aber klar liegt nur an guter Arbeit des Vereins und nicht daran, dass man auf einmal mehr Geld als alle anderen zweitligisten hatte

Das man zu den Beführwortern des Straßenbaus gehört, wofür ein Teil wunderschöner Stadtwald sterben soll(wulheide)

Und nur weil Union nicht der BFC ist, war man trotzdem kein rebell in der DDR aber verklärt das mitlerweile ganz schön
Die Aussage von Zingler, er hätte nicht gewusst, wofür er sich beim Dzierzynskibatallion

Das Verhalten der Fans Auswärts international

Usw.

Also wäre meine Begründung für Vorurteile
Es ist halt doch einfach ein normaler Verein

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Vorsicht. Es sind zwar unzweifelhaft eine Menge Fans bei Union unterwegs, denen ich im Alltag eher nicht begegnen will, aber das „wir sind unpolitisch“ ist keinesfalls ein Deckmantel, sondern eher die Erkenntnis, dass man politisch unter den Fans auf keinen gemeinsamen Nenner kommt, und keinen Stress im Stadion haben will. Die Alte Försterei ist sozusagen neutraler Boden. Dass das hier und da bröckelt, ist der Tatsache geschuldet, dass durch die Dauernachfrage nach den Tickets und der Verlosung nur unter Mitgliedern so mancher Alter nicht mehr ins Stadion kommt. Es ist aber noch heute problemlos möglich, sich mit Regenbogenshirt oder Sticker von der Linkspartei mitten auf die Waldseite zu stellen. Wie lange das noch so bleibt, muss man abwarten.

Aus eigener Erfahrung: Nein

Hab vor 5 Jahren so viele dumme homophobe Kommentare für meinen bunten Bart bekommen und schläge angedroht bekommen, weil ich jemanden ganz höflich gefragt habe, was daran denn schlimm ist ein Jude zu sein

Und die Leute von mir die NOCH( noch, weil kein Bock auf obriges)hingehen meinen, das wird nicht besser

Und was das Thema unpoliddisch angeht, hab ich dazu die Meinung, dass das nicht geht, weil entweder hast du was gegen Faschisten, oder kein Problem mit denen(wie gesagt meine persönliche Meinung)
Man kann in meinen Augen bei dem Thema halt nicht unpolitisch sein

Aber ist mir natürlich wichtig das fest zu halten: es gehen sehr viele tolle Leute gern zu Union, die halt leider keine Ahnung von Fussball haben
:skull_and_crossbones:
Und am Ende sind das natürlich auch subjektive Eindrücke

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Das sind ja keine Vorurteile, sondern eine Mischung aus eigenen Erfahrungen und Tatsachen. Vorurteile haben ja höchstens minimalen Erfahrungs/Tatsachenbezug. Dann bist du auch noch Berliner (oder irre ich mich?) mit (Unioner) Stadionerfahrung. Ich habe mir aber eigentlich von @Rita eine Antwort gewünscht, weil es mich interessiert, was man ohne eigene Erfahrungen und weit jenseits der Havel so von Union mitbekommt/denkt.

Würde ich voll zustimmen.

Es gibt halt kein unpolitisch, wenn man Politik nicht nur als Wahlzirkus und große Bühne versteht, sondern viel mehr als Aushandlung des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Insofern ist „unpolitisch“ eigentlich nur ein Statement für den Status Quo ohne das offen so sagen zu wollen. Für Union wäre ein Vorgehen gegen Teile des Status Quo aber schlicht geschäftsschädigend.

Finde ich jetzt kein sonderlich starkes Argument und wird sich mit größerem Stadion und veränderter Klientel sicher ändern.

Da kann ich halt den Unterschied zur PdL nicht erkennen, wenn ich mir nicht ihr Programm, sondern ihre reale Politik angucke - von Bremen über Berlin bis nach Thüringen.

