Ich habe die vergangenen Saisons unserer Eintracht-Frauen hauptsächlich positiv und optimistisch erlebt und begleitet, aber die aktuelle Situation (siehe vorherige Postings) stimmen eher nachdenklich.
Ich bin davon ausgegangen, dass man es als nächstes Ziel angehen würde, mit Wolfsburg mindestens gleichzuziehen. Standort, Spielphilosophie, Finanzen und eine kluge Kaderplanung hätten es m. E. ermöglicht, in der kommenden Saison weiter (und erfolgreich) anzugreifen.
Jetzt klingt das, was man so mitbekommt, nach Stillstand, während andere Klubs aufschliessen wollen (und werden).
Irgendwie passt es ins derzeitige Bild, dass beim gestrigen Länderspiel gegen die Niederlande mit Senß und Wamser (ein paar Schnupperminuten) nur zwei Spielerinnen des Tabellendritten auf dem Platz standen, während Freigang, Kleinherne, Doorsun und Johannes in den Plänen des Nationaltrainers irgendwie keine richtige Rolle spielen, obwohl sie alle eine begeisternde Saison gespielt haben…
Kann mir jemand eventuell etwas über die Neuverpflichtung Noemi Ivelj sagen oder muss ich mich bis zur Frauen-EM gedulden sofern sie den Cut schafft? Auf dem Papier klingt das erstmal spannend und endlich auch eine Verpflichtung für die geschröpfte Defensive, die schon vor dem Abgang von Kleinherne nicht allzu breit aufgestellt war.
Also Kleinherne war scheinbar ne AK, konnte der Club wohl wenig tun.
Und Doorsun hat man ihren Wunsch erfüllt und Angel City wird das sicher gut bezahlt haben und da wohl Erfolg jetzt durch Gewinne bei Spielerinnenverkäufen definiert wird, stört das den Verein sicher nicht ganz so hart. (Neue Philosophie)
Auch wenn’s natürlich ein massiver Aderlass ist, wenn du von der zweitbesten IV der Liga beide in einem Sommer verlierst.
So wie das von Frau Kiel klang mit der neuen Vereinsphilosophie wurde Kleinherne nicht gerade gebeten zu bleiben und nach der großen Chance auf die Meisterschaft in der letzten Saison wäre sie sicher noch 1 Jahr geblieben.
Doorsouns Wunsch zu respektieren ehrt meiner Meinung nach den Verein und ist verständlich.
Doch nichtsdestotrotz steht der Verein jetzt ohne Abwehr da, hat auch das Mittelfeld in ungewohnter Weise ausbluten lassen und auf dem Papier sieht alles danach aus, dass man kein Interesse hat Platz 2 oder 1 in der Liga anzugreifen. Der Verein scheint mit dieser neuen Philosophie damit zufrieden zu sein so auf Platz 3 bis 5 zu liegen und in der CL Quali rauszufliegen.
Und das finde ich - diplomatisch formuliert - absolut hahnebüchener Schwachsinn der an Mutlosigkeit nicht zu überbieten ist.
Warum investiert man über 5 Jahre massiv in den Verein, baut die Infrastruktur zur vermutlich Zweitbesten vllt sogar Besten der Liga aus, hält über Jahre ein sehr talentiertes Team zusammen was sonst keiner (vllt FCB) in der Liga so schafft, kratzt dann pünktlich zum Ende des 5-Jahresplans an der Meisterschaft - nur um dann einen Sommerschlussverkauf im Kader zu veranstalten und die Ziele jetzt auf Ausbildung und Verkauf zu ändern?!
Ich verstehe es nicht.
Dem Männerverein geht es finanziell doch gut, daran kann es also nicht liegen.
Und wenn das der ursprüngliche 5-Jahresplan war hätte man ihn nach der letzten Saison abändern müssen!
Vllt überraschen mich die Zugänge ja positiv und die Mannschaft hat zum ersten Mal seit ich sie verfolge keine Anlaufschwierigkeiten. Verstehen werde ich die Philosophieänderung aber dann trotzdem noch nicht. Unbekannte Talente einkaufen und aufbauen ist und bleibt eine hochriskante Strategie, und ein Topteam ohne Zwang aufbrechen und verkaufen bleibt dumm.
Ich glaube ehrlicherweise man ändert die Strategie jetzt, weil die Gehälter schneller steigen als man angenommen hat und daher kann/will man nicht mitziehen mit Clubs die das tun.
Siehe Union Berlin, die angeblich mehr bezahlen.
Und international ist sowieso nochmal ein anderer Schnack.
Da wird’s auch für Bayern schwer Spielerinnen zu halten.
Welche Signale sendet das aber bitte in die Mannschaft, wenn man für sein Frauen-Profiteam nicht mehr Geld ausgeben will als Union Berlin, die auch als Gesamtverein sicher nicht über mehr Geld verfügen.
Ob eine Laura Freigang, NIcole Anyomi oder Lara Prasnikar auch verlängert hätten, wenn die Ansage da schon gewesen wäre, dass man sich primär auf Transfererlöse und (Top-)Talenteausbildung fokussiert?
