Der HSV in der zweiten Liga


#181

So endlich schaffe ich es mal wieder zumindest ein bisschen was hier zu schreiben. Mir ist die Zeit in den letzten 4-6 Wochen doch extrem durch die Finger geglitten.
Ich mach jetzt erstmal nur das gröbste, ausführlicher wird’s dann denke ich in der Winterpause.

Zunächst einmal @Eric um deine Frage zu beantworten liegt das für mich eindeutig daran, dass es in der zweiten Liga so ist, dass jeder den HSV als Favorit sieht und sich dementsprechend hinten reinstellt. Auf unserer Seite hingegen haben wir gerade bei den Heimspielen in der Hinrunde immer mal wieder den Bedarf gehabt mit offenen Visier nach vorne zu spielen um uns die Konter zu fangen. Bestes Lehrbeispiel dafür war das Spiel gegen Regensburg.

Der Gegner steht tief und wartet auf seine Chancen. Auswärts ist das anders. Die Fans der jeweiligen Gegnerteams haben schon Verständnis dafür, dass man gegen uns jetzt nicht unbedingt das Spiel macht, doch wenn man so anfängt den Beton anzurühren wie es bei den Spielen im Volkspark des öfteren zu sehen ist, werden auch bei den Gegnern die eigenen Fans hibbeliger und unruhiger.

Es ist so ein bisschen das Prinzip gewesen, das so wie der Gegner in Aktionismus verfällt, sei’s aus der Spielphilosophie, oder aus nem Rückstand heraus wir meistens die leichtes Spiel hatten. Mir ist in diesem Jahr aufgefallen, dass die 2. Liga im Prinzip genauso gut verteidigen kann wie viele 1. Ligamannschaften. Wo es dann aber in der 2. Liga hackt ist das Spiel mit dem Ball.

Daher ist es oft so, dass wir auswärts ne bessere Figur machen als zuhause, da wir dort häufig irgendwie auf das Führungstor angewiesen sind. Schwer wurde es in der Hinrunde nämlich besonders dann wenn wir uns in unseren Bemühungen um das 1:0 nen Konter gefangen haben und die Gegner führten und sich daraufhin noch weiter zurückzogen. Daran hatten wir meist lange zu knabbern und glücklicherweise kam es stand heute auch noch nicht so oft vor. Das sind so für mich die Gründe warum unsere Heimbilanz eher mäßig die Auswärtsbilanz aber nahezu mackelos ist.


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Nun im grob umrissenen zu unserem Spiel unter Wolf (ausführlicher wird’s wie gesagt nach dem Kiel Rückspiel).

Vom Prinzip her hat Wolf vieles aus dem Titzischen Spiel beibehalten und übernommen. Die Grundaufstellung (das 4-1-4-1) ist immer noch dasselbe jedoch wurde an einigen Stellschrauben gedreht.

Zunächst das offensichtliche:

  1. Pollersbeck steht deutlich weiter hinten wenngleich er immer noch im Spiel eingebaut ist.
  2. Lasogga ist gesetzt.

Der erste Punkt dient vorallem dazu unsere Gegner a) nicht mehr zu erdrücken, denn wenn du mit 11 Mann in der gegnerischen Hälfte stehst ziehen die sie noch weiter nachhinten zurück und wie bereits angemerkt, gegen den Ball spielen kann man in der 2. Liga und b) das unsere Jungs zu einem schnelleren Spielaufbau genötigt werden. Häufig waren Ricki und Bates unsere beiden IV’s unter Titz recht spielverschleppend. Häufige Pässe zurück zu Polle ohne erkennbaren Mehrwert.

Der zweite Punkt liegt in der Qualität von Lasogga und der fehlenden der restlichen Stürmeroptionen. Er ist für den Liebhaber von schönen Fußball schwer anzuschauen. Ballannahme und Weiterleitung wirken manchmal nicht ganz Profitauglich, doch hat der Mann meistens im Spiel 2-3 sehr gute Ideen, die für die rumpelige Spielweise entschädigen. Die Vorlage gegen Magdeburg war ein Sahnestück. Zudem hat er einen ziemlich guten Riecher für die Orte wo er als Strafraumstürmer hin muss. Nach Terodde wohl den Zweitbesten der ganzen Liga. Und er verfügt über eine wüchtige Art mit der immer wieder beide Innenverteidiger des Gegners binden kann.

Und hier sind wir dann gleichzeitig bei den anderen 2 (theoretisch 3 Stürmern). Hwang hat eine phänomenale Technik, der kann Bälle annehmen und kontrollieren wie es nicht mal Hunt, der eigentlich unser bester Techniker ist, kann. Jedoch verrennt er sich sehr häufig und strahlt zu wenig Torgefahr aus, zudem lässt er sich weil er gegen zwei gestandene Zweitligaverteidiger vorne so seinen Probleme hat immer mal wieder fallen um ins Spiel eingebunden zu werden was uns gelegentlich die nötige Tiefe aus den Aktionen nimmt.

Arp wiederum wurde bislang vorne im Zentrum nur 1-2 male eingesetzt (u.a. bei Müden Derby gegen Pauli), sodass ich zu ihm nicht so viel sagen kann außer dass auch er sich gegen zwei IV’s die sich beide voll und ganz auf ihn konzentrieren die Zähne ausbeißt.