Das ist das einzige, wo ich es stark anders sehen würde: Es ist beinahe erfrischend, dass mir Union offen sagt mit welchen ‚ehrenwerten Gestalten‘ man so zusammenarbeitet. Das ist nicht positiv, aber weniger heuchlerisch als der Rest der Liga.

Ansonsten würde ich größtenteils zustimmen.

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Schlimmer. „Unpolitisch“ heißt „Macht was ihr wollt“ und es gibt halt welche deren Ziel ist es due Demokratie anzuschaffen und denen zu erlauben zu machen was sie wollen geht imho gar nicht.

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Ich antworte noch, bin zeitlich eingespannt, lese aber fleißig mit und denke nach…

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Schuldig

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„Es ist halt doch einfach ein normaler Verein“

Mit Investor, wie andere Vereine auch.

Ich springe mal von außen rein. Allein schon weil ich den Eindruck habe, dass es interessant für euch sein könnte, wie Leute denken, die eben weiter weg sind oder Union nur am Rand wahrnehmen.
Und da ist das Bild echt weniger positiv als vor einigen Jahren.
Auf der einen Seite: Orban hatte ich gar nicht so intensiv mitbekommen, höchstens am Rande. Dass es thematisiert wird: positiv; dass man es thematisieren muss (da geschehen): negativ.

Wenn ich Union aktuell beschreiben müsste, dann wäre es wahrscheinlich ein Verein, der für mich irgendwie ein alter weißer Mann ist: man hätte es gerne so, wie es früher war: Bratwurst, Bier und man hält sich bei allen potentiell politischen Themen raus. Das wäre die nette Umschreibung für „hängt irgendwie im Früher fest“.

Die vegane-Wurst-Debatte: sie steht für mich in Teilen exemplarisch, was schief läuft. Muss man sich hier so äußern? Oder hätte es nicht gereicht zu sagen „wir haben andere Alternativen, die Bratwurst lohnt sich nach unseren Analysen finanziell und vom Aufwand her nicht“?

Und um mal zum Sportlichen zu kommen: Union hat für mich jetzt etwas die Quittung für den sehr schnellen sportlichen Aufstieg (und die soweit ich es verstanden habe: auch finanziellen Risiken) zu spüren bekommen: auf der einen Seite musste man auf dem Transfermarkt etwas zulegen, weil halt CL, auf der anderen Seite durfte man sich aber eigentlich genau dort keine Fehler erlauben. Ergebnis: man arbeitete etwas so wie Bayern aktuell: Isco, Bonucci, Gosens, Volland. Den einen hatte man quasi, er kam dann doch nicht, der nächste kam, erfüllte aber bei weitem nicht die Erwartungen, der dritte kam, sollte aber sicher auch mehr bringen und der Vierte hat als Stürmer einfach eine enttäuschende Trefferanzahl in dieser Saison. Und: die drei, die dann (neben vielen weiteren) kamen haben sicher nicht die schlechtesten Verträge des Vereins.

Und wenn man schon bei der Analyse ist…man muss sicher über Urs Fischer (Trainergott; mal schauen, wann er bei Bayern ins Gespräch gebracht wird) und vor allem Nenad Bjelica reden.
Die Trennung verlief ja - ähnlich wie bei Michael Parensen - offenbar nicht so ganz harmonisch. Aber: die Gründe aus meiner Sicht nachvollziehbar. Sportlicher Misserfolg und zusätzlich ein Auftreten, das - nicht nur, aber auch wegen der Aktion gegen Sane - nicht hilfreich für die Außendarstellung des Vereins ist.

Jetzt kann man natürlich die Frage stellen, warum die Trennung erst so spät erfolgte; aus meiner Sicht aber fast nachvollziehbar: man wollte offenbar mit dem Trainer die Rettung schaffen und dann in der Sommerpause den Cut machen. Nun geht es also noch einen Spieltag (+ eventuell eine Relegation) gegen den Abstieg.
Ein Glück gibt es immer noch Nürnberg, sonst würde man wohl von einem beispiellosen Absturz sprechen.