Eine Geraldine Reuteler steht ja augenscheinlich auch schon auf dem Absprung.
Ich denke Frankfurt hat den Fußball der Frauen perspektivisch aufgegeben. Was in anbetracht der Tatsache der vergangenen Erfolge schizophren erscheint.
Der Ausverkauf hat viel damit zu tun wie Eintracht Frankfurt kommuniziert (nach außen). Das lässt Tief blicken.
Und Intern wird es wohl viel früher bei den Spielerinnen wahrgenommen, daß Sie keine Perspektive mehr sehen. Geld wird nicht der Hauptgrund sein, sondern welche Perspektive bietet mir der Verein.
Union Berlin: all in
Eintracht Frankfurt: fold
In meinen Augen hat es auch durchaus etwas mit Altlasten aus FFC-Zeiten zu tun. Das Funktionsteam im Spielbetrieb ist immer noch das gleiche, das auch schon vor 10, 15, teilweise 20 Jahren am Brentanobad in Aktion war. Die Perspektiven und das Selbstverständnis ändern sich da nur sehr langsam seit der Fusion.
Es ist jetzt fünf Jahre her, da ist das vielleicht nicht mehr so präsent, aber am Ende sind die Eintracht Frauen in der Liga immer noch ein bisschen ein Sonderfall.
Katharina Kiel war mit die erste Personalie, die die Eintracht selbst eingesetzt hat. Nahezu alle, die vorher da waren – Spielbetrieb, Sicherheit, Presse, Sportliche Leitung, Trainerteam – kamen noch aus Zeiten, in denen Siggi Dietrich den Laden geschmissen hat.
Vergleichbar ist die Eintracht in dem Sinne am ehesten mit Carl Zeiss Jena, welches auch bis vor ein paar Jahren noch ein unabhängiger Universitätssportverein war, ehe 2020 die Mannschaft in den Fußballverein eingegliedert wurde. Die anderen Vereine sind entweder schon seit langen Jahren in ihre Dachvereine integriert (Köln, Leverkusen, Wolfsburg) oder wurde direkt als Abteilung des Dachvereins ins Leben gerufen (Leipzig, Bayern, Bremen, etc.). Die eigene Identität, die der FFC hatte, wird auch heute noch von den Fans hochgehalten und ist auch immer noch in Teilen in der DNA der Abteilung verankert. Das meine ich mit Sonderfall.
Ah danke.
Ja, dann verstehe ich dein Argument jetzt und stimme dir zu.
Vllt wäre nicht nur ein Wechsel beim Trainer mal ein wichtiger Impuls bzw ein Upgrade sondern auch im Funktionsteam.
Das ist doch überall das Gleiche. Anfangs wird ganz viel übers Ehrenamt gemacht, dann fängt das alles so langsam an, sich zu professionalisieren und es werden Stellen geschaffen. Über die Jahre wächst so ein Funktionsteam. Und dann kommt ein Wechsel, wie hier der Wechsel zur Eintracht. Vieles im Hintergrund bleibt (vermeintlich) gleich und bald passt es nicht mehr so recht. Das ist dann das, was @dxciBel als „Altlasten“ bezeichnet. Jeder weiß, was diese Menschen geleistet haben, möchte sie nicht vor den Kopf stoßen, aber eigentlich bräuchte man jetzt was anderes, was Professionelleres. Dieser Umbau von Organisationen droht immer zu Kränkungen und Verärgerungen auch der Fans zu führen und muss ziemlich behutsam vorgenommen werden. Ich hoffe, das passiert, auch wenn ein Wechsel notwendig wäre.
Außer Anyomi, Freigang und Reuteler bleiben wirklich nicht mehr viele Leistungsträgerinnen übrig. Passend dazu hat die Hessenschau im oben verlinkten Artikel Axel Hellmann zitiert, der sich gegen die neuen wirtschaftlichen Gegebenheiten im Frauenfußball ausspricht und die Philosophie der Männerabteilung auch bei den Frauen etablieren will. Bin mir nicht sicher, wie gut das klappen wird. Und so richtig passend ist es historisch gesehen auch nicht für den Frauenfußballstandort Frankfurt. Aber na gut, man ist ja mittlerweile Eintracht und nicht mehr FFC.
Ich bin mir bei Reuteler noch nicht mal sicher, dass sie bleibt.
Ich sehe trotzdem kaum Teams, die ihnen vom Kader her Platz 3 streitig machen, aber Ambitionen für weiter oben sind dann aktuell schwierig.
Ich glaube schon, dass es das jetzt erstmal war mit der UWCL. Arnautis war schon zu Anfang der letzten Saison etwas überfordert damit, die bereits eingespielten Spielerinnen in ihre Abläufe zu bekommen. Jetzt ist da ein ganz neuer Kader voller Unbekannten, die zünden können, aber nicht müssen. Wenn Leverkusen halbwegs stabil bleibt – was ich zugegebenermaßen aus der Ferne nicht wirklich beurteilen kann – denke ich, dass das diese Saison eher Platz 4-6 wird.