(@frau_neher zitiert hier natürlich!, es ist nicht ihre Meinung)
@Mitmacher Zu beiden Teilen deiner Antwort: Nein.
In der Bibel steht nicht, dass Homosexualität Sünde sei. Sowohl im Alten Testament als auch im Neuen sind die Kontexte wichtig, und diese zu beachten, ist dann eben nicht „ganz viel Theologie“, sondern betrifft die Mühe, die man sich machen muss, um historische Bedingtheiten zu verstehen. Ich kann das hier nur anreißen, aber: Im AT geht es um die Abgrenzung von kanaanitischen Bräuchen, vor allem kultischer Prostitution (mit Frauen wie Männern) (demgegenüber schildert und akzeptiert das AT zB Polygamie); im NT geht es um die Verurteilung von Götzendienst, Exzessen (Zielrichtung beispielsweise die Ausschweifungen, für die Nero berüchtigt war) und auch von Ausbeutung, nicht um die Verurteilung liebevoller Beziehungen. (Weder AT noch NT erwähnen übrigens gleichgeschlechtliche Beziehungen unter Frauen.) Die 10 Gebote oder die Bergpredigt erwähnen das Thema gar nicht.
Zum Thema „Sex nur, wenn verheiratet“ verhält sich die komplette Bibel in keiner Weise; das ist eindeutig ein Dogma, das die katholische Kirche erfunden hat. Verurteilt werden Ehebruch und Prostitution, aber es gibt keine Aussage, die außereheliche Beziehungen verurteilt für den Fall, dass die Partner unverheiratet sind. Wichtig war in der Frühkirche, dass zB der Gemeindevorsteher nur EINE Frau haben sollte, hier also eine Abweichung von der Erlaubnis der Polygamie, wie noch im AT.
Hier ist generell etwas, was mich schon seit Jahrzehnten an solchen Diskussionen stört: Sowohl sich als „bibelfest“ Gerierende als auch Menschen, die die Bibel und den Glauben ablehnen, hauen sich zu großen Teilen die gleichen vermeintlichen Aussagen der Bibel um die Ohren („so sagt es Gott/Jesus“ - vs. „daran sieht man ja nur, wie völlig lebensfremd das ist“), und dann lebt man 8 Semester mit einem (nicht evangelikalen) Theologiestudenten in einer WG und liest und diskutiert und liest wieder, und siehe da: Nichts von dem steht SO in der Bibel. Nichts.
Die Bibel taugt nicht dafür, das Leben in einfache Regeln zu packen; und sie taugt auch nicht als Abgrenzungsfolie zu dem, was mancher als „modern“ (vs. „altmodisch-biblisch“) auffassen mag - dazu ist sie ein viel zu komplexes Zeugnis aus der Feder vieler Menschen aus mehreren Jahrhunderten. (Dies ausdrücklich auch an @doo-y92 gerichtet.)
Und genau deshalb ist es eine wichtige Folge des Rasenfunks. Das Recht auf freie Meinungsäußerung berechtigt eben nicht dazu, die Würde anderer aufgrund ihrer Identität infrage zu stellen, und schon gar nicht dazu, zB im Bereich der Jugendarbeit (im Fußball: der NLZs) nach Menschen zu fischen.