Will man nun die Awards nehmen; mir fiele fast nur „unsung hero“ ein: Leite. Als Neuzugang unumstrittener Stammspieler, Stand heute (Daten Transfermarkt.de; Stand 13.05.24) mehr als 600 Minuten mehr auf dem Platz als der zweitbeste Feldspieler bei Union. Beeindruckend.

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So, ein bisschen was schreibe ich noch, auch wenn jetzt schon Zeit vergangen ist. In meinem Leben gerade die Hölle los, mein geliebter Rasenfunk kommt zu kurz. Was vielleicht ein bisschen eine Erklärung für meinen etwas dahingerotzten Kommentar von oben ist.
Ich verfolge Union ein bisschen näher, weil ich bis 2019 11 Jahre in Berlin gelebt habe. In der alten Försterei war ich auch schon, allerdings waren sie da noch zweite Liga und es ging gegen Regensburg. Damals hatte Union für mich noch ein ganz anderes Image als heute: der kleine Underdog aus Ostberlin, mit sehr treuen Fans, die an ihrem Verein hängen, ganz sympathisch irgendwie.
Jetzt geht es mir eher wie @SteffenZidane : einige komische Kommentare zur Corona-Zeit, Orban im Stadion, komische Kommentare zu veganen Würstchen, dieses vermeintlich unpolitische. Aber das ist doch auch oberflächlich auf ne Art. Und ich gebe zu, dass mir die Sarah Wagenknecht Partei suspekt ist, das ist natürlich meine individuelle Meinung und daher war es mir eben auch suspekt, dass Oliver Ruhnert dort anheuern will. Aber, alles nur halb so wild erstmal, ich habe die letzten Jahre von Union einfach mit Interesse verfolgt, weil ich sie eben als den kleinen Club aus Ostberlin kennengelernt habe und schon sehr überrascht war, was die zu Stande gebracht haben.
Erschrocken bin ich jetzt über die Berichte von rechten Fans, die ich hier lesen musste, damit hatte ich Union nicht verbunden, was vielleicht auch zeigt, dass mein Wissen über den Verein nicht sehr tief geht. Viele Eindrücke speisen sich auch aus dem Podcast ‚Textilvergehen‘, den ich ne Zeitlang ab und zu gehört habe und die Leute dort habe ich immer als sehr sympathisch erlebt.
Nach den Diskussionen hier freue ich mich jetzt sehr auf das Segment von Union im Royal, dass da vielleicht auch ein bisschen Licht ins Dunkel bringen kann.

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@EisernesFohlen auch danke fürs Nachhaken und liebe Grüße!

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Vielleicht noch ein kleiner Nachtrag

Ich weiß gar nicht ob mich Union so ärgern würde, wenn sie sich selber nicht als „der Etwas andere“ Verein Inszeniert hätten(gerade im Vergleich zu Hertha, aber auch so ein bisschen zum Rest der Liga)

Und klar die Fans haben unmengen für diesen Verein gemacht
Aber wer würde nicht für sein Verein zb. Blut spenden oder wenn man handwerklich was drauf hat in einer Notsituation helfen…

Und diese Inszenierung nehme ich glaub ich Union auch übel

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Das ist interessant. Mir wurde dieses Wochenende bewusst, dass mir ein Abstieg von Union Berlin tatsächlich recht egal wäre.

Irgendwie hat die Unioner „Erfolgsgeschichte“ der letzten Jahre keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Das hat mich überrascht.

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Eigentlich wollte ich was zum Sportlichen bei Union schreiben (mach ich vllt auch noch) aber bei der letzten Diskussion hier wollte ich doch mal die ein oder andere Sache noch ergänzen.