Dann hätten wir da noch theoretisch Wintzheimer (kam von Bayern II), der wurde aber bislang noch gar nicht richtig eingesetzt, weshalb ich zu ihm überhaupt nichts sagen kann.

Kommen wir nun aber zu den weniger offensichtlichen Stellschrauben an denen gedreht wurde:

  1. Der Aufbau
  2. Rolle Santos
  3. Flügelzange Jatta/Narey
  1. Der Aufbau wurde leicht abgeändert. Unter Titz war die Idee häufig so, das Spiel vom TW hinten heraus über die IV’s nach Außen zu verlagern um in der Mitte Platz für Hunt und Holtby zu generieren um dann ihnen das Vordringen in das gegnerische Abwehrdrittel zu ermöglichen.

Wolf zieht das Spiel ein wenig anders auf. Er versucht das Spiel in die Mitte zu ziehen um die Flügel freizubekommen. Dies sieht dann häufig so aus, dass im Aufbau die beiden Außenverteidiger nach innen ziehen und gegnerischen Flügel ihnen entsprechend, dessen dass sie sich natürlich nicht laufen lassen können ins Zentrum folgen. Dadurch dass dann auf den Flügeln viel Platz und Raum ist kommen die offensiven Flügel im Aufbau gerne mal entgegen und können den Ball tatsächlich häufig mit überraschend viel Freiraum annehmen. Das liegt daran, dass ihre direkten Konterparts nämlich die gegnerischen Außenverteidiger um unsere Außen wieder in Deckung zu nehmen hinten rausrücken und Platz aufmachen müssen.

Dies trauen sie sich meist nicht und das auch zurecht. So kommt es dann dass dann meistens, wir also in der Gegnerischen Hälfte auf den Außen den Ball und relativ viel Platz haben. Es folgt Phase 2.

2)Die Rolle von Santos wurde neudefiniert. Wie die meisten wissen ist Douglas Santos unsere LV. Ein Brasilianer (Olympia Sieger) mit soliden Defensiven aber zugleich hervorragenden Offensiven Fähigkeiten. Wolf nutzt jetzt Potenzial um das Spiel wie beschrieben über Außen meistens Linkslastig zu eröffnen um Santos den Ball zu geben. Dieser ist in seiner Art als Brasilianer auch wenn ich eig Stereotype nicht mag unfassbar technisch beschlagen.

Er sucht als LV(!) gerne mal die 1 gg 1 Situation oder aber bringt sichere vertikale Pässe in alle nach vorneweisenden Richtungen und gibt somit der Partie ein Tempo das du brauchst um tiefstehende Mannschaften zu knacken.

Von da an läuft das Spiel dann weiter über Hunt und Holtby oder aber über außen, sodass wir durch diesen Aufbau relativ zu verlässig uns nahe dem gegnerischen Abwehrdrittel befinden. Ein netter Nebeneffekt ist zudem das Santos wenig in Manndeckung genommen werden kann, da immer wenn dies geschieht (vorallem gegen Ingolstadt zu sehen gewesen) er sich sofort wieder auf die LV Position fallen lässt und da vorne dann aus der Sicht des Gegners man nur ungern Manndeckung betreibt.

  1. Flügelzange Jatta/Narey. Sollte es doch mal vorkommen, dass die Außenverteidiger im Punkt 1 genannten Spielaufbau rausrücken und Platz machen haben wir mit Narey und Jatta dann zwei sehr schnelle Außen die diesen Raum nutzen und fast jedem auf dem Platz weglaufen können. Erinnert mich dann (wenn natürlich auf nem anderen Niveau) an den BVB über den in den Schlusskonferenzen immer gesprochen wird, weil er so schnelle Leute hat. Bislang laufen als die beiden Herren also (im wahrsten Sinne des Wortes) recht zu verlässig, weshalb wir auch dort und gerade auch bei Kontern eine gute Gefahr ausstrahlen können.

Natürlich läuft das nicht immer so unterm Schema F ab wie ich es gerade beschrieben habe, aber ich finde schon dass es eine primäre Angriffstrategie von uns ist, die zumindest mal beschrieben werden sollte. Ansonsten darf man finde ich auch die Rolle eines Mangala oder eines Sakai nicht unterschätzen, aber auf so spielerische Entwicklungen werde ich dann mal in der Winterpause zu sprechen kommen. Dafür fehlt mir jetzt gerade die Zeit.

Ich hoffe ich könnte euch so einen kleinen Einblick darüber gegeben was sich so unter Wolf verändert hat.

P.S. Wer ja vllt Zeit hat kann ja am Freitagabend das Auswärtsspiel gegen Duisburg sich ansehen um sich n eigenes Bild von unserer Spielweise zu machen. Ich will es nicht wie eine Empfehlung klingen lassen, da wir immer noch tendenziell über den Hacker und Möhrruben Fußball in der 2. Liga sprechen, aber wer das Interesse dran hat sich einmal anzusehen was der Ligadino unten so treibt, der sollte vllt mal den Freitagabend vormerken.