Hier wird teilweise suggeriert, Unioner seien zu einem großen oder auch nur signifikanten Teil rechts und die anderen Fans sowie der Verein würden das unter dem Deckmantel des Unpolitischen dulden. Das ist aus meiner Perspektive als ebenfalls häufiger Stadiongänger ganz und gar nicht so. Ich will die Probleme nicht kleinreden, bei uns gibt es Nazis und andere Rechte, wie leider bei vielen und zwar nicht nur Ostvereinen (Stichwort Alemannia Aachen). Das ist leider ein gesamtgesellschaftlichen Problem, wie hoffentlich die meisten wissen. Ich will die Erfahrungen von dir @SteffenZidane auch gar nicht in Abrede stellen, aber nach meiner Erfahrung sind die meisten Fans sehr wachsam und proaktiv, wenn es ums Sanktionieren solcher Leute geht. Ein Beispiel, die Antisemitischen Anfeindungen eines Unionfans gegen Gäste von Maccabi Haifa, wurde erstmal von anderen Unionern unterbunden, dann von Fans und Verein strafrechtlich verfolgt. Bekanntermaßen rechte Symbole sind per Hausrecht in der Alten Försterei explizit verboten, was auch schon zum Anlass für Verweise und sogar verboten ganzer Fanggruppierungen geführt hat. Zahlreiche Fans und der Verein selbst sind bei Projekten gegen Rechts, für Flüchtlingshilfe uvam engagiert, unter anderem in der Stiftung von Union. Also, so viel sei zu dem Vorwurf des Deckmantel-Unpolitischen gesagt. „Unpoliddisch“ zu sein ist übrigens auch keine Erfindung von Union oder rechtsgerichteter Ostclubs (so deute ich das Sächseln mal, auch wenn wir hier eigentlich über Berliner sprechen. Die sind zwar aus dem Osten, haben aber einen völlig anderen Dialekt.), sondern bis auf wenige Ausnahmen Usus im Fussball. Ob zu Recht oder zu unrecht sei mal dahingestellt, aber darüber Union Gleichgültigkeit oder sogar Wohlwollen gegenüber Nazis zu unterstellen, halte ich für ein starkes Stück.

Insgesamt finde es sehr spannend, dass sogar explizit die vermeintliche Selbstdarstellung von Union mit ins Spiel gebracht wurde. Ganz offensichtlich triggert Union irgendwie so einige, auch wenn andere Vereine sich selbstverständlich auch als was ganz besonderes sehen. Dass die Stadionbau-Geschichte und Blutspendenaktion medial rauf und runter erzählt wurde ist ja nun nicht Unions schuld. Es ist halt Teil der Geschichte,l des Vereins, die so bei Union und nirgendwo sonst passiert ist und zwar im sehr speziellen Kontext der Nachwendezeit, was für viele Fans hier daher ganz besonders und identitätstiftend ist. Lasst uns doch diese Geschichte. Du wirst kaum bis gar keinen Unioner finden, der daraus herleitet, wir seien die geilsten und alle anderen Plastikfans. Aber trotzdem wird immer wieder mit viel Häme und teils auch Missgunst reagiert (Stichwort Investoren, wie hier oben ja auch wieder, obwohl auch das eine deutlich komplexere Geschichte ist als „Aha, Wessi Kölmel hat Union gekauft, also sind alle Unioner Heuchler!“). Warum ist Union und seine Sicht auf die eigene Besonderheit für so viele so schwer auszuhalten? Interessiert mich ernsthaft, diese Frage. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass da, auch bei den Rechtsextremismus-Vorwürfen, durchaus Ressentiments gegen den einzigen Ostclub der Bundesliga mitschwingen, der diese Herkunft logischerweise als bedeutsam empfindet.

Ich hoffe das kommt hier jetzt nicht zu ranty rüber, aber es ist wirklich ein Phänomen, dass man praktisch überall im Netz über sich ergehen lassen muss. Wie gesagt, paar sportlich inhaltliche Sachen kommen auch noch irgendwann später.